Das Herz ist funktionell und nach seiner Zusammensetzung ein
Bestandteil des Zirkulationssystems; wie das Kapillarsystem der
Hauptort der Stoffwechselfunktion, so ist das Herz der Hauptort für den
motorischen Antrieb der Blutflüssigkeit. So sehen wir in seiner Wandung
die Muskulatur bei weitem den größten Raum einnehmen. Ihre Anordnung
und charakteristische Sonderung bewirkt wie bei den Arterien eine
deutliche Dreischichtung der Wandung in 1. T. intima -- ~Endokardium~,
2. T. media -- ~Myokardium~ und 3. T. externa -- ~Epikardium~ (=
viszerales Blatt des Perikardiums). Die Umschließung des Herzens von
einer serösen Höhle (Perikardialhöhle) kommt in dem äußeren Abschluß
des Epikardiums durch ein einschichtiges Plattenepithel zum Ausdruck.
1. Das ~Endokardium~ ist an seiner der Herzhöhle zugewendeten freien
Oberfläche mit einer einfachen Lage platter, unregelmäßig polygonaler
Epithel-(Endothel-)zellen (s. S. 75) überzogen (Fig. 110), darunter
liegt eine bindegewebige Haut, welche glatte Muskelfasern und
zahlreiche elastische Fasern enthält.
Die glatten Muskelfasern sind da häufiger, wo die Herzwand
glatt ist, am stärksten aber vor der Ursprungsstelle der Aorta
entwickelt. Die elastischen Fasern sind in den Vorhöfen viel
stärker entwickelt als in den Kammern und bilden dort entweder
dichte Fasernetze oder sind selbst zu gefensterten Häuten (Fig.
44, S. 97) verschmolzen.
2. Das ~Myokardium~ besteht aus einem gestreckten Netz von Muskelfasern
(deren Bau s. S. 122) und einem diese umgebenden feinen Perimysium;
der Verlauf der Muskelzüge ist ein sehr verwickelter. Die Muskulatur
der Vorkammern ist von jener der Kammern nicht vollkommen getrennt.
Vom Septum atriorum, links neben der Mündung des Sinus coronarius,
entspringt unter Bildung eines Knotens (»Atrioventrikularknoten«) ein
ca. 2,5 mm breites Muskelbündel (~Tawara~), dessen Fasern sich von
jenen des gewöhnlichen Myokards unterscheiden durch größere Dicke
und durch spärlichere, in reichlicherem Sarkoplasma eingebettete
Fibrillen (Fig. 110). Das Bündel zieht über den Ursprung des hinteren
Trikuspidalzipfels an der Pars membranacea septi vorbei nach dem
Septum ventriculorum und endet ausstrahlend in den subendokardialen
Schichten beider Ventrikel. Die Verästelungen dieses Bündels verbinden
sich mit den gewöhnlichen Muskelfasern sowohl der Vorkammern wie
der Kammern, so daß ein zusammenhängendes System entsteht, das als
»Reizleitungssystem des Herzens« betrachtet wird.
Die Fasern des ventrikulären Teils sind besonders reich an
Glykogen (Methode siehe Leberzellen).
Diese Fasern entsprechen den ~Purkinje~schen Fäden, die bei
den verschiedenen Säugetieren und auch an verschiedenen
Stellen ungleich ausgebildet sind. Beim Menschen sind sie den
gewöhnlichen Herzmuskelfasern am ähnlichsten, beim Schaf dagegen
bestehen die Fäden aus hellen, aneinandergereihten Zellen, deren
Randschichten quergestreifte, von Zelle zu Zelle kontinuierlich
durchziehende Fibrillen enthalten. Ihre Kerne vermehren sich
teils durch Mitose, teils durch Amitose (dann unterbleibt die
Zellteilung). Diese Zellen sind als Entwicklungsformen echter
Herzmuskelfasern zu betrachten.
Ein zweites kleineres Bündel (der »Sinusknoten«) liegt ventral
von der Einmündung der Cava superior in den Vorhof dicht unter
dem Epikard. Die Muskelfasern beider Knoten sind sehr fein,
diejenigen der Bündel aber breit.
[Illustration: Fig. 110.
Stück eines Querschnittes durch die Musculi pectinati eines
menschlichen Herzens. 240mal vergr. Technik Nr. 75, S. 199. Die
Fibrillen der querdurchschnittenen Muskelfasern erscheinen als Punkte,
die kleinen Striche sind teils schräge Durchschnitte von Fibrillen,
teils (bei ×) Fibrillenbündel (S. 128). Die elastischen Fasern sind
nicht zu sehen; glatte Muskelfasern fehlen völlig.]
An den Vorkammern kann man eine beiden Vorkammern gemeinschaftliche
äußere, quere und eine jeder Vorkammer eigentümliche innere,
longitudinale (besonders im rechten Vorhofe, mm. pectinati) Lage
unterscheiden. Außerdem finden sich viele kleine, in anderen Richtungen
verlaufende Muskelbündel. Viel unregelmäßiger ist die Muskulatur der
Kammern, deren Bündel in den verschiedensten Richtungen, oft in Form
von Achterzügen verlaufen. Das Perimysium enthält im Bereich der
Vorkammern viele elastische, im Alter sich vermehrende Fasern, die
mit denen des Endo- und des Epikardium zusammenhängen; im Bereich der
Kammern enthält das Perimysium, abgesehen von den der Adventitia der
Myokardgefäße angehörenden elastischen Fasern, nur wenige elastische
Elemente. Zwischen Vorkammern und Kammern liegen derbe, mit elastischen
Fasern untermischte Sehnenstreifen, die ~Annuli fibrosi~, von denen
der rechte stärker ist als der linke. Ebensolche, jedoch schwächer
entwickelte Streifen liegen an den Ostia arteriosa der Kammern:
zahlreiche Enden von Muskelfasern inserieren an sämtlichen Streifen.
3. Das ~Epikardium~ ist eine bindegewebige, von Fettzellen und
elastischen Fasern durchsetzte Haut, welche an der Außenfläche von
einem einschichtigen Plattenepithel überzogen ist. Die elastischen
Fasern des Vorkammerepikards gehen in die Adventitia der großen Venen
über, die des Kammerepikards verlieren sich im Conus arteriosus und
gehen nicht in Aorta und Pulmonalis über.
Die ~Atrioventrikularklappen~ bestehen aus faserigem Bindegewebe,
welches mit dem der Annuli fibrosi zusammenhängt, und sind an ihren
Flächen vom Endokard überzogen. Sie enthalten ferner Muskelfasern (nur
in den Ursprungsrändern) und elastische Fasern, welche sich auch in die
Chordae tendineae fortsetzen. An den freien Rändern (an den Noduli)
der ähnlich gebauten Semilunarklappen sind elastische Fasern reichlich
vorhanden; Muskelfasern fehlen hier.
Der ~Herzbeutel~, Perikardium, besteht aus derbem, mit elastischen
Fasern durchmischten Bindegewebe, welches an seiner inneren dem Herzen
zugekehrten Oberfläche von einem einfachen Plattenepithel überkleidet
ist.
Blut-, Lymphgefäße und Nerven verhalten sich wie am Bauchfell (siehe
dort).