1. Tastzellen.

Wir unterscheiden: a) ~einfache Tastzellen~, das sind ovale,

kernhaltige, 6-12 µ große Zellen (Fig. 171), welche entweder in

den tiefsten Schichten der Epidermis und der äußeren Wurzelscheide

der Haare oder in den angrenzenden Partien des Korium gelegen

sind. Marklose Nervenfasern legen sich mit einer schalenförmigen

Verbreiterung, dem ~Tastmeniskus~ (Tastscheibe), an die Oberfläche

der Tastzellen, welche von anderen Nervenfasern mit einem feinen,

perizellulären Netze umsponnen werden. Die Tastmenisken selbst

enthalten ein dichtes Netz feiner Nervenfibrillen.

b) ~Zusammengesetzte Tastzellen~ (Grandrysche, Merkelsche

Körperchen); sie bestehen aus zwei oder mehreren kuchenförmigen

Zellen, deren jede, größer wie die einfachen Tastzellen, 15 µ

hoch und 50 µ breit ist und einen bläschenförmigen Kern enthält.

Eine markhaltige Nervenfaser tritt zwischen zwei gegeneinander

abgeplattete Tastzellen und wird an der Eintrittsstelle

marklos, die bindegewebige Fibrillenscheide setzt sich in die

bindegewebige Umhüllung der zusammengesetzten Tastzelle fort.

Der Achsenzylinder selbst umfaßt mit gablig geteilten Ästen

eine flache, zwischen den Tastzellen gelegene Masse, die

~Tastscheibe~, und bildet mit seinen auseinander fahrenden

Fibrillen ein geschlossenes Netz. Ein Zusammenhang zwischen

Tastzellen und Tastscheiben, ein Übergang von Nervenfasern in das

Zytoplasma der Tastzellen wird in Abrede gestellt.

Die aus zwei Tastzellen bestehenden Gebilde heißen

Zwillingstastzellen, die aus mehreren, drei oder vier Tastzellen

aufgebauten wurden »~einfache Tastkörperchen~« genannt.

Die zusammengesetzten Tastzellen sind bis jetzt nur in der

Haut des Schnabels, sowie in der Zunge der Vögel, besonders

der Schwimmvögel, gefunden worden; sie haben ihren Sitz fast

ausschließlich in den höchsten Schichten des Korium.

c) Die ~Tastkörperchen~ (Wagnersche, Meißnersche Körperchen) sind

elliptische, 40-100 µ lange, 30-60 µ breite Gebilde, welche durch

eine quere Streifung charakterisiert sind. Diese wird bedingt durch

quergestellte, abgeplattete Zellen, welche von einer bindegewebigen

Hülle umfaßt werden. An jedes Tastkörperchen treten eine bis fünf

markhaltige Nervenfasern, welche in quergestellten Touren den unteren

Pol des Tastkörperchens umkreisen, dann ihre Fibrillenscheide und

ihr Neurilemm an die Hülle abgeben, ihr Mark verlieren und als

nackte, vielfach geteilte Achsenzylinder sich an die Tastzellen mit

Verbreiterungen anlegen, in denen Netze von Neurofibrillen bemerkbar

sind. Wie bei den Lamellenkörperchen (siehe unten) finden sich auch

hier feine Endverästelungen eines zweiten dünnen, Achsenzylinders. Die

Tastkörperchen liegen in den Koriumpapillen und werden vorzugsweise an

der Hohlhand (23 auf 1 qmm), an den Fingerspitzen und an der Fußsohle

gefunden.

Ähnlich gebaut sind die in der Papillenbasis der menschlichen

Haut vorkommenden, langzylindrischen »Dogielschen Körperchen«.

[Illustration: Fig. 172.

Tastkörperchen aus einem Schnitt der menschlichen Fingerhaut. Technik

nach Bielschowsky (siehe 9, S. 38). 500mal vergr. Präp. von van der

Velde.]

[Illustration: Fig. 173.

Kleines Lamellenkörperchen aus dem Mesenterium einer Katze. 50mal

vergr. Die zwischen den Kapseln gelegenen Zellen sind an ihren

dunkelgezeichneten Kernen zu erkennen. Man sieht das Nervenmark bis zum

Innenkolben reichen. Technik Nr. 107, S. 274.]

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 120 / 286 题