Die peripherischen Lymphknötchen.
(Noduli lymphatici.)
Das weiße Blutzellen einschließende retikuläre Bindegewebe ist
nicht nur auf die Lymphknoten beschränkt; es findet sich auch in
großer Ausdehnung in vielen Schleimhäuten, und zwar in verschiedenen
Entwicklungsgraden, bald als diffuse, bald als schärfer begrenzte
Infiltration von Lympho- und Leukozyten. Diese Formationen werden
nicht zum Lymphsystem gerechnet. Es gibt aber noch einen höheren Grad
der Ausbildung, in welchem den Sekundärknötchen der Lymphknoten ganz
ähnliche ~Knötchen~ (»Follikel«) der ~Schleimhaut~ mit Keimzentrum
bestehen. Diese hat man zum Lymphsystem gerechnet und ~peripherische
Lymphknötchen~ genannt. Sie sind in vielen Schleimhäuten entweder
vereinzelt: ~Solitärknötchen~ (Noduli lymphatici solitarii, »solitäre
Follikel«), oder in Gruppen: ~gehäufte Knötchen~ (Nod. lymph.
aggregati, »Peyersche Haufen«) zu finden und liegen in stets einfacher
Schicht in der Tunica propria (s. Verdauungsorgane) dicht unter dem
Epithel. Verbreitung und Zahl der peripherischen Lymphknötchen ist
nicht nur bei den einzelnen Tierarten, sondern selbst bei einzelnen
Individuen erheblichen Schwankungen unterworfen; da auch ihre Größe
bedeutend differiert und vielfache Übergänge zu zirkumskripten und
diffusen Infiltrationen bestehen, so ist es sehr wahrscheinlich,
daß sie während des Lebens werden und vergehen, also nur temporär
auftreten. Sie besitzen dieselben Zellen wie die eigentlichen
Lymphknoten, unterscheiden sich aber von diesen neben dem Fehlen von
Kapsel und Trabekeln, vor allem durch ihre minder innigen Beziehungen
zu den Lymphgefäßen, welche hier keine die Knötchen (Follikel)
umgreifende Sinus bilden. Ihre Beizählung zum Lymphgefäßsystem
scheint insofern eine berechtigte, als auch sie (in dem Keimzentrum)
Brutstätten von Lymphozyten sind. Dieselben gelangen jedoch nur zum
Teil in die Lymphgefäße; viele wandern vielmehr durch das Epithel auf
die Schleimhautoberfläche (s. auch bei Zungenbälge).
Milz.
Die ~Milz~ ist ein den Blutlymphknoten besonders insofern nahestehendes
Organ, als sie die Stätte des Untergangs vieler Erythrozyten, der
Neubildung vieler weißer Blutzellen darstellt, die durch die Venen
abgeführt werden. Sie besteht außer vielen Blutgefäßen aus einer
Kapsel, aus Balken und aus der Pulpa.
Die ~Kapsel~ ist fest mit dem sie überziehenden Bauchfell verwachsen,
und besteht vorzugsweise aus derbfaserigem Bindegewebe, wenigen glatten
Muskelfasern und dichten Netzen elastischer Fasern, deren Menge im
Alter zunimmt. Von der Kapsel ziehen zahlreiche, meist strangförmige
Fortsetzungen, die ~Milzbalken~ (Fig. 118), in das Innere der Milz und
bilden dort ein zusammenhängendes Netzwerk; sie bestehen ebenfalls
aus Bindegewebe, elastischen Fasern und beim Menschen spärlichen,
bei Tieren (z. B. Hund, Katze) reichlichen glatten Muskelfasern.
Dadurch ist die Kapsel imstande, ein starkes An- und Abschwellen
des Organs zuzulassen. Die dickeren Balken enthalten die gröberen
Blutgefäßverästelungen. Die Maschen des Balkennetzes werden ausgefüllt
von der ~Pulpa~, einer roten, weichen, aus retikulärem Gewebe und
kleineren Blutgefäßen bestehenden Masse, deren feinerer Bau nur durch
Beachtung der Blutgefäßanordnung verständlich werden kann.
Die am Hilus eintretenden Arterien teilen sich in Äste, die zusammen
mit den Venen weiterhin in Balken eingeschlossen sind (Fig. 119). Dann
trennen sich die Arterien von den Venen, ihre von den Balken gelieferte
Hülle (die »adventitielle Scheide«), sowie ihre Tunica externa wird
gelockert durch Einlagerung zahlreicher weißer Blutzellen. Diese können
entweder als kontinuierlicher Belag den ganzen Verlauf der Arterien
begleiten (z. B. beim Meerschweinchen) oder nur auf einzelne Stellen
beschränkt sein (Mensch, Katze usw.). In letzterem Falle bilden sie
kuglige Ballen von 0,2-0,7 mm Größe, die ~Milzknötchen~ (Malpighischen
Körperchen), oder langgestreckte Spindeln (Fig. 119 am rechten
Arterienast).
[Illustration: Fig. 118.
Stück eines Schnittes der Milz des erwachsenen Menschen. 15mal vergr.
Technik Nr. 83, S. 200.]
Die Milzknötchen sitzen mit Vorliebe in den Astwinkeln der kleinen
Arterien, und zwar so, daß die Arterie entweder die Mitte oder
den Rand des Knötchens durchbohrt. Deswegen heißen diese Arterien
~Zentralarterien~; sie geben Kapillaren ab, welche gering in
den Spindeln, gut aber in den Knötchen entwickelt sind. Die
langgestreckten, nicht miteinander anastomosierenden Endäste der
Arterien, die sogenannten ~Pulpaarterien~, sind kurz vor ihrem Übergang
in Kapillaren mit relativ dicken Wandungen versehen, sie heißen dort
~Hülsenarterien~, die aus diesen entspringenden arteriellen Kapillaren
münden unter spitzem Winkel in weite (12-40 µ) Räume, die ~Milzsinus~
(Venenlakunen), welche durch weite Pulpavenen mit den in den Balken
verlaufenden großen Venen zusammenhängen.
Man kann an injizierten und mazerierten Milzen die Pulpa
ausspülen, dann sieht man die langgestreckten Endäste der
Arterien in ganzen Büscheln (Penizilli, Pinsel) beisammenliegen.
Die nur 0,15-0,25 mm lange Hülsenarterie ist von besonderem
Bau; hier ist das Gefäßepithel(-endothel) von einer dicken
Lage längsverlaufender Fasern umgeben, die der streifigen
Bindesubstanz mitteldicker Arterien gleichen. Der konstante
Durchmesser (6-8 µ) der Hülsenarterien läßt vermuten, daß sie
zur Regulierung des arteriellen Blutstromes dienen, indem sie
eine allzurasche Überschwemmung der Sinus und des Milzparenchyms
verhindern. Sie sind bei Tieren (z. B. beim Igel, Hund, Schwein)
sehr stark entwickelt, beim Menschen zuweilen leicht und in
großer Anzahl (Fig. 118), oft aber nur schwer zu finden.
Die größeren ganz oder teilweise in die Balken eingeschlossenen
Venen besitzen außer ihrem Epithel keine eigene Wand, während
die Balkenarterien ihre Wandschichten auch im Balkenabschnitt
beibehalten.
[Illustration: Fig. 119.
Schema der menschlichen Milz. × Mündung der arteriellen Kapillaren
in die Milzsinus. × × Unterbrechung der geschlossenen Blutbahn an
den Enden der arteriellen Kapillaren, × × × am Rande der Knötchen.
(Die Milzsinus sind der Deutlichkeit halber zu weit entfernt vom
Knötchenrande gezeichnet.)]
Der funktionell wichtigste Abschnitt dieses Gefäßsystems sind die
Milzsinus (Fig. 119), deren Wand ein gitterförmiges Plasmodium ist; die
in der Längsrichtung der Sinus verlaufenden Anteile des Plasmodiums
sind zytoplasmatisch geblieben und enthalten die in das Lumen stark
vorspringenden Kerne. Die quer verlaufenden Züge des Gitters sind
beim Menschen fast vollständig zu Stützfasern umgewandelt (sogenannte
Ringfasern), die mit den Retikulumfasern des Pulparetikulums
allenthalben zusammenhängen. Durch die so gebildeten Lücken treten
Blutkörperchen in beiden Richtungen hindurch.
Durch die Kenntnis des Aufbaues der Sinuswand ist ein
hinreichendes Verständnis dafür gegeben, daß in der Pulpa
sehr reichlich Erythrozyten angetroffen werden. Die sehr
problematische Annahme einer »freien« Ausmündung der Arterien
in die Maschen des retikulären Gewebes ist unnötig geworden.
Da die Milzsinus einmal sehr eng, in anderen Fällen wieder
weit erscheinen, muß man mit einer Kontraktilität der Wandung
rechnen, wodurch auch die Wandlücken einmal eng, ein andermal
weit sein werden. Damit ist also die Möglichkeit einer
weitgehenden Regulation gegeben. Manche Autoren nehmen an, daß
die Poren in der Gitterwand der Venensinus durch eine sehr wenig
widerstandsfähige zytoplasmatische Haut geschlossen sind.
Die durch Isolation darzustellenden sogenannten Milzfasern
(Fig. 120) sind nur Bruchstücke des plasmodialen Retikulums
der Sinuswand und geben kein vollständiges Bild von deren
Zusammensetzung.
[Illustration: Fig. 120.
Retikuläres Bindegewebe der menschlichen Milz. 560mal vergr. Nach
Technik Nr. 11, S. 39.]
[Illustration: Fig. 121.