Stück des Schnittes der Fig. 124. 240mal vergr.]

Das Perimysium besteht aus fibrillärem Bindegewebe, feinen,

hauptsächlich längsverlaufenden, elastischen Fasern, enthält zuweilen

Fettzellen und ist der Träger der Nerven-, Blut- und Lymphgefäße. Im

Perimysium der einzelnen Muskelfasern sind nur Kapillaren und die

Endäste der Nerven enthalten.

Im Perimysium externum sind elastische Fasern besonders reichlich

vorhanden; die Extremitätenmuskeln sind arm, das Zwerchfell ist

reich an elastischen Fasern.

Das Perimysium dient in seiner Gesamtheit also der Ernährung und der

Innervation der einzelnen Muskelfasern; darüber hinaus besitzt es aber

auch eine wichtige mechanische Bedeutung: das von kollagenen Querfasern

verstärkte Perimysium der einzelnen Muskelfaser verhindert eine zu

starke Verdickung der einzelnen Faser und bildet damit ein Widerlager

für die sich kontrahierende Muskelfaser; die meist längsverlaufenden,

elastischen Fasern erleichtern die Verkürzung gedehnter Muskelfasern,

ersparen also den letzteren Kraft.

Bindegewebe ist es endlich, das stets die Übertragung der Muskelkraft

auf die zu bewegenden Teile (Knorpel, Knochen, Weichteile) übernimmt.

~Sehnen.~ Die Verbindung der Muskeln mit den Sehnen ist außerordentlich

fest; Einrisse kommen im Leben wohl innerhalb der Muskelfasern vor,

niemals aber, soviel wir wissen, an der Verbindungsstelle von Muskel

und Sehne.

[Illustration: Fig. 126.

Ansatz von Muskelfasern am Perichondrium; aus einem dünnen Schnitt

durch Rippe und Interkostalmuskeln einer jungen Maus. 750mal

vergrößert. Technik Nr. 89, S. 206.]

Die Art dieser Verbindung ist noch nicht einwandsfrei

festgestellt; von manchen Autoren wird ein unmittelbarer

Übergang der Muskelfibrillen in die Sehnenfibrillen angenommen,

andere erkennen die Beweiskraft dieser Präparate nicht an.

Sicher besteht aber außerdem eine feste Verbindung der Sehnen

mit den Muskelfasern durch Vermittlung von Sehnenfibrillen,

die wie ein Korb das abgerundete Ende der Muskelfasern umgeben

und in das Sarkolemm, zum Teil auch in das Perimysium der

einzelnen Muskelfaser übergehen (Fig. 126). Beim Ausstrahlen

quergestreifter Muskelfasern in Haut oder Schleimhaut stehen

diese durch zugespitzte oder geteilte Enden mit Sehnen in

Verbindung, die entweder ganz oder teilweise aus elastischen

Fasern bestehen. Solche elastische Sehnen üben im Bindegewebe

ausstrahlend eine schwache, aber gleichmäßige Wirkung auf die

Bewegung der Oberfläche aus.

Längere Sehnen (besonders diejenigen der Extremitätenmuskeln) haben

einen ähnlichen Gesamtaufbau wie die Muskeln.

Der Querschnitt der ganzen Sehne, sowie derjenige einzelner

Bündel ist stets beträchtlich kleiner wie derjenige der

zugehörigen Muskelteile. Ein ~Peritenonium internum~ umschließt

die einzelnen Sehnenbündel, ein ~Peritenonium externum~ die ganze

Sehne.

Die ~Faszien~ zeigen zum Teil den gleichen Bau wie die Sehnen,

zum Teil sind sie mit elastischen Fasern reichlich versehene,

bindegewebige Häute; letzteres ist der Fall da, wo die Faszien

nur Hüllen um die Muskeln, nicht aber Ansatzflächen für

Muskelfasern bilden.

[Illustration: Fig. 127.

Stück eines Querschnittes einer Sehne eines erwachsenen Menschen.

40mal vergrößert. Die dunklen Punkte in den Sehnenbündeln sind

Bindegewebszellen. Technik Nr. 88, S. 205.]

Die als Gleiteinrichtungen anzusehenden ~Schleimbeutel~ und

~Sehnenscheiden~ sind im Perimysium bzw. Peritenonium sekundär

entstandene Lücken, die mit einer geringen Menge klarer Flüssigkeit

angefüllt sind. Ihre Wand besteht aus einer verschieden dicken Lage von

Bindegewebe mit elastischen Fasern, dessen Innenfläche ~stellenweise~

von einem meist einfachen Plattenepithel (»Endothel«) überkleidet

wird. Wo das Endothel fehlt, ist das Bindegewebe derb und reich an

rundlichen, den Knorpelzellen ähnlichen Elementen. In den meisten

Sehnenscheiden kommen kleine, den Synovialzotten vollkommen gleichende,

blutgefäßführende Fortsätze vor.

Diese reichen bei den oft sehr langen Sehnenscheiden von der

Außenfläche der Wandung bis an die Sehnenoberfläche und enthalten

die sehr feinen zur Versorgung der Sehne notwendigen Blutgefäße.

Die ~Blutgefäße der quergestreiften Muskeln~ sind sehr zahlreich

und gleichmäßig verteilt, die Kapillaren gehören zu den feinsten

des menschlichen Körpers und bilden ein den Muskelfasern dicht

anliegendes Netz langgestreckt rechteckiger Maschen; die Venen

sind bis in die feinsten Ästchen mit Klappen versehen. Die

spärlichen ~Lymphgefäße~ verlaufen mit den Verästelungen der

kleinen Blutgefäße.

Über die teils sensiblen, teils motorischen ~Nerven~ der

quergestreiften Muskeln sowie über die ~Muskelspindeln~ s. bei

Nervenendigungen.

Die ~Blutgefäße der Sehnen~ und der schwächeren ~Faszien~

sind sehr spärlich und nur in dem lockeren, die Sehnenbündel

umhüllenden Bindegewebe enthalten; die ~Sehnenscheiden~ dagegen

und die Schleimbeutel sind reich an Blutgefäßen. ~Lymphgefäße~

finden sich nur an der Oberfläche der Sehnen.

Die markhaltigen ~Nerven~ der Sehnen laufen zum Teil in ein

dichtes Netz markloser Nervenfasern aus, zum Teil aber gehen

sie meist in spindelförmige Auftreibungen der Sehnen, in die

sogenannten »~Sehnenspindeln~« über (s. S. 268). Auch Endkolben

und Lamellenkörperchen (s. S. 266) finden sich in Perimysien,

Sehnen, Faszien und Sehnenscheiden.

~Technik.~

Nr. 87. ~Bündel quergestreifter Muskeln.~ Man mache mit einem

scharfen Rasiermesser in einen parallelfaserigen Muskel (z. B.

in einen Adduktor des Kaninchens) einen tiefen, quer zum

Faserverlauf gerichteten Einschnitt und 2-3 cm abwärts von

diesem einen zweiten Schnitt, verbinde beide durch Längsschnitte

und präpariere, ~ohne zu zerren~, das so umschriebene Stück

vorsichtig heraus. Fixieren in 100 ccm Kalibichromat-Essigsäure

(s. weiter S. 15). Querschnitte ungefärbt in verdünntem Glyzerin

betrachten. Man sieht sehr verschieden dicke Muskelfasern;

die ganz dünnen sind querdurchschnittene Enden. Obwohl die

Muskelfasern zylindrisch sind, also im Durchschnitte rund

sein sollen, erscheinen sie hier durch gegenseitigen Druck

unregelmäßig polygonal. Das Perimysium der einzelnen Muskelfasern

ist besser bei starken Vergrößerungen (240mal) und Färbung nach

van Gieson (S. 42), die Cohnheimschen Felder (Fig. 80, S. 128)

nur an dünnen Mikrotomquerschnitten zu sehen. ~Muskelspindeln~

lassen sich leicht an den Querschnitten des menschlichen M.

omohyoideus finden (Fig. 124).

Nr. 88. ~Sehnen.~ Man schneide ein 5-10 cm langes Stück einer

Sehne aus und lasse dasselbe an der Luft (nicht an der Sonne)

trocknen. Dünne Sehnen (z. B. die des M. flexor. digit. pedis)

sind bei Zimmertemperatur schon nach 24 Stunden hinreichend

trocken, dickere bedürfen mehrerer Tage. Dann stelle man

mit dem Skalpell (~nicht mit dem Rasiermesser~) eine glatte

Querschnittfläche dar, und schnitzle feine Späne von der Sehne,

indem man den Daumen der rechten Hand an die eine Seite, das

von den übrigen Fingern gehaltene Skalpell an die andere Seite

der Sehne ansetzt. Die meist sehr kleinen Späne werden in ein

Schälchen mit destilliertem Wasser geworfen und nach 2 Minuten

in einem Tropfen destillierten Wassers betrachtet (Fig. 127);

will man konservieren, so färbe man in 3 ccm Pikrokarmin (5

Minuten lang) und schließe in verdünntem Glyzerin (S. 48) ein.

Sehr häufig sieht man auf dem Querschnitte eine das ganze

Präparat durchziehende Streifung, welche durch die Messerführung

entstanden ist.

Einen zweiten Schnitt bringe man ungefärbt in einem Tropfen

Wasser auf einen Objektträger und lasse dann unter dem Deckglase

einen Tropfen Essigsäure zufließen. Die Randpartien des

Querschnittes werden alsbald zu gewundenen Bändern aufquellen

(Essigsäurereaktion des Bindegewebes S. 117).

Nr. 89. ~Muskeln und Sehnen.~ Man fixiere eine junge (10-20 Tage

alte) weiße Maus mit Sublimatkochsalzlösung (S. 16, § 4, _{8})

und behandle sie entsprechend (S. 10) weiter, schneide dann aus

der Brustwand ein Stück heraus, das etwa drei Rippenknorpel mit

den dazwischen verlaufenden Interkostalmuskeln enthält, bette in

Zelloidinparaffin (S. 25) ein. Die 5 µ dicken Schnitte werden

aufgeklebt und nach Nr. 48 b gefärbt (s. Fig. 126).

Andere, zum Teil sehr komplizierte Methoden siehe in den Büchern

über Mikroskopische Technik (S. 32).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 115 / 286 题