5. Ernährungseinrichtungen und Nervenversorgung.

Das Epithel, das das ganze Zirkulationssystem auskleidet, dürfte sein

Stoffwechselbedürfnis größtenteils aus dem das Lumen durcheilenden

Blute selbst decken; so finden wir in Kapillaren und kleinsten Arterien

und Venen keine besonderen Ernährungsbahnen zur Versorgung der Wandung.

Nur zum Abfluß der Gewebeflüssigkeit nehmen aus dem lockeren, die

Gefäße umgebenden Bindegewebe Lymphbahnen ihren Anfang. Man spricht

geradezu von adventitiellen Lymphräumen, womit die Tatsache gemeint

ist, daß sich in der T. externa besonders bei entzündlichen Prozessen

zahlreiche freie Zellen ansammeln können.

Besonders die großen Gefäße und das Herz sind reich an Lymphbahnen.

Die Wandung aller mittleren und großen Blutgefäße wird vom Bindegewebe

aus ernährt, durch Vermittlung besonderer kleiner Blutgefäße, Vasa

vasorum, die fast ausschließlich in der T. externa verlaufen. Die T.

intima ist auch bei diesen Gefäßen frei von besonderen Ernährungsbahnen.

Die zahlreichen ~Blutgefäße~ des Herzens verlaufen in der Muskulatur

nach der für Muskeln typischen Anordnung (siehe »Organe des

Muskelsystems«). Auch Epikard und Endokard (letzteres nur in seinen

tieferen Schichten) besitzen Blutgefäße. Die Semilunarklappen enthalten

keine Blutgefäße, die Atrioventrikularklappen nur an ihrer Basis,

soweit Muskulatur in sie hineinreicht. Die Herzarterien sind ~keine~

Endarterien (s. »Blutgefäße des Magens«).

Der Regulierung des Kreislaufes dient eine reichliche

~Nervenversorgung~ des ganzen Gefäßsystems. In der T. externa aller

Gefäße finden sich Geflechte markhaltiger und markloser Nerven, zum

Teil in komplizierter Anordnung. In kleineren Gefäßen stehen diese

Nervennetze mit ähnlichen in Verbindung, die in tieferen Lagen der

Wandung vorkommen. Von beiden Netzen aus werden Muskelfasern versorgt,

außerdem wahrscheinlich auch sensible Endigungsäste abgegeben. In

größeren Gefäßen kommt noch ein drittes, an der Grenze von Externa und

Media gelegenes Geflecht hinzu.

Ganglienzellen, vereinzelt und in Gruppen, sind bisher nur in den

großen Gefäßen im Innern der Körperhöhlen und der Schädelhöhle, in

der Externa gelagert, nachgewiesen worden. Man nimmt an, daß die zu

den Gefäßnerven zugehörigen Ganglienzellen zum größten Teile in den

Ganglien des Grenzstranges liegen, von denen aus die Gefäßnerven der in

den Körperhöhlen liegenden Gefäße direkt, diejenigen für die Rumpf- und

Extremitätengefäße in der Bahn der Körpernerven an ihr Ziel gelangen.

Es ist bisher noch nicht gelungen, gefäßerweiternde und

-verengende Nerven morphologisch zu unterscheiden. Ebensowenig

kann die Kenntnis von besonderen sensiblen Nerven der Gefäße

als gesichert gelten, wenngleich in der Externa der Bauchaorta

Lamellenkörperchen (s. Kap. »Periphere Nervenendigungen«)

nachgewiesen sind.

Besonders reichlich, dem Typus nach aber mit der Innervation der

Gefäße übereinstimmend ist die Nervenversorgung des Herzens. Die

vielen, dem Vagus und Sympathikus entstammenden, teils marklosen, teils

markhaltigen Nerven bilden zahlreiche, Ganglienzellen einschließende

Geflechte, die daraus entspringenden Zweige sind teils motorisch

(an jeder Muskelfaser endet mit einer kleinen Anschwellung je

eine Nervenfaser), teils sensitiv; inwieweit die einzelnen Teile

des intrakardialen Nervensystems mit den hemmenden (Vagus-) oder

beschleunigenden (Sympathikus-) Herznerven in Verbindung stehen, ist

noch durchaus unsicher.

Die Ganglienzellen liegen beim Menschen subepikardial,

hauptsächlich in der hinteren horizontalen Kranzfurche bis zum

Atrioventrikular- und Sinusknoten.

Physiologische Erfahrungen sprechen dafür, daß das intrakardiale

Nervensystem ein relativ selbständiger Regulationsapparat

ist, der durch Verbindung mit den von außen herantretenden,

obengenannten Nerven in entsprechender Weise beeinflußt werden

kann.

c) Das Lymphgefäßsystem.

Das Lymphgefäßsystem ist dem Venensystem parallel geschaltet; die

Lymphe sammelt sich aus der Gewebsflüssigkeit und bewegt sich von den

Lymphkapillaren aus nur in einer Richtung, wobei eine immer größere

Zahl kleiner Gefäßstämme sich zu großen sammelt, die endlich (als D.

thoracicus und Tr. bronchomediastinalis dexter) in das Venensystem

einmünden.

Die ähnliche, motorische, Aufgabe bewirkt manche Ähnlichkeit im

Aufbau der größeren Lymphgefäße mit den Venen (Klappen, Anordnung der

Muskulatur). Nur sind wegen der noch geringeren Druckbeanspruchung der

Lymphgefäße diese noch zarter gebaut als die Venen.

Ein besonderes Gepräge erhält das Lymphgefäßsystem durch die

Einschaltung der Lymphknoten, die, in der Lymphbahn gelegen, die

Zusammensetzung der Lymphe sehr stark modifizieren.

[Illustration: Fig. 111.

Längsansicht eines Lymphgefäßes des Mesenterium vom Kaninchen. 50mal

vergrößert. Grenzen der Epithel-(Endothel-)zellen. Technik Nr. 73,

S. 198.]

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 108 / 286 题