Die Wandung der Venen zeigt in ihrem Aufbau vielleicht noch größere
Schwankungen wie diejenige der Arterien. Die Anforderungen an ihre
Leistungen sind ganz andere: nicht der Widerstand, der durch die
Gefäßverzweigung gegeben ist, muß durch die Tätigkeit der Venenwand
überwunden werden, es handelt sich vielmehr darum, die unter ganz
geringem Druck stehende Blutmenge dem großen Sammelbecken Herz
zuzuführen. Infolgedessen sehen wir die kräftigste Wandung bei
denjenigen Venen ausgebildet, die, wie diejenigen der unteren
Körperhälfte, eine besonders große Arbeit zu verrichten haben, während
die Venen der oberen Körperhälfte, aus denen bei der aufrechten Haltung
des Menschen das Blut leichter zum Herzen fließen wird, die Wandung
sehr viel dünner ist. Zur Unterstützung der Venenarbeit dienen die
Klappen.
Entsprechend dem vorher gesagten ist es zwecklos, bei den Venen
eine ähnliche Größeneinteilung vorzunehmen, wie bei den Arterien.
Die Extremitätenvenen lassen noch am ehesten die Dreischichtung der
Wandung erkennen, wie sie bei Arterien besteht. Auch hier besitzt die
~Media~ eine zum Teil kräftig entwickelte Ringmuskulatur. Diese ist
aber niemals in so kompakten Lagen angeordnet wie in den Arterien,
sondern von ausgedehnten Bindegewebslagen durchsetzt, in dem elastische
Netze deutlich hervortreten.
Die elastische Substanz tritt in der Venenwandung nicht in der
Form von gefensterten Membranen, sondern stets in Form von, wenn
auch sehr dichten, Fasernetzen auf.
Bei stärkerer Muskelausbildung kommt es viel mehr als bei Arterien
zur Entfaltung von Längsmuskelzügen; hierdurch wird eine kräftige
Verkürzung der Wandung großer Venen möglich, was im Verein mit der
Klappenausbildung das Heben der Blutsäule bewirkt. Längsmuskelzüge
finden sich am häufigsten in der ~T. externa~ (Fig. 109), die dadurch,
besonders in den Venen der Bauchhöhle, zum umfänglichsten Teile
der Wandung wird. Längsmuskelzüge in der Intima ermöglichen einen
wulstartigen Verschluß des Gefäßes, was bei der V. dorsalis penis die
Erektion erleichtert, die in einer intensiven Blutfüllung des Gliedes
besteht.
Solche Längsmuskelzüge finden sich auch in der Intima der V.
iliaca, femoralis, saphena und den Darmvenen, im intramuskulären
Teil der V. uterina; die genannten Venen sind somit am
vollständigsten mit Muskulatur ausgestattet.
Im Gegensatz dazu stehen die Venen des Kopfes und Halses, deren
dünner Wandung die Muskulatur fast vollständig fehlt. Ganz
besonders gilt das von den Gehirn- und Schädelvenen und den
großen Stämmen des Gebietes der V. cava superior.
[Illustration: Fig. 109.
Stück eines Querschnittes einer menschlichen Vena suprarenalis 240mal
vergr. Technik Nr. 75, S. 199. Die elastischen Elemente sind bei dieser
Methode nicht zu sehen.]
Als Venenklappen bezeichnen wir Falten der Intima, die meist zu zweit
in gleicher Höhe unterhalb der Einmündung eines Gefäßastes von der
Wand in das Innere vorgeschlagen werden können, und dann unter der
Last der Blutsäule einen vollständigen Abschluß in distaler Richtung
ermöglichen.
Die Klappen werden von Epithel-(Endothel-)zellen überzogen, die
an der dem Blutstrom zugekehrten Seite längsgestellt, an der
der Venenwand zugekehrten Seite quergestellt sind; unter den
längsgestellten Zellen liegt ein dichtes elastisches Netzwerk,
unter den quergestellten Zellen ein feinfaseriges Bindegewebe.