III.

Gl. suprarenalis und verwandte Bildungen.

Die Nebenniere besteht aus zwei genetisch und funktionell

verschiedenen Abschnitten, der Rinde und dem Marke (siehe Fig.

190). Die ~Rinde~, die in selbständiger Bildung dem embryonalen

Peritonealepithel (nach anderen der Urniere) entstammt,

entspricht den über eine größere Länge des Körpers verbreiteten

Interrenalorganen niederer Tiere; beim Menschen finden sich

(z. B. in der Niere, versprengt im Retroperitonealraum, im

Bindegewebe der inneren Genitalorgane) sogenannte akzessorische

Nebennieren, die als Reste einer ursprünglich weiteren Ausdehnung

der Rindensubstanz zu betrachten sein dürften.

Das ~Mark~ (Adrenalsystem) bildet sich aus den Anlagen der

sympathischen Ganglien, in denen ein Teil der Zellen die für

dieses System typische Beschaffenheit (sogenannte chromaffine

Zellen) annimmt. Auch das Adrenalsystem ist nicht auf die

Nebenniere beschränkt. Besonders in embryonaler und kindlicher

Zeit besitzt es in den sogenannten Paraganglien (zu beiden Seiten

der Bauchaorta) und vielen kleineren Substanzgruppen, ferner

eingelagert in fast alle sympathischen Ganglien, eine große

Verbreitung (s. S. 262).

In der Nebenniere sind die beiden genetisch zu trennenden Bestandteile

zu einem von einer Kapsel umschlossenen Organ zusammengefügt. Die

~Rindensubstanz~ (Interrenalorgan) ist von faserigem Bruche, frisch

(infolge ihres Lipoidgehaltes) von gelber Farbe, die beim Erwachsenen

an der Grenze gegen das Mark in einen dunkelbraunen Ton übergeht; hier

findet sich eine mit dem Alter zunehmende Pigmentanhäufung in den

Zellen. Die ~Zellen~ der Rindensubstanz besitzen einen Durchmesser

von ca. 15 µ und enthalten Tröpfchen einer fettartigen Substanz, nach

deren Entfernung (in den üblichen durch Alkohol und Xylol geführten

Präparaten) das Zytoplasma als wabiges Gerüst zurückbleibt (Fig. 192).

Die fettartigen Substanzen der Rindenzellen bestehen teils

aus Neutralfett, zum Teil aus kompliziert zusammengesetzten

Cholesterinverbindungen, die sich auch färberisch von

Neutralfetten unterscheiden lassen.

[Illustration: Fig. 190.

Stück eines Querschnittes der Nebenniere eines Kindes. 15mal

vergrößert. Technik Nr. 116, S. 290.]

Die inneren Schichten der Rinde (sogenannte Zona reticularis,

siehe unten) enthalten regelmäßig, mit dem Alter zunehmend, ein

Abnutzungspigment, das die dieser Schicht eigentümliche Dunkelfärbung

hervorruft (Fig. 191).

Die Rindenzellen bieten den Blutgefäßkapillaren eine große

Oberfläche dar; sie sind in Strängen angeordnet, die kein Lumen

enthalten, und sitzen der Blutkapillarwand mittels eines sehr

zarten Bindegewebsgerüstes auf, ohne daß eine Membrana propria als

Grenzscheide vorhanden ist. Das Bindegewebsgerüst zieht sich zwischen

den einzelnen Zellen hin (Fig. 192).

Die Gruppierung der Rindenzellen ist schichtenweise verschieden,

so daß nach diesem Merkmal drei Schichten zu erkennen sind (Fig.

191).

I. ~Zona glomerulosa~; sie grenzt die Rinde nach der Kapsel zu

ab, ihre Zellen sind zu rundlichen Haufen angeordnet.

II. ~Zona fasciculata~, der umfangreichste Rindenabschnitt, in

dem die Zellen radiär stehende Säulchen bilden.

III. ~Zona reticularis~, die innerste Rindenschicht, die die

meist unregelmäßige Grenze gegen das Mark darstellt. Die

Netzbildung der Zellbalken, die Pigmentierung der Zellen sind

ihre Hauptmerkmale.

Die oben erwähnten akzessorischen Nebennieren besitzen den gleichen

Aufbau wie die Nebennierenrinde.

Die ~Marksubstanz~ (Adrenalorgan) ist keineswegs gleichmäßig in

der Nebenniere verteilt; häufig sind Querschnitte anzutreffen,

denen die Marksubstanz vollständig fehlt. An anderen Stellen

der Nebenniere ist sie dann zu größeren Haufen angeordnet.

So kommt es, daß man in einem Bilde (Fig. 192) Rinden- und

Markbestandteile dicht an die sogenannten Markvenen (siehe unten)

angrenzen sehen kann.

Die ~Zellen~ der Marksubstanz -- das gleiche gilt für die oben

erwähnten anderen Teile des Adrenalsystems -- sind ~chromaffin~

(phäochrom[107]), besitzen ein sehr schwer zu fixierendes Zytoplasma,

das mit feinen, die Chromreaktion (siehe unten) in verschiedenem Grade

gebenden Körnchen angefüllt ist. Die Markzellen sind (im Gegensatz zu

den Rindenzellen) zu unregelmäßigen Haufen und Strängen angeordnet,

zwischen die kein Bindegewebe eindringt (Fig. 192).

[Illustration: Fig. 191.

Stück eines Querschnittes der menschlichen Nebenniere. 47mal

vergrößert. Technik Nr. 117, S. 290.]

Die Zellkörnchen färben sich gelblich bis braun, wenn man sie

kurz nach dem Tode mit Chromsäure enthaltenden Flüssigkeiten

behandelt; mit Eisenchlorid läßt sich an ihnen eine Grünfärbung

erzielen. Die gleichen Reaktionen gibt das auch künstlich

darstellbare ~Adrenalin~; es liegt deshalb nahe, die

»Chromaffinität« als Adrenalinreaktion aufzufassen.

Die ~Kapsel~ der Nebennieren sendet feine Fortsetzungen in das Innere

des Organes; sie enthält in der Nähe der Blutgefäße elastische Fasern,

die auch im Marke, nicht aber, oder nur sehr spärlich, in der Rinde

vorkommen.

Die ~Arterien~ der Nebenniere teilen sich schon in der bindegewebigen

Kapsel in viele kleine Äste, welche in die Rindensubstanz eindringen

und dort in der Z. glomerulosa und fasciculata ein langmaschiges

Kapillarnetz bilden. In der Z. reticularis wird das Kapillarnetz

rundmaschig, ein Verhalten, das es auch in der Marksubstanz beibehält.

Dort sammeln sich aus ihm die ~Venen~, von denen die größeren von

Längszügen glatter Muskelfasern begleitet werden. Noch innerhalb

der Marksubstanz vereinen sich die Venen zur Hauptvene, der Vena

suprarenalis.

[Illustration: Fig. 192.

Aus der Nebenniere des Menschen. 320mal vergrößert. Technik Nr. 117,

S. 290.]

Das Mark besitzt auch kleine Eigenarterien, die, durch die Rinde

dringend sich erst im Marke in ein Kapillarsystem auflösen.

Die zahlreichen, meist marklosen ~Nerven~ (beim Menschen ca. 33

Stämmchen) kommen vorzugsweise aus dem Plexus coeliacus und dringen mit

den Arterien durch Kapsel und Rinde bis in die Marksubstanz. Während

dieses Verlaufes werden an die Kapsel einige Ästchen abgegeben, die

dort ein Geflecht bilden; aus diesem senken sich in die Rinde, zwischen

die Zellgruppen der Zona glomerulosa und fasciculata, feine Ästchen,

welche auf der Oberfläche der Zellgruppen enden, ohne zwischen die

einzelnen Zellen einzutreten. Reichlicher ist das Nervengeflecht der

Zona reticularis, welches durch Verästlung direkt durch die Rinde

herabsteigender Fasern entsteht, aber auch hier nur Zellgruppen umfaßt.

In der Marksubstanz ist das Nervengeflecht außerordentlich dicht,

jede einzelne Zelle ist von Nervenfasern umgeben. In der Marksubstanz

(selten in der Rinde) finden sich auch hier und da Gruppen von

sympathischen Ganglienzellen. Ein Teil der Nerven endet in der Wandung

der Blutgefäße.

Unsere Kenntnisse über die Funktion der Nebenniere lassen

noch kein klares Bild entwerfen. Sicher ist die Nebenniere

ein lebenswichtiges Organ, das maßgebend in den Stoffwechsel

eingreift. Ihre vollständige Entfernung bewirkt bei Tieren unter

schweren Vergiftungserscheinungen in wenigen Tagen den Tod. Das

im Marke nachweisbare Adrenalin ist eine noch in äußerst starken

Verdünnungen wirksame Substanz. Wahrscheinlich ist die Bedeutung

des Markes in der Produktion des das gesamte sympathische

Nervensystem erregenden Adrenalins zu suchen. Über die Funktion

der Nebennieren~rinde~ haben wir noch keine befriedigende

Vorstellung. Die in ihr massenhaft abgelagerten Lipoide scheinen

von außen her aufgenommen zu sein; welche Bedeutung dieser

Lipoidspeicherungsprozeß besitzt, ist unbekannt.

[Illustration: Fig. 193.

Stück eines Schnittes durch eine injizierte Nebenniere eines Kindes.

50mal vergrößert.]

~Technik.~

Nr. 110. ~Allgemeine Vorschriften zur Herstellung von

Organpräparaten.~ In vielen Fällen handelt es sich darum,

übersichtliche Bilder von der Zusammensetzung eines Organes zu

erhalten. Hierzu müssen Fixationsmittel verwandt werden, die

auch größere Stücke gut durchfixieren: Zenkersche Flüssigkeit,

Müller-Formol (s. S. 16). In diesen Fällen empfiehlt es sich,

die Blöcke in Paraffin oder Zelloidin einzubetten (s. S. 22);

nur zur raschen Orientierung genügen Freihandschnitte mit dem

Rasiermesser.

Gute, schneller zu erreichende Ergebnisse gibt auch die

Fixation mit Formalin (S. 14) mit nachfolgender Anfertigung von

Gefrierschnitten (S. 21).

Die Schnittrichtung ist besonders wichtig bei Organen, deren Bau

schichtenweise verschieden ist (Hohlorgane, Nebenniere usw.);

hier wählt man am besten genaue Quer- oder Längsschnitte.

Als Färbemethoden geben die beste allgemeine Übersicht:

Hansens Hämatoxylin und Eosin (s. S. 41), Hansens

Hämatoxylin, van Giesons Gemisch (S. 42), Hämatoxylin, Eosin,

Phosphormolybdänsäure, Wasserblau (Nr. 20, S. 116).

Die beiden zuletzt genannten Methoden heben das Bindegewebe gut

hervor. Zur Färbung der elastischen Fasern verwende man die

Weigertsche Elastikafärbung (S. 35).

Die Schnittdicke betrage durchschnittlich 10 µ.

Auf Spezialmethoden ist in den einzelnen Nummern verwiesen.

Nr. 111. ~Schilddrüse.~ Man fixiert in ~Zenker~ (weiter s. S.

16) und verfährt nach Nr. 110. Dicke Schnitte betrachte man in

Glyzerin, woselbst die mit Kolloid gefüllten Lymphgefäße oft

deutlich hervortreten.

Nr. 112. Das obere ~Epithelkörperchen~ findet sich an der

Eintrittsstelle der Art. thyreoid. inf. in die Schilddrüse,

an der hinteren Kante des Seitenhornes, an dessen unterem Pol

(oder tiefer unten) das untere Körperchen liegt. Manchmal fehlt

eines. Die Epithelkörperchen sind am leichtesten an ~frischen~

Präparaten zu finden, sind von minderer Transparenz als die

Lymphknötchen, von festerer Konsistenz als Fettläppchen. Sicheren

Entscheid gibt die mikroskopische Untersuchung. Fixation:

Formol-Alkohol (S. 15), Einbettung in Paraffin, Färbung nach Nr.

20, S. 116.

Nr. 113. ~Thymus.~ Man fixiere den Thymus von Feten, neugeborenen

und älteren Kindern in Kalibichromat-Essigsäure (S. 15); weiter

nach Nr. 110. (Fig. 184 ist nur mit Hämatoxylin gefärbt.) Man

verwechsle die Gefäßquerschnitte, deren Lumina beim Heben

und Senken des Tubus sich verrücken (wenn sie nicht ~genau~

quergeschnitten sind), nicht mit den konzentrisch gestreiften

Hassalschen Körpern.

Nr. 114. ~Hypophysis.~ Fixation: Formol-Alkohol; die

Paraffinschnitte (7,5-10 µ) werden in Hämatoxylin und Eosin (S.

32 u. 41) oder in Hämatoxylin und ~v. Giesons~ Pikrofuchsin (S.

42) gefärbt. Die azidophilen Zellen sind bei der zweiten Methode

gelb, die basophilen dunkelgrau gefärbt.

Nr. 115. ~Hirnsand.~ Man zerzupfe die Zirbel in einem Tropfen

Kochsalzlösung. Ist viel Hirnsand vorhanden, so kann man beim

Zupfen schon das Knirschen der Körnchen hören und die größten

auch mit unbewaffnetem Auge wahrnehmen. Betrachten mit schwacher

Vergrößerung ohne Deckglas (Fig. 189); die Körnchen sind nicht

immer rund, sondern oft länglich zackig. Dann streife man die

größten Körnchen mit der Nadel zur Seite, bedecke einige kleine

mit dem Deckglase und lasse 2-3 Tropfen Salzsäure zufließen (S.

47). Die scharfen Konturen der Körnchen verschwinden alsbald

unter Entwicklung von Blasen.

Nr. 116. ~Nebenniere, Übersichtsbild.~ Man fixiere die

ganze, möglichst frische Nebenniere in etwa 200 ccm

Kalibichromat-Essigsäure usw. (S. 15). Ungefärbte Querschnitte

in verdünntem Glyzerin konservieren (Fig. 190), worin die braune

Farbe der chromaffinen Zellen am besten sichtbar ist.

Nr. 117. Zum Studium des ~feineren Baues der Nebenniere~ werden

Stücke (von 1-2 cm Seite) des möglichst frischen Organs in ca.

100 ccm Müllerscher oder Zenkerscher Flüssigkeit fixiert usw.

(S. 16). Die feinen Paraffinschnitte werden mit Hansenschem

Hämatoxylin gefärbt usw. (S. 32, Fig. 191).

Sehr schöne Bilder geben auch Präparate, die nach Technik Nr. 20,

S. 116 gefärbt sind (Fig. 192).

Nr. 118. Zur Darstellung der Nerven ist das Einlegen von

Nebennierenstückchen in Golgi-Mischung (s. S. 5) auf 6-8 Tage,

das Einlegen in 0,75% Silberlösung auf 2-3 Tage, eventuell öftere

Wiederholung dieser Prozedur, zu empfehlen.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 125 / 286 题