2. Skelettsystem.

Die Zusammensetzung des Skelettsystems aus Knorpel, Knochen,

Bindegewebe, die mannigfachen speziellen Einrichtungen, sowie die Art

der Verbindung mit dem Muskelsystem werden durch einige Angaben aus der

~Entwicklung des Skelettsystems~ verständlich.

Die Knochen sind verhältnismäßig spät auftretende Bildungen. Es gibt

eine embryonale Zeit, in welcher Muskeln, Nerven, Gefäße, Hirn,

Rückenmark usw. schon wohl ausgebildet sind, vom Knochen aber noch

keine Spur vorhanden ist. In jener Zeit wird das Skelett des Körpers

durch embryonales Bindegewebe und hyalinen Knorpel gebildet. Mit

Ausnahme einiger Teile des Schädels und fast aller Teile des Gesichtes

sind alle später knöchernen Teile des Skelettes erst durch Knorpel

vertreten; so finden wir z. B. bei der oberen Extremität Humerus,

Radius, Ulna, Carpus und die Skeletteile der Hand als Knorpelstücke,

die aber nicht wie der spätere Knochen hohl, sondern durchaus solid

sind. An die Stelle dieses Knorpelskelettes tritt nun allmählich das

knöcherne Skelett. Die zuerst auftretende Knochensubstanz entsteht aber

zumeist an Stellen des Körpers, die einer knorpeligen Stütze entbehren,

also ohne Anlehnung an Knorpel; so entstandene Knochen nennen wir

~Bindegewebsknochen~ (die Seitenteile des Schädels, das Schädeldach und

fast alle Gesichtsknochen, zum Teil auch die Klavikula).

Zu den ~knorpelig vorgebildeten~ Knochen gehören dagegen: sämtliche

Knochen des Stammes, der Extremitäten, der größte Teil der Schädelbasis

(Hinterhauptbein mit Ausnahme des oberen Teiles der Schuppe desselben,

Keilbein mit Ausnahme der inneren Lamelle des Proc. pterygoideus,

Felsenbein und die Gehörknöchelchen, Siebbein und die untere

Nasenmuschel) und das Zungenbein.

a) Bei den sogenannten ~Bindegewebsknochen~ liegen die Verhältnisse am

einfachsten.

Hier verläuft die Bildung der Knochensubstanz wie es auf S. 112

geschildert wurde (vgl. Fig. 64). Die Knochen wachsen durch Bildung

immer neuer Knochenmassen an den Rändern (flächenhaftes Wachstum)

und an den Oberflächen (Dickenwachstum); die Folge reichlicher

Knochenablagerung an den Oberflächen ist, daß später bei diesen Knochen

außen und innen kompakte Knochenschalen und dazwischen spongiöse

Knochensubstanz (s. S. 214) (hier Diploe genannt) gefunden werden.

Die Bindegewebslagen an der inneren und äußeren Oberfläche der Knochen

stehen mit ihren Fibrillen zum Teil in unmittelbarer Verbindung mit

den Fibrillen der Knochensubstanz selbst; setzen Muskeln an der

Knochenoberfläche an, so gehen deren Sehnenfibrillen unmittelbar in

das den Knochen umhüllende Bindegewebe und durch dieses in den Knochen

über. Muskel, Sehne und Knochensubstanz stellen also ein in sich

zusammenhängendes System schon von der Entwicklung her dar.

Die Art des Knochenwachstums und seine Einordnung in das allgemeine

Körperwachstum bedingen es, daß die Knochensubstanz in ihrem Bestande

dauernd erneuert werden muß. Das harte Knochengewebe kann nur durch

~Apposition~ wachsen, ist dagegen nicht dehnbar. Soll die anfangs

sehr kleine Form eines Skeletteiles (z. B. des Unterkiefers eines

3monatigen Embryos) in diejenige des Erwachsenen übergeführt werden,

dabei aber jederzeit den an sie gestellten Anforderungen entsprechen,

so darf nicht nur neue Knochensubstanz gebildet, sondern es müssen

auch schon gebildete Teile wieder entfernt werden. Fast überall, wo

eine solche ~Resorption~ von Knochensubstanz stattfindet, sieht man

grubige, meist scharf begrenzte Vertiefungen an den Knochenrändern

(»~Howshipsche Lakunen~«); in ihnen liegen -- wahrscheinlich durch

Verschmelzung vorher nur durch feine Fortsätze miteinander verbundener

Bindegewebszellen entstanden, also synzytiale (s. S. 153) --

Riesenzellen, die man als ~Osteoklasten~ (Knochenbrecher) bezeichnet

(s. Fig. 128).

b) ~Entwicklung knorpelig vorgebildeter Knochen.~ Schwerer zu übersehen

ist die Entstehung der Bewegungsapparate dort, wo der Bildung der

knöchernen Stützsubstanz Knorpelbildung vorausgeht.

Der Knorpel verschwindet in diesen Skeletteilen bis auf geringe

Reste (besonders Gelenkknorpel) vollkommen; sein frühes Auftreten

in der Ontogenese wird einmal dadurch verständlich, daß wir

Wirbeltiere kennen, deren Skelett zeitlebens aus Knorpel

aufgebaut ist (Cyclostomen, Selachier), so daß man annimmt, daß

die Knorpelsubstanz auch phylogenetisch älter ist. Außerdem

spielt aber anscheinend der Knorpel beim Formen und Wachsen

dieser Skeletteile eine große Rolle. Vor allem kommt dabei die

Fähigkeit des Knorpels ~interstitiell~ zu wachsen in Betracht.

Man darf auch wohl annehmen, daß die sehr frühe Verbindung der

meisten knorpelig vorgebildeten Skeletteile mit Muskeln die

Notwendigkeit mit sich brachte, das Stützgewebe an diesen Stellen

so früh zu verhärten, zu einer Zeit, wo Knochenbildung noch nicht

in Frage kommt. So bietet die knorpelige Vorstufe eines Knochens

den frühdifferenzierten Muskeln die notwendige Ansatzfläche

und bestimmt den Lageort und die Form des später entstehenden

Knochens.

Bei der Umwandlung dieser Knorpel in Knochen gehen zwei Prozesse Hand

in Hand, die Neubildung von Knochengewebe, die in allen wesentlichen

Punkten mit derjenigen bei den Bindegewebsknochen übereinstimmt, und

die Zerstörung des Knorpels; letztere gibt Veranlassung zu sehr

komplizierten Bildern. Topographisch sehen wir an zwei Orten zunächst

relativ unabhängig voneinander Knochensubstanz entstehen: 1. an der

äußeren Oberfläche des Knorpels (perichondraler Knochen), 2. im Inneren

des Knorpels (enchondraler Knochen).

1. Die ~perichondrale Ossifikation~ (wir besprechen hier nur die

Entwicklung eines Röhrenknochens) beginnt damit, daß aus dem

perichondralen Bindegewebe unter Anteilnahme von Osteoblasten in der

Mitte der Diaphyse ein sich allmählich verstärkender Knochenmantel

gebildet wird.

[Illustration: Fig. 128.

Stück eines Querschnittes durch einen Röhrenknochen einer neugeborenen

Katze. Die zwei großen Hohlräume unten sind ~Havers~sche Räume. 240mal

vergr. Technik Nr. 90, S. 224.]

In der Mitte des Skelettstückes stets dicker, verdünnt sich

die Schale nach den Epiphysen zu, so daß diese selbst ohne

Knochenmantel bleiben.

Die perichondrale Knochenrinde entsteht nicht in fortlaufender,

gleichmäßig dicker Schichte, sondern man bemerkt an vielen

Stellen Vertiefungen der Knochenrinde, in denen Blutgefäße,

umgeben von Osteoblasten liegen; anfangs sind diese Vertiefungen

nur gegen die Peripherie offene Rinnen; mit immer vorschreitender

Verdickung der perichondralen Knochenschichten werden die Rinnen

von außen geschlossen und stellen nun gefäßhaltige Kanäle

(~Havers~sche Kanäle) dar. Durch die Tätigkeit der in den

~Havers~schen Kanälen eingeschlossenen Osteoblasten (Fig. 128)

werden neue Knochenschichten, die späteren ~Havers~schen Lamellen

gebildet.

2. Gleichzeitig mit dem ersten Auftreten von Knochensubstanz im

Perichondrium machen sich die ersten Anzeichen des ~enchondralen

Verknöcherungsvorganges~ bemerkbar. Die ersten Veränderungen bestehen

hier darin, daß an einer bestimmten Stelle des Knorpels die Zellen

sich vergrößern, sich teilen, so daß mehrere in einer Knorpelhöhle

liegen; dann wird die Grundsubstanz selbst durch Einlagerung von

Kalksalzen feinkörnig getrübt, sie verkalkt. Solche Stellen sind bald

mit unbewaffnetem Auge zu bemerken und heißen Ossifikationspunkte

(oder besser Verkalkungspunkte (Fig. 129). Die vom Verkalkungspunkte

entfernteren Knorpelpartien wachsen weiter in die Dicke und Länge,

während am Verkalkungspunkte selbst kein Wachstum mehr stattfindet;

dadurch erscheint jene Stelle des Skelettstückes wie eingeschnürt (Fig.

129). Unterdessen ist an der Oberfläche des Verkalkungspunktes ein an

jungen Zellen und Blutgefäßen reiches Gewebe, das ~osteoblastische

Gewebe~, aufgetreten. Dieses dringt in den Knorpel ein und bringt die

verkalkte Knorpelgrundsubstanz zum Zerfall; die Knorpelzellen werden

frei und gehen zugrunde; so ist eine kleine Höhle im Verkalkungspunkte

entstanden, sie heißt der ~primordiale Markraum~.

[Illustration: Fig. 129.

Stück eines dorsopalmaren Längsschnittes einer Kleinfingerphalanx eines

6monatigen menschlichen Fetus. 60mal vergrößert. Am Verkalkungspunkt

sind die Knorpelhöhlen vergrößert und enthalten mehrere Zellen, weiter

oben stehen die Knorpelzellen in Gruppen. Jede Gruppe ist durch

wiederholte Teilung aus ~einer~ Knorpelzelle hervorgegangen. Technik

Nr. 90, S. 224.]

Die nächste Umgebung desselben macht nun die gleichen Prozesse

durch wie zu Beginn, d. h. die Knorpelzellen vergrößern sich, die

Knorpelgrundsubstanz verkalkt. Allmählich erfolgt eine immer mehr

fortschreitende Vergrößerung des Markraumes, indem neue Partien des

Knorpels einschmelzen. Dabei werden die Kapseln vieler Knorpelzellen

eröffnet, die Zellen gehen zugrunde, während die zwischen diesen

gelegene verkalkte Knorpelgrundsubstanz sich noch in Form zackiger, in

den Markraum ragender Fortsätze (Fig. 130) erhält. Der Markraum ist

jetzt eine buchtige Höhle, gefüllt mit Blutgefäßen und mit ~primärem~

Knochenmark, d. h. verzweigten Bindegewebszellen, die miteinander

anastomosieren. Ein Teil dieser Zellen wird bald zu zytoplasmareichen

Elementen, ~Osteoblasten~, die sich nach Art eines einschichtigen

Epithels an die Wände des Markraumes anlegen und daselbst zu

Knochenzellen werden (s. S. 113). Unterdessen treten weiße Blutzellen

in immer steigender Menge auf, die schließlich die Hauptmasse der

zelligen Elemente des Knochenmarkes bilden und damit das primäre

Knochenmark zum »~roten~« (besser sekundären) Knochenmark umwandeln.

[Illustration: Fig. 130.

Stück eines dorsopalmaren Längsschnittes einer Mittelfingerphalanx

eines 4monatigen menschlichen Fetus. 60mal vergr. Technik Nr. 90,

S. 224.]

Die verzweigten Bindegewebszellen behalten zum Teil auch

späterhin ihre Form als Retikulumzellen bei (sie bilden

miteinander anastomosierend ein Plasmodium, in welchem feine,

anfangs interzelluläre Bindegewebsfasern entstehen, die sich

dann von den Zellen lösend das Stützgerüst des Knochenmarkes

darstellen), zum Teil werden diese Bindegewebszellen zu

Fettzellen.

Bald ist nun der Markraum durch die Tätigkeit der Osteoblasten mit

einer dünnen, allmählich dicker werdenden Knochentapete ausgekleidet;

die oben erwähnten, zackigen Blätter verkalkter Knorpelgrundsubstanz

sind rings von jungem Knochen umgeben. So wird nach und nach das

früher solide Knorpelstück in spongiösen Knochen umgewandelt, dessen

Bälkchen noch Reste verkalkter Knorpelgrundsubstanz enthalten (Fig.

132).

An diesen Resten verkalkter Knorpelsubstanz läßt sich enchondral

entstandener Knochen mit Sicherheit von perichondral gebildetem

unterscheiden. Ebenso wie bei den Bindegewebsknochen bewirkt

auch hier die vorzugsweise innen (s. Fig. 128) stattfindende

Resorption den Schwund der anfangs gebildeten Knochensubstanz;

dieser Resorption fallen in erster Linie die enchondral

gebildeten Knochenspangen zum Opfer.

[Illustration: Fig. 131.

Stück eines dorsopalmaren Längsschnittes der zweiten Fingerphalanx

eines 4monatigen menschlichen Fetus. 230mal vergr. Im enchondralen

Knochen fehlen noch Knochenhöhlen mit Knochenzellen. Technik Nr. 90,

S. 224.]

Aus dem Knorpelstücke ist durch Auflösung des Knorpels und durch Ersatz

desselben durch Knochen (enchondrale Ossifikation), sowie durch

Auflagerung neuer Knochenmassen von außen (perichondrale Ossifikation),

ein Knochen geworden.

Das Wesen der vorstehend beschriebenen Prozesse besteht in einer

Auflösung des ursprünglich knorpligen Skelettstückes und in einer

Neubildung desselben durch Entwicklung von Knochensubstanz.

Man nennt diesen Modus der Knochenbildung den ~neoplastischen

Typus~. An der Gelenkgrube des Schläfenbeins, an der Gaumennaht,

am Unterkiefer, an der Tuberositas radii, der Spina scapulae und

an den Spitzen der Endphalangen findet man Stellen, an denen

Knorpelgewebe in Knochengewebe direkt überzugehen scheint (Fig.

133). Man hat daraus den Schluß gezogen, daß hier eine direkte

Umwandlung von Knorpelgrundsubstanz in Knochengrundsubstanz,

von Knorpelzellen in Knochenzellen stattfindet und hat diesen

Prozeß den ~metaplastischen Typus~ genannt. Der Schluß ist

unberechtigt, es handelt sich hier nicht um Umwandlung einer

ausgebildeten Knorpelzelle in eine Knochenzelle, sondern um

~Leistungen indifferenter Bildungen~ des Periosts, die zeitweise

Knorpel, zeitweise Knochen liefern (s. auch S. 111). Knochen, die

einen metaplastischen Typus zeigen, sind in ihrer ersten Anlage

entweder perichondrale oder Bindegewebsknochen.

[Illustration: Fig. 132.

Stück eines Querschnittes der Humerusdiaphyse eines 4monatigen

menschlichen Fetus. 80mal vergrößert. Technik Nr. 90, S. 224.

(Die dunkelroten Linien unter den Osteoblasten sind unverkalkte

Knochengrundsubstanz.)]

Weiteres Wachstum der knorpelig vorgebildeten Knochen.

a) ~Röhrenknochen.~ Viel später als die Verknöcherung der Diaphyse

beginnt diejenige der ~Epiphysen~. So entsteht im Humerus der

Ossifikationspunkt in der Diaphyse in der 8. Fetalwoche, in den

Epiphysen im ersten Lebensjahre. Blutgefäße wachsen in den verkalkenden

Knorpel, welcher anfangs nur auf dem Wege der enchondralen, später

auch der perichondralen Ossifikation zu Knochen umgewandelt wird.

Knorpelig bleiben nur 1. ~immer~, die Oberfläche als Gelenkknorpel,

2. ~vorübergehend~ bis zu vollendetem Wachstum eine zwischen Diaphyse

und Epiphyse bestehende Zone, die ~Epiphysenfuge~; hier findet ein

lebhaftes Wachstum des Knorpels statt, der durch Ausdehnung der

primordialen Markräume der Diaphyse und der Epiphysen fortwährend

in Knochen umgewandelt wird. Auf diese Weise wächst der Knochen

in die Länge. Das ~Dickenwachstum~ geschieht durch Auflagerung,

»~Apposition~«, immer neuer periostaler Knochenschichten.

[Illustration: Fig. 133.

Stück eines Schnittes durch den harten Gaumen einer neugeborenen Katze.

240mal vergrößert. Technik Nr. 90, S. 224.]

Ein »interstitielles«, durch Vermehrung der zwischen den

Knochenhöhlen befindlichen Grundsubstanz bedingtes Wachstum kommt

nur in ganz geringem Grade bei jüngster Knochensubstanz vor. Hier

liegen die Knochenzellen viel dichter als in späteren Stadien.

b) ~Kurze Knochen~ ossifizieren wie die Epiphysen anfangs nur

enchondral; erst nach Auflösung der letzten oberflächlichen Reste von

Knorpelsubstanz wird eine perichondrale Knochenrinde gebildet.

c) Bei ~platten Knochen~ beginnt die Verknöcherung erst perichondral,

dann enchondral.

Beim Erwachsenen besteht also das Skelett zum überwiegenden Teil aus

Knochensubstanz; Knorpel ist nur an Verbindungsflächen von Knochen, am

häufigsten als Angrenzung gegen Gelenke erhalten geblieben.

Die Gelenke bilden sich schon zu einer Zeit aus, wo das gesamte

Skelett noch vorwiegend knorpelig ist (s. u. S. 220).

Die zum Aufbau der Eingeweide gehörigen, im Respirationstraktus

reichlich vorkommenden Knorpel werden dort besprochen.

Die Knochen.

Durchsägt man einen frischen ~Röhrenknochen~, so sieht man ohne

weiteres, daß das Gefüge seiner Diaphyse nicht allenthalben das gleiche

ist. Die Hauptmasse der Peripherie stellt eine sehr feste, harte,

anscheinend gleichartige Substanz dar; wir nennen diese »~Substantia

compacta~«; gegen die axiale Höhle des Knochens finden wir dagegen

feine Knochenblättchen und -bälkchen, die in den verschiedensten

Richtungen zusammenstoßend ein unregelmäßiges Maschenwerk bilden;

dieses heißt ~Substantia spongiosa~. Die axiale Höhle des Knochens

sowie die Maschen der Substantia spongiosa sind mit einer weichen

Masse, dem ~Knochenmarke~, ausgefüllt; die Oberfläche des Knochens

wird von einer faserigen Haut, dem ~Periost~, überzogen. Die Epiphysen

dagegen und die ~kurzen~ Knochen bestehen vorwiegend aus spongiöser

Substanz, während die kompakte Substanz nur auf eine schmale Zone an

der Peripherie beschränkt ist. ~Platte~ Knochen haben bald dickere,

bald dünnere Rinden kompakter Substanz, während das Innere von

spongiöser Substanz erfüllt wird.

[Illustration: Fig. 134.

Stück eines Längsschnittes durch einen Metakarpalknochen des Menschen.

30mal vergr. Im Präparate sind in den ~Havers~schen Kanälchen

Fettropfen zu sehen. Bei × münden die ~Havers~schen Kanäle auf die

äußere, bei × × auf die innere Oberfläche des Knochens. Technik Nr. 92,

S. 226.]

Die ~Substantia spongiosa~ besteht nur aus Knochengewebe (S. 112),

die ~Substantia compacta~ enthält dagegen außer den bekannten

Knochenkanälchen und -höhlen ein zweites System ~gröberer~, 22-110 µ

weiter Kanäle, welche sich ab und zu dichotomisch teilen und ein

weitmaschiges Netzwerk bilden. Die gröberen Kanäle enthalten die

Blutgefäße und heißen die ~Haversschen Kanäle~. Ihre Verlaufsrichtung

ist in den Röhrenknochen, in den Rippen, im Schlüsselbeine und im

Unterkiefer eine der Längsachse des Knochens parallele; in kurzen

Knochen wiegt ~eine~ Richtung vor, z. B. bei Wirbelkörpern die

senkrechte; in platten Knochen endlich verlaufen die Haversschen Kanäle

der Oberfläche der Knochen parallel, nicht selten in Linien, die von

einem Punkte sternförmig ausstrahlen, z. B. am Tuber parietale. Die

Haversschen Kanäle münden an der äußeren (Fig. 134 ×), wie inneren

(Fig. 134 × ×), gegen die Substantia spongiosa gekehrten Fläche frei

aus.

Die Lamellen des kompakten Knochengewebes lassen nach ihrem Verlaufe

drei, durch reichlichere Kittsubstanz (»Kittlinien«) scharf voneinander

getrennte Systeme (Fig. 136) unterscheiden; ein System konzentrisch

um die Haversschen Kanäle angeordneter Lamellen, sie erscheinen an

Querschnitten als eine Anzahl (8-15) konzentrisch um den Haversschen

Kanal gelegter Ringe. Man nennt diese Lamellen die ~Havers~schen oder

~Speziallamellen~. Die Durchschnitte der Haversschen Lamellensysteme

stoßen zum Teil aneinander, zum Teil aber werden sie von in anderer

Richtung geschichteten Knochenlamellen auseinander gehalten. Wir nennen

diese mehr unregelmäßig zwischen den Haversschen Lamellensystemen

verlaufenden Lamellen die ~interstitiellen~ oder ~Schaltlamellen~; sie

hängen mit einem dritten oberflächlichen Lamellensysteme zusammen, das

der äußeren Oberfläche des Knochens parallel verläuft: das ist das

System der ~äußeren Grundlamellen~ (Generallamellen); an der inneren

Oberfläche findet man zuweilen ähnlich verlaufende Lamellen, welche

~innere Grundlamellen~ heißen. --

[Illustration: Fig. 135.

Stück eines Schnittes durch eine Fingerphalanx eines Erwachsenen.

Färbung der Fibrillen nach S. 39, 11. 80mal vergr. Nur die Fibrillen

haben sich geschwärzt, die fibrillenfreie Kittsubstanz erscheint, da

wo sie in größeren Mengen vorliegt, als weiße »Kittlinie«. Auch die an

das Lumen der Haversschen Kanäle grenzende Knochengrundsubstanz ist

hier frei von Fibrillen. Die Fibrillenbündel selbst sind bei dieser

schwachen Vergrößerung nicht sichtbar (vgl. dagegen Fig. 66).]

Die Richtung der Fibrillenbündel ist dabei sehr wechselnd. Die

eine Haverssche Lamelle kann aus senkrecht, die andere aus

parallel zur Längsachse der Haversschen Kanäle gestellten Bündeln

bestehen; in anderen Fällen bilden die Bündel sich kreuzende

Geflechte mit rhomboidalen Maschen, nicht selten endlich ist die

Richtung der Bündel in einem Winkel von 20-45° zur Längsachse

der Haversschen Kanäle gestellt (Fig. 68). Auch in den Schalt-

und Grundlamellen verlaufen die Fibrillenbündel in den

verschiedensten Richtungen. (Häufig ist die dem Kanal zunächst

liegende Grundsubstanz fibrillenfrei [Fig. 135]).

Die Grundlamellen enthalten in sehr wechselnder Anzahl noch eine

andere Art von Gefäßkanälen, welche nicht von ringförmig angeordneten

Lamellen wie die Haversschen Kanäle umgeben sind. Man nennt solche

Kanäle die »~Volkmannschen Kanäle~«, die darin enthaltenen Gefäße die

»~perforierenden Gefäße~«. Sie hängen mit den Gefäßen der ~Havers~schen

Kanäle vielfach zusammen; der Übergang der Volkmannschen in die

Haversschen Kanäle ist ein ganz allmählicher. Die Knochenhöhlen

haben in der Substantia compacta ganz bestimmte Stellungen. In den

Haversschen Lamellensystemen stehen sie mit ihrer Längsachse der

Längsachse der Haversschen Kanäle parallel, der Fläche nach gebogen,

so daß sie auf Querschnitten zum Querschnitte des Haversschen Kanales

konzentrisch gekrümmt erscheinen. In den interstitiellen Lamellen

sind die Knochenhöhlen unregelmäßig, in den Grundlamellen aber derart

gestellt, daß sie mit ihren Flächen den Flächen dieser Lamellen

gleichlaufen. Die Knochenkanälchen münden sowohl in die Haversschen

Kanäle als auch frei an der Außen- bzw. Innenfläche der Knochen.

[Illustration: Fig. 136.

Stück eines Querschnittes der Phalanx eines erwachsenen Menschen.

Technik Nr. 92, S. 226.]

Knochenmark.

Das als Bildungsstätte der Blutzellen besonders wichtige ~Knochenmark~

nimmt die axialen Höhlen der Röhrenknochen ein, füllt die Maschen

der spongiösen Substanz aus und findet sich selbst noch in größeren

Haversschen Kanälen. Es ist in frühester Jugend in allen Knochen von

roter Farbe; aber schon im Kindesalter beginnt eine proximalwärts

fortschreitende Verfettung des Markes, so daß allmählich alle kurzen

und langen Knochen der Extremitäten ein ~gelbes Mark~ enthalten; alle

Knochen des Stammes und der proximale Abschnitt von Humerus und Femur

behalten ihr ~rotes Mark~. Bei alten und kranken Personen wird das Mark

schleimig, rötlichgelb und wird dann ~gelatinöses~ Knochenmark genannt;

es ist lediglich durch seine Armut an Fett charakterisiert.

[Illustration: Fig. 137.

Elemente des menschlichen Knochenmarkes, A Femurmark eines 10jähr.

Knaben, B aus Durchschnitten durch das Halswirbelmark eines 19jährigen,

C des Femur einer 77jährigen, D Rippenmark einer 59jährigen. 900mal

vergrößert. D nach Technik Nr. 93b, S. 226.]

Das Knochenmark besteht aus Bindegewebe und Zellen. Das ~Bindegewebe~

ist an den Wänden der großen Markhöhlen zu einer dünnen Haut, dem

~Endost~, entwickelt, das aus feinen Bindegewebsbündeln, die auch sonst

im Markraum ausgespannt sind, besteht; im spongiösen Markraume dagegen

fehlen die Bündel fast völlig; elastische Elemente sind überhaupt nicht

vorhanden.

Die wichtigsten ~Markzellen~ sind: 1. feinkörnige, 2. grobkörnige

Hämoleukozyten und 3. Erythroblasten. 1. Die feinkörnigen

Hämoleukozyten lassen unterscheiden a) ~Myelozyten~, Zellen mit großem

rundlichem Kerne; sie sind die weitaus zahlreichsten, liegen vorwiegend

im Gewebe zwischen den Gefäßen und fehlen völlig in den Arterien; sie

sind durch Entwicklung von Granula aus den bei Erwachsenen spärlich

vorkommenden granulafreien »Myeloblasten« (S. 166) hervorgegangen. b)

Gelapptkernige Leukozyten, die vorwiegend in den Blutgefäßen liegen. 2.

Die grobkörnigen, eosinophilen Hämoleukozyten sind, in geringer Anzahl

vorhanden, innerhalb und außerhalb der Gefäße gelegen. Die Vermehrung

aller dieser Formen erfolgt durch Mitose aus ebenso beschaffenen

Zellen. 3. Die ~Erythroblasten~ (schlechter »Hämatoblasten«) sind

runde, kernhaltige Zellen mit homogenem, dem der Erythrozyten

gleichendem, gelbgefärbtem Zytoplasma, die in ontogenetisch früher Zeit

relativ groß sind. Diese »Megaloblasten« (»primäre Erythroblasten«)

werden alsbald ersetzt durch kleinere Formen »Normoblasten« (sekundäre

E.), welche dann die noch alleinige Art der Erythroblasten darstellen.

Diese haben anfangs ein deutliches Kerngerüst, das aber später

pyknotisch (S. 71) wird. Aus ihnen gehen durch mitotische Teilung die

Erythrozyten hervor, die anfangs noch einen Kern besitzen, diesen

aber bald durch Zerfall in Stücke (»Karyorrhexis« = Kernbruch) und

Degeneration im Zellinneren -- nach anderen durch Ausstoßung --

verlieren, worauf der Erythrozyt die Napfform annimmt. Die sekundären

Erythroblasten entstehen hauptsächlich in (nach anderen in der Umgebung

von) den Kapillaren der Leber, in geringerem Maße in der Milz. Von

der zweiten Hälfte des fetalen Lebens an tritt die Entstehung in den

venösen Kapillaren des Knochenmarks immer mehr in den Vordergrund und

bleibt beim Erwachsenen fast ausschließlich dort durch das ganze Leben

fortbestehen. Die Menge der Erythroblasten schwankt und geht parallel

mit der Energie des Blutbildungsprozesses.

[Illustration: Fig. 138.

Vier primäre, zwei sekundäre Erythroblasten (der untere in Mitose);

erstere aus den Dottersackgefäßen eines menschl. Embryo von 8 mm

Nackensteißlänge, letztere aus dem Knochenmark eines 19jährigen

Hingerichteten. 600mal vergrößert. Technik Zenkers bzw. Müllers

Flüssigkeit.]

Im Knochenmark kommen ferner vor: sternförmige, ein dem Retikulum

lymphatischer Organe ähnliches Gewebe bildende Bindegewebszellen,

Fettzellen, Lymphozyten (die kleinen nur in geringer Menge),

Plasmazellen, die einen regelmäßigen, oft sehr erheblichen Bestandteil

des Knochenmarks bilden, dann Erythrozyten oder Fragmente solcher,

oder Pigmentkörperchen einschließende (oft große) Zellen und ganz

spärlich, vorzugsweise in der Adventitia der Gefäße gelegene

»Mastbindegewebszellen« (S. 94). Im Knochenmark finden sich endlich

Riesenzellen, und zwar a) ~Megakaryozyten~, die ~einen~ Kern besitzen,

der sehr verschieden gestaltet, bald rund, bald gelappt, band- oder

ring- oder netzförmig ist (Fig. 137), und b) ~Polykaryozyten~ =

Osteoklasten (S. 207), die mehrere, kleine Kerne enthalten (Fig. 133)

und im Gegensatz zu den Megakaryozyten stets in der Nähe von Knorpel

oder Knochen gelegen sind.

Die außerhalb der Gefäße liegenden Megakaryozyten sind vermutlich

Bildungsanomalien von Hämoleukozyten und kommen nur bei Mensch

und Säugetier vor. Sie teilen sich beim Menschen wahrscheinlich

nur durch pluripolare Mitose (S. 68), und zeigen zuweilen

Degenerationserscheinungen am Zytoplasma, die unter Umständen zu

völligem Verlust des Zytoplasmas und zur Bildung der sogenannten

»Riesenkerne« führen.

Die Polykaryozyten sind Abkömmlinge der ästigen

Bindegewebszellen, nach anderen Autoren aber aus der Wand von

Blutkapillaren durch Wucherung des Zytoplasmas, Vermehrung der

Kerne ihrer Epithel-(Endothel-)zellen und schließlich Abschnürung

vom Mutterboden entstanden. Aus Polykaryozyten sollen durch

Abschnürung einer einen Kern enthaltenden Zytoplasmaportion

wieder einkernige Zellen entstehen können.

Außen werden die Knochen zum größten Teil durch das ~Periost~ umhüllt,

dessen Bedeutung in mehreren Richtungen zu suchen ist; einmal ist es

die hauptsächlichste Bildungshaut für den Knochen, was im Aufbau der

inneren Schichte (»~Fibroelastika~«) zum Ausdruck kommt; sie ist sehr

reich an Bindegewebszellen, unter denen die Osteoblasten eine wichtige

Rolle spielen.

Die Lebensdauer dieser Zellen ist sehr groß. Das Periost einer

Leiche, kühl aufbewahrt, ist noch nach Tagen imstande, Knorpel-

und Knochengewebe zu bilden.

Für die Heilung von Knochenwunden ist die Erhaltung dieser inneren

Periostschicht maßgebend; nur von ihr kann eine Neubildung von

Knochensubstanz ausgehen. In dem Bindegewebe verlaufen auch zahlreiche,

der Längsachse des Knochens parallel ziehende, elastische Fasern.

Die äußere Lage des Periostes (~Adventitia~) ist charakterisiert durch

ihren Reichtum an Blutgefäßen und Nerven und stellt die Verbindung mit

den am Knochen ansetzenden Sehnen her; im Zusammenhang damit ist diese

Lage sehr reich an derben Bindegewebsbündeln.

Das Periost ist bald lockerer, bald fester mit dem Knochen

verbunden; die Verbindung wird hergestellt durch die in den

Knochen ein- bzw. austretenden Blutgefäße, sowie durch die

zahlreichen ~Sharpey~schen Fasern, Bindegewebsbündel, welche sich

in die äußeren Grund- und in die an diese sich anschließenden

Schaltlamellen einbohren und nach den verschiedensten

Richtungen verlaufen (Fig. 139). An Röhrenknochen dringen als

Begleiter vieler Sharpeyschen Fasern elastische Elemente aus

der Fibroelastica in den Knochen, wo sie ohne Rücksicht auf

die lamelläre Struktur des Knochens in den oberflächlicheren

Schichten verlaufen. Auch unabhängig von den Sharpeyschen Fasern

eindringende elastische Fasern kommen vor. An den Deckknochen des

Schädels fehlen elastische Elemente.

Die ~Blutgefäße~ des Knochens, des Markes und des Periosts stehen

untereinander in ausgiebigster Verbindung, wie sie auch mit ihrer

Umgebung in Zusammenhang stehen. Von den zahlreichen venösen und

arteriellen Gefäßen des Periosts treten überall in die Haversschen und

Volkmannschen Kanäle kleine Äste (keine Kapillaren) ein, welche an der

Innenfläche des Knochens mit den Gefäßen des Markes zusammenhängen.

Dieses bezieht sein Blut durch die Arteriae nutritiae, welche auf dem

Wege durch die Substantia compacta an diese Äste abgeben und sich im

Marke in ein reiches Blutgefäßnetz auflösen. Die Kapillaren des Markes

gehen in weite, sehr zartwandige, klappenlose Venen über; von den

größeren, ebenfalls klappenlosen Venen verläuft eine mit der Arteria

nutritia, während die anderen sich vielfach mit den Venen der kompakten

Substanz verbinden. Wirkliche ~Lymphgefäße~ finden sich nur in den

oberflächlichsten Periostlagen.

Die zahlreichen, markhaltigen und marklosen ~Nerven~ sind teils im

Periost gelegen, wo sie zuweilen in Lamellenkörperchen endigen, teils

treten sie in die Haversschen Kanäle und in das Knochenmark, wo sie

hauptsächlich für die Blutgefäße bestimmt sind.

Das die Knochen umgebende Bindegewebe ist es endlich, das den

Zusammenhalt zwischen den einzelnen Skeletteilen vermittelt.

[Illustration: Fig. 139.

Stück eines senkrechten Schnittes durch das Schädeldach (Naht) eines

erwachsenen Menschen. 80mal vergr. Nach Technik 11, S. 39.]

Die Verschiedenheit dieser Verbindung hängt mit der abweichenden

Entwicklung zusammen, die dieses Bindegewebe schon von einer

frühen Bildungsstufe aus durchmacht.

Schon zu der Zeit, wo fast alle Skeletteile knorpelig

sind, entscheidet es sich, ob an einer Stelle später eine

~Synarthrosis~ oder eine ~Diarthrosis~ vorhanden sein wird. Im

letzteren Falle weichen die zwischen den Knorpelstücken liegenden

Teile des Perichondriums zur Bildung eines ~Gelenkhohlraumes~

auseinander, im ersteren Falle bleibt das Bindegewebe zwischen

den Skelettstücken erhalten.

Die ~Synarthrosis~ kann sich nun sehr verschieden

weiterentwickeln: entweder es entsteht faseriges Bindegewebe

(~Syndesmosis~), wie wir es bei allen Nähten (Fig. 139)

ausgebildet finden. Hier ziehen kurze Fasermassen (Fortsetzungen

der ~Sharpey~schen Fasern) von einem gezackten Knochenrand zum

andern. Die Verbindung kann aber einen ganz anderen Charakter

bekommen, wenn sich in dem Bindegewebe knorpelige Massen

ausbilden (~Synchondrosis~).

In diesen Fällen kann es zu hochkomplizierten Bildungen kommen,

wie wir sie in den ~Ligg. intervertebralia~ kennen.

Diese bestehen aus einem derben, sehnigen Faserring, in dessen

Substanz vielfach Knorpelmassen eingelagert sind; der im Zentrum jeder

Zwischenwirbelscheibe liegende Nucleus pulposus (ein Rest der Chorda

dorsalis) besteht aus weichem, ebenfalls von Knorpel durchsetztem

gallertigem Gewebe.

[Illustration: Fig. 140.

Senkrechter Durchschnitt durch das Gelenkende der Fingerphalanx eines

erwachsenen Menschen. 100mal vergrößert. Technik Nr. 94, S. 227.]

Am wenigsten nachgiebig wird eine Synarthrosis dann, wenn

das Bindegewebe zur Knochenbildung schreitet. Dies sehen wir

bei vielen Knochen als normales Entwicklungsstadium, wenn

mehrere Knochenzentren zur Bildung eines einzigen Skeletteiles

miteinander verschmelzen. Im späteren Leben sehen wir besonders

am Schädel die Nahtlinien dadurch schwinden, daß das Bindegewebe

verknöchert.

In der ~Diarthrosis~ ist die Beweglichkeit der Knochen besonders

dadurch gesteigert, daß an der Verbindungsstelle der beiden

gelenkbildenden Knochen kein Bindegewebsüberzug vorhanden ist, sondern

die Skelettteile durch einen von ~Synovia~ erfüllten Gelenkspalt

voneinander getrennt werden.

In den meisten Gelenken, die zwischen knorpelig vorgebildeten

Knochen ausgebildet sind, besitzen die Knochen einen der Gelenkhöhle

zugewandten Überzug von ~hyalinem Knorpel~. Hier fehlt ein

perichondrialer Überzug, soweit der Knorpel an die Gelenkspalte

angrenzt.

[Illustration: Fig. 141.

Durchschnitt durch die Kapsel des menschlichen Kniegelenkes. 80mal

vergrößert. Technik Nr. 95, S. 227.]

Die Zellen dieser ~Gelenkknorpel~ sind an der Oberfläche parallel

dieser gestellt und abgeplattet; in den mittleren Schichten des

Knorpels sind die Knorpelzellen rundlich, oft zu Gruppen vereint; in

den tiefsten Schichten endlich sind die Zellgruppen teilweise in

Längsreihen, senkrecht zur Knochenoberfläche gestellt; daran schließt

sich durch einen Streifen getrennt, eine schmale Schicht verkalkten

Knorpels, welche die Verbindung zwischen hyalinem Knorpel und Knochen

vermittelt (Fig. 140).

An den Gelenkknorpelzellen sind Fortsätze beschrieben

worden, welche sich in die benachbarte Knorpelgrundsubstanz

hinein erstrecken. Die tieferen Schichten der abgeplatteten

Knorpelzellen sollen gelappte Kerne besitzen.

Nicht alle Gelenkknorpel zeigen den eben beschriebenen Bau; so ist

der Knorpel der Rippenknorpelgelenke, des Sternoklavikular-, des

Akromioklavikulargelenkes, des Kiefergelenkes und des Capitulum ulnae

kein hyaliner, sondern Bindegewebsknorpel; die distale Gelenkfläche des

Radius ist von straffem Bindegewebe überzogen.

Die ~Labra glenoidalia~ und die ~Zwischenknorpel~ entbehren der

charakteristischen knorpligen Grundsubstanz; sie bestehen aus einem

derben Bindegewebe und aus zum Teil rundlichen Zellen.

In die gleiche Kategorie gehören auch die sogenannten

~Sesamknorpel~: die Sehnenscheide am Os cuboideum enthält dagegen

echten Knorpel. (Vgl. auch S. 106.)

Nerven und Gefäße fehlen den Gelenkknorpeln Erwachsener: auch die Labra

glenoidalia und die Zwischenknorpel sind nerven- und gefäßlos.

Das Periost setzt sich über den Gelenkspalt fort in die ~Gelenkkapsel~,

deren äußere Lage vielfach mit verschieden kräftig ausgebildeten, teils

mehr sehnigen, teils mehr elastischen (gelben) Bändern in Zusammenhang

steht. Auch an Stellen, wo eigentliche Bänder fehlen, ist das ~Stratum

fibrosum~ mit reichlichem, straffem Bindegewebe ausgestattet (Fig. 141).

[Illustration: Fig. 142.

Synovialzotten mit Blutgefäßen aus dem menschlichen Kniegelenke. 50 mal

vergr. An der Spitze der linken Zotte ist das Epithel abgelöst, so daß

das Bindegewebe zum Vorschein kommt. Technik Nr. 96, S. 227.]

Die innere Schichte der Gelenkkapsel, das ~Stratum synoviale~

(Synovialmembran) ist eine an der freien Innenfläche glänzend

glatte Haut und besteht zunächst der fibrösen Schicht aus lockerem,

elastische Fasern und stellenweise Fettzellen enthaltendem Bindegewebe;

weiter nach innen folgt eine dünne Schicht parallel verlaufender

Bindegewebsbündel, welche in der gegen die Gelenkhöhle gekehrten

Schicht kleine (11-17 µ), rundliche oder sternförmige, einen großen

Kern besitzende Zellen enthalten; letztere sind bald nur spärlich

vorhanden -- an Stellen, wo größerer Druck ausgeübt wird, -- bald sind

sie sehr reichlich und bilden förmliche Epithel(Endothel-)lagen, die in

drei- bis vierfacher Schicht die Innenfläche decken.

Das Stratum synoviale (Synovialmembran) bildet oft frei in die

Gelenkhöhle hineinragende, fetterfüllte Falten und trägt auf

seiner Oberfläche die ~Synovialzotten~ (Fig. 142); das sind sehr

verschieden gestaltete Fortsätze von meist mikroskopischer Größe,

welche vorzugsweise dicht am Rande der Gelenkflächen sitzen und der

Synovialmembran ein rötlich samtartiges Aussehen verleihen. Sie

bestehen aus Bindegewebe und werden von einer einfachen oder doppelten

Lage von Epithelzellen überzogen.

Die größeren ~Blutgefäße~ der Synovialmembran liegen in der lockeren

Bindegewebslage; von da aus ziehen Kapillaren in die innere, dünne

Bindegewebslage und dringen in die Zotten ein. Doch gibt es auch

gefäßlose Zotten. Lymphgefäße liegen dicht unter dem Epithel.

Die ~Nerven~ liegen in der lockeren Bindegewebsschicht und enden zum

Teil in Lamellenkörperchen (siehe »Endkolben«).

Die ~Synovia~, Gelenkschmiere, enthält mehr oder weniger stark

veränderte Zellen, Zellfragmente und Fettropfen, alles Produkte eines

physiologischen Abnutzungsprozesses der Oberflächen des Stratum

synoviale und des Gelenkknorpels; ferner Eiweiß, Schleim, Salze; diese

festen Bestandteile betragen nur 6%, der Rest besteht aus Wasser.

~Technik.~

Nr. 90. Zu Präparaten über ~Knochenentwicklung~ sind menschliche

Embryonen aus dem 4.-6. Monat und tierische Embryonen, ~Schaf~,

~Schwein~ oder ~Rind~ von 10-14 cm Länge (von der Schnauzenspitze

bis zur Schwanzwurzel gemessen) geeignet. Letztere sind leicht

aus Schlachthäusern zu beschaffen. Man bestelle sich die ganzen

Uteri (»Tragsäcke«). Man lege von menschlichen Embryonen einzelne

Stücke, von Tieren die ganzen Embryonen (2-3 Stück in 1 Liter) in

Zenkersche Flüssigkeit auf 48 Stunden. Dann lege man dieselben

eben so lange in (womöglich fließendes) Wasser und härte sie in

200-400 ccm allmählich verstärktem Alkohol (S. 17). Nachdem die

Embryonen 1 Woche oder länger in 90%igem Alkohol gelegen haben,

schneide man den Kopf, die Extremitäten dicht am Rumpfe ab und

entkalke sie (S. 18). Stücke der Wirbelsäule, Rippen, geben

ebenfalls instruktive Bilder. Nach 2-5 Tagen, während welcher

man die Entkalkungsflüssigkeit etwa 3mal gewechselt hat, werden

die Extremitäten herausgenommen (der Kopf wird noch nicht ganz

entkalkt sein und muß noch einige Tage in der Salpetersäure

liegen bleiben), und nach § 6 (S. 18) weiter behandelt.

Zu Präparaten über die ~ersten Vorgänge~ der Knochenentwicklung

(Fig. 129 bis 151) mache man von der Beugeseite zur Streckseite

gerichtete (sagittale) Längsschnitte durch die in Zelloidin

eingebetteten Phalangen und die (bei den genannten Tieren

sehr langen) Metakarpen; gute Schnitte müssen die Achse der

Extremitäten treffen, Randschnitte geben unklare Bilder.

Für ~vorgeschrittene Stadien~ mache man vorzugsweise Querschnitte

durch Humerus und Femur. Schnitte durch die Diaphyse liefern mehr

perichondralen, Schnitte durch die Epiphysen mehr enchondralen

Knochen.

Die schönsten ~Osteoblasten~ erhält man an

Unterkieferquerschnitten, die auch zu Präparaten über

Zahnentwicklung zu verwerten sind.

Für noch ~spätere Stadien~ sind Skelettstücke neugeborener Tiere

zu verwenden, deren Phalangen zum Teil noch ziemlich frühe

Vorgänge erkennen lassen. Die Karpalknochen zeigen noch die

ersten Anfänge. Die Entkalkung nimmt hier etwas mehr Zeit (bis 8

Tage) in Anspruch.

Für ~Bindegewebsknochen~ mache man Flachschnitte durch Scheitel-

und Stirnbein der Embryonen.

Sämtliche Schnitte werden vom Sublimat befreit durch Jodalkohol

(S. 16), auf 2-10 Minuten in ca. 4 ccm Hansensches Hämatoxylin

(S. 32) eingelegt, auf 10 Minuten in ca. 10 ccm destilliertes

Wasser übertragen, dann 1 Minute lang in ca. 4 ccm Eosin (S. 41)

gefärbt, auf 2 Minuten in ca. 5 ccm destilliertes Wasser gebracht

und in Xylolbalsam (S. 45) konserviert.

Ist die Färbung gelungen, so sind Knorpel (besonders die

verkalkten Partien) blau, Knochen rot. Zuweilen färbt sich der

Knorpel nicht lebhaft blau, alsdann lege man die Schnitte anstatt

in die gewöhnliche Hämatoxylinlösung in 5 ccm destilliertes

Wasser + 5 Tropfen der filtrierten Hämatoxylinlösung. Nach 6

bis 14 Stunden wird der Knorpel blau sein. Die Eosinfärbung des

Knochens ist oft nicht gleichmäßig, die jüngsten, unverkalkten

Knochenpartien, z. B. die Ränder der Knochenbälkchen, sind in

bald hellerem, bald dunklerem Tone gefärbt.

Nr. 91. ~Knochenschliffe.~ Die zu Schliffen zu verwendenden

Knochen dürfen nicht vor der Mazeration getrocknet sein, sondern

müssen frisch auf mehrere Monate in Wasser, das mehrmals

gewechselt wird, eingelegt werden. Dann werden sie getrocknet,

die Knochen müssen dann rein weiß sein; zeigen sich dagegen noch

gelbliche, durchsichtige Stellen -- die Zeichen unvollkommener

Entfettung -- so müssen die zu schleifenden Stückchen in Xylol

im Warmen entfettet werden. Vgl. auch ~Schaffer~, »Methodik der

histolog. Unters. d. Knochengewebes«. Zeitschr. f. wissensch.

Mikroskopie Bd. X. Ein Stück wird zwischen zwei Korkstücke oder

zwischen Tuch in einen Schraubstock geklemmt und mit einer

Laubsäge ein 1-2 mm dickes Blatt der Quere bzw. der Länge nach

abgeschnitten. Das Blatt wird mit Siegellack auf die Unterfläche

eines Korkstöpsels fest angeklebt (der Siegellack muß das Blatt

rings umgeben), das Ganze einen Moment in Wasser getaucht und

dann zuerst mit einer flachen, groben und nachher mit einer

feinen Feile ganz eben gefeilt; dabei muß die Feile öfter in

Wasser getaucht werden, um die ihr anhängenden Teile abzuspülen

und um die Erwärmung des Siegellackes durch die Reibung zu

verhindern. Dann löst man durch Erwärmen des Siegellackes das

Knochenblatt ab und klebt es mit der anderen, geebneten Seite

auf den Stöpsel. Jetzt wird das Blatt mit der Feile so lange

bearbeitet, bis es so dünn geworden ist, daß der Siegellack

durchscheint. Alsdann bringt man das Ganze in 90%igen Alkohol,

wo sich binnen weniger Minuten das Knochenblatt leicht ablösen

läßt. Nun nimmt man einen groben Schleifstein, befeuchtet ihn

mit Wasser, stellt durch Reiben mit einem zweiten Schleifstein

etwas Schmirgel her, legt das Knochenblatt hinein und schleift

es auf beiden Seiten in ~kreisförmiger~ Bewegung, indem man

einen glatten (keine Risse tragenden) Korkstöpsel einfach auf

das Knochenblatt aufsetzt; ein Ankleben des Blattes ist nicht

nötig. Hat der Schliff die nötige Dünne erreicht -- man überzeuge

sich davon, indem man ihn zwischen Filtrierpapier abtrocknet

und dann bei schwacher Vergrößerung betrachtet, der Schliff

muß durchsichtig sein --, so glättet man ihn auf einem feinen

Schleifsteine (die Manier ist dieselbe wie das Schleifen auf

dem groben Steine) auf beiden Seiten, trocknet ihn dann mit

Filtrierpapier ab und poliert ihn. Zu letzterem Zwecke nagele

man ein Stückchen Rehleder (Waschleder) glatt auf ein Brett,

bestreiche das Leder mit Kreide und reibe den mit etwas Speichel

an die Fingerspitze geklebten Schliff auf und ab. Der bisher

matte Schliff wird dadurch eine glänzende Oberfläche erhalten.

Zuletzt entferne man die anhaftende Kreide durch Streichen auf

reinem Waschleder. Der fertige Schliff wird trocken unter ein

Deckglas gebracht, welches man mit Kitt (S. 44) umrahmt.

Betrachten zuerst mit schwachen, dann mit starken Vergrößerungen.

Ist der Schliff zu dick, so ist oft die Betrachtung mit starken

Vergrößerungen unmöglich, da das Objektiv nicht nahe genug

auf das Präparat gebracht werden kann. Die Knochenhöhlen und

Knochenkanälchen sind mit Luft erfüllt, welche bei der üblichen

Beleuchtung der Objekte von unten her schwarz erscheint (Fig. 69,

S. 115).

Nr. 92. Für ~Havers~sche ~Kanälchen~ und ~Knochenlamellen~

mache man Längs- und Querschnitte durch Knochen, welche man,

nach vorhergegangener vierwöchiger Fixierung mit Müllerscher

Flüssigkeit und Härtung mit Alkohol (s. S. 17), in 3%iger

Salpetersäure entkalkt (S. 18) und dann wieder gehärtet hat.

Man wähle dazu einen Metakarpalknochen eines völlig erwachsenen

Individuums; kompakte Stücke größerer Knochen (z. B. des Femur)

erfordern zu lange Zeit (mehrere Wochen) zur Entkalkung.

Das Periost lasse man am Knochen sitzen. Für Längsschnitte

der Haversschen Kanäle müssen sehr dicke (0,5 mm und mehr)

Schnitte angefertigt werden; Konservieren in Xylolbalsam (nach

§ 10,3 S. 45) und Betrachten bei schiefer Beleuchtung (S.

50) liefert instruktive Bilder (Fig. 134). Für Querschnitte

und Lamellensysteme braucht man ebenfalls keine sehr dünnen

Schnitte; die Lamellen sieht man am besten, wenn man den Schnitt

in einigen Tropfen destillierten Wassers betrachtet und den

Spiegel so dreht, daß das Objekt nur halb beleuchtet ist; dann

sieht man auch die von den Knochenkanälchen herrührenden,

feinen Streifen, die senkrecht zu den Lamellen verlaufen.

Man konserviere in verdünntem Glyzerin, das indessen die

Lamellensysteme teilweise undeutlich macht. Nicht jede Stelle

des Knochens zeigt sämtliche Lamellensysteme; so fehlen häufig

die äußeren und auch die inneren Grundlamellen; macht man

Schnitte nahe den Epiphysen, so sieht man, wie sich die kompakte

Substanz in die Bälkchen der Substantia spongiosa fortsetzt.

Die Knochenhöhlen und Knochenkanälchen sind an feuchten

Präparaten viel weniger deutlich als an trockenen Schliffen,

weil die Konservierungsflüssigkeit die in ihnen enthaltene Luft

herausgedrängt hat. Vgl. Fig. 69 und 70 (S. 115) miteinander. Für

feinere Schnitte bette man in Zelloidin ein.

Nr. 93. ~Rotes Knochenmark.~ a) Man quetsche einen aus dem

Schlachthaus bezogenen halbierten Wirbel oder eine Rippe eines

Kalbes in einem Schraubstock oder mit einer Zange, sauge von

der an der Schnittfläche herausgepreßten Flüssigkeitsmenge

mit einer Pipette einen kleinen Tropfen ab, der auf den

Objektträger gebracht, ohne Zusatz mit einem kleinen Deckglase

oder besser mit einem Bruchstückchen eines solchen bedeckt wird.

Untersucht man dann mit starker Vergrößerung, so sieht man rote

Blutzellen, Erythroblasten, Markzellen in verschiedener Größe und

Riesenzellen, aber nicht immer deren Kerne. Nun läßt man einen

Tropfen Pikrokarmin zufließen (S. 48); die Kerne werden schon

nach 1 bis 2 Minuten rot, sind aber noch blaß. Ersetzt man das

Pikrokarmin erst durch Kochsalzlösung, und dann durch verdünntes,

angesäuertes Glyzerin (S. 48), so werden die Kerne dunkel, scharf

konturiert. Zuweilen sucht man vergeblich nach Riesenzellen.

b) Für Dauerpräparate kann man mit einem ~dünnen~ Deckglase einen

Tropfen des aus einer Rippe ausgepreßten Markes abheben und in

der gleichen Weise wie Nr. 64 (S. 195) behandeln, besser aber ist

Fixation eines aus Femur oder Tibia herausgeschnittenen kleinen

Markstückchens in Müllerformol usw. (S. 16). Handelt es sich

um Untersuchung der Granulationen, dann sind sehr feine 2-4 µ

dicke Mikrotomschnitte des in Paraffin eingebetteten Objektes

nötig. Die Entkalkungsprozedur, die nach der Fixierung eventuell

vorgenommen wird, schädigt die Granula. Färbung entweder nach

der für das Blut vorgeschriebenen Methode (Nr. 101) oder mit

Hämatoxylin und Eosin. Anwendung starker Vergrößerung (Immersion)

ist unentbehrlich; Schnitte haben vor Strichpräparaten den großen

Vorzug der Erhaltung der topographischen Verhältnisse.

Nr. 94. Zu Schnitten des ~Gelenkknorpels~ wähle man

Metakarpalköpfchen oder Phalangen erwachsener Individuen, die

nach der Nr. 91 angegebenen Methode behandelt werden. Man fertige

Längsschnitte an, welche in verdünntem Glyzerin konserviert

werden (Fig. 140). Die im hyalinen Knorpel oft vorhandenen,

parallelen Streifen rühren vom Messer her. Die Körnchen des

verkalkten Knorpels sind durch die Entkalkung verschwunden.

Nr. 95. ~Gelenkkapsel~ vom Kniegelenk oder anderen größeren

Gelenken konserviere man in Müllerformol, bette in Zelloidin ein,

färbe die Schnitte mit ~Hansen~schem Hämatoxylin (S. 32) und

Eosin (S. 41).

Nr. 96. ~Synovialzotten.~ Man schneide von einer möglichst

frischen Leiche am ~Rande~ der Kniescheibe ein Stückchen der

Gelenkkapsel von ca. 4 cm Seite aus, trage von der rötlich

glänzenden, samtartigen Innenfläche desselben mit der Schere

einen 2-3 mm breiten Streifen ab, den man, mit einem Tropfen

Kochsalzlösung befeuchtet, ohne Deckglas mit schwacher

Vergrößerung betrachtet. Am Rande des Streifens bemerkt man die

Zotten, deren Blutgefäße oft noch Blutzellen enthalten; die

glänzenden Kerne der Epithelzellen liegen dicht beieinander (Fig.

142). Will man das Präparat konservieren, so färbe man unter dem

Deckglase mit Pikrokarmin und konserviere mit verdünntem Glyzerin

(S. 41), doch geht viel von der ursprünglichen Schönheit verloren.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 116 / 286 题