Die ersten Lymphgefäße entwickeln sich durch Sprossung aus dem
Venensystem.
Die Frage nach den ersten Anfängen der Lymphgefäße ist noch nicht
endgültig entschieden; während die einen Autoren die Lymphkapillaren
für allseitig geschlossen halten, sind nach der zweiten Ansicht
dieselben peripheriewärts offen, indem sie mit einem im Stützgewebe
befindlichen Saftkanalsystem (S. 95) in direkter Verbindung stehen.
Nach der ersten Meinung würde der durch die Blutkapillarwand in die
Gewebe übergetretene Gewebssaft (Parenchymsaft), soweit er nicht
zur Ernährung der Gewebe verbraucht wird, durch Endosmose in die
geschlossenen Lymphkapillaren eindringen, nach der zweiten Ansicht
dagegen direkt von den Geweben aus durch die offenen Lymphgefäßanfänge
seinen Abfluß finden (vgl. Technik Nr. 77, S. 199).
Die Saftkanälchen werden als »~Lymphbahnen~« den mit zelligen
Wandungen versehenen Lymphgefäßen gegenübergestellt; andere
Autoren setzen Lymphbahnen = Lymphgefäßen + Saftkanalsystem.
Die typischen, histologisch darstellbaren Lymphkapillaren sind
allseitig geschlossene, durch Epithel (Endothel) ausgekleidete
Röhren, die den Blutkapillaren ähnlich, jedoch weiter und an den
Teilungsstellen oft bedeutend verbreitert sind. Das von ihnen gebildete
Netzwerk ist unregelmäßiger.
In größeren Lymphgefäßen steigert sich die Wanddicke ganz ähnlich
wie bei den Venen, so daß die größten Lymphgefäße ebenfalls eine
Dreischichtung der Wandung aufweisen.
Die Intima besteht aus Epithel(Endothel-)zellen (Fig. 111)
und feinen elastischen Längsfasernetzen. Die Media wird
durch querlaufende glatte Muskelfasern und wenige elastische
Fasernetze gebildet. Die Externa besteht aus längsverlaufenden
Bindegewebsbündeln, elastischen Fasern und gleichfalls
längsverlaufenden Bündeln glatter Muskelfasern.
Die Nerven der Lymphgefäße verhalten sich ähnlich denen der Blutgefäße.