3. Die Venen.

Die Wandung der Venen zeigt in ihrem Aufbau vielleicht noch größere

Schwankungen wie diejenige der Arterien. Die Anforderungen an ihre

Leistungen sind ganz andere: nicht der Widerstand, der durch die

Gefäßverzweigung gegeben ist, muß durch die Tätigkeit der Venenwand

überwunden werden, es handelt sich vielmehr darum, die unter ganz

geringem Druck stehende Blutmenge dem großen Sammelbecken Herz

zuzuführen. Infolgedessen sehen wir die kräftigste Wandung bei

denjenigen Venen ausgebildet, die, wie diejenigen der unteren

Körperhälfte, eine besonders große Arbeit zu verrichten haben, während

die Venen der oberen Körperhälfte, aus denen bei der aufrechten Haltung

des Menschen das Blut leichter zum Herzen fließen wird, die Wandung

sehr viel dünner ist. Zur Unterstützung der Venenarbeit dienen die

Klappen.

Entsprechend dem vorher gesagten ist es zwecklos, bei den Venen

eine ähnliche Größeneinteilung vorzunehmen, wie bei den Arterien.

Die Extremitätenvenen lassen noch am ehesten die Dreischichtung der

Wandung erkennen, wie sie bei Arterien besteht. Auch hier besitzt die

~Media~ eine zum Teil kräftig entwickelte Ringmuskulatur. Diese ist

aber niemals in so kompakten Lagen angeordnet wie in den Arterien,

sondern von ausgedehnten Bindegewebslagen durchsetzt, in dem elastische

Netze deutlich hervortreten.

Die elastische Substanz tritt in der Venenwandung nicht in der

Form von gefensterten Membranen, sondern stets in Form von, wenn

auch sehr dichten, Fasernetzen auf.

Bei stärkerer Muskelausbildung kommt es viel mehr als bei Arterien

zur Entfaltung von Längsmuskelzügen; hierdurch wird eine kräftige

Verkürzung der Wandung großer Venen möglich, was im Verein mit der

Klappenausbildung das Heben der Blutsäule bewirkt. Längsmuskelzüge

finden sich am häufigsten in der ~T. externa~ (Fig. 109), die dadurch,

besonders in den Venen der Bauchhöhle, zum umfänglichsten Teile

der Wandung wird. Längsmuskelzüge in der Intima ermöglichen einen

wulstartigen Verschluß des Gefäßes, was bei der V. dorsalis penis die

Erektion erleichtert, die in einer intensiven Blutfüllung des Gliedes

besteht.

Solche Längsmuskelzüge finden sich auch in der Intima der V.

iliaca, femoralis, saphena und den Darmvenen, im intramuskulären

Teil der V. uterina; die genannten Venen sind somit am

vollständigsten mit Muskulatur ausgestattet.

Im Gegensatz dazu stehen die Venen des Kopfes und Halses, deren

dünner Wandung die Muskulatur fast vollständig fehlt. Ganz

besonders gilt das von den Gehirn- und Schädelvenen und den

großen Stämmen des Gebietes der V. cava superior.

[Illustration: Fig. 109.

Stück eines Querschnittes einer menschlichen Vena suprarenalis 240mal

vergr. Technik Nr. 75, S. 199. Die elastischen Elemente sind bei dieser

Methode nicht zu sehen.]

Als Venenklappen bezeichnen wir Falten der Intima, die meist zu zweit

in gleicher Höhe unterhalb der Einmündung eines Gefäßastes von der

Wand in das Innere vorgeschlagen werden können, und dann unter der

Last der Blutsäule einen vollständigen Abschluß in distaler Richtung

ermöglichen.

Die Klappen werden von Epithel-(Endothel-)zellen überzogen, die

an der dem Blutstrom zugekehrten Seite längsgestellt, an der

der Venenwand zugekehrten Seite quergestellt sind; unter den

längsgestellten Zellen liegt ein dichtes elastisches Netzwerk,

unter den quergestellten Zellen ein feinfaseriges Bindegewebe.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 106 / 286 题