2. Endkolben.

Die Endkolben sind rundliche oder ovale Körper, in deren Inneres sich

Nervenfasern einsenken und dort bald einfach, bald verästelt enden. Es

gibt verschiedene Formen von Endkolben:

a) die sogenannten ~zylindrischen Endkolben~, die einfachste

Form, bestehen zum großen Teil aus einer modifizierten

Fortsetzung der eintretenden Nervenfaser: 1. aus einer durch

platte Bindegewebszellen hergestellten ~Hülle~, der Fortsetzung

der Fibrillenscheide (S. 254); 2. aus dem ~Innenkolben~, einer

feinkörnigen Masse, welche konzentrische Schichtung zeigt

und an der Peripherie spärliche Kerne aufweist; 3. aus dem

~Achsenzylinder~; die Nervenfaser verliert beim Eintritt in den

Innenkolben ihr Mark, ihr Achsenzylinder steigt jedoch als ein

plattes Band in demselben in die Höhe und endet ähnlich jenem der

Lamellenkörperchen. Die zylindrischen Endkolben finden sich in

der Tunica propria von Schleimhäuten, z. B. in der Conjunctiva

bulbi von Säugetieren, in der Schleimhaut der Mundhöhle und im

parietalen Bauchfell des Menschen.

b) die ~Lamellenkörperchen~ (Vater, Pacini); das sind meist

elliptische 0,5-4,5 mm lange, 1-2 mm dicke, durchscheinende Gebilde

und bestehen wie die zylindrischen Endkolben aus Hülle, Innenkolben

und Achsenzylinder. Die Hülle besteht hier aus einer großen Anzahl

ineinander geschachtelter Kapseln, deren jede von ihrer Nachbarin durch

eine einfache Lage platter Bindegewebszellen geschieden ist. Jede

Kapsel enthält Flüssigkeit und teils längs-, teils querverlaufende

Bindegewebsfasern. Wie die Hülle des zylindrischen Endkolbens, so gehen

auch die Kapseln aus der Bindegewebsscheide der eintretenden, dicken

Nervenfaser hervor. Die Kapseln sind um so schmäler, je näher sie dem

Innenkolben liegen. An dem dem Nerveneintritte entgegengesetzten Pole

hängen sie nicht selten durch einen in der Richtung des Innenkolbens

verlaufenden Strang, das ~Ligamentum interlamellare~ zusammen. Der in

den kernlosen Innenkolben eintretende dicke Achsenzylinder erscheint

an frischen Präparaten als ein bald einfacher, bald am Ende gabelig

geteilter Strang, gibt aber, wie gelungene Methylenblaufärbungen

zeigen, eine Masse feiner, zu einem langgestreckten Knäuel

verbundener Ästchen ab, die den Binnenraum des Innenkolbens fast

ganz ausfüllen und von feinen Verästelungen eines zweiten dünnen

Achsenzylinders umsponnen werden. Mit der Nervenfaser, in deren

Bindegewebsscheide eingeschlossen, tritt auch eine kleine Arterie

in das Lamellenkörperchen, welche sich in ein zwischen den Kapseln

gelegenes Kapillarnetz auflöst.

Durch Bielschowskys Methode lassen sich im Innenkolben Netze

von Nervenfibrillen, dagegen nicht die verknäuelten Ästchen

nachweisen, was so gedeutet werden könnte, daß die Fibrillen gar

nicht bis zu den letzten Endigungen der Nerven reichen. Damit

würde die schon oben (S. 138) bezweifelte Leitungsfähigkeit der

Nervenfibrillen noch mehr verdächtigt.

Die Lamellenkörperchen finden sich teils oberflächlich (reichlich

im subkutanen Bindegewebe der Vola manus und der Fußsohle,

spärlicher an anderen Hautstellen, an der Brustwarze, im Gebiet

des Nervus pudendus) teils in der Tiefe (in der Umgebung der

Gelenke, an den Periost- und Knochennerven, an Sehnen und deren

Scheiden, an Faszien, endlich in der Nachbarschaft des Pankreas,

der Tubae uterinae, im Mesenterium, im parietalen Bauchfell

und bei Säugetieren in verschiedenen Teilen der männlichen

Geschlechtsorgane). Sie vermitteln einfache Druckempfindungen (?).

Die im Bauchfell, in der Haut der Geschlechtsorgane des Menschen

und der Conjunctiva, sowie in verschiedenen Höhen des Corium

anderer Orte, z. B. in den Papillen der Tastballen der Katze,

vorkommenden ~Golgi-Mazzoni~schen ~Körperchen~ unterscheiden sich

von den Lamellenkörperchen im wesentlichen durch ihre geringe

Größe und durch ihre schwächer entwickelte Hülle.

Die bei den Vögeln vorkommenden ~Key-Retzius~schen und

~Herbst~schen ~Körperchen~ sind ebenfalls Lamellenkörperchen,

die sich nur durch ihre viel geringere Größe und durch eine dem

Innenkolben entlang ziehende, doppelte Kernreihe auszeichnen.

[Illustration: Fig. 174.

Sehnenspindel einer erwachsenen Katze. 80mal vergr. Nach einem Präparat

Ruffinis gezeichnet. Technik wie Nr. 108, S. 275.]

[Illustration: Fig. 175.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 121 / 286 题