Technik Nr. 69, S. 197.]

Viel besser ist aber das Arbeiten mit der physiologischen

Salzlösung nach ~Ringer~ (s. S. 4), da sie in ihrer

Zusammensetzung derjenigen der Körpersäfte näher kommt.

Bei Kaltblütern ist in der Regel eine schwächere Lösung

isotonisch (beim Frosch z. B. 0,65%iges Kochsalz, bei Kaulquappen

in den verschiedenen Altersstufen 0,25-0,35%ige Lösungen).

Hypotonische Lösungen, am stärksten reines Wasser, bringen die

roten Blutkörperchen zunächst stark zum Aufschwellen, bewirken dann

rasch den Austritt innerer Zellsubstanzen, darunter vor allem des

Hämoglobins; das Blut wird lackfarben. Den gleichen Effekt kann man

mit einer Anzahl von Giften erzielen (Saponine, Chloroform, Äther

u. a.); doch beruht die Wirkung hier wahrscheinlich auf der Lösung der

Blutkörperchenlipoide, wodurch die Zellen zerstört werden.

Als Lipoide bezeichnet man die als »Gerüstsubstanzen« (s. S. 159)

betrachteten Lezithine und Cholesterine.

Auch hypertonische Lösungen zerstören schließlich die Erythrozyten;

doch bewirken sie vorher eine Schrumpfung. Vermutlich sind

Erscheinungen wie die »Geldrollenbildung« und die »Stechapfelformen«,

die man in frischen Präparaten (s. Technik Nr. 62, S. 193) häufig

antrifft, darauf zurückzuführen, daß das Blutplasma durch Verdunstung

eingedickt wird.

Kurz hinweisen können wir an dieser Stelle nur auf die Tatsache, daß

auch artfremdes Blut auf die Erythrozyten giftig wirkt, sie auflöst und

dadurch ebenfalls das Hämoglobin austreten läßt. Diese Reaktion spielt

in der praktischen Medizin eine große Rolle.

Aus allem erkennt man, daß die Erythrozyten äußerst komplizierte

Gebilde sind, die gegen die verschiedensten Einwirkungen eine hohe

Empfindlichkeit aufweisen.

2. Die ~weißen Blutzellen~ (=farblosen Blutkörperchen, Leukozyten).

Unter diesem Namen vereinigen wir zwei Hauptarten von Zellen: die

Hämoleukozyten und die Lympholeukozyten (kurz Lymphozyten).

Es ist sehr zu bedauern, daß so viele Autoren den Namen

»Leukozyten« im Gegensatz zu »Lymphozyten« anwenden. Das ist

sprachlich ungerechtfertigt und muß zu Mißverständnissen

führen. Der Name Leukozyt, die einfache Übersetzung der »weißen

Blutzelle«, sollte als ~Gesamtname~ erhalten bleiben und nicht

als Bezeichnung für eine besondere Art der weißen Blutzellen

verwendet werden.

~Gemeinschaftlich~ ist beiden Arten das Fehlen einer Membran und

-- wegen der Eigenschaft amöboider Bewegung -- das Fehlen einer

bestimmten Gestalt; nur im Zustand der Ruhe sind sie kuglig (Fig.

98). Die amöboide[92] Beweglichkeit äußert sich darin (Fig. 100), daß

das Zytoplasma der Zelle feinere oder gröbere Fortsätze ausstreckt,

die sich teilen, wieder zusammenfließen und auf diese Weise die

mannigfaltigsten Gestalten erzeugen. Die Fortsätze können wieder

zurückgezogen werden, oder sie heften sich irgendwo an und ziehen

gewissermaßen den übrigen Zelleib nach sich; die Folge davon sind

Ortsveränderungen, die man »Wandern« der Zellen nennt. Die Fortsätze

können auch Körnchen oder andere, besonders abgestorbene Zellen

umfließen und so in den Zellenleib einschließen, ein Vorgang, der

»Fütterung« der Zelle genannt worden ist. Solche Zellen, welche

die aufgenommenen Teile noch verändern, »verdauen« können, werden

Freßzellen, »Phagozyten«, genannt.

[Illustration: Fig. 100.

Leukozyt eines Frosches. 560mal vergrößert. Gestaltwechsel 10 Minuten

lang beobachtet. 0, zu Beginn der Beobachtung. 1/2, 1/2 Minute später,

usw. gezeichnet. Technik Nr. 68, S. 196.]

Phagozytose kommt aber nicht nur bei Blutzellen vor, viele

Gewebszellen besitzen diese Fähigkeit, die mit der »Speicherung«

gelöster Substanzen (s. S. 83) eng zusammenhängt, in

ausgesprochenem Maße. Phagozytose ist also keineswegs abhängig

von der freien Beweglichkeit der Zellen, sondern beruht auf einer

allgemeinen Zytoplasmaeigenschaft, deren physikalische Grundlage

wahrscheinlich Oberflächenphänomene sind, wenngleich wir sie noch

nicht völlig übersehen können (s. darüber die physiologischen

Lehrbücher).

Die Verbreitung der weißen Blutzellen ist eine überaus große; sie

kommen nicht nur im Blut- und im Lymphgefäßsystem vor, sondern auch im

Knochenmark, ferner massenhaft im retikulären Gewebe (S. 98), zerstreut

im fibrillären Bindegewebe, endlich zwischen Epithel- und Drüsenzellen,

wohin sie vermöge ihrer amöboiden Beweglichkeit gewandert sind.

In den Schleimhäuten wandern weiße Blutzellen in wechselnden

Mengen durch das Epithel auf die freie Oberfläche und gehen

dort zugrunde. Dabei liefern sie wahrscheinlich Stoffe, die als

Schutzmittel gegen Mikroben und andere dem Körper schädliche

Substanzen eine große Rolle spielen.

~Verschieden~ sind beide Arten durch ihr Zytoplasma, das bei den

Hämoleukozyten besondere Granula aufweist, während bei den Lymphozyten

solche fehlen.

a) Die ~Hämoleukozyten~ zerfallen in zwei sowohl durch die

Beschaffenheit ihres Zytoplasmas, wie auch ihres Kernes wohl

unterscheidbare, nicht durch Übergänge verbundene Arten.

~Gemeinschaftlich~ ist beiden der exzentrisch gelegene, einfache Kern

insofern, als er in den Hämoleukozyten des strömenden Blutes fast immer

tief eingeschnitten oder gelappt (=polymorphkernig) ist.

Die Mehrkernigkeit wird oft vorgetäuscht dadurch, daß die feinen

Verbindungsfäden der tiefeingeschnittenen Kerne übersehen werden,

was besonders leicht bei Anwendung der die Kerne nicht so scharf

färbenden Triazidlösung (S. 196) geschehen kann. Die in vielen,

besonders in klinischen Arbeiten geschilderten »multinukleären«

oder zwei-, drei- usw. kernigen (Hämo-) Leukozyten sind in der

größten Mehrzahl der Fälle polymorphkernig, d. h. sie haben

einen aus 2, 3 usw., durch feine Fädchen verbundenen, Teilen

bestehenden Kern. In diesem Sinne ist auch die Angabe zu

verstehen, daß beim gesunden Menschen bis zu 50% der neutrophilen

(Hämo-) Leukozyten »dreikernig« sind.

Der Kern tritt in zwei durch Übergänge miteinander verbundenen Formen

auf: als »~kompakte~« Form, -- hier kommt es zu keiner fadenförmigen

Ausziehung der Kernmasse --, und als »~gelappte~« Form, bei der zwei

bis fünf ungleich große Lappen der Kernmasse durch feine kürzere oder

längere Fäden miteinander verbunden werden (Fig. 101). ~Verschieden~

sind die beiden Hämoleukozytenarten zunächst durch die Art ihrer

Granula, weiter aber auch durch besondere Eigentümlichkeiten ihrer

Kerne. Das läßt sich am besten in Form folgender Tabelle darstellen.

Man unterscheidet an den Hämoleukozyten der Menschen:

[Illustration: Fig. 101.

Alle Hämoleukozytenbilder stammen aus strömendem Blute des erwachsenen

Menschen, die beiden letzten eosinophilen aus einem Schnitt durch eine

Arterie der menschl. Darmsubmukosa, die anderen sind nach Technik

Nr. 64 angefertigt. 900mal vergrößert.]

Die Hämoleukozyten des Menschen sind also:

1. ~feinkörnige~ »neutrophile«[93].| 2. ~grobkörnige~ »eosinophile«[93].

Die feinkörnigen H. sind die | Die grobkörnigen H. haben dagegen

einzigen, deren Kern variiert, | eine sehr wenig variierende

wirklich vielgestaltig (polymorph) | Kernform. Ihre kompakte Form ist

genannt werden kann. Ihre kompakte | überhaupt in strömendem Blute

Nierenform ist in strömendem Blute | selten, die gelappte Form bilden

selten, die gelappten Formen bilden| dort etwa 2-4% der Hämoleukozyten.

dort die Hauptmenge (65-70%) aller | Dagegen ist die kompakte

Hämoleukozyten. Im übrigen sind die| Nierenform sehr häufig im

feinkörnigen H. in der Milz, in den| Knochenmark, in den

Lymphknoten, überhaupt im Körper | Blutlymphdrüsen und an

weit verbreitet. | vielen Stellen im Bindegewebe,

| woselbst der Kern oft fast rund

| ist.

|

Die feinkörnigen H. haben einen | Die grobkörnigen H. haben einen

Durchmesser von 9-12 µ, | Durchmesser von 8-14 µ. Ihre

(Mikrophagen), bei der amöboiden | Fortsätze sind bei der amöboiden

Bewegung sind ihre Fortsätze oft | Bewegung dicker, plumper, der

fein, spitz ausgezogen, der ganze |ganze Körper bleibt mehr rundlich.

Körper ist oft gestreckt. |

Eine sehr bedeutende amöboide Bewegung kann die Kernform nicht in

der Weise beeinflussen, daß sie eine kompakte in eine gelappte

oder gar umgekehrt umwandelt. Dagegen vermag sie wohl die S-Form

in jene der Schleife oder der Spirale überzuführen, wobei es

sich mehr um eine Umlagerung der einzelnen Lappen handelt. Es

ist wahrscheinlich, daß die kompakte Kernform die Jugendform,

die gelappte dagegen die weiter entwickelte Form repräsentiert,

welch letztere sich nicht mehr mitotisch teilen kann. Mehrkernige

Hämoleukozyten gibt es im strömenden Blute gar nicht oder höchst

selten, dagegen sind sie häufig in der Milz und in Lymphknoten.

Ob die »~uninukleären Leukozyten~«, bis zu 20 µ große Zellen

(»Makrophagen«) mit hellem, großem, rundem oder ovalem Kern

und reichlichem, entweder neutrophil, oder gar nicht gekörntem

Zytoplasma (Fig. 101, erste Querreihe, erste Zelle links [»Runde

Form«]), zu den Hämoleukozyten gehören, ist unwahrscheinlich,

ihre Abstammung von fixen Bindegewebszellen dagegen stellenweise

erwiesen; sie werden deshalb auch als »Histiozyten« bezeichnet

(s. S. 93). Sie sind im strömenden Blute nur spärlich (1%); noch

spärlicher (0,5%) sind im Blute die ~basophilen Leukozyten~

vorhanden, deren Kernform wie Körnung sehr unregelmäßig ist, und

die wahrscheinlich zugrunde gehende Elemente sind.

Der Name Mastzelle für die zuletzt genannte Form ist schon wegen

der Gefahr der Verwechslung mit der Bindegewebsmastzelle (S. 94)

zu verwerfen. Daß auch dort die ganz anders gestalteten Granula

basophil sind, macht eine Unterscheidung nach Farbreaktionen

überhaupt verdächtig. Wir bedürfen derselben auch bei den

Leukozyten um so weniger, als diese morphologische Merkmale

(Granulagröße und Kernform) besitzen, die eine Unterscheidung

sicherer ermöglichen. Auch der Name »Mastleukozyt« ist schlecht,

weil er keinerlei Beziehung zur Mästung besitzt.

b) Die ~Lymphozyten~ (Fig. 137¡A¡) besitzen ein ungekörntes Zytoplasma,

das bei jungen Elementen in so geringer Menge vorhanden ist, daß es mit

den gewöhnlichen Methoden kaum wahrgenommen wird und nur eine dünne

Schale um den verhältnismäßig großen, runden oder einseitig leicht

eingekerbten Kern bildet. Sie sind klein (4-7,5 µ), weniger beweglich

und bilden 22-25% der im Blute zirkulierenden weißen Blutzellen.

Größere Lymphozyten finden sich normalerweise im kindlichen Blute.

Durch besondere Methoden lassen sich auch hier spärliche Körnchen

nachweisen, die aber keine echten Granula, sondern entweder

Alterserscheinungen (?) oder Kunstprodukte zu sein scheinen.

Neuerdings wird behauptet, daß Übergangsformen zu gekörnten

Leukozyten vorkommen, die in strömendem Blute aber nicht

nachzuweisen sind.

In praktischer Hinsicht gewinnt das verschiedene Verhalten der

Hämoleukozyten und der Lymphozyten gegenüber der sogenannten

Oxydasereaktion immer größere Bedeutung.

Diese Reaktion beruht auf der Bildung eines blauen, schwer

wasserlöslichen Farbstoffes (Indophenolblau); dieser entsteht

unter dem Einfluß oxydierender Fermente aus zwei farblosen

Substanzen (¿a¿-Naphthol und Dimethyl-p-Phenylendiamin) und

schlägt sich im Zytoplasma in der Form von feinsten, tiefblauen

Körnchen nieder. Über die technische Ausführung der Reaktion

siehe die Handbücher der Mikrotechnik.

Die Indophenolblaukörnchen bilden sich in frischen und formolfixierten

Präparaten von allen Blutzellen nur in den Hämoleukozyten. Die

Lymphozyten bleiben bei dieser Reaktion ungefärbt.

Dies Verhalten ermöglicht besonders in pathologischen Fällen oft

eine deutliche Trennung beider Zellarten.

Die ~Entwicklung der Blutzellen~ beginnt zuerst in den

Blutinseln; das sind Stränge farbloser Bildungszellen des

Dottersackes. Von da ab gehen die Auffassungen der Autoren

auseinander. Die ~einen~, Verfechter der dualistischen

(~polyphyletischen~) Abstammung der Blutzellen, nehmen an, daß

eine frühzeitige Scheidung eintrete in Gefäßwand- (Endothel-)

Zellen und in »primäre Erythroblasten«. Letztere werden bald

durch eine zweite Generation, die »sekundären« Erythroblasten

ersetzt, die sich dann zu Erythrozyten umbilden (siehe Kap.

Knochenmark). Endothelzelle und Erythroblast stehen also nicht

im Verhältnis von Mutter zu Tochter, sondern sind Geschwister;

ein Ursprung von Erythroblasten aus Endothelzellen ist deshalb

sehr unwahrscheinlich. Die Hämoleukozyten sollen später aus

»Myeloblasten« hervorgehen, die außerhalb der Blutgefäße zuerst

in der Leber und dann in jungem Knochenmark liegen. Erythrozyten

und Hämoleukozyten sollen aus dem Blutgefäßsystem entstehen,

~myeloischer~[94] Abkunft sein. Dagegen sollen die Lymphozyten,

die beim Erwachsenen durch Mitose größerer, vorzugsweise in

den Keimzentren der Lymphknötchen (S. 184) gelegener Zellen

der »Lymphoblasten« gebildet werden, aus dem Lymphgefäßsystem

entstehen, ~lymphatischer~ Abkunft sein.

Die ~andern~, Verfechter der ~monophyletischen~ Abstammung der

Blutzellen glauben, daß -- abgesehen von den Gefäßwandzellen

-- nur ein Teil der Zellen zu hämoglobinhaltigen primären

Erythroblasten werde; der andere Teil soll farblos bleiben und

die Mutterzelle ~aller~ weiteren Blutzellen darstellen, und

zwar sowohl der sekundären Erythroblasten als auch sämtlicher

Arten der gekörnten wie ungekörnten weißen Blutzellen. Die

gleiche Fähigkeit soll auch den Wanderzellen (S. 93) zukommen,

die zur selben Zeit sich aus fixen Mesenchymzellen außer- wie

innerhalb der Blutgefäße entwickeln. Indifferente Zellen sollen

zu allen Zeiten des Lebens sich nach dieser oder jener Richtung

differenzieren können, wobei jedoch die Bildung der sekundären

Erythroblasten sich auf das Knochenmark beschränkt. -- Die

vielfachen Differenzen in dieser Frage sind zum Teil bedingt

durch eine verwirrende Nomenklatur und durch die Einmischung

Unberufener.

Die Bestimmung der Mengenverhältnisse sowie des Zahlenverhältnisses

zwischen farblosen und farbigen Blutzellen unterliegt bedeutenden

Schwierigkeiten, die Angaben können deshalb keine großen Ansprüche auf

Sicherheit erheben. Beim Menschen sind in einem Kubikmillimeter Blut

etwa 5 Millionen farbige und 5-6 (nach andern 10) Tausend farblose

Blutzellen enthalten.

Die ~Blutplättchen~ sind sehr vergängliche, farblose, runde, ovale

oder zugespitzte Körper von 2-4 µ Durchmesser (Fig. 98), amöboider

Bewegung fähig. Sie enthalten einen Körper, dessen Kernnatur

höchst fraglich ist. Zuweilen sind sie in großer Anzahl im Blute

vorhanden. Ihre Herkunft ist dunkel; die von der einen Seite

behauptete Abschnürung von Erythro- oder Leukozyten wird von anderer

Seite bestritten (möglicherweise stammen sie von beiden oder aus

Knochenmarksriesenzellen; s. S. 218), ebenso ist noch unentschieden, ob

die Rolle, welche sie bei der Gerinnung spielen, eine direkte oder nur

eine vermittelnde ist.

Bei den Zählmethoden bleiben die Blutplättchen leicht an den

Wänden der Mischgefäße kleben; daher kommen wohl die stark

differierenden Zahlenangaben (245000-962000 Blutplättchen in

einem Kubikmillimeter Menschenblut).

Im Froschblut finden sich ungefärbte, platte, ovale oder

zugespitzte kernhaltige Elemente (»Thrombozyten«), die kleiner

sind wie die Erythroblasten und mit den Blutplättchen der Säuger

verglichen worden sind.

Als ~Elementarkörnchen~ bezeichnet man Gebilde, die größtenteils

Fettpartikelchen sind, welche durch den Chylus ins Blut übergeführt

wurden. Sie lassen sich bei saugenden Tieren und bei Pflanzenfressern

leicht nachweisen; im übrigen fehlen sie dem vom gesunden Menschen

entnommenen Blute. Kleine lichtbrechende Körnchen nicht fettiger Natur,

die in wechselnder Menge in jedem Menschenblute vorkommen, hat man

~Hämatokonien~ (Blutstäubchen) genannt.

b) Das Blutgefäßsystem.

Das Blutgefäßsystem hat die Aufgabe, dem zirkulierenden Blute als Bahn

zu dienen, dabei aber in allen Geweben und Organen die Möglichkeit des

Stoffaustausches sicherzustellen. Hieraus ergibt es sich von selbst,

daß die sogenannten ~Kapillaren~ den funktionell wichtigsten Abschnitt

des Systems darstellen. Hier spielt sich durch die extrem dünne

Wandung der Gefäße der Stoffaustausch zwischen Blut einerseits, der

Gewebeflüssigkeit andererseits ab; daher ist es auch verständlich, daß

alle Teile des Gefäßsystems, einschließlich des Herzens, während ihrer

Entwicklung einmal einen Zustand darbieten, der im Bau mit demjenigen

der Kapillaren des ausgebildeten Körpers im wesentlichen übereinstimmt.

Erst mit der während der Entwicklung entstehenden Vergrößerung der

Entfernungen zwischen den einzelnen Versorgungsgebieten bilden sich

an einem Teil der Gefäße, die dann zu den sogenannten Hauptbahnen

(Arterien, Venen) werden, besondere Einrichtungen aus, die der

Notwendigkeit entspringen, den Kreislauf des Blutes in Gang zu halten.

Eine ganz besonders ausgeprägte Anpassung an diese Aufgabe ist in der

allmählichen Komplizierung des Herzens zu erkennen.

Alle Blut- (und Lymph-)gefäße sind an ihrer inneren Oberfläche von

einer glatten Epithelschichte überkleidet; diese ermöglicht eine

reibungslose Strömung der Flüssigkeit und verhindert die Gerinnung.

Sobald durch Erkrankung einer Gefäßwand eine rauhe Stelle entsteht,

besteht die Gefahr einer örtlichen Gerinnung (Thrombose).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 103 / 286 题