Das Perimysium besteht aus fibrillärem Bindegewebe, feinen,
hauptsächlich längsverlaufenden, elastischen Fasern, enthält zuweilen
Fettzellen und ist der Träger der Nerven-, Blut- und Lymphgefäße. Im
Perimysium der einzelnen Muskelfasern sind nur Kapillaren und die
Endäste der Nerven enthalten.
Im Perimysium externum sind elastische Fasern besonders reichlich
vorhanden; die Extremitätenmuskeln sind arm, das Zwerchfell ist
reich an elastischen Fasern.
Das Perimysium dient in seiner Gesamtheit also der Ernährung und der
Innervation der einzelnen Muskelfasern; darüber hinaus besitzt es aber
auch eine wichtige mechanische Bedeutung: das von kollagenen Querfasern
verstärkte Perimysium der einzelnen Muskelfaser verhindert eine zu
starke Verdickung der einzelnen Faser und bildet damit ein Widerlager
für die sich kontrahierende Muskelfaser; die meist längsverlaufenden,
elastischen Fasern erleichtern die Verkürzung gedehnter Muskelfasern,
ersparen also den letzteren Kraft.
Bindegewebe ist es endlich, das stets die Übertragung der Muskelkraft
auf die zu bewegenden Teile (Knorpel, Knochen, Weichteile) übernimmt.
~Sehnen.~ Die Verbindung der Muskeln mit den Sehnen ist außerordentlich
fest; Einrisse kommen im Leben wohl innerhalb der Muskelfasern vor,
niemals aber, soviel wir wissen, an der Verbindungsstelle von Muskel
und Sehne.
[Illustration: Fig. 126.
Ansatz von Muskelfasern am Perichondrium; aus einem dünnen Schnitt
durch Rippe und Interkostalmuskeln einer jungen Maus. 750mal
vergrößert. Technik Nr. 89, S. 206.]
Die Art dieser Verbindung ist noch nicht einwandsfrei
festgestellt; von manchen Autoren wird ein unmittelbarer
Übergang der Muskelfibrillen in die Sehnenfibrillen angenommen,
andere erkennen die Beweiskraft dieser Präparate nicht an.
Sicher besteht aber außerdem eine feste Verbindung der Sehnen
mit den Muskelfasern durch Vermittlung von Sehnenfibrillen,
die wie ein Korb das abgerundete Ende der Muskelfasern umgeben
und in das Sarkolemm, zum Teil auch in das Perimysium der
einzelnen Muskelfaser übergehen (Fig. 126). Beim Ausstrahlen
quergestreifter Muskelfasern in Haut oder Schleimhaut stehen
diese durch zugespitzte oder geteilte Enden mit Sehnen in
Verbindung, die entweder ganz oder teilweise aus elastischen
Fasern bestehen. Solche elastische Sehnen üben im Bindegewebe
ausstrahlend eine schwache, aber gleichmäßige Wirkung auf die
Bewegung der Oberfläche aus.
Längere Sehnen (besonders diejenigen der Extremitätenmuskeln) haben
einen ähnlichen Gesamtaufbau wie die Muskeln.
Der Querschnitt der ganzen Sehne, sowie derjenige einzelner
Bündel ist stets beträchtlich kleiner wie derjenige der
zugehörigen Muskelteile. Ein ~Peritenonium internum~ umschließt
die einzelnen Sehnenbündel, ein ~Peritenonium externum~ die ganze
Sehne.
Die ~Faszien~ zeigen zum Teil den gleichen Bau wie die Sehnen,
zum Teil sind sie mit elastischen Fasern reichlich versehene,
bindegewebige Häute; letzteres ist der Fall da, wo die Faszien
nur Hüllen um die Muskeln, nicht aber Ansatzflächen für
Muskelfasern bilden.
[Illustration: Fig. 127.
Stück eines Querschnittes einer Sehne eines erwachsenen Menschen.
40mal vergrößert. Die dunklen Punkte in den Sehnenbündeln sind
Bindegewebszellen. Technik Nr. 88, S. 205.]
Die als Gleiteinrichtungen anzusehenden ~Schleimbeutel~ und
~Sehnenscheiden~ sind im Perimysium bzw. Peritenonium sekundär
entstandene Lücken, die mit einer geringen Menge klarer Flüssigkeit
angefüllt sind. Ihre Wand besteht aus einer verschieden dicken Lage von
Bindegewebe mit elastischen Fasern, dessen Innenfläche ~stellenweise~
von einem meist einfachen Plattenepithel (»Endothel«) überkleidet
wird. Wo das Endothel fehlt, ist das Bindegewebe derb und reich an
rundlichen, den Knorpelzellen ähnlichen Elementen. In den meisten
Sehnenscheiden kommen kleine, den Synovialzotten vollkommen gleichende,
blutgefäßführende Fortsätze vor.
Diese reichen bei den oft sehr langen Sehnenscheiden von der
Außenfläche der Wandung bis an die Sehnenoberfläche und enthalten
die sehr feinen zur Versorgung der Sehne notwendigen Blutgefäße.
Die ~Blutgefäße der quergestreiften Muskeln~ sind sehr zahlreich
und gleichmäßig verteilt, die Kapillaren gehören zu den feinsten
des menschlichen Körpers und bilden ein den Muskelfasern dicht
anliegendes Netz langgestreckt rechteckiger Maschen; die Venen
sind bis in die feinsten Ästchen mit Klappen versehen. Die
spärlichen ~Lymphgefäße~ verlaufen mit den Verästelungen der
kleinen Blutgefäße.
Über die teils sensiblen, teils motorischen ~Nerven~ der
quergestreiften Muskeln sowie über die ~Muskelspindeln~ s. bei
Nervenendigungen.
Die ~Blutgefäße der Sehnen~ und der schwächeren ~Faszien~
sind sehr spärlich und nur in dem lockeren, die Sehnenbündel
umhüllenden Bindegewebe enthalten; die ~Sehnenscheiden~ dagegen
und die Schleimbeutel sind reich an Blutgefäßen. ~Lymphgefäße~
finden sich nur an der Oberfläche der Sehnen.
Die markhaltigen ~Nerven~ der Sehnen laufen zum Teil in ein
dichtes Netz markloser Nervenfasern aus, zum Teil aber gehen
sie meist in spindelförmige Auftreibungen der Sehnen, in die
sogenannten »~Sehnenspindeln~« über (s. S. 268). Auch Endkolben
und Lamellenkörperchen (s. S. 266) finden sich in Perimysien,
Sehnen, Faszien und Sehnenscheiden.
~Technik.~
Nr. 87. ~Bündel quergestreifter Muskeln.~ Man mache mit einem
scharfen Rasiermesser in einen parallelfaserigen Muskel (z. B.
in einen Adduktor des Kaninchens) einen tiefen, quer zum
Faserverlauf gerichteten Einschnitt und 2-3 cm abwärts von
diesem einen zweiten Schnitt, verbinde beide durch Längsschnitte
und präpariere, ~ohne zu zerren~, das so umschriebene Stück
vorsichtig heraus. Fixieren in 100 ccm Kalibichromat-Essigsäure
(s. weiter S. 15). Querschnitte ungefärbt in verdünntem Glyzerin
betrachten. Man sieht sehr verschieden dicke Muskelfasern;
die ganz dünnen sind querdurchschnittene Enden. Obwohl die
Muskelfasern zylindrisch sind, also im Durchschnitte rund
sein sollen, erscheinen sie hier durch gegenseitigen Druck
unregelmäßig polygonal. Das Perimysium der einzelnen Muskelfasern
ist besser bei starken Vergrößerungen (240mal) und Färbung nach
van Gieson (S. 42), die Cohnheimschen Felder (Fig. 80, S. 128)
nur an dünnen Mikrotomquerschnitten zu sehen. ~Muskelspindeln~
lassen sich leicht an den Querschnitten des menschlichen M.
omohyoideus finden (Fig. 124).
Nr. 88. ~Sehnen.~ Man schneide ein 5-10 cm langes Stück einer
Sehne aus und lasse dasselbe an der Luft (nicht an der Sonne)
trocknen. Dünne Sehnen (z. B. die des M. flexor. digit. pedis)
sind bei Zimmertemperatur schon nach 24 Stunden hinreichend
trocken, dickere bedürfen mehrerer Tage. Dann stelle man
mit dem Skalpell (~nicht mit dem Rasiermesser~) eine glatte
Querschnittfläche dar, und schnitzle feine Späne von der Sehne,
indem man den Daumen der rechten Hand an die eine Seite, das
von den übrigen Fingern gehaltene Skalpell an die andere Seite
der Sehne ansetzt. Die meist sehr kleinen Späne werden in ein
Schälchen mit destilliertem Wasser geworfen und nach 2 Minuten
in einem Tropfen destillierten Wassers betrachtet (Fig. 127);
will man konservieren, so färbe man in 3 ccm Pikrokarmin (5
Minuten lang) und schließe in verdünntem Glyzerin (S. 48) ein.
Sehr häufig sieht man auf dem Querschnitte eine das ganze
Präparat durchziehende Streifung, welche durch die Messerführung
entstanden ist.
Einen zweiten Schnitt bringe man ungefärbt in einem Tropfen
Wasser auf einen Objektträger und lasse dann unter dem Deckglase
einen Tropfen Essigsäure zufließen. Die Randpartien des
Querschnittes werden alsbald zu gewundenen Bändern aufquellen
(Essigsäurereaktion des Bindegewebes S. 117).
Nr. 89. ~Muskeln und Sehnen.~ Man fixiere eine junge (10-20 Tage
alte) weiße Maus mit Sublimatkochsalzlösung (S. 16, § 4, _{8})
und behandle sie entsprechend (S. 10) weiter, schneide dann aus
der Brustwand ein Stück heraus, das etwa drei Rippenknorpel mit
den dazwischen verlaufenden Interkostalmuskeln enthält, bette in
Zelloidinparaffin (S. 25) ein. Die 5 µ dicken Schnitte werden
aufgeklebt und nach Nr. 48 b gefärbt (s. Fig. 126).
Andere, zum Teil sehr komplizierte Methoden siehe in den Büchern
über Mikroskopische Technik (S. 32).