B. ~Scheinbar multipolare Zellen.~

5 Z. mit kurzem Dendriten,

6 Z. mit langem Dendriten,

7 zerrissene Zelle,

8, 9 gefensterte Zellen.]

Der eine derselben kommt als Achsenzylinder einer sensiblen Faser

aus der Peripherie des Körpers, entspricht also einem Dendriten,

der andere gewöhnlich schwächere Ast ist der wahre Neurit (S. 139)

und verläuft als Bestandteil einer dorsalen Rückenmarkswurzel zum

Rückenmark, in dessen grauer Substanz er verästelt endet (S. 233).

Diese Zellen stellen die Hauptmasse der Spinalganglienzellen, etwa 70%,

dar.

Zu dieser Kategorie gehören die nicht sehr häufigen, aber im

menschlichen Vagusganglion ständigen, großen Nervenzellen, die

von gleicher Größe wie die unter a) geschilderten sich von diesen

unterscheiden durch den Mangel spiraliger oder knäuelförmiger

Windungen des Fortsatzes, der direkt aus der Kapsel hervortritt

und sich bald darauf in seine beiden Äste teilt.

b) ~kleine~ birnförmige Zellen ohne Spirale oder Knäuel des Fortsatzes,

der sich in einen dünneren zellulifugalen (zentripetalen) und einen

dickeren zellulipetalen Ast teilt und im ganzen Verlauf keine

Markscheide besitzt (Fig. 166, _{4}). Sie sind besonders häufig in den

(S. 260) aufgezählten Ganglien der Gehirnnerven.

Als Entwicklungsformen der unipolaren Zellen sind endlich

zu betrachten: ~bipolare~, in ihrer Form den Fig. 84, _{1}

abgebildeten Elementen gleichende ~Ganglienzellen~ mit feinerem

zellulifugalen Fortsatz. Sie kommen beim erwachsenen Menschen nur

im Vagus vor.

c) Die sogenannten »~gefensterten Zellen~«. Dies sind

Ganglienzellen, von deren Zytoplasma feinere oder dickere

Fortsätze entspringen, die wieder ins Zytoplasma zurücklaufen

können (Fig. 166, _{9}): in der Regel aber treten sie in den

Fortsatz (Fig. 166, _{8}) und erwecken so den Anschein, als

wenn dieser mit mehreren Wurzeln aus der Zelle entspränge. Eine

wirkliche Fensterung kommt beim Menschen seltener zum Vorschein,

weil diese Fortsätze oft fein sind; dagegen sind bei anderen

Vertebraten z. B. beim Hund die Fortsätze so dick, daß die Zelle

wie gefenstert erscheinen kann. Daher der Name.

Diese Zellenform kommt beim erwachsenen Menschen fast

ausschließlich im Ganglion nodosum vor und wird mit zunehmendem

Alter häufiger. Ihr häufiges Vorkommen bei gesunden und bei

jungen Tieren spricht gegen die Deutung, daß hier pathologische

Elemente vorliegen.

Zu den gefensterten Zellen gehören wohl auch jene unipolaren

Zellen, deren Neurit sich alsbald spitzwinkelig in mehrere Äste

teilt, die dann wieder zu ~einem~ Strange zusammenfließen.

b) Als Altersformen werden zumeist die sogenannten »zerrissenen

Zellen« aufgefaßt, die von einer verdickten Hülle umschlossen

sind, innerhalb deren viele, kurze, sehr verschieden gestaltete

»Dendriten« (Fig. 166, _{7}) liegen. Diese sind wahrscheinlich

durch Arrosion von der Peripherie her entstanden, zugrunde

gehende vom Rande aus angenagte (S. 71) Zellen, wofür auch der

Umstand spricht, daß sie nur bei alten, über 65 Jahre zählenden

Menschen und auch da nicht konstant vorkommen. Sie sind am

häufigsten im Ganglion nodosum vagi. Endlich finden sich hier

auch Nervenzellen mit kurzen »Dendriten«, die innerhalb der Hülle

(siehe oben) verdickt endigen (Fig. 166, _{5}). Ob diese Zellen

den bei anderen Wirbeltieren beobachteten »multipolaren Zellen«

gleichwertig sind, ist um so fraglicher, als letztere außerhalb

der Hülle endigende, fein auslaufende Dendriten besitzen. Sie

sind durch Übergänge verbunden mit Ganglienzellen, von deren

Körper, unter Durchbohrung der Hülle, oder von deren Neurit in

sehr verschiedener Entfernung vom Zellkörper feine Fortsätze

entspringen, die, dicker werdend, in eine sehr verschieden große

Kugel auslaufen (Fig. 166, _{6}), die zuweilen sogar in einer

»Kapsel« (S. 256) eingeschlossen ist. Diese Zellen kommen auch in

Spinalganglien vor und sind auch im Ganglion jugulare des Vagus

sehr zahlreich vorhanden, finden sich ferner auch im zentralen

Nervensystem.

Die Spinalganglienzellen sind zuweilen von feinen Fasernetzen umsponnen

(Fig. 166, _{1}), welche wahrscheinlich die marklosen Endigungen

markhaltiger, von wenigen, sympathischen Nervenzellen (aus den

sympathischen Ganglien) kommender Nervenfasern sind; Äste dieser Fasern

treten auch zu den Blutgefäßen.

Die durch sorgfältige Zählungen ermittelte Tatsache, daß in

einem Spinalganglion viel mehr Ganglienzellen sind, als sich

Querschnitte markhaltiger Nervenfasern in der dorsalen Wurzel

finden, ließ schon früher vermuten, daß im Spinalganglion noch

weitere Komplikationen stecken. Diese Vermutung erweist sich als

richtig durch den Befund, daß die Neuriten der kleinen unipolaren

Ganglienzellen meist marklos sind (Fig. 148, _{4}). Ob es auch

Nervenfasern gibt, welche das Spinalganglion durchsetzen,

ohne mit dessen Zellen in Beziehung zu treten, ist unsicher.

Bei jungen Hühnerembryonen sind solche von Vordersäulenzellen

kommende Fasern nachgewiesen worden; sie konnten aber bei keinem

Säugetier wiedergefunden werden.

Den gleichen Bau wie die Spinalganglien besitzen: Das Gangl. Gasseri,

das Gangl. nodosum n. vagi, das Gangl. petros. n. glossopharyngei

und das Gangl. geniculi n. facialis. Die Ganglien des N. acusticus

(G. nervi cochleae et nervi vestibuli) dagegen enthalten bipolare

Ganglienzellen, die also etwa der Form entsprechen, die ursprünglich

allen Spinalganglienzellen zukommt (Fig. 84). Im Ganglion jugulare

des N. vagus sind die multipolaren (wahrscheinlich sympathischen)

Ganglienzellen häufiger zu finden.

Die ~sympathischen Ganglien~, zu denen auch die vorgeschobenen Ganglien

der Kopfnerven zu rechnen sind (G. ciliare, sphenopalatinum, oticum,

submaxillare), enthalten verschiedene Formen multipolarer Zellen.

Solche Zellen finden sich in verschiedener Anzahl auch in den

Spinalganglien, treten hier aber an Zahl gegen die typischen

»unipolaren« Zellen sehr zurück.

Man unterscheidet unter den sympathischen Ganglienzellen meist drei

Typen, deren Fortsätze sich verschieden verhalten, ohne daß man angeben

kann, welche biologische Bedeutung diesen Unterschieden zuzumessen ist.

I. Typus (Fig. 167, _{1} u. 168). Rundlich ovale, zuweilen platte

Zellen mit vielen kurzen, oft flach gedrückten Dendriten, die

sich zwischen den Kapselzellen verzweigen, aber nicht über die

Hülle hinaustreten; man nennt sie auch Kronenzellen. Ihr mit

feinen Kollateralen versehener Neurit tritt aus dem Ganglion als

marklose Nervenfaser in ein Nervenstämmchen und endet zumeist an

glatten Muskelfasern.

II. Typus (Fig. 167, _{2}). Zellen, deren Dendriten sich

vorwiegend nach einer Seite hin erstrecken und entweder mit

benachbarten Zellen ein Geflecht bilden oder in längerem

Verlaufe in ein Nervenstämmchen eintreten, wo sie sich ähnlich

wie Neuriten verhalten. Diese Zellen hält man für rezeptorische

Elemente, wenngleich ihre Endigungsweise nicht feststeht.

III. Typus (Fig. 167, _{3}). Diese Zellen, die besonders häufig

in den Ganglien des Grenzstranges, dem Ganglion stellatum, den

prävertebralen Ganglien, dem Ganglion solare und mesentericum

inferius vorkommen, unterscheiden sich von den Zellen des I.

Typus durch die langen, die Kapsel durchbrechenden Dendriten. Sie

werden auch als Sternzellen bezeichnet (Fig. 169).

Weiteren Forschungen muß es vorbehalten bleiben, eine bessere

Einteilung der sympathischen Ganglienzellen zu geben. Sie wird

erst möglich sein, wenn wir die Endigungsweise der Dendriten und

Neuriten besser kennen, als dies heute der Fall ist.

Die sympathischen Ganglien enthalten außer diesen nervösen Zellen

noch chromaffine Zellen (siehe S. 262) und viele verzweigte mit

langen Ausläufern versehene Zellen (Fig. 167), die meist an die

Wand der Blut- und Lymphgefäße angeschmiegt sind; solche Zellen

finden sich auch an vielen anderen Stellen des Körpers, z. B.

in Darmzotten, Drüsen, in der Zunge und sind wahrscheinlich

bindegewebiger Natur.

[Illustration: Fig. 167.

Schema der Elemente zweier sympathischer Ganglien; nach Präparaten,

die mit Methylenblau (7, S. 36) hergestellt sind. 1, 2, 3 Zellen des

ersten, zweiten, dritten Typus.]

Das Zytoplasma der sympathischen Ganglienzellen enthält oft

Pigmenteinlagerungen, entspricht im übrigen dem Bau anderer

Nervenzellen; in beim Menschen seltenen Fällen besitzt eine Zelle zwei

Kerne; bei manchen Tieren (Kaninchen, Meerschweinchen) ist die Mehrzahl

der sympathischen Ganglienzellen zweikernig.

An Nervenfasern findet man in sympathischen Ganglien:

a) Spinale Nervenfasern, markhaltige, die einfach das Ganglion

passieren oder nach Verlust ihrer Markscheide mit relativ grober

Endverästlung ein perizelluläres Geflecht um die Zellen (wahrscheinlich

des I. Typus) bilden. Ebenso verhalten sich Kollateralen solcher Nerven

(Fig. 167). Auch sensible, von Endapparaten (Lamellenkörperchen S. 266)

herkommende Nervenfasern ziehen durch die Ganglien (Fig. 167).

[Illustration: Fig. 168. Fig. 169.

Aus einem Schnitt durch das Ganglion ciliare und des Ganglion cervicale

supremum des erwachsenen Menschen. 465mal vergr. Nach Präparaten von L.

R. Müller (Erlangen) nach Technik 9, S. 38. Links sind die Kerne der

Ganglienzellen unsichtbar.]

b) Marklose Nervenfasern, die mit ihren feinen, varikösen

Endverästlungen ein perikapsuläres Geflecht bilden. Es wird vermutet,

daß diese Fasern sympathischer Natur sind.

Im Anschluß an die Ganglien sind die ~Paraganglien~ zu

betrachten, Ballen oder Stränge von Zellen, die aus embryonalen

Anlagen der sympathischen Ganglien stammen und sich dadurch

auszeichnen, daß sie sich bei Fixierung mit Chromsäure- oder

Chromsalzlösungen gelbbraun färben. Die Zellen werden deshalb

auch ~chromaffine~ Zellen genannt. Die Paraganglien finden

sich in engerem oder loserem Zusammenhang mit dem Sympathikus

und liegen in letzterem Falle an den großen Gefäßen, bei Feten

zwischen den Ästen der Vasa spermatica, am Paroophoron und

an der Paradidymis; auch die von ~Zuckerkandl~ entdeckten,

makroskopisch darstellbaren, sympathischen Nebenorgane am

Ursprung der A. mesenterica inferior gehören hierher. Einzelne

chromaffine Zellen oder kleinere Gruppen solcher finden sich auch

als diffuse Einlagerungen mitten in sympathischen Ganglien und

Nerven. Endlich besteht die ganze Marksubstanz der Nebenniere der

höheren Wirbeltiere aus chromaffinen Zellen. Da bei intravenösen

Injektionen von Extrakten chromaffinen Gewebes eine starke

Erhöhung des Blutdruckes erfolgt, so glaubt man, daß die

chromaffinen Zellen spezifische Stoffe (sogenanntes Adrenalin) an

den Kreislauf abgeben, welche den Gefäßtonus auf normaler Höhe zu

erhalten bestimmt sind (siehe auch bei Nebenniere, S. 287).

Periphere Nervenendigungen.

Endigungen der sensiblen Nerven.

Die peripheren Endäste der sensiblen Nerven laufen entweder nackt

aus -- ~freie~ Nervenendigungen -- oder sie werden von Epithel- oder

Bindegewebszellen umfaßt, die mit der Nervenendigung zusammen das

~Terminalkörperchen~ bilden[106].

[Illustration: Fig. 170.

Stücke eines senkrechten Schnittes durch die Haut der großen Zehe

eines 25jähr. Mannes. 360mal vergrößert. Technik Nr. 106, S. 274. Die

Papillen sind nur an ihrer Basis angeschnitten, das ihnen aufsitzende

Epithel ist schräg getroffen und darum wenig deutlich.]

[Illustration: Fig. 171.

Stück eines senkrechten Schnittes durch die Haut der großen Zehe eines

25jährigen Mannes. 360mal vergr. Technik Nr. 106, S. 274.]

Die ~freien Nervenendigungen~ finden sich im Bindegewebe, im Epithel

und in den Muskeln.

Im Bindegewebe erscheinen sie als büschelige, oft langgestreckte

Geflechte und Knäuel, die durch wiederholte Teilung einer marklos

werdenden Nervenfaser entstanden sind. Derartige Bildungen kommen in

der äußeren Haut, allein oder neben Terminalkörperchen vor.

Die im Epithel frei endenden Nervenfasern teilen sich nach

Verlust ihrer Markscheide vor dem Eintritt ins Epithel wiederholt

und laufen, ein Geflecht bildend, als nackte Achsenzylinder

in feine Spitzen aus oder enden mit einer knopfförmigen

Anschwellung. Hier sind schleifenförmige Umbiegungen und Netze

der Fibrillen der Achsenzylinder (S. 144) beobachtet worden.

Derartige Endigungen kommen vorzugsweise im geschichteten Epithel

vor (Fig. 169). Sie sind mit Sicherheit im Hornhautepithel (s.

Kap. Sehorgan) gefunden worden, ferner in der Schleimhaut der

Mundhöhle (s. Kap. Geschmacksorgan) und im Stratum germinativum

der Epidermis. In letzterem sieht man auch mit langen,

verästelten Ausläufern versehene Zellen, die ~Langerhans~schen

~Zellen~ (Fig. 171); dieselben wurden früher für aus dem Korium

eingedrungene Wanderzellen (S. 93) gehalten und es ist möglich,

daß einzelne derselben wirklich einen derartigen Ursprung haben;

die Mehrzahl aber sind Umbildungen untergehender gewöhnlicher

Epithelzellen, denn man findet alle Übergangsformen von typischen

Epithelzellen zu jenen Sternformen.

Die in den Muskeln frei endenden sensiblen Nerven gehen

baumförmig sich verästelnd in viele marklose, mit einem Neurilemm

versehene Fasern über und enden fein langgestreckt zwischen den

Muskelfasern frei aus (Fig. 177).

Die ~Terminalkörperchen~ zerfallen in zwei Hauptarten, in ~Tastzellen~

und ~Endkolben~. Bei den Tastzellen findet die Nervenendigung an einer

oder zwischen zwei Zellen statt, bei den Endkolben dagegen im Innern

eines feinkörnigen Körpers, des sogenannten Innenkolbens.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 119 / 286 题