Stück des Präparates Nr. 156. 345mal vergrößert.]

[Illustration: Fig. 176.

Muskelspindel einer erwachsenen Katze. 135mal vergrößert. Technik wie

Nr. 108, S. 275.]

c) Die ~Genitalnervenkörperchen~ der Säugetiere und des Menschen sind

ovale oder rundliche, 0,06-0,4 mm lange Gebilde und bestehen aus einem

feinkörnigen, kernlosen Innenkolben, der von einer bindegewebigen,

mit zytoplasmareichen Zellen versehenen Kapsel umfaßt wird. Die

herantretenden markhaltigen Nervenfasern machen eine Anzahl Windungen

um das Körperchen, verlieren, sich teilend, ihre Markscheide, während

Fibrillenscheide und Neurilemm in die Kapsel übergehen; die nackten

Achsenzylinder dringen an verschiedenen Punkten in den Innenkolben und

bilden dort sich vielfach teilend ein dichtes Geflecht mit varikösen

Anschwellungen. Jedes Geflecht ist mit Geflechten benachbarter

Körperchen durch feine Nervenfäden verbunden.

Die Genitalnervenkörperchen liegen in der Tiefe des Korium in

verschiedener Entfernung von der Pars papillaris der Haut;

in den Papillen selbst kommen nur kleinere, den »kugeligen

Endkolben« gleichende Endapparate vor. In größter Anzahl (1-4

auf 1 qmm) finden sich die Genitalnervenkörperchen in der

Glans penis und in der Klitoris. Einen ähnlichen Bau haben

die sogenannten »kugligen« (in Wirklichkeit teils runden,

teils ovalen) ~Endkolben~, welche in der Konjunctiva und den

angrenzenden Teilen der Hornhaut des Menschen gelegen sind und

einen größten Durchmesser von 0,02-0,1 mm besitzen. Auch die

~Gelenknervenkörperchen~ gehören in die gleiche Kategorie.

Im Anschluß an die Endkolben sind noch die Sehnen- und Muskelspindeln,

sowie die Terminalzylinder Ruffinis zu betrachten.

Die ~Sehnenspindeln~ sind meist spindelförmige Auftreibungen von

Sehnenbündeln, die von einer gut entwickelten bindegewebigen Hülle

umgeben werden. Das eine Ende der Spindel geht in Sehnenbündel

über, das andere setzt sich in Muskelfasern fort (Fig. 174). Die

an die Mitte herantretenden Nervenfasern teilen sich wiederholt,

verlieren ihr Mark und gehen in ein reich entwickeltes Astwerk mit

oft keulenförmig angeschwollenen Enden über (Fig. 175). Auch diese

enthalten geschlossene Netze von Nervenfibrillen. Die Sehnenspindeln,

die beim Menschen in allen Sehnen, aber in wechselnder Menge vorkommen,

vermitteln das Gefühl der Dehnung und treten bei koordinierten

Bewegungen in Tätigkeit.

Die ~Muskelspindeln~ (Muskelknospen) sind Gruppen feiner Muskelfasern,

die mit einer dicken Perimysiumhülle umgeben (Fig. 124, S. 202) und

mit vielen Kernen ausgestattet sind; die Endverästlungen der an sie

herantretenden Nerven sind entweder in Form von Spiralen und Ringen

(Fig. 176 oben) oder von blütenartigen Verzweigungen mit kolbigen

Enden (Fig. 176 unten) angeordnet. Die Muskelspindeln liegen mehr

im Bauch als in den Enden der Muskeln und fehlen den Muskeln des

Auges, des Rachens, des Ösophagus, des Kehlkopfes, dem M. ischio- und

bulbocavernosus, dem Zwerchfell und den mimischen Gesichtsmuskeln;

sie sollen auf den Druck reagieren, der durch die Kontraktion der

benachbarten Muskelfasern ausgeübt wird.

Die sowohl im Stratum subcutaneum in der Gegend der

Knäueldrüsenkörper, als auch in der Lederhaut der Finger

und Zehen vorkommenden ~Terminalzylinder~ ähneln in ihrer

Endverästlung derjenigen der Sehnenspindeln.

Endigung der motorischen Nerven.

Die an die quergestreiften Muskeln herantretenden Nervenstämmchen

zerfallen in Äste, diese wieder in Zweige, die miteinander

anastomosierend ein Geflecht, den intermuskulären Nervenplexus, bilden.

Im Bereich dieses Plexus finden viele Teilungen der markhaltigen

Nervenfasern statt, so daß die Summe der Nervenfasern hier beträchtlich

vermehrt wird. Von den Zweigen (Nervenfaser~bündeln~) entspringen

feine, aus ~einer~ Nervenfaser bestehende Ästchen, die sich endlich mit

je einer Muskelfaser verbinden.

[Illustration: Fig. 177.

Motorische Nervenendigungen an Interkostalmuskelfasern eines

Kaninchens. 150mal vergrößert. Technik Nr. 108, S. 275.]

[Illustration: Fig. 178.

Motorische Nervenendigung an einer Augenmuskelfaser des Kaninchens.

240mal vergrößert. ¡N¡ Markhaltige Nervenfaser. ¡K¡ Kerne d. Scheibe.

Die Querstreifung der Muskelfaser ist nur in der unteren Hälfte

deutlich. Technik Nr. 109 S. 275.]

Durch Experimente ist neuerdings nachgewiesen, daß manche

Muskelfasern von verschiedenen Segmenten des Rückenmarkes aus mit

Nerven versorgt werden (plurisegmentelle Innervation).

Die bis dahin noch markhaltige Nervenfaser spitzt sich nun zu, ihre

Hülle wird marklos und verschmilzt mit dem Sarkolemm der Muskelfaser.

Durch die Auffaserung des Achsenzylinders an dieser Stelle sowie

Ansammlung von Zellkernen (die den gliösen Schwannschen Kernen

entsprechen) wird die sogenannte ~motorische Endplatte~ gebildet.

Der Achsenzylinder verschmilzt mit dem Sarkoplasma, wobei seine

Aufzweigungen Fibrillennetze bilden, die entweder in sich geschlossen

oder offen sind (Fig. 179). Die Nervenendigung liegt also hypolemmal,

nicht epilemmal, wie das bei den sensiblen Nervenendigungen an den

Muskelfasern (Muskelspindel) der Fall ist.

Nach neueren Untersuchungen (~Boeke~) soll jede quergestreifte

Muskelfaser doppelt innerviert sein; einmal, wie oben beschrieben,

durch zerebrospinale, motorische Nerven; außerdem soll an jede

Muskelfaser eine sympathische Nervenfaser herantreten, die für den

»Tonus« der Muskulatur verantwortlich gemacht wird. Die letztere

verhält sich ähnlich wie die die glatten Muskelzellen versorgenden

Nervenfasern.

[Illustration: Fig. 179.

Nervenendigungen in einer Muskelfaser der Eidechse (Lazerta). ¡m¡ =

Markscheide; a = akzessorische (sympathische?) Nervenfaser (nach Boeke,

Anat. Anz. Bd. 35). 2100mal vergrößert. Technik Nr. 11. S. 39.]

~Technik.~

Die Fixation der ~nervösen Zentralorgane~ richtet sich danach,

welche Elemente in den Präparaten besonders hervorgehoben werden

sollen. Unter Hinweis auf die Darstellungen der speziellen

Technik des Nervensystems (siehe besonders ~Spielmeyer~,

Technik der Untersuchung des zentralen Nervensystems,

Berlin, Springer) kommen hier nur die häufigsten wichtigsten

Methoden zur Besprechung. Man färbt entweder im Schnitte

die ~Markmäntel~ der Nervenfasern, ~sämtliche Zellen~ oder

zum ~Studium~ der Zellenform ~einzelne Zellen mit ihren

Fortsätzen~. Je nach dem beabsichtigten Färbeverfahren fixiert

man in ~Formalin~, ~Müllerscher Flüssigkeit~, ~Alkohol 96%

oder in der Golgi-Mischung~. Es empfiehlt, sich von demselben

zur Untersuchung gelangenden Gehirn benachbarte Teile in den

verschiedenen Mitteln zu fixieren. Will man größere Stücke eines

ganzen menschlichen Gehirns konservieren, so muß man genügend

große Einschnitte machen, damit die Konservierungsflüssigkeiten

genügend in die Tiefe wirken.

Nr. 97. ~Darstellung der Markscheiden.~ a) Methode

nach ~Weigert~. Etwa 2 cm lange Stücke des frischen

Zentralnervensystems aus: 1. der unteren Halsgegend, 2. der

mittleren Brustgegend, 3. der Lendengegend, 4. des Hirnstamms,

5. des Kleinhirns, 6. der Großhirnrinde lege man in 200-500

ccm Müllerscher Flüssigkeit ein (auf Watte). Nach 4-6 Wochen,

während welcher Zeit die Flüssigkeit mehrmals gewechselt werden

muß, kommen die Stücke direkt, ohne vorher ausgewässert zu

werden, in ca. 150 ccm 70%igen und am nächsten Tage in ebensoviel

90%igen Alkohol. Das Glas ist im Dunkeln zu halten (S. 15),

der Alkohol während der ersten 8 Tage mehrmals zu wechseln.

Dann können die Stücke in Zelloidin (S. 23) eingebettet und

geschnitten werden. Die (20-50 µ dicken) Schnitte kommen

in eine Schale mit ca. 20 ccm 70%igen Alkohol, aus diesem

möglichst bald in 20 ccm filtrierte Kupferlösung (S. 8) + 20

ccm destilliertes Wasser und nach ca. 8-12 Stunden direkt in

ca. 30 ccm Weigertsches Hämatoxylin. Zu besserer Färbung setze

man zu 150 ccm dieses Hämatoxylins 51 ccm gesättigte, wäßrige

Lösung von Lithium carbonicum. Nach 12 bis 40 Stunden wird die

(unbrauchbar gewordene) Farbe abgegossen und durch zur Hälfte

mit destilliertem Wasser verdünnte Blutlaugensalz-Boraxlösung

(S. 8) ersetzt, die so oft gewechselt werden muß, als sie Farbe

annimmt. Nach 20 bis 60 Minuten (je nach Intensität der Färbung

und Dicke des Schnittes) ist die Differenzierung vollendet (graue

Substanz gelbbraun, weiße tiefblau; oft sind auch die farbigen

Blutzellen dunkel gefärbt), die Schnitte kommen auf 12 bis 24

Stunden in mehrfach zu wechselndes Brunnenwasser und werden dann

in Xylolbalsam nach § 10, 3 (S. 45) konserviert. Gelingt die

Färbung nicht, so hilft oft Einlegen der ungefärbten Schnitte in

Müllersche Flüssigkeit (24-40 Stunden), dann 1/2 Minute in Aq.

dest. abspülen, dann kupfern usw.

b) Schneller führt die Methode von ~Spielmeyer~ zum Ziel.

Fixation mindestens 3 Tage in Formalin (S. 14), eine Stunde

wässern, 25-35 µ dicke Gefrierschnitte (S. 21); diese kommen für

6 Stunden in eine 2,5%ige Lösung von ~Eisenalaun~ (Nr. 18, S.

6). Nach kurzem Abspülen in Wasser kommen die Schnitte für 10

Minuten in 70%igen Alkohol, dann 12 Stunden lang in eine ~alte~

Hämatoxylinlösung (man nimmt von einer 10%igen alkoholischen

Hämatoxylinlösung 5 Teile auf 100 Teile Aq. dest. und läßt diese

Lösung mehrere Wochen stehen; je öfter die Lösung benutzt wird,

um so besser färbt sie, weshalb sie nach dem Färben jedesmal in

die Flasche zurückfiltriert wird). Nach Abspülen in Wasser werden

die schwarzen Schnitte in der Eisenalaunlösung differenziert, bis

nur noch die Markscheiden schwarz sind. Nun gründlich wässern,

hochführen durch Alkohol in Xylol und Xylolbalsam (§ 10, 3 S. 45).

Nr. 98. Zur ~Darstellung sämtlicher Zellen~ fixiert und färbt man

a) nach ~Nißl~ (siehe Nr. 52, S. 148). Man kann auch die nach

Nr. 97a in Müllerscher Flüssigkeit fixierten Stücke verwenden

und verfährt dann b) folgendermaßen: Nach 4 Wochen werden

die Stücke direkt aus der Müllerschen Flüssigkeit in etwa 50

ccm karminsaures Natron (1%ige wässerige Lösung) auf 3 Tage

übertragen. ~Während dieser Zeit muß das Glas mit den Stücken

öfter geschüttelt werden.~ Die so gefärbten Stücke kommen in

(womöglich fließendes) Wasser 24 Stunden, dann in ca. 150 ccm

70%igen Alkohol 5 Stunden, dann in ebensoviel 96%igen Alkohol,

dann Zelloidineinbettung (siehe S. 23).

Die Schnitte werden in Xylolbalsam (S. 45) konserviert (Fig.

148). Bei dieser Methode werden auch Achsenzylinder und gliöse

Bestandteile neben Nervenzellen gefärbt.

Nr. 99. ~Darstellung einzelner Zellen nach Golgi.~ a) Man

präpariere bei neugeborenen Ratten oder Mäusen das Rückenmark

~mitsamt~ der noch knorpligen Wirbelsäule heraus und behandle sie

nach der S. 36 angegebenen Methode. Der Aufenthalt der Stückchen

in der Golgischen Mischung (beziehungsweise Kalibichromat-Formol)

beträgt

2-3 Tage, wenn man ~Neurogliazellen~,

3-5 Tage, wenn man ~Nervenzellen~,

5-7 Tage, wenn man ~Nervenfasern~ (Kollateralen)

erhalten will. Läßt man die Mischung ~zu kurz~ einwirken, so

erscheinen die Schnitte in ihren zentralen Teilen undurchsichtig

und durchsetzt mit zahlreichen Niederschlägen; läßt man die

Mischung ~zu lang~ wirken, so erfolgt keine genügende Schwärzung

der Elemente. Da die Stückchen nach dem Herausnehmen aus der

Silberlösung sofort weiter verarbeitet werden müssen, bringe

man immer nur je ~ein~ Stückchen in den absoluten Alkohol. Die

Zelloidinschnitte (s. S. 23) werden durch Rückenmark ~und~

Wirbelsäule geführt.

Noch bessere Resultate liefert das Rückenmark von 3-7 Tage alten

Hühnerembryonen, Einbetten in Zelloidin (s. S. 23). Auch das

Rückenmark junger Katzen sowie dasjenige menschlicher Feten von

20-40 cm Länge gibt sehr brauchbare Bilder.

b) Für ~Großhirnrinde~ sind am besten geeignet 8-30 Tage alte

Mäuse (Einwirkungsdauer der Golgimischung 2-3 Tage) oder 1-15

Tage alte Kaninchen und junge, bis zu 6 Wochen alte Katzen

(Einwirkungsdauer der Golgimischung 5 Tage). Gehirnstückchen

Erwachsener müssen 8-15 Tage in der Golgimischung verweilen.

c) ~Kleinhirnrinde.~ Man nimmt am besten das aus dem Schädel

genommene Kleinhirn neugeborener Meerschweinchen und junger bis

6 Wochen alter Katzen. Die Färbung der Kleinhirnelemente erfolgt

schwieriger als diejenige des Großhirns und des Rückenmarks.

Mißerfolge sind hier häufiger. Die Schnitte sind hauptsächlich

senkrecht zur Längsrichtung der Windungen zu führen.

Nr. 100. »Eosinkörper«. a) Kleine Stücke der Kleinhirnrinde

(Fixation Müllersche Flüssigkeit s. Nr. 97a) werden in Paraffin

oder Zelloidin eingebettet (S. 23) in 7,5 µ dicke Schnitte

zerlegt und mit Hansens Hämatoxylin (S. 32) und Eosin (S. 41)

gefärbt.

b) Klarer ist die Färbung dieser Gebilde bei der Behandlung nach

Techn. Nr. 3, S. 72.

Nr. 101. ~Corpuscula amylacea.~ Gehirn älterer Personen. Man

streiche mit einem Skalpell über die mediale, dem 3. Ventrikel

zugekehrte Fläche des Sehhügels und zerteile den so gewonnenen

Brei mit der Nadel in einigen Tropfen Kochsalzlösung. Deckglas!

Die Corpuscula sind, wenn vorhanden, leicht zu finden und durch

ihre bläulich grüne Farbe und die Schichtung erkennbar (Fig.

180a). Man verwechsle sie nicht mit Tropfen ausgetretenen

Nervenmarkes (¡b¡), die stets hell und nur doppelt konturiert

sind. Außerdem finden sich in solchen Präparaten zahlreiche rote

Blutzellen, Ependymzellen (¡d¡), markhaltige Nervenfasern von

verschiedener Dicke (¡e¡) und Ganglienzellen; letztere sind oft

sehr blaß und nur durch ihre Pigmentierung aufzufinden (¡f¡).

Selbst nicht mehr ganz frische menschliche Gehirne sind noch

tauglich.

Nr. 102. a) Ein ca. 1 cm langes Stück des ~Plexus chorioideus~

wird in einem Tropfen Kochsalzlösung ausgebreitet, mit einem

Deckglase bedeckt. Man sieht, die gewundenen roten Blutgefäße

und das Epithel des Plexus. Der Anfänger verwechsle nicht die

~dunklen~ Haufen von Fett- oder Pigmentkörnchen mit den ~hellen~

Kernen der Epithelzellen.

b) Sehr hübsche Dauerpräparate erhält man folgendermaßen: Man

breite ein Stückchen Plexus sorgfältig in Kochsalzlösung aus;

sind gute Stellen bei schwacher Vergrößerung sichtbar, dann lasse

man die Kochsalzlösung abfließen und bringe ein paar Tropfen

Zenkersche Flüssigkeit (S. 16) darauf; dann wird ein Deckglas

aufgelegt, an dessen Rand man noch etwas Zenker Fl. zusetzt.

Nach 30 Minuten verdränge man diese Flüssigkeit durch destill.

Wasser (S. 47), nach weiteren 30 Minuten das Wasser durch 50%igen

Alkohol, dem man ein paar Tropfen Jodtinktur zugesetzt hat.

Nach 15 Minuten nehme man das Deckglas ab und übertrage das

nunmehr fixierte Präparat in eine Uhrschale mit neuem 50%igem,

weingelben Jodalkohol, dem Jodtinktur zugesetzt wird, falls der

Alkohol rasch abblaßt. Nach 15-30 Minuten wird das Objekt in

reinen 70%igen Alkohol übertragen und nach ca. 12 Stunden mit

Hämatoxylin und Eosin (S. 41) gefärbt und in Xylolbalsam (S. 45)

eingeschlossen.

c) Schnittpräparate fertige man aus mit Formolalkohol (S.

15) fixierten, in Zelloidin (S. 23) oder Paraffin (S. 22)

eingebetteten Stücken des Plexus eines menschlichen Gehirnes an.

Färbung mit Hansens Hämatoxylin (S. 32) und Eosin (S. 41).

Nr. 103. ~Querschnitte der Nervenfaserbündel.~ Ein Stück eines

Nerven, z. B. des N. ischiadicus, womöglich vom Menschen, der

ein gut entwickeltes Endoneurium besitzt, wird nach der Nr. 60

(S. 150) angegebenen Methode aufgebunden und in Müllerscher

Flüssigkeit 4 Wochen fixiert (siehe weiter 6, S. 15). Ist die

Härtung vollendet, so bette man in Zelloidin ein. Der Schnitt

wird nach ~van Gieson~ gefärbt (18, S. 42) und nach § 10, 3, S.

45 in Xylolbalsam eingeschlossen.

Ist der Schnitt gelungen, so sieht man den meist etwas zackig

geschrumpften Achsenzylinder, ähnlich einem gelb-roten Kern,

umgeben von dem gelblichen Marke, das seinerseits wieder von

einer dunkelroten Hülle (Neurilemm und Fibrillenscheide)

umfaßt wird. Die Querschnitte der Nervenfasern hat man

»~Sonnenbildchenfigur~« genannt (Fig. 163).

Nr. 104. ~Spinalganglien~ sind schwer erreichbar; man schneide

deshalb das lateral von der Spitze der Felsenbeinpyramide

gelegene Ganglion Gasseri aus und fixiere es 24 Stunden in

ca. 100 ccm Zenkerscher Flüssigkeit (Weiterbehandlung S. 16).

Möglichst feine Quer- und Längsschnitte (Paraffin S. 22) färbe

man in Hämatoxylin und in Eosin (S. 41) und konserviere sie

in Xyolbalsam. Zuweilen kontrahiert sich das Zytoplasma der

Ganglienzellen und erhält dadurch eine sternförmige Gestalt, die

den Ungeübten leicht zu einer Verwechslung mit einer multipolaren

Ganglienzelle veranlassen könnte.

[Illustration: Fig. 180.

Aus einem Zupfpräparate der grauen Höhlenschicht des Menschen.

240mal vergrößert. ¡a¡ Corpuscula amylacea, ¡b¡ Myelintropfen, ¡c¡

rote Blutzellen, d Ependymzellen, ¡e¡ markhaltige Nervenfaser, ¡f¡

Ganglienzelle. Technik Nr. 101, S. 272.]

Die T-förmige Teilung sieht man an Rückenmarkspräparaten, die

nach Nr. 99 behandelt sind. Bei den jungen Embryonen sind die

Spinalganglienzellen noch bipolar; unipolare Zellen findet man am

besten bei ca. 17 Tage alten Hühnerembryonen. Übergänge bei 9-14

Tage alten Hühnerembryonen und bei Kaninchenembryonen von 5-12 cm

Länge. Besonders zu empfehlen ist die Färbung mit Methylenblau

(S. 36).

Nr. 105. ~Sympathische Ganglien.~ Das große Gangl. cervicale

supremum n. sympath. wird fixiert und gehärtet wie Nr. 104. Schon

bei schwacher Vergrößerung erkennt man als Charakteristikum die

vielen Schräg- und Querschnitte markloser Nervenfaserbündel; die

Ganglienzellen sind zwar deutlich zu sehen, ihre Fortsätze treten

aber nur sehr ungenügend zutage: an vielen Ganglienzellen sucht

man in den Schnitten vergeblich nach den Fortsätzen. Letztere

werden besser nach Methode Nr. 99 dargestellt, man wähle als

Objekt den Halsteil 10-15tägiger Hühnerembryonen; noch bessere

Resultate gibt die Färbung mit Methylenblau (S. 36); auch

Darmstücke neugeborener Kinder (Ganglien des Plexus myentericus)

sind noch zu gebrauchen.

Nr. 106. ~Einfache Tastzellen, intraepitheliale Nervenfasern,

Langerhanssche Zellen, Tastkörperchen.~ Man schneide von der

Volarseite eines frisch amputierten Fingers (einer Zehe) mit

scharfem Rasiermesser mehrere kleine ca. 5 mm lange und breite,

höchstens 1 mm dicke Stückchen der Epidermis und der obersten

Schichten des Korium ab (etwa anhaftendes Fett der unteren

Koriumschichten muß sorgfältig entfernt werden) und lege sie in

die vorher zubereitete Goldameisensäure (s. weiter Nr. 10, S.

38). Die gehärteten Stückchen werden in Leber eingeklemmt und

geschnitten (oder nach Zelloidineinbettung S. 23). Konservieren

in Xylolbalsam (S. 45). Die Epidermis ist rotviolett in

verschiedenen Nuancen, die Kerne sind nur stellenweise deutlich,

oft gar nicht wahrzunehmen; das Korium ist weiß, die Kapillaren,

die Ausführungsgänge der Knäueldrüsen und die Nerven sind

dunkelviolett bis schwarz. Für die einfachen ~Tastzellen~ sind

möglichst feine Schnitte anzufertigen. Man findet sie oft in der

Nähe der Knäueldrüsenausführungsgänge (Fig. 171). Man hüte sich

vor Verwechslungen mit geschrumpften Epithelzellenkernen.

Die ~intraepithelialen Nervenfasern~ erscheinen als feine Fäden;

ihr Zusammenhang mit den im Korium verlaufenden Nervenfasern

ist nur schwer zu finden. Ausläufer von Langerhansschen Zellen

können an feinen Schnitten zur Verwechslung mit intraepithelialen

Nervenfasern führen (Fig. 171).

~Langerhanssche Zellen und Tastkörperchen~ sind leicht zu sehen;

an dicken Schnitten sind die Tastkörperchen tief schwarz, an

dünnen Schnitten rotviolett.

Für die feineren Verhältnisse seien die Methoden der

Methylenblaufärbung (S. 36) und der Nervenfibrillenfärbung (S.

39) empfohlen.

Für ~Sehnen~spindeln sind die vorderen Hälften der geraden

Augenmuskeln des Rindes sehr geeignet, die mit Methylenblau

(S. 36) gefärbt und nach § 10, _{3} (S. 45) in Xylolbalsam

konserviert werden.

Nr. 107. Die ~Lamellenkörperchen~ entnimmt man am besten

dem Mesenterium einer frisch getöteten Katze. Sie sind dort

mit unbewaffnetem Auge meist leicht als milchglasartig

durchscheinende, ovale Flecke zu erkennen, die zwischen den

Fettsträngen des Mesenterium liegen. Ihre Anzahl wechselt sehr,

zuweilen sind sie nur spärlich vorhanden und von so geringer

Größe, daß ihr Auffinden schon genaues Zusehen erfordert. Dieser

Fall lag bei der Anfertigung des Fig. 173 abgebildeten Präparats

vor; das Körperchen ist sehr klein. Man schneide mit der Schere

das das Körperchen enthaltende Stückchen Mesenterium heraus,

breite es in einem Tropfen Kochsalzlösung auf dem Objektträger

(schwarze Unterlage!) aus und suche es mit Nadeln von den

anhaftenden Fetträubchen zu befreien. Man hüte sich, dabei das

Körperchen selbst anzustechen. Bei schwacher Vergrößerung (ohne

Deckglas) überzeuge man sich, ob das Körperchen hinreichend

isoliert ist und bedecke es dann nochmals mit einem Tropfen

Kochsalzlösung und einem Deckglase. Druck muß sorgfältig

vermieden werden (Fig. 173).

Bei starken Vergrößerungen sieht man deutlich die Kerne der

zwischen den Kapseln gelegenen Zellen. Will man konservieren,

so lasse man 1-2 Tropfen der 1%igen Osmiumsäure unter dem

Deckglase zufließen (S. 47) und ersetze die Säure, nachdem

das Nervenmark schwarz, der Innenkolben braun geworden ist,

durch sehr verdünntes Glyzerin. Auch die S. 36 angegebene

Methylenblaufärbung ist (nur Geübten) zu empfehlen.

Nr. 108. ~Motorische Nervenendigungen, Endverästelungen.~ Man

schneide 3-4 cm lange, 2-3 Interkostalräume umfassende Stücke der

Thoraxwand eines Kaninchens aus und vergolde sie nach der Nr. 10

(S. 38) angegebenen Weise. Nachdem die dunkelvioletten Stückchen

3-6 Tage in 70%igem Alkohol gelegen haben, breite man ca. 5 mm

breite Bündel der Muskelfasern in einem Tropfen verdünnten

Glyzerins aus, dem man einen ganz kleinen Tropfen Ameisensäure

zugesetzt hat. Ein auf das Deckglas ausgeübter, leichter

Druck ist oft von Vorteil. Zum Aufsuchen der Endverästlungen

verfolge man die schon bei schwacher Vergrößerung kenntlichen,

tiefschwarzen Nervenfasern (Fig. 177). Zusatz eines weiteren

Tropfens Ameisen- oder Essigsäure macht das Bild oft deutlicher.

Auch die Methode Nr. 11, S. 39 gibt, richtig angewandt,

ausgezeichnete Bilder (Fig. 179).

Nr. 109. ~Kerne der motorischen Platte.~ Man lege die vorderen

Hälften der Augenmuskeln eines frisch getöteten Kaninchens in 97

ccm destill. Wasser + 3 ccm Essigsäure. Nach 6 Stunden übertrage

man die Muskeln in destill. Wasser, schneide ein flaches

Stückchen mit der Schere ab und breite es auf dem Objektträger

aus. Schon mit unbewaffnetem Auge sieht man die Verästlungen der

weiß aussehenden Nerven deutlich; bei schwachen Vergrößerungen

(50mal) erblickt man die Anastomosen der Nervenbündel, sowie

die durch ihre quergestellten Kerne (der glatten Muskelfasern)

leicht kenntlichen Blutgefäße. Das Auffinden der Endplatten

ist wegen der großen Anzahl der scharf konturierten Kerne,

welche dem intermuskulären Bindegewebe usw. angehören, nicht

leicht. Verfolgt man eine Nervenfaser, so sieht man bald, daß

deren doppelt konturierte Markscheide plötzlich aufhört und

sich in eine Gruppe von Kernen verliert. Das sind die Kerne der

motorischen Platte, deren übrige Details nicht deutlich sichtbar

sind. Die Querstreifung der Muskelfasern, die sehr blaß sind, ist

oft sehr wenig deutlich (Fig. 178).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 122 / 286 题