Zum Unterschiede von den glatten Muskelzellen fällt die größere
Faserbreite auf, die sowohl in Längs- wie in Querschnitten zum Ausdruck
kommt (Fig. 75). Gleichwohl entspricht die ganze Faserbreite (zum
Unterschiede vom quergestreiften Skelettmuskel) nur einem Kernbereich;
der Zellkern nimmt wie bei der glatten Muskelzelle die Achse der Faser
ein.
Nur an wenigen Stellen endigt das plasmodiale Gefüge der
Herzmuskulatur durch Verbindung mit anderen Geweben; so besonders
in den Papillarmuskeln, beim Übergang in die sehnigen Chordae
tendineae. An diesen Stellen lassen sich auch zugespitzte Enden
von Herzmuskelfasern (s. Fig. 74) häufiger isolieren, während
solche in der Ventrikelwand (Fig. 74) seltener zu Gesichte kommen.
Die Verbindung mit dem umgebenden Stützgewebe ist ähnlich
bewerkstelligt, wie in dichten Lagen glatter Muskulatur; alle Fasern
werden von dünnen Häutchen von Interzellularsubstanz umgeben; nur
sind entsprechend der reichlicheren Versorgung der Herzmuskulatur mit
Kapillaren die Zwischenräume zwischen den einzelnen Fasern größer.
[Illustration: Fig. 75.
Querschnitt durch Herzmuskelgewebe. Aus einem Schnitt durch die
Vorhofswand an der Einmündung der Vena cava sup. (Mensch). 500mal
vergr. Technik Nr. 40, S. 130.]
Die ~feinere Struktur~ des Herzmuskelplasmodiums läßt sich als Produkt
der Inanspruchnahme dieses Gewebes deuten. Die Fähigkeit, sich dauernd
rhythmisch zu kontrahieren, schreiben wir dem ~Zytoplasmareichtum~ zu.
Den nicht zu Differenzierungsprodukten umgewandelten Teil des
Muskelzytoplasmas nennt man ~Sarkoplasma~, kleine Körnchen
unbekannter Bedeutung in ihm ~Sarkosomen~.
Die Fähigkeit, relativ rasche, ausgiebige Kontraktionen auszuführen,
hängt offenbar mit der schärferen Sonderung und der spezifischen
Ausgestaltung der ~Fibrillen~ zusammen.
Größere Höfe von ~Sarkoplasma~, häufig mit pigmentierten und
farblosen Körnchen, Glykogen und anderen paraplastischen
Substanzen versehen, finden sich (besonders gut an Längsschnitten
sichtbar) in unmittelbarer Umgebung der locker gebauten Zellkerne.
Durch die Zusammenfassung der Fibrillen zu Bündeln, erhalten
Querschnitte von Herzmuskelfasern ein charakteristisches
Aussehen. Das Sarkoplasma ist vorzugsweise in der Faserachse
gelegen, von welcher Fortsetzungen desselben zwischen die
Fibrillenblätter oder -bündel ausstrahlen.
Die Fibrillen verleihen der Herzmuskelfaser in viel stärkerem Maße als
der glatten Muskelzelle eine deutliche Längsstreifung, die sich nicht
auf irgendwelche Zellterritorien beschränkt, sondern durch eine größere
Reihe von Kernbereichen derselben Faser hindurch verfolgt werden kann;
durch die seitlichen Verbindungsbrücken ziehen Fibrillenzüge von einer
Faser in die benachbarten hinüber, in denen sie dann weiter verfolgt
werden können (Fig. 76).
Das Phänomen der ~Querstreifung~, das in erster Linie den Fibrillen
innewohnt, soll bei der Skelettmuskulatur genauer berücksichtigt
werden. Wenn es beim Herzmuskelgewebe nicht immer einwandsfrei
beobachtet wird, so liegt das vorzugsweise an der angewandten Technik.
Nicht zu verwechseln mit der Querstreifung sind die sogenannten
~Querlinien~ (Glanzstreifen, Kittlinien, Wachstumszonen,
Schaltstücke), die sehr oft beobachtet werden (Fig. 76) und in
ihrer Bedeutung noch stark umstritten sind. Sie grenzen einzelne
Zellgebiete ab; die kontinuierliche Anordnung der Fibrillen
stempelt die Herzmuskulatur gleichwohl zum Blasmodium. Die
Querlinien werden von manchen als Wachstumszonen betrachtet;
von andern wird ihnen ein Einfluß auf den Kontraktionsablauf
zugeschrieben.
[Illustration: Fig. 76.
Stück eines Längsschnittes eines Papillarmuskels des menschlichen
Herzens. 240mal vergr. Technik Nr. 40, S. 130. Man beachte, wie häufig
die Abstände der Querstreifen gerade an den Querlinien wechseln, was
gegen die Deutung dieser als Kunstprodukte spricht (vgl. S. 124). Die
Querlinien selbst erscheinen bald schmal dunkel, bald breit hell.]