Elemente der menschlichen Milz. 560mal vergr. Techn. Nr. 82, S. 200.]

Das grobe Bindegewebsgerüst (Kapsel) und (Trabekel) und das

beschriebene Gefäßnetz bilden den stabilen Teil der Milz; zwischen

ihnen befindet sich ein dicht gebautes, retikuläres Gewebe (Fig. 120),

das allenthalben mit den groben Gerüstteilen und den Gefäßwänden

in Verbindung steht und in sehr wechselndem Maße mit freien Zellen

angefüllt ist. Die Größenschwankungen, die bei der Milz sehr oft unter

normalen wie pathologischen Umständen beobachtet werden, entstehen

größtenteils durch Zu- oder Abnahme dieser freien Zellen. Das gesamte

Zwischengewebe (einschließlich der außerhalb der Balken verlaufenden

Gefäße) bezeichnet man als ~Pulpa~.

Die oben erwähnten Lymphzellenansammlungen in der Arterienwand

(Milzknötchen, auch weiße Pulpa genannt) stimmen hinsichtlich ihres

feineren Baues mit den Sekundärknötchen der Lymphknoten überein; sie

enthalten sogar Keimzentren und gewöhnlich feine elastische Fasern. Sie

bilden sich zeitweise zurück und an anderen Stellen wieder neu aus.

Das verwirrendste Bild bietet der übrige Teil des außerhalb der Gefäße

liegenden Milzgewebes dar. In ihm werden Erythrozyten in allen Stadien

des Zerfalles (Fig. 121), teilweise von Makrophagen aufgenommen,

teilweise frei angetroffen; auch die verschiedenen Formen von Lympho-

und Hämoleukozyten finden sich hier vor. Wie wir oben sahen, kommen

diese Blutzellen höchst wahrscheinlich durch die Poren in der Wand der

Venensinus in das retikuläre Gewebe hinein.

Hier werden in großer Zahl rote, jedenfalls abgenutzte Blutzellen

zerstört, gleichzeitig werden Lymphozyten dem Milzvenenblut zugefügt;

dieses enthält 70mal mehr weiße Blutzellen als das Blut der Milzarterie.

[Illustration: Fig. 122.

Stück eines dünnen Schnittes durch die menschliche Milz. 400mal vergr.

Technik Nr. 83, S. 200.]

Die ~Lymphgefäße~ sind an der Oberfläche der Milz bei Tieren

reich, beim Menschen dagegen nur spärlich entwickelt. Tiefe, im

Innern der Milz verlaufende Lymphgefäße fehlen.

Die aus spärlichen markhaltigen Fasern und vielen nackten

Achsenzylindern bestehenden ~Nerven~ treten mit den Arterien in

die Milz und verzweigen sich mit diesen. Während ihres Verlaufes

geben sie Äste zur Muskulatur der Arterien (Fig. 123) und der

Milzbalken ab. Auch in der Milzpulpa finden sich Geflechte

markloser Nervenfasern, die zum Teil sensibler Natur sind und

vermutlich von den Verästelungen der eben erwähnten markhaltigen

Nervenfasern herrühren.

Die unverletzte Oberfläche der Milz zeigt häufig eine Abgrenzung

in rundliche Läppchen; der Versuch, auch an Durchschnitten eine

Einteilung in Läppchen zu treffen, läßt sich an der menschlichen

Milz nicht scharf durchführen, doch kann man immerhin zunächst

der Milzoberfläche Balken mit den darin befindlichen Venen

als Grenzen von Läppchen betrachten und konstatieren, daß die

Arterien möglichst weit von den »interlobulären« Balkenvenen, in

der Achse der Läppchen gelegen sind (vgl. Schema Fig. 119). In

der Tiefe der Milz ist eine Läppcheneinteilung nicht mehr möglich.

~Technik.~

Nr. 62. ~Farbige Blutzellen des Menschen.~ Man reinige einen

Objektträger und ein kleines Deckglas sorgfältig (zuletzt mit

Alkohol). Dann steche man sich mit einer durch Glühen kurz vorher

gereinigten Nadel in die Seite der Fingerspitze: der zuerst

hervortretende Blutstropfen wird durch leichtes Aufdrücken

des Deckglases aufgefangen, das Deckglas ~rasch~ auf den

Objektträger gelegt, auf den man vorher einen kleinen Tropfen

0,9%iger Kochsalzlösung gebracht hat. Man erblickt bei starker

Vergrößerung oft viele mit den Flächen aneinander geklebte

farbige Blutzellen. »Geldrollenformen« (Fig. 98), sowie isolierte

farbige und farblose Blutzellen. Die zackigen Ränder mancher

Blutzellen sind durch Verdunstung entstanden. Setzt man an der

einen Seite einen Tropfen Wasser an den Rand des Deckglases, so

tritt alsbald eine Entfärbung der Blutzellen ein; das Hämoglobin

tritt aus, wodurch das Wasser gelblich wird; dabei werden die

Blutzellen kugelrund, erscheinen nur mehr als blasse Kreise,

»~Schatten~«, die schließlich ganz verschwinden. Es empfiehlt

sich, die Entfärbung an einer Blutzelle zu studieren.

[Illustration: Fig. 123.

Schnitt durch die Milz einer Maus. 85mal vergrößert. Die hier auf ihrer

ganzen Länge mit Leukozyten infiltrierte Arterienscheide ist durch eine

punktierte Linie gegen die Pulpa abgegrenzt. Technik Nr. 86, S. 201.]

Nr. 63. ~Dauerpräparate farbiger Blutzellen~ fertigt man an,

indem man auf einen sorgfältig gereinigten Objektträger mit einem

Pinsel frisch dem lebenden Körper entnommenes Blut in möglichst

dünner Lage aufstreicht und an der Luft trocknen läßt. Das

getrocknete Präparat wird mit einem trockenen Deckglase bedeckt

und dieses an den Rändern mit Deckglaskitt fixiert (s. S. 44, 2).

Neben vielen verunstalteten Formen findet man einzelne in Form

und Größe wohlerhaltene Blutzellen.

Nr. 64. Für ~Dauerpräparate farbiger und farbloser Blutzellen~

bedient man sich der ~Trockenmethode Ehrlichs~[97]. Es muß

vorausgeschickt werden, daß diese Methode bei ~genauer~

Berücksichtigung aller angegebenen Vorschriften und bei einiger

Übung in mancher Hinsicht gute Resultate ergibt, daß aber bei

ungeschickter Behandlung eine Menge von Zerrbildern entstehen,

die dem Unerfahrenen mancherlei Täuschung vorspiegeln. Wer mit

dieser Methode neues entdecken will, muß sehr geübt und sehr

vorsichtig im Urteil sein.

~Vorbehandlung.~ Vor der Blutabnahme wird die betreffende

Hautstelle (Fingerspitze) mit Äther gereinigt. Die ~dünnen~

Deckgläschen, die nicht über 0,1 mm dick sein dürfen, werden

zuerst ein paar Minuten in verdünnte Salzsäure, dann in

destilliertes Wasser gelegt und schließlich mit Alkohol

gereinigt. Am besten nimmt man noch nie gebrauchte Deckgläser. Zu

je einem Blutpräparat braucht man zwei Deckgläser. Dann bereite

man eine Mischung von gleichen Teilen absoluten Alkohols und

Schwefeläthers (etwa je 5 ccm), befeuchte damit ein Bäuschchen

reiner Watte und reinige die Fingerspitze nochmals. Nun mache

man mit einer nicht zu anatomischen Zwecken benutzten reinen

Nadel einen Einstich in die durch Kompression etwas hyperämisch

gemachte Fingerspitze, auf den hervorquellenden kleinen

Blutstropfen wird ein Deckgläschen leicht aufgedrückt, das mit

einer Pinzette (~nicht mit den Fingern~) gehalten wird, und dann

auf das zweite Deckgläschen gelegt. Zwischen den beiden Gläschen

breitet sich der Blutstropfen in dünner Schicht aus; sofort

werden die beiden Deckgläschen, die man so aufeinander gelegt

hat, daß der Rand des einen etwas überragt, ~mit zwei Pinzetten~

auseinandergezogen. Durch diese Manipulation wird der Einfluß des

verdunstenden Schweißes auf die Blutzellen verhindert, die sonst

ihr Hämoglobin verlieren oder schrumpfen.

Sobald das Blut auf dem Deckgläschen an der Luft eingetrocknet

ist (nach wenigen Minuten) werden die Gläschen in die mit

Alkoholäther gefüllte Schale zur Fixierung eingelegt. Nach 1/4-2

Stunden nimmt man die Gläschen wieder heraus, läßt sie an der

Luft wieder trocknen und beginnt nun (ca. 5 Minuten nach der

Alkoholätherfixierung) entweder sofort oder beliebig später die

Weiterbehandlung.

Die fixierten Trockenpräparate können lange aufbewahrt werden.

~Weiterbehandlung.~ a) Für ~oxyphile~ (eosinophile, ¿a¿-)

Granulationen. Man lege das Trockenpräparat auf 24 Stunden

in ca. 4 ccm destilliertes Wasser, dem man etwa 10 Tropfen

Eosinlösung (S. 9) zugesetzt hat. Dann spüle man einige Minuten

in destilliertem Wasser ab und färbe 1-5 Minuten in einer

Uhrschale mit ~Hansen~schem Hämatoxylin (S. 32). Dann übertragen

in destilliertes Wasser, nach 5 Minuten herausnehmen und an

der Luft unter einer Glasglocke trocknen lassen. Das trockene

Präparat wird nun direkt mit einem Tropfen Xylolbalsam bedeckt

und so konserviert. Die farbigen Blutzellen und die oxyphilen

Granulationen der farblosen Blutzellen sind leuchtend rot, die

Kerne blau gefärbt. Die oxyphilen Granulationen finden sich nur

spärlich (2-4%) in den Leukozyten des normalen Blutes, ferner

in den Leukozyten der Lymphe und der Gewebe; sehr viele sind im

Knochenmark des Kaninchens vorhanden; zum Aufsuchen genügen meist

mittlere Vergrößerungen (400/1).

b) Für ~basophile (Mastzellen-) Granulationen~, welche sich sehr

spärlich (höchstens 0,5%) in normalem Blute finden, färbe man das

Trockenpräparat nach der Nr. 17, S. 116 angegebenen Methode. Nach

vollendeter Färbung verfahre man wie bei a).

c) Für ~neutrophile~ (¿e¿-) ~Granulationen~. Man löse 1. 1

g »Orangegelb extra« in 50 ccm destilliertem Wasser, 2. 1 g

»Säurefuchsin extra« in 50 ccm destilliertem Wasser, 3. 1 g

kristallisiertes Methylgrün in 50 ccm destilliertem Wasser und

lasse die drei Lösungen durch Absetzen klar werden. Dann mische

man von Lösung 1: 11 ccm, von Lösung 2: 10 ccm, gieße 20 ccm

destilliertes Wasser und 10 ccm absoluten Alkohol hinzu; dieser

Mischung werden zugesetzt eine Mischung von Lösung 3: 13 ccm +

Aqua destill. 10 ccm + Alk. absol. 3 ccm. Das Ganze bleibt bis

zum Gebrauche 1-2 Wochen stehen. In diese am besten von Dr.

~Hollborn~ (Adr. S. 3) zu beziehende »~Triazidlösung~« wird

das Trockenpräparat 15 Minuten eingelegt, dann abgewaschen,

getrocknet und in Xylolbalsam konserviert wie bei a). Die

neutrophilen Granulationen, welche sich in den gelapptkernigen

Leukozyten normalen und anderen Blutes finden, sind von violetter

Farbe und leicht mit den gewöhnlichen starken Trockenlinsen zu

sehen, die oxyphilen Granulationen und die farbigen Blutzellen

sind gelbbraun bis schokoladebraun gefärbt, die Kerne sind

leuchtend blaugrün, doch sind ihre Umrisse nicht so scharf wie an

den Hämatoxylinpräparaten.

Nr. 65. Die ~Blutplättchen~ erhält man, indem man vor dem Stiche

in den Finger auf diesen einen Tropfen einer £filtrierten£

Mischung von ca. 5 Tropfen wässerigem Methylviolett (S. 9) mit

ca. 5 ccm Kochsalzlösung (S. 3) bringt und durch den Tropfen in

den Finger sticht. Das heraustretende Blut mischt sich mit dem

Methylviolett, ein Tropfen davon wird mit der Deckglasunterfläche

aufgefangen und bei starker Vergrößerung untersucht. Die

Plättchen sind intensiv blau gefärbt, von eigentümlichem

Glanze, scheibenförmig (Fig. 98) und nicht zu verwechseln mit

den gleichfalls gefärbten weißen Blutzellen. Ihre Menge ist

individuell sehr verschieden; im Blute des einen sind sie in

großer Menge, im Blute des anderen nur ganz vereinzelt zu finden.

Man hüte sich vor Verwechslungen mit körnigen Verunreinigungen,

die auch in der filtrierten Farblösung vorkommen.

Nr. 66. ~Farbige Blutzellen von Tieren~ (Frosch). Vorbereitung.

Man reinige sorgfältig einen Objektträger und ein Deckglas

(zuletzt mit Alkohol). Ein kleiner Tropfen des dem frisch

getöteten Tiere (S. 11) entnommenen Blutes wird mit einem

Glasstab auf das Deckglas übertragen und dieses rasch auf einen

Objektträger gelegt, auf den man vorher einen ~kleinen~ Tropfen

Kochsalzlösung (0,65%) gebracht hatte. Die Kerne der farbigen

Blutzellen sind anfangs undeutlich, die der viel kleineren weißen

Blutzellen überhaupt nicht zu sehen. Im Frühjahr enthalten die

farbigen Blutzellen mancher Frösche gar kein Hämoglobin, so daß

dann nur deren Kerne zu sehen sind.

Nr. 67. Für ~forensische Zwecke~, in denen es sich ja meistens

um Untersuchung schon eingetrockneten Blutes handelt, weiche man

kleine Partikelchen in 35%iger Kalilauge auf dem Objektträger

auf; blutbefleckte Leinwandstückchen zerzupfe man in einem

Tropfen Kalilauge. Obwohl die farbigen Blutzellen unserer

einheimischen Säugetiere kleiner sind als die des Menschen, so

ist es doch unmöglich, aus der Größe der Blutzellen die Frage

zu entscheiden, ob das Blut vom Menschen oder vom Säugetiere

stamme. Leicht ist es dagegen, die ovalen Blutzellen der anderen

Wirbeltiere von den scheibenförmigen der Säuger zu unterscheiden.

Nr. 68. ~Farblose Blutzellen, Leukozyten in Bewegung~ finden

sich in dem nach Nr. 66 hergestellten Präparate. Zum Studium der

Bewegung wähle man solche Leukozyten, deren Protoplasma teilweise

körnig ist und die nicht rund sind. Die Bewegungen erfolgen

langsam; man kann sich am besten davon überzeugen, wenn man in

Intervallen von 1-2 Minuten kleine Skizzen eines und desselben

Leukozyten verfertigt. Starke Vergrößerung (Fig. 100).

Nr. 69. ~Blutkristalle.~ a) Die Herstellung der ~Häminkristalle~

ist leicht. Man schneide ein Läppchen (von ca. 3 mm Seite)

einer blutgetränkten, trockenen Leinwand aus und bringe es

mit einem höchstens stecknadelkopfgroßen Stückchen Kochsalz

auf einen reinen Objektträger. Dann gebe man mehrere große

Tropfen Eisessig hinzu und stoße mit einem stumpfen Glasstabe

Salz und Leinwand, bis der Eisessig sich bräunlich färbt (ca.

1 Minute). Dann erhitze man den Objektträger über der Flamme,

bis der Eisessig kocht. Nun nehme man das Läppchen rasch weg,

lasse die Flüssigkeit eintrocknen und untersuche die trockenen

braunen Stellen auf dem ~erkalteten~ Objektträger mit starker

Vergrößerung (von 240mal an). Man sieht zuweilen schon ohne

Deckglas, ohne Konservierungsflüssigkeit die ~braunen~ Kristalle

(Fig. 99, _{1}) neben zahlreichen Fragmenten von weißen

Kochsalzkristallen. Zum Konservieren bedecke man den Objektträger

direkt mit einem großen Tropfen Xylolbalsam und einem Deckglase.

Form und Größe der Häminkristalle ist sehr verschieden. Man

erhält von demselben Blut gut ausgebildete Kristalle, teils

einzeln, teils kreuzweise übereinanderliegend, teils zu Sternen

vereint (Fig. 99), neben wetzsteinähnlichen Formen und kleinsten,

kaum die Kristallform zeigenden Partikelchen. Der Nachweis

der Häminkristalle ist in forensischer Hinsicht von großer

Wichtigkeit. So leicht es oft ist, aus größeren Flecken an

Kleidungsstücken die Kristalle herzustellen, so schwierig ist es,

von kleinen Flecken besonders an rostigem Eisen den Nachweis zu

liefern, daß sie von Blut stammen. Die bei solchen Untersuchungen

zu verwendenden Instrumente und Reagenzien müssen absolut rein

sein.

b) ~Hämatoidinkristalle~ findet man beim Zerzupfen alter

Blutextravasate, die schon makroskopisch durch ihre rotbraune

Farbe kenntlich sind (z. B. in apoplektischen Zysten im Corpus

luteum) (Fig. 99, _{3}).

c) ~Hämoglobinkristalle~ stellt man her, indem man etwa 5 ccm

Hundeblut in ein Reagiergläschen bringt, ein paar Tropfen

Schwefeläther zufügt und dann so lange stark schüttelt, bis das

Blut lackfarben wird. Dann breite man einige Tropfen auf dem

Objektträger aus und lasse das Präparat in der Kälte trocknen.

Nach erfolgter Kristallbildung setze man einen Tropfen Glyzerin

zu und lege ein Deckglas auf. Die großen Kristalle zeigen oft

Neigung, in Längsfasern zu zerfallen (Fig. 99, _{4}a).

Nr. 70. ~Neubildung von Kapillaren.~ Man töte ein 7 Tage altes

Kaninchen durch Chloroform, spanne es mit Nadeln auf (S. 11),

eröffne durch einen Kreuzschnitt die Bauchhöhle, nehme rasch

Milz, Magen und das daran hängende große Netz heraus und lege

diese Teile in ca. 80 ccm gesättigte, wässerige Pikrinsäurelösung

(S. 6, Nr. 19). Hier breitet sich das sonst schwer abzulösende

große Netz leicht aus. Nach 1 Stunde schneide man dasselbe

ab, übertrage es in 60 ccm destilliertes Wasser und teile es

mit der Schere in ca. 1 qcm große Stücke. Ein solches Stück

wird auf einen trockenen Objektträger gebracht (das Wasser

durch Fließpapier abgesogen), und dann mit Nadeln möglichst

glatt ausgebreitet, was um so leichter gelingt, je weniger

Flüssigkeit dem Präparat anhängt. Die sehr zarten jungen

Kapillaren können dabei durch Zerrung leicht von den älteren

Kapillaren losgerissen werden und imponieren dann als »isolierte,

blutkörperchenhaltige Zellen«; man hat solche Kunstprodukte (und

auch Rückbildungsformen von Kapillaren) als »~vasoformative

Zellen~« beschrieben. Das Netz ist auch beim Lebenden vielen

Zerrungen ausgesetzt, die vielleicht gleichfalls zur Trennung

junger Kapillaren von ihrer Ursprungsstelle führen können.

Nunmehr bringe man 1 bis 2 Tropfen Hansensches Hämatoxylin auf

das Präparat. Nach 1-5 Minuten lasse man das Hämatoxylin ablaufen

und lege den Objektträger mit dem Präparate in eine flache

Schale mit destilliertem Wasser; das Präparat wird sich bald

vom Objektträger abheben, bleibt aber glatt und wird nun nach 5

Minuten mit dem Spatel in ein Uhrschälchen voll Eosin (s. S. 9)

übertragen, wo es 3 Minuten verbleibt. Dann wird das Präparat in

destilliertem Wasser eine Minute lang ausgewaschen und auf den

Objektträger gebracht; das Wasser wird wieder mit Filtrierpapier

abgesogen, etwaige Falten mit Nadeln ausgeglichen und endlich ein

Deckglas, an dessen Unterseite ein Tropfen verdünnten Glyzerins

angehängt ist, aufgesetzt. Man kann statt Glyzerineinschluß auch

Xylolbalsam (d. h. Alkohol abs., Karbolxylol, Balsam) nehmen,

doch gehen feinere Details leicht verloren. Die roten Blutzellen

sind durch Eosin glänzend rot gefärbt (Fig. 102).

Nr. 71. ~Kreislauf im Omentum maius.~ Das große Netz eines

Kaninchens, dem die Bauchgefäße injiziert waren (s. S. 43), wird

nach Fixation in Formalin 10% vorsichtig am Magen abgeschnitten,

in ~Hansens~ Hämatoxylin (S. 32), dann in Sudan III (s. Technik

Nr. 30, S. 118) gefärbt; schließlich wird ein Stück sorgfältig

auf einen Objektträger ausgebreitet und in Glyzerin (s. S. 44)

eingeschlossen (Umranden des Deckglases mit Deckglaskitt (S. 44).

Nr. 72. ~Kleine Blutgefäße und Kapillaren.~ Man ziehe von

einem menschlichen Gehirn an der Basis langsam Stückchen Pia

von 1-3 cm Seite ab (dabei werden die senkrecht in das Gehirn

eindringenden feinen Blutgefäße mit ausgezogen), dann befreie man

sie durch Schütteln in destilliertem Wasser von den anhängenden

Gehirnmassen und lege sie in 60 ccm Zenkersche Flüssigkeit auf

1 Stunde; hierauf in womöglich fließendes Wasser auch 1 Stunde

(Weiterbehandlung siehe S. 16). Betrachtet man ein solches

Stückchen in einer Uhrschale auf schwarzem Grunde, so sieht

man die feinen Gefäßchen isoliert. a) Mit einer feinen Schere

werden kleine Gefäßbäumchen abgeschnitten, 2-5 Minuten in

Hansenschem Hämatoxylin gefärbt (S. 32) und in Xylolbalsam (S.

45) eingeschlossen. Oft sind die Blutgefäße prall mit Blutzellen

gefüllt, welche ein genaues Studium der Gefäßwand erschweren;

diesem Übelstand ist durch einstündiges Einlegen der frisch

ausgezogenen Blutgefäße in destilliertes Wasser abzuhelfen. Die

Blutzellen werden dadurch entfärbt (s. Technik Nr. 62). (Fig.

104). b) von den größeren Stämmchen der Hirngefäße schneide man

ein ca. 5 mm langes Stückchen der Länge nach auf, färbe es in

Hansenschem Hämatoxylin und lege es so auf den Objektträger,

daß die Externaseite auf dem Glase aufliegt. Konservieren in

Xylolbalsam. Man kann durch wechselnde Einstellung des Tubus sehr

schön die drei Schichten mit deren Verlaufsrichtung sehen.

Kapillaren findet man auch bei der Untersuchung frischen Gehirns.

Man erkennt sie an den parallel verlaufenden Konturen und

den ovalen Epithel-(Endothel-)kernen; ferner auch an anderen

Präparaten.

Nr. 73. ~Gefäßepithel(-endothel).~ Man töte ein Kaninchen durch

Halsabschneiden, öffne mit der Schere den Bauch durch einen

Kreuzschnitt und schiebe unter das Mesenterium, ohne dasselbe

mit dem Finger viel zu berühren, einen Korkrahmen von ca. 2 cm

Seite, spanne es mit einigen Igelstacheln glatt auf, schneide es

rings um den Rahmen ab und lege das aufgespannte Stück in 20-30

ccm der 1%igen Silberlösung (24, S. 6). Weitere Behandlung siehe

E S. 40. Nach erfolgter Bräunung wird das Ganze in ca. 50 ccm

70%igen Alkohol übertragen (die Haut muß in den Alkohol tauchen);

nach einer halben Stunde schneide man mit einer Schere Stücke von

5-10 mm Seite aus, und konserviere in Xylolbalsam nach § 10, 3

(S. 45). Man vergesse nicht, daß man keine Schnitte, sondern wie

in Nr. 72 das ganze Gefäß vor sich hat, so daß nur die richtige

Einstellung auf die Fläche des Gefäßes ein Bild wie Fig. 105

ergibt.

Nr. 74. ~Elastische Fasern der Blutgefäße.~ Man färbe Schnitte

nach Nr. 75 in absolutem Alkohol fixierter Objekte mit

Boraxkarmin und Resorzin-Fuchsin (C S. 35) und konserviere in

Xylolbalsam (S. 45).

Nr. 75. ~Herz und größere Blutgefäße.~ Man schneide einen

Papillarmuskel oder von den mm. pectinati aus einem menschlichen

Herzen, ein Stück der Aorta von 2 cm Seite und ein 1 cm langes

Stück der Vena renalis aus, binde ein 1-3 cm langes Stück der

Arteria brachialis mitsamt Venen und umgebendem Bindegewebe

nach der Nr. 60 (S. 150) angegebenen Methode auf ein Hölzchen

und fixiere die Teile in ca. 40 ccm absolutem Alkohol (S. 14).

Nach 24-48 Stunden sind sämtliche Objekte schnittfähig. Man

bette in Zelloidin ein und fertige feine Querschnitte an, die

mit ~Hansen~schem Hämatoxylin 2-5 Minuten lang gefärbt (S. 32)

werden. Einschluß in Xylolbalsam (S. 45; Fig. 106, 108, 109).

Elastische Fasern bleiben ungefärbt, können jedoch, oft erst mit

starken Vergrößerungen, deutlich erkannt werden.

Querschnitte geben über den Verlauf der Adventitiaelemente

ungenügenden Aufschluß. Oft sieht es aus, als ob sämtliche

Adventitiaelemente zirkulär angeordnet seien. Die wahre Anordnung

kann erst mit Zuhilfenahme von Längsschnitten, welche auch die

Muskelfasern der Externa deutlich zeigen, erkannt werden. Sehr zu

empfehlen ist auch die Fixierung in Sublimat und Färbung feiner

Schnitte nach van Giesons Methode (S. 42).

Nr. 76. ~Lymphgefäße.~ Zum ~Studium der Wandung~ größerer

Lymphgefäße wähle man die in die Inguinalknoten einmündenden

Lymphgefäße, die groß genug sind, um mit Messer und Pinzette

herauspräpariert zu werden. Behandlung wie größere Blutgefäße Nr.

75 oder Nr. 72b.

Nr. 77. Bezüglich der Darstellung ~feiner Lymphgefäße~, ihres

Verlaufes und ihrer Anordnung bedient man sich oft der Injektion

durch Einstich, d. h. man stößt die Nadel einer mit Berlinerblau

gefüllten Pravazschen Spritze in das betreffende Gewebe und

injiziert; eine rohe Methode, deren Resultate sehr zweifelhaften

Wert besitzen. Wenn es auch hier und da gelingt, wirkliche

Lymphgefäße dadurch zu füllen, wird doch in vielen anderen Fällen

die Injektionsmasse mit dieser Methode einfach gewaltsam zwischen

die Spalten des Bindegewebes getrieben. Daraus ergibt sich von

selbst, welche Beurteilung die so dargestellten »Lymphräume« und

»Lymphgefäßwurzeln« verdienen.

Nr. 78. Zu ~Übersichtsbildern der Lymphknoten~ sind die im

Mesenterium gelegenen Lymphknoten junger Katzen am geeignetsten.

Man fixiere und härte einen solchen Knoten in ca. 30 ccm

absolutem Alkohol; nach 3 Tagen lassen sich leicht feine Schnitte

anfertigen, die so gelegt sein müssen, daß sie den makroskopisch

an einer Einsenkung leicht kenntlichen Hilus treffen.

Längsgerichtete, beide Pole des Knotens treffende Schnitte sind

die besten, doch sind auch Querschnitte brauchbar. 6-8 Schnitte

werden in Hansenschem Hämatoxylin (2-3 Minuten), dann in Eosin

(höchstens 1 Minute) gefärbt (S. 41, G), dann in ein zur Hälfte

mit destilliertem Wasser gefülltes Reagenzgläschen gebracht

und 3-5 Minuten lang geschüttelt. Gießt man die geschüttelten

Schnitte in eine flache Schale, so kann man schon makroskopisch

Rinde und Mark unterscheiden; erstere ist gleichmäßig blau,

letzteres ist gefleckt. Konservieren in Xylolbalsam (S. 45). Die

Trabekel sind nur wenig entwickelt. Man verwechsle nicht die den

Knoten aufsitzenden Reste von Fett mit retikulärem Gewebe. Starke

Vergrößerungen bieten keinerlei Vorteil; es verschwinden nur die

scharfen Konturen, das Bild verliert an Deutlichkeit.

Nr. 79. Der Bau der ~Lymphknoten älterer Tiere und des Menschen~

ist oft schwer verständlich, da die ganze Rinde in eine

zusammenhängende Masse verwandelt ist, in die unregelmäßig

Keimzentra eingestreut sind, doch geben feine Schnitte kleiner,

in Zenkerscher Flüssigkeit fixierter (S. 16) und in allmählich

verstärktem Alkohol gehärteter Drüsen, die nach van Gieson

(S. 42, _{18}) gefärbt werden, gute Übersichtsbilder (Fig.

114), Durch Schütteln kommen die Lymphsinus der Follikel nur

undeutlich zum Vorschein, die Keimzentra fallen gern aus und

erscheinen, schon makroskopisch erkennbar, als runde Lücken.

Nr. 80. Zur Darstellung des Netzes der ~Markstränge~ und

~Trabekel~ eignen sich sehr gut die mesenterialen Lymphknoten

des Rindes. Man lege 2 cm lange Stücke derselben in 200 ccm

konzentrierte wässerige Pikrinsäurelösung und versuche nach

24 Stunden mit ~scharfem~, mit Wasser benetztem Messer feine

Schnitte anzufertigen. Das gelingt freilich nicht so gut wie

nach Alkoholfixierung, allein selbst etwas dickere Schnitte

sind noch brauchbar. Die Schnitte werden auf 1 Stunde in 100

ccm öfters zu wechselndes destilliertes Wasser gebracht, dann

mit Hansenschem Hämatoxylin und Eosin gefärbt und geschüttelt

(s. Nr. 78). Einschluß in Xylolbalsam (S. 45). Die Balken

sind rot, die Markstränge blau; bei schwachen Vergrößerungen

sieht man Bilder wie Fig. 116, bei starken Vergrößerungen

sehr schön das retikuläre Bindegewebe der Lymphsinus; die in

dessen Maschen befindlich gewesenen Leukozyten sind durch die

Pikrinsäurebehandlung gelockert und durch Schütteln meist

entfernt worden (Fig. 117).

Nr. 81. ~Blutlymphknoten~, makroskopisch den Lymphknoten ähnliche

Gebilde von dunkelroter Farbe, finden sich in individuell sehr

wechselnder Zahl längs der Vorderfläche der Wirbelsäule, am

Ursprung der A. mesent. sup. und der A. renalis. Beim Menschen

von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zu der einer Mandel

sind sie am besten an Eingeweiden zu finden, die in 4%iger

Formollösung fixiert waren. Dadurch werden die Knoten dunkelbraun

gefärbt und treten schärfer hervor. Am leichtesten sind sie beim

Schwein längs der Brustaorta, beim Schaf in der Bauchhöhle zu

finden, fehlen aber auch zuweilen da. Technik wie Nr. 79.

Nr. 82. ~Elemente der Milz.~ Man durchschneide eine frische Milz,

streiche mit schräg aufgesetztem Skalpell über die Schnittfläche

und untersuche die der Skalpellklinge anhaftende rote Masse in

einem Tropfen Kochsalzlösung. Starke Vergrößerung! Man findet

(besonders bei Tieren) oft nur rote und weiße Blutzellen,

letztere enthalten zum Teil kleine Körnchen. Bei menschlichen

Milzen sind neben zahlreichen, in ihrer Gestalt veränderten

farbigen Blutzellen (Fig. 121) stets die früher sogenannten

Milzfasern, das sind Epithel-(Endothel-)zellen der Milzsinus, zu

finden. Erythrozytenhaltige Zellen und mehrkernige Zellen sucht

man in menschlichen Milzen oft vergebens.

Nr. 83. ~Milz.~ Man fixiere die ganze Milz, ohne sie

anzuschneiden, in Müllerscher Flüssigkeit. (Bei menschlicher

Milz 1 Liter, bei Katzenmilz 200-300 ccm.) Nach 2 (bei Tieren)

bis 5 (beim Menschen) Wochen wasche man die Milz 1-2 Stunden in

womöglich fließendem Wasser, schneide Stücke von ca. 2 cm Seite

aus und härte sie in ca. 60 ccm allmählich verstärktem Alkohol

(S. 17). Einbetten in Zelloidin oder Paraffin. Man sieht auf der

Schnittfläche die Milzknötchen schon mit unbewaffnetem Auge.

Nicht zu feine Schnitte färbe man mit Hansenschem Hämatoxylin

(S. 32) und konserviere sie in Xylolbalsam (S. 45). Will man die

Balken färben, so lege man die mit Hämatoxylin gefärbten Schnitte

1/2 Minute[98] in Eosin (S. 41). Bei gelungenen Präparaten

erscheinen die Pulpastränge und die Knötchen blau, die Balken

rosa, die mit Blutzellen strotzend gefüllten Gefäße braun.

Möglichst schwache Vergrößerungen liefern die besten Bilder (Fig.

118), bei stärkeren Vergrößerungen sind die so scharf gewesenen

Konturen oft undeutlich. Für feine Schnitte ist Fixierung in

Zenkerscher Flüssigkeit usw. (S. 16) und Färbung nach van Gieson

(S. 42, _{18}) zu empfehlen (Fig. 122).

Nr. 84. Zur Darstellung des ~retikulären Bindegewebes der Milz~

sei Studni[vc]kas Modifikation (S. 39) empfohlen.

Nr. 85. ~Blutgefäße der Milz~ erhält man gelegentlich der

Injektion des Magens und des Darmes, vgl. Nr. 134.

Nr. 86. ~Nerven der Milz.~ Am besten geeignet ist die Milz der

Maus, die halbiert nach Golgis Methode (S. 36) behandelt wird; 3

Tage Aufenthalt in der osmiobichromischen Mischung (in der Wärme)

und ebenso lange in der Silberlösung genügt zuweilen; oft führt

erst einmalige oder doppelte Wiederholung des Verfahrens zu guten

Resultaten.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 112 / 286 题