Technik beider Präparate Nr. 80, S. 200.]

Die peripherischen Lymphknötchen.

(Noduli lymphatici.)

Das weiße Blutzellen einschließende retikuläre Bindegewebe ist

nicht nur auf die Lymphknoten beschränkt; es findet sich auch in

großer Ausdehnung in vielen Schleimhäuten, und zwar in verschiedenen

Entwicklungsgraden, bald als diffuse, bald als schärfer begrenzte

Infiltration von Lympho- und Leukozyten. Diese Formationen werden

nicht zum Lymphsystem gerechnet. Es gibt aber noch einen höheren Grad

der Ausbildung, in welchem den Sekundärknötchen der Lymphknoten ganz

ähnliche ~Knötchen~ (»Follikel«) der ~Schleimhaut~ mit Keimzentrum

bestehen. Diese hat man zum Lymphsystem gerechnet und ~peripherische

Lymphknötchen~ genannt. Sie sind in vielen Schleimhäuten entweder

vereinzelt: ~Solitärknötchen~ (Noduli lymphatici solitarii, »solitäre

Follikel«), oder in Gruppen: ~gehäufte Knötchen~ (Nod. lymph.

aggregati, »Peyersche Haufen«) zu finden und liegen in stets einfacher

Schicht in der Tunica propria (s. Verdauungsorgane) dicht unter dem

Epithel. Verbreitung und Zahl der peripherischen Lymphknötchen ist

nicht nur bei den einzelnen Tierarten, sondern selbst bei einzelnen

Individuen erheblichen Schwankungen unterworfen; da auch ihre Größe

bedeutend differiert und vielfache Übergänge zu zirkumskripten und

diffusen Infiltrationen bestehen, so ist es sehr wahrscheinlich,

daß sie während des Lebens werden und vergehen, also nur temporär

auftreten. Sie besitzen dieselben Zellen wie die eigentlichen

Lymphknoten, unterscheiden sich aber von diesen neben dem Fehlen von

Kapsel und Trabekeln, vor allem durch ihre minder innigen Beziehungen

zu den Lymphgefäßen, welche hier keine die Knötchen (Follikel)

umgreifende Sinus bilden. Ihre Beizählung zum Lymphgefäßsystem

scheint insofern eine berechtigte, als auch sie (in dem Keimzentrum)

Brutstätten von Lymphozyten sind. Dieselben gelangen jedoch nur zum

Teil in die Lymphgefäße; viele wandern vielmehr durch das Epithel auf

die Schleimhautoberfläche (s. auch bei Zungenbälge).

Milz.

Die ~Milz~ ist ein den Blutlymphknoten besonders insofern nahestehendes

Organ, als sie die Stätte des Untergangs vieler Erythrozyten, der

Neubildung vieler weißer Blutzellen darstellt, die durch die Venen

abgeführt werden. Sie besteht außer vielen Blutgefäßen aus einer

Kapsel, aus Balken und aus der Pulpa.

Die ~Kapsel~ ist fest mit dem sie überziehenden Bauchfell verwachsen,

und besteht vorzugsweise aus derbfaserigem Bindegewebe, wenigen glatten

Muskelfasern und dichten Netzen elastischer Fasern, deren Menge im

Alter zunimmt. Von der Kapsel ziehen zahlreiche, meist strangförmige

Fortsetzungen, die ~Milzbalken~ (Fig. 118), in das Innere der Milz und

bilden dort ein zusammenhängendes Netzwerk; sie bestehen ebenfalls

aus Bindegewebe, elastischen Fasern und beim Menschen spärlichen,

bei Tieren (z. B. Hund, Katze) reichlichen glatten Muskelfasern.

Dadurch ist die Kapsel imstande, ein starkes An- und Abschwellen

des Organs zuzulassen. Die dickeren Balken enthalten die gröberen

Blutgefäßverästelungen. Die Maschen des Balkennetzes werden ausgefüllt

von der ~Pulpa~, einer roten, weichen, aus retikulärem Gewebe und

kleineren Blutgefäßen bestehenden Masse, deren feinerer Bau nur durch

Beachtung der Blutgefäßanordnung verständlich werden kann.

Die am Hilus eintretenden Arterien teilen sich in Äste, die zusammen

mit den Venen weiterhin in Balken eingeschlossen sind (Fig. 119). Dann

trennen sich die Arterien von den Venen, ihre von den Balken gelieferte

Hülle (die »adventitielle Scheide«), sowie ihre Tunica externa wird

gelockert durch Einlagerung zahlreicher weißer Blutzellen. Diese können

entweder als kontinuierlicher Belag den ganzen Verlauf der Arterien

begleiten (z. B. beim Meerschweinchen) oder nur auf einzelne Stellen

beschränkt sein (Mensch, Katze usw.). In letzterem Falle bilden sie

kuglige Ballen von 0,2-0,7 mm Größe, die ~Milzknötchen~ (Malpighischen

Körperchen), oder langgestreckte Spindeln (Fig. 119 am rechten

Arterienast).

[Illustration: Fig. 118.

Stück eines Schnittes der Milz des erwachsenen Menschen. 15mal vergr.

Technik Nr. 83, S. 200.]

Die Milzknötchen sitzen mit Vorliebe in den Astwinkeln der kleinen

Arterien, und zwar so, daß die Arterie entweder die Mitte oder

den Rand des Knötchens durchbohrt. Deswegen heißen diese Arterien

~Zentralarterien~; sie geben Kapillaren ab, welche gering in

den Spindeln, gut aber in den Knötchen entwickelt sind. Die

langgestreckten, nicht miteinander anastomosierenden Endäste der

Arterien, die sogenannten ~Pulpaarterien~, sind kurz vor ihrem Übergang

in Kapillaren mit relativ dicken Wandungen versehen, sie heißen dort

~Hülsenarterien~, die aus diesen entspringenden arteriellen Kapillaren

münden unter spitzem Winkel in weite (12-40 µ) Räume, die ~Milzsinus~

(Venenlakunen), welche durch weite Pulpavenen mit den in den Balken

verlaufenden großen Venen zusammenhängen.

Man kann an injizierten und mazerierten Milzen die Pulpa

ausspülen, dann sieht man die langgestreckten Endäste der

Arterien in ganzen Büscheln (Penizilli, Pinsel) beisammenliegen.

Die nur 0,15-0,25 mm lange Hülsenarterie ist von besonderem

Bau; hier ist das Gefäßepithel(-endothel) von einer dicken

Lage längsverlaufender Fasern umgeben, die der streifigen

Bindesubstanz mitteldicker Arterien gleichen. Der konstante

Durchmesser (6-8 µ) der Hülsenarterien läßt vermuten, daß sie

zur Regulierung des arteriellen Blutstromes dienen, indem sie

eine allzurasche Überschwemmung der Sinus und des Milzparenchyms

verhindern. Sie sind bei Tieren (z. B. beim Igel, Hund, Schwein)

sehr stark entwickelt, beim Menschen zuweilen leicht und in

großer Anzahl (Fig. 118), oft aber nur schwer zu finden.

Die größeren ganz oder teilweise in die Balken eingeschlossenen

Venen besitzen außer ihrem Epithel keine eigene Wand, während

die Balkenarterien ihre Wandschichten auch im Balkenabschnitt

beibehalten.

[Illustration: Fig. 119.

Schema der menschlichen Milz. × Mündung der arteriellen Kapillaren

in die Milzsinus. × × Unterbrechung der geschlossenen Blutbahn an

den Enden der arteriellen Kapillaren, × × × am Rande der Knötchen.

(Die Milzsinus sind der Deutlichkeit halber zu weit entfernt vom

Knötchenrande gezeichnet.)]

Der funktionell wichtigste Abschnitt dieses Gefäßsystems sind die

Milzsinus (Fig. 119), deren Wand ein gitterförmiges Plasmodium ist; die

in der Längsrichtung der Sinus verlaufenden Anteile des Plasmodiums

sind zytoplasmatisch geblieben und enthalten die in das Lumen stark

vorspringenden Kerne. Die quer verlaufenden Züge des Gitters sind

beim Menschen fast vollständig zu Stützfasern umgewandelt (sogenannte

Ringfasern), die mit den Retikulumfasern des Pulparetikulums

allenthalben zusammenhängen. Durch die so gebildeten Lücken treten

Blutkörperchen in beiden Richtungen hindurch.

Durch die Kenntnis des Aufbaues der Sinuswand ist ein

hinreichendes Verständnis dafür gegeben, daß in der Pulpa

sehr reichlich Erythrozyten angetroffen werden. Die sehr

problematische Annahme einer »freien« Ausmündung der Arterien

in die Maschen des retikulären Gewebes ist unnötig geworden.

Da die Milzsinus einmal sehr eng, in anderen Fällen wieder

weit erscheinen, muß man mit einer Kontraktilität der Wandung

rechnen, wodurch auch die Wandlücken einmal eng, ein andermal

weit sein werden. Damit ist also die Möglichkeit einer

weitgehenden Regulation gegeben. Manche Autoren nehmen an, daß

die Poren in der Gitterwand der Venensinus durch eine sehr wenig

widerstandsfähige zytoplasmatische Haut geschlossen sind.

Die durch Isolation darzustellenden sogenannten Milzfasern

(Fig. 120) sind nur Bruchstücke des plasmodialen Retikulums

der Sinuswand und geben kein vollständiges Bild von deren

Zusammensetzung.

[Illustration: Fig. 120.

Retikuläres Bindegewebe der menschlichen Milz. 560mal vergr. Nach

Technik Nr. 11, S. 39.]

[Illustration: Fig. 121.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 111 / 286 题