Isolierte Herzmuskelfasern. 230mal vergr. Technik wie Nr. 38, S. 130.]

Zum Unterschiede von den glatten Muskelzellen fällt die größere

Faserbreite auf, die sowohl in Längs- wie in Querschnitten zum Ausdruck

kommt (Fig. 75). Gleichwohl entspricht die ganze Faserbreite (zum

Unterschiede vom quergestreiften Skelettmuskel) nur einem Kernbereich;

der Zellkern nimmt wie bei der glatten Muskelzelle die Achse der Faser

ein.

Nur an wenigen Stellen endigt das plasmodiale Gefüge der

Herzmuskulatur durch Verbindung mit anderen Geweben; so besonders

in den Papillarmuskeln, beim Übergang in die sehnigen Chordae

tendineae. An diesen Stellen lassen sich auch zugespitzte Enden

von Herzmuskelfasern (s. Fig. 74) häufiger isolieren, während

solche in der Ventrikelwand (Fig. 74) seltener zu Gesichte kommen.

Die Verbindung mit dem umgebenden Stützgewebe ist ähnlich

bewerkstelligt, wie in dichten Lagen glatter Muskulatur; alle Fasern

werden von dünnen Häutchen von Interzellularsubstanz umgeben; nur

sind entsprechend der reichlicheren Versorgung der Herzmuskulatur mit

Kapillaren die Zwischenräume zwischen den einzelnen Fasern größer.

[Illustration: Fig. 75.

Querschnitt durch Herzmuskelgewebe. Aus einem Schnitt durch die

Vorhofswand an der Einmündung der Vena cava sup. (Mensch). 500mal

vergr. Technik Nr. 40, S. 130.]

Die ~feinere Struktur~ des Herzmuskelplasmodiums läßt sich als Produkt

der Inanspruchnahme dieses Gewebes deuten. Die Fähigkeit, sich dauernd

rhythmisch zu kontrahieren, schreiben wir dem ~Zytoplasmareichtum~ zu.

Den nicht zu Differenzierungsprodukten umgewandelten Teil des

Muskelzytoplasmas nennt man ~Sarkoplasma~, kleine Körnchen

unbekannter Bedeutung in ihm ~Sarkosomen~.

Die Fähigkeit, relativ rasche, ausgiebige Kontraktionen auszuführen,

hängt offenbar mit der schärferen Sonderung und der spezifischen

Ausgestaltung der ~Fibrillen~ zusammen.

Größere Höfe von ~Sarkoplasma~, häufig mit pigmentierten und

farblosen Körnchen, Glykogen und anderen paraplastischen

Substanzen versehen, finden sich (besonders gut an Längsschnitten

sichtbar) in unmittelbarer Umgebung der locker gebauten Zellkerne.

Durch die Zusammenfassung der Fibrillen zu Bündeln, erhalten

Querschnitte von Herzmuskelfasern ein charakteristisches

Aussehen. Das Sarkoplasma ist vorzugsweise in der Faserachse

gelegen, von welcher Fortsetzungen desselben zwischen die

Fibrillenblätter oder -bündel ausstrahlen.

Die Fibrillen verleihen der Herzmuskelfaser in viel stärkerem Maße als

der glatten Muskelzelle eine deutliche Längsstreifung, die sich nicht

auf irgendwelche Zellterritorien beschränkt, sondern durch eine größere

Reihe von Kernbereichen derselben Faser hindurch verfolgt werden kann;

durch die seitlichen Verbindungsbrücken ziehen Fibrillenzüge von einer

Faser in die benachbarten hinüber, in denen sie dann weiter verfolgt

werden können (Fig. 76).

Das Phänomen der ~Querstreifung~, das in erster Linie den Fibrillen

innewohnt, soll bei der Skelettmuskulatur genauer berücksichtigt

werden. Wenn es beim Herzmuskelgewebe nicht immer einwandsfrei

beobachtet wird, so liegt das vorzugsweise an der angewandten Technik.

Nicht zu verwechseln mit der Querstreifung sind die sogenannten

~Querlinien~ (Glanzstreifen, Kittlinien, Wachstumszonen,

Schaltstücke), die sehr oft beobachtet werden (Fig. 76) und in

ihrer Bedeutung noch stark umstritten sind. Sie grenzen einzelne

Zellgebiete ab; die kontinuierliche Anordnung der Fibrillen

stempelt die Herzmuskulatur gleichwohl zum Blasmodium. Die

Querlinien werden von manchen als Wachstumszonen betrachtet;

von andern wird ihnen ein Einfluß auf den Kontraktionsablauf

zugeschrieben.

[Illustration: Fig. 76.

Stück eines Längsschnittes eines Papillarmuskels des menschlichen

Herzens. 240mal vergr. Technik Nr. 40, S. 130. Man beachte, wie häufig

die Abstände der Querstreifen gerade an den Querlinien wechseln, was

gegen die Deutung dieser als Kunstprodukte spricht (vgl. S. 124). Die

Querlinien selbst erscheinen bald schmal dunkel, bald breit hell.]

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 93 / 286 题