Das Epithel, das das ganze Zirkulationssystem auskleidet, dürfte sein
Stoffwechselbedürfnis größtenteils aus dem das Lumen durcheilenden
Blute selbst decken; so finden wir in Kapillaren und kleinsten Arterien
und Venen keine besonderen Ernährungsbahnen zur Versorgung der Wandung.
Nur zum Abfluß der Gewebeflüssigkeit nehmen aus dem lockeren, die
Gefäße umgebenden Bindegewebe Lymphbahnen ihren Anfang. Man spricht
geradezu von adventitiellen Lymphräumen, womit die Tatsache gemeint
ist, daß sich in der T. externa besonders bei entzündlichen Prozessen
zahlreiche freie Zellen ansammeln können.
Besonders die großen Gefäße und das Herz sind reich an Lymphbahnen.
Die Wandung aller mittleren und großen Blutgefäße wird vom Bindegewebe
aus ernährt, durch Vermittlung besonderer kleiner Blutgefäße, Vasa
vasorum, die fast ausschließlich in der T. externa verlaufen. Die T.
intima ist auch bei diesen Gefäßen frei von besonderen Ernährungsbahnen.
Die zahlreichen ~Blutgefäße~ des Herzens verlaufen in der Muskulatur
nach der für Muskeln typischen Anordnung (siehe »Organe des
Muskelsystems«). Auch Epikard und Endokard (letzteres nur in seinen
tieferen Schichten) besitzen Blutgefäße. Die Semilunarklappen enthalten
keine Blutgefäße, die Atrioventrikularklappen nur an ihrer Basis,
soweit Muskulatur in sie hineinreicht. Die Herzarterien sind ~keine~
Endarterien (s. »Blutgefäße des Magens«).
Der Regulierung des Kreislaufes dient eine reichliche
~Nervenversorgung~ des ganzen Gefäßsystems. In der T. externa aller
Gefäße finden sich Geflechte markhaltiger und markloser Nerven, zum
Teil in komplizierter Anordnung. In kleineren Gefäßen stehen diese
Nervennetze mit ähnlichen in Verbindung, die in tieferen Lagen der
Wandung vorkommen. Von beiden Netzen aus werden Muskelfasern versorgt,
außerdem wahrscheinlich auch sensible Endigungsäste abgegeben. In
größeren Gefäßen kommt noch ein drittes, an der Grenze von Externa und
Media gelegenes Geflecht hinzu.
Ganglienzellen, vereinzelt und in Gruppen, sind bisher nur in den
großen Gefäßen im Innern der Körperhöhlen und der Schädelhöhle, in
der Externa gelagert, nachgewiesen worden. Man nimmt an, daß die zu
den Gefäßnerven zugehörigen Ganglienzellen zum größten Teile in den
Ganglien des Grenzstranges liegen, von denen aus die Gefäßnerven der in
den Körperhöhlen liegenden Gefäße direkt, diejenigen für die Rumpf- und
Extremitätengefäße in der Bahn der Körpernerven an ihr Ziel gelangen.
Es ist bisher noch nicht gelungen, gefäßerweiternde und
-verengende Nerven morphologisch zu unterscheiden. Ebensowenig
kann die Kenntnis von besonderen sensiblen Nerven der Gefäße
als gesichert gelten, wenngleich in der Externa der Bauchaorta
Lamellenkörperchen (s. Kap. »Periphere Nervenendigungen«)
nachgewiesen sind.
Besonders reichlich, dem Typus nach aber mit der Innervation der
Gefäße übereinstimmend ist die Nervenversorgung des Herzens. Die
vielen, dem Vagus und Sympathikus entstammenden, teils marklosen, teils
markhaltigen Nerven bilden zahlreiche, Ganglienzellen einschließende
Geflechte, die daraus entspringenden Zweige sind teils motorisch
(an jeder Muskelfaser endet mit einer kleinen Anschwellung je
eine Nervenfaser), teils sensitiv; inwieweit die einzelnen Teile
des intrakardialen Nervensystems mit den hemmenden (Vagus-) oder
beschleunigenden (Sympathikus-) Herznerven in Verbindung stehen, ist
noch durchaus unsicher.
Die Ganglienzellen liegen beim Menschen subepikardial,
hauptsächlich in der hinteren horizontalen Kranzfurche bis zum
Atrioventrikular- und Sinusknoten.
Physiologische Erfahrungen sprechen dafür, daß das intrakardiale
Nervensystem ein relativ selbständiger Regulationsapparat
ist, der durch Verbindung mit den von außen herantretenden,
obengenannten Nerven in entsprechender Weise beeinflußt werden
kann.
c) Das Lymphgefäßsystem.
Das Lymphgefäßsystem ist dem Venensystem parallel geschaltet; die
Lymphe sammelt sich aus der Gewebsflüssigkeit und bewegt sich von den
Lymphkapillaren aus nur in einer Richtung, wobei eine immer größere
Zahl kleiner Gefäßstämme sich zu großen sammelt, die endlich (als D.
thoracicus und Tr. bronchomediastinalis dexter) in das Venensystem
einmünden.
Die ähnliche, motorische, Aufgabe bewirkt manche Ähnlichkeit im
Aufbau der größeren Lymphgefäße mit den Venen (Klappen, Anordnung der
Muskulatur). Nur sind wegen der noch geringeren Druckbeanspruchung der
Lymphgefäße diese noch zarter gebaut als die Venen.
Ein besonderes Gepräge erhält das Lymphgefäßsystem durch die
Einschaltung der Lymphknoten, die, in der Lymphbahn gelegen, die
Zusammensetzung der Lymphe sehr stark modifizieren.
[Illustration: Fig. 111.
Längsansicht eines Lymphgefäßes des Mesenterium vom Kaninchen. 50mal
vergrößert. Grenzen der Epithel-(Endothel-)zellen. Technik Nr. 73,
S. 198.]