4. Das Herz.

Das Herz ist funktionell und nach seiner Zusammensetzung ein

Bestandteil des Zirkulationssystems; wie das Kapillarsystem der

Hauptort der Stoffwechselfunktion, so ist das Herz der Hauptort für den

motorischen Antrieb der Blutflüssigkeit. So sehen wir in seiner Wandung

die Muskulatur bei weitem den größten Raum einnehmen. Ihre Anordnung

und charakteristische Sonderung bewirkt wie bei den Arterien eine

deutliche Dreischichtung der Wandung in 1. T. intima -- ~Endokardium~,

2. T. media -- ~Myokardium~ und 3. T. externa -- ~Epikardium~ (=

viszerales Blatt des Perikardiums). Die Umschließung des Herzens von

einer serösen Höhle (Perikardialhöhle) kommt in dem äußeren Abschluß

des Epikardiums durch ein einschichtiges Plattenepithel zum Ausdruck.

1. Das ~Endokardium~ ist an seiner der Herzhöhle zugewendeten freien

Oberfläche mit einer einfachen Lage platter, unregelmäßig polygonaler

Epithel-(Endothel-)zellen (s. S. 75) überzogen (Fig. 110), darunter

liegt eine bindegewebige Haut, welche glatte Muskelfasern und

zahlreiche elastische Fasern enthält.

Die glatten Muskelfasern sind da häufiger, wo die Herzwand

glatt ist, am stärksten aber vor der Ursprungsstelle der Aorta

entwickelt. Die elastischen Fasern sind in den Vorhöfen viel

stärker entwickelt als in den Kammern und bilden dort entweder

dichte Fasernetze oder sind selbst zu gefensterten Häuten (Fig.

44, S. 97) verschmolzen.

2. Das ~Myokardium~ besteht aus einem gestreckten Netz von Muskelfasern

(deren Bau s. S. 122) und einem diese umgebenden feinen Perimysium;

der Verlauf der Muskelzüge ist ein sehr verwickelter. Die Muskulatur

der Vorkammern ist von jener der Kammern nicht vollkommen getrennt.

Vom Septum atriorum, links neben der Mündung des Sinus coronarius,

entspringt unter Bildung eines Knotens (»Atrioventrikularknoten«) ein

ca. 2,5 mm breites Muskelbündel (~Tawara~), dessen Fasern sich von

jenen des gewöhnlichen Myokards unterscheiden durch größere Dicke

und durch spärlichere, in reichlicherem Sarkoplasma eingebettete

Fibrillen (Fig. 110). Das Bündel zieht über den Ursprung des hinteren

Trikuspidalzipfels an der Pars membranacea septi vorbei nach dem

Septum ventriculorum und endet ausstrahlend in den subendokardialen

Schichten beider Ventrikel. Die Verästelungen dieses Bündels verbinden

sich mit den gewöhnlichen Muskelfasern sowohl der Vorkammern wie

der Kammern, so daß ein zusammenhängendes System entsteht, das als

»Reizleitungssystem des Herzens« betrachtet wird.

Die Fasern des ventrikulären Teils sind besonders reich an

Glykogen (Methode siehe Leberzellen).

Diese Fasern entsprechen den ~Purkinje~schen Fäden, die bei

den verschiedenen Säugetieren und auch an verschiedenen

Stellen ungleich ausgebildet sind. Beim Menschen sind sie den

gewöhnlichen Herzmuskelfasern am ähnlichsten, beim Schaf dagegen

bestehen die Fäden aus hellen, aneinandergereihten Zellen, deren

Randschichten quergestreifte, von Zelle zu Zelle kontinuierlich

durchziehende Fibrillen enthalten. Ihre Kerne vermehren sich

teils durch Mitose, teils durch Amitose (dann unterbleibt die

Zellteilung). Diese Zellen sind als Entwicklungsformen echter

Herzmuskelfasern zu betrachten.

Ein zweites kleineres Bündel (der »Sinusknoten«) liegt ventral

von der Einmündung der Cava superior in den Vorhof dicht unter

dem Epikard. Die Muskelfasern beider Knoten sind sehr fein,

diejenigen der Bündel aber breit.

[Illustration: Fig. 110.

Stück eines Querschnittes durch die Musculi pectinati eines

menschlichen Herzens. 240mal vergr. Technik Nr. 75, S. 199. Die

Fibrillen der querdurchschnittenen Muskelfasern erscheinen als Punkte,

die kleinen Striche sind teils schräge Durchschnitte von Fibrillen,

teils (bei ×) Fibrillenbündel (S. 128). Die elastischen Fasern sind

nicht zu sehen; glatte Muskelfasern fehlen völlig.]

An den Vorkammern kann man eine beiden Vorkammern gemeinschaftliche

äußere, quere und eine jeder Vorkammer eigentümliche innere,

longitudinale (besonders im rechten Vorhofe, mm. pectinati) Lage

unterscheiden. Außerdem finden sich viele kleine, in anderen Richtungen

verlaufende Muskelbündel. Viel unregelmäßiger ist die Muskulatur der

Kammern, deren Bündel in den verschiedensten Richtungen, oft in Form

von Achterzügen verlaufen. Das Perimysium enthält im Bereich der

Vorkammern viele elastische, im Alter sich vermehrende Fasern, die

mit denen des Endo- und des Epikardium zusammenhängen; im Bereich der

Kammern enthält das Perimysium, abgesehen von den der Adventitia der

Myokardgefäße angehörenden elastischen Fasern, nur wenige elastische

Elemente. Zwischen Vorkammern und Kammern liegen derbe, mit elastischen

Fasern untermischte Sehnenstreifen, die ~Annuli fibrosi~, von denen

der rechte stärker ist als der linke. Ebensolche, jedoch schwächer

entwickelte Streifen liegen an den Ostia arteriosa der Kammern:

zahlreiche Enden von Muskelfasern inserieren an sämtlichen Streifen.

3. Das ~Epikardium~ ist eine bindegewebige, von Fettzellen und

elastischen Fasern durchsetzte Haut, welche an der Außenfläche von

einem einschichtigen Plattenepithel überzogen ist. Die elastischen

Fasern des Vorkammerepikards gehen in die Adventitia der großen Venen

über, die des Kammerepikards verlieren sich im Conus arteriosus und

gehen nicht in Aorta und Pulmonalis über.

Die ~Atrioventrikularklappen~ bestehen aus faserigem Bindegewebe,

welches mit dem der Annuli fibrosi zusammenhängt, und sind an ihren

Flächen vom Endokard überzogen. Sie enthalten ferner Muskelfasern (nur

in den Ursprungsrändern) und elastische Fasern, welche sich auch in die

Chordae tendineae fortsetzen. An den freien Rändern (an den Noduli)

der ähnlich gebauten Semilunarklappen sind elastische Fasern reichlich

vorhanden; Muskelfasern fehlen hier.

Der ~Herzbeutel~, Perikardium, besteht aus derbem, mit elastischen

Fasern durchmischten Bindegewebe, welches an seiner inneren dem Herzen

zugekehrten Oberfläche von einem einfachen Plattenepithel überkleidet

ist.

Blut-, Lymphgefäße und Nerven verhalten sich wie am Bauchfell (siehe

dort).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 107 / 286 题