Die nach Angabe mancher Autoren das Sarkoplasma in der halben
Höhe der Q-Glieder durchsetzende sogenannte Mittelmembran (M) ist
noch weniger gut bekannt (s. Fig. 81, rechts).
Die Fibrillen werden offenbar durch die Grundmembranen in einer
gewissen Einstellung gehalten, woraus sich auch die Parallelschaltung
der Q-Glieder erklären dürfte. Erst durch diese Parallelschaltung wird
ja die ganze Muskelfaser »quergestreift«.
Über die Veränderungen des Querstreifungsbildes bei der
Kontraktion besteht noch keine allgemein angenommene Ansicht.
Im Gesamtaufbau der aus zahlreichen Muskelfasern bestehenden Muskeln
spielt das lockere Bindegewebe die größte Rolle. Dieses ist auch der
Träger der zahlreichen Blutgefäß- und Nervenverästelungen. Lymphgefäße
finden sich im quergestreiften Muskelgewebe nur spärlich.
~Technik.~
Nr. 38. Zur Isolation ~glatter Muskelfasern~ bringt man
am besten ein Stückchen Magen oder Darm eines soeben
getöteten Frosches in 20 ccm 33%ige Kalilauge (Gläschen
zudecken) 30-60 Minuten.
Hier zerfällt der Darm bei leichter Berührung mit einem
Glasstabe. In kaltem Zimmer tritt diese Wirkung etwas später
ein; versagt sie überhaupt, so ist die Lauge zu schwach gewesen
(s. S. 39, b). Man übertrage von dem die Fasern enthaltenden
Bodensatze einen Tropfen auf den Objektträger (die Fasern
können nicht in Wasser oder Glyzerin untersucht werden, da die
hierdurch verdünnte Kalilauge alsbald das Objekt zerstört),
bedecke vorsichtig mit einem Deckglase und untersuche mit starker
Vergrößerung (Fig. 71).
[Illustration: Fig. 82a.
¡A.¡ Verdichtungsknoten. 360mal vergr. (Aus menschl. Samenleiter.)
¡B.¡ und ¡C.¡ Scheinbare Interzellularbrücken, 420mal vergr. ¡B.¡
Aus Kaninchen-, ¡C.¡ Aus Meerschweinchendarm. Alle Objekte waren mit
Zenkers Flüssigkeit (S. 16) fixiert.]
Nach Einlegen kleiner Darmstückchen in 30 ccm Müllersche
Flüssigkeit auf 8-14 Tage kann man glatte Muskelfasern durch
Zerzupfen isolieren, doch gelingt das nur schwer beim Menschen
und auch beim Frosch, leichter dagegen beim Pferd (man nehme das
untere Stück des Duodenum) und auch bei der Ratte.
Nr. 39. Das zwischen den einzelnen, glatten Muskelfasern
befindliche Bindegewebe ist nur an feinen Schnitten zu sehen, die
nach Studni[vc]kas Modifikation (S. 39) behandelt sind. (Nachfärben
mit Parakarmin) Fig. 73. Andeutungen sieht man auch an 10 µ
dicken Schnitten beliebig fixierter Objekte, die mit Pikrofuchsin
(18 oder nach Nr. 20, S. 116) gefärbt und in Xylolbalsam
eingeschlossen sind.
Viele Fixierungsflüssigkeiten[80] bewirken Schrumpfungen der
Muskelfasern, die zu ~Trugbildern~ führen; dahin gehören die
besonders an sehr feinen Schnitten zu sehenden ~Kunstprodukte
glatter Muskelfasern~ (s. Fig. 82a).
Nr. 40. Stücke von menschlichen oder tierischen Herzen (mit 1 cm
langen Seitenkanten) werden in Alkohol absol. oder Müller-Formol
(Nr. 7, S. 16) fixiert, in Paraffin eingebettet, nach Nr. 20
gefärbt und in Xylolbalsam konserviert (§ 10, 3, S. 45). Reine
Querschnitte und Längsschnitte bekommt man am leichtesten an
Papillarmuskeln.
Nr. 41. ~Myotome.~ In geeigneten Stadien aller
Wirbeltierembryonen aufzufinden, besonders schön bei jungen
Kaulquappen vom Frosch; das Bild Fig. 77 stammt von einer ca.
7 mm langen Kaulquappe, die in ~Zenker~scher Flüssigkeit (Nr. 8,
S. 16) fixiert, nach Nr. 2, S. 71 eingebettet und mit Boraxkarmin
und Bleu de Lyon (S. 42) gefärbt wurde.
Nr. 42. ~Quergestreifte Muskelfasern~ a) des Frosches. Man
schneide mit flach aufgesetzter Schere in der Richtung des
Faserverlaufes aus den Adduktoren eines soeben getöteten Frosches
ein ca. 1 cm langes Muskelstückchen, zerzupfe (»Isolieren« S.
13) einen kleinen von der Innenfläche des Stückchens entnommenen
Teil in einem kleinen Tropfen Kochsalzlösung, setze alsdann
einen zweiten, größeren Tropfen derselben Flüssigkeit zu und
bedecke, ~ohne zu drücken~, das Präparat mit einem Deckgläschen.
Bei schwacher Vergrößerung (50mal) sieht man die zylindrische
Gestalt (Fig. 78), die verschiedene Dicke, zuweilen auch schon
die Querstreifung der isolierten Muskelfasern. Bei starker
Vergrößerung (240mal) sieht man deutliche Querstreifung, zuweilen
blasse Kerne und glänzende Körnchen. Sehr zahlreiche Körnchen
enthaltende Muskelfasern sind wahrscheinlich Zeichen reger
Stoffwechselvorgänge. Da, wo die Muskelfasern quer durchschnitten
sind, sieht man nicht selten die Muskelsubstanz pilzhutförmig aus
dem Sarkolemmschlauche hervorquellen.
b) Des Menschen. Sehr schöne Querstreifung habe ich an
menschlichen, dem Präpariersaale entnommenen Muskeln gefunden.
Die Leichen waren mit Karbolsäure injiziert worden.
Will man konservieren, so färbe man unter dem Deckglase (S. 47)
mit Pikrokarmin und verdränge nach vollendeter Färbung (ca. 5
Min.) dasselbe durch verdünntes Glyzerin.
Nr. 43. ~Sarkolemm.~ Man lasse zu Präparat 42a ein paar Tropfen
Brunnenwasser zufließen (S. 47). Nach 2-5 Minuten sieht man bei
schwacher Vergrößerung (50mal), wie sich das Sarkolemm in Form
durchsichtiger Blasen (Fig. 78¡A¡) abgehoben hat; an anderen
Stellen, wo sich die zerrissene Muskelsubstanz retrahiert hat,
erscheint das Sarkolemm als feiner Streifen (Fig. 78¡A¡ unten).
Nr. 44. ~Kerne.~ Präparat 42a anfertigen. Dann lasse man einen
Tropfen Essigsäure zufließen (S. 47). Schon bei schwacher
Vergrößerung erscheinen die geschrumpften, aber scharf
konturierten Kerne als dunkle, spindelförmige Striche (Fig.
78¡B¡).
Nr. 45. ~Enden der Muskelfasern.~ Man lege einen frischen
Froschgastrocnemius in 20 ccm konzentrierte Kalilauge und
behandle ihn weiter wie Nr. 38a. Man sieht bei schwacher
Vergrößerung die Enden der Muskelfasern und zahlreiche
bläschenförmig gewordene, glänzende Kerne (Fig. 78¡C¡).
Nr. 46. ~Verästelte Muskelfasern.~ Man schneide einem soeben
getöteten Frosche die (vorn am Unterkiefer angewachsene,
nach hinten freie Zunge aus und bringe sie a) in 20 ccm
konzentrierte Salpetersäure und
ca. 5 g chlorsaures Kali[81] 24 Stunden,
dann hebe man die Zunge mit Glasstäbchen vorsichtig
heraus und lege sie
b) in ca. 30 ccm dest. Wasser, das man öfter wechselt.
Hier kann die Zunge bis zu 8 Tagen liegen bleiben, aber auch
schon nach 24 Stunden verarbeitet werden. Zu dem Zwecke
bringe man dieselbe in ein zur Hälfte mit Wasser gefülltes
Reagenzgläschen und schüttle einige Minuten: die Zunge zerfällt
dabei. Nun gieße man das ganze in ein Schälchen und bringe nach
ca. 1 Stunde oder später etwas von dem unterdessen gebildeten
Bodensatze in einem Tropfen Wasser auf den Objektträger.
Hier kann man mit Nadeln noch etwas isolieren, was jedoch in
den meisten Fällen überflüssig ist. Schwache Vergrößerung,
Pikrokarminfärbung unter dem Deckglase (S. 47). Konservieren in
verdünntem Glyzerin (S. 44) (Fig. 78D).
Nr. 47. ~Querschnitte embryonaler Skelettmuskelfasern.~ Fig.
79 stammt aus Schnitten durch den Kopf eines ca. 10wöchigen
menschlichen Embryo; Fixation: ~Zenker~sche Flüssigkeit (Nr. 8,
S. 16), Einbettung: Paraffin, Färbung: ~Hansens~ Hämatoxylin (Nr.
1, S. 32), Eosin, Phosphormolybdänsäure, Methylblau nach Nr. 20,
S. 116.
Nr. 48. ~Querstreifung.~ Um gut gestreckte Muskelfasern zu
bekommen, fixiere man erst etwa 2 Stunden nach dem Tode; längere
parallelfaserige Muskeln spanne man auf dünnen Brettchen auf und
fixiere in ~Zenker~scher Flüssigkeit oder Sublimat-Kochsalzlösung
(Nr. 8, 10, S. 16). Dünne Paraffinschnitte, die parallel zur
Längsrichtung der Fasern angelegt sind, färbe man
a) mit Eisenhämatoxylin nach ~Heidenhain~ (Nr. 13, S. 40); bei
geeigneter Differenzierung bleibt Q gefärbt;
b) mit ~Hansens~ Hämatoxylin, Eosin, Phosphormolybdänsäure,
Methylblau nach Nr. 20, S. 116; hierbei färben sich in der Regel
Z und M, während die Fibrillen in ganzer Länge rot gefärbt
werden; manchmal differenziert sich bei dieser Färbung außer Z
und M auch Q.
Nr. 49. ~Fibrillen.~ Man lege einen frischen Froschmuskel
in 20ccm 0,1%ige Chromsäure (S. 5). Nach ca. 24 Stunden
erhält man beim Zerzupfen in einem Tropfen Wasser
leicht Fasern, deren Enden in Fibrillen aufgefasert sind
(Fig. 82). Will man ein Dauerpräparat herstellen, so lege
man den Muskel a) in destill. Wasser 1 Stunde,
dann b) in 20 ccm Alkohol 33% 10-20 Stunden,
dann Zerzupfen oder Aufbewahren in 70%igem Alkohol
beliebig lange bis zum Verarbeiten. (»Isolieren« s. S. 13.)
Schöne Fibrillen liefern Muskeln nach Techn. Nr. 6 (S. 73)
fixierter Molchlarven, die man mit Boraxkarmin durchgefärbt hat
(S. 34). Stückchen solcher Muskeln werden aus absolutem Alkohol
in Karbolxylol übertragen und in einem Tropfen dieser Flüssigkeit
auf dem Objektträger zerzupft. Man prüfe zuerst mit schwacher
Vergrößerung ohne Deckglas, ob einzelne Fibrillen sichtbar sind,
sauge dann das Xylol mit Filtrierpapier ab und konserviere in
Xylolbalsam.