Im einfachsten Falle ist jedes Muskelelement nur mit einem einzigen
Kerne ausgestattet und besitzt somit den Wert einer Zelle (Fig. 71). In
diesen sogenannten ~glatten Muskelzellen~ ist auch die Differenzierung
des Zytoplasmas noch wenig weit vorgeschritten; äußerst feine, mit
den gewöhnlichen Methoden gar nicht nachweisbare Fibrillen liegen im
Zytoplasma, das im übrigen den indifferenten Charakter im wesentlichen
beibehalten hat.
[Illustration: Fig. 71.
Zwei glatte Muskelfasern aus dem Dünndarm eines Frosches. 240mal vergr.
Durch 35%ige Kalilauge isoliert. Die Kerne haben durch die Kalilauge
ihre charakteristische Form eingebüßt. Technik Nr. 38, S. 130.]
Ihre Länge schwankt beim Menschen zwischen 45 und 225 µ, ihre
Breite zwischen 4 und 7 µ; im schwangeren Uterus hat man noch
längere, bis 1/2 mm messende, glatte Muskelfasern gefunden.
Die Gestalt der Zellkerne schwankt mit der Länge; in der Regel
verlängert sich der Kern mit der Faser. Anscheinend paßt sich
auch die Form des Kernes den verschiedenen Kontraktionszuständen
an. So findet man nicht selten geschlängelte, spiralig gewundene
Kerne; auch das Chromatingerüst ist in Form quer (spiralig?)
gestellter Stränge angeordnet (Fig. 72).
Der Einfluß des Kortraktionszustandes auf die Form der
ganzen Muskelfasern kommt gut zum Ausdruck, wenn man sie an
prallgefüllten und kontrahierten Hohlorganen, z. B. am Magen
untersucht. Am leeren Magen sind die Muskelfasern spindelförmig
im Querschnitt rundlich, der Kern ist längsoval; war die
Magenwand bei der Untersuchung stark gedehnt, so sind Zelle und
Kern bis um das Dreifache länger, dünner, der Zellquerschnitt
abgeplattet.
Das Diplosom der Muskelzellen liegt an der Längsseite des nicht
genau axial gelagerten Kernes.
[Illustration: Fig. 72
Kern einer glatten Muskelfaser. 600mal vergrößert. Aus einem
Querschnitt einer mit Sublimatkochsalz (S. 16) fixierten menschl.
Extremitätenarterie.]
Die Muskelfasern liegen bald zerstreut im Bindegewebe, bald sind sie
zu Komplexen innig vereint. Auch im letzteren Falle sind sie stets
allseitig von Bindegewebe umgeben, das aber um so feinere Lagen bildet,
je dichter die Muskelzellen zusammengelagert sind.
Durch besondere Methoden lassen sich feine Verbindungsfäden
zwischen den Muskelzellen darstellen, die von den einen
als Interzellularbrücken, von andern als Kunstprodukte
gedeutet werden. Im ersteren Falle würde man zu der Ansicht
kommen, daß auch das glatte Muskelgewebe den ursprünglichen,
plasmodialen Verband bewahrt hat; betrachtet man dagegen die
Interzellularbrücken als Kunstprodukte, so haben sich die glatten
Muskelzellen vom ursprünglichen Bildungsplasmodium losgelöst und
sind rings von Interzellularsubstanz umschlossen.
Die Interzellularsubstanz des Bindegewebes bildet um die Muskelzellen
feinste Fibrillen enthaltende Hüllen (Fig. 73). Die Ausbildung der
Fasern ist sehr verschieden stark.
Während sie z. B. in der Muskulatur der Darmwand sehr zart sind,
so daß ihr Nachweis nur mit besonderen Methoden möglich ist, sind
sie zwischen den Muskelfasern des Ureters und noch mehr zwischen
denen des Eileiters so gut ausgebildet, daß die Muskeln bei
spezifischen Bindegewebsfärbungen ganz verdeckt werden.
[Illustration: Fig. 73.
Stück eines senkrechten Schnittes durch die Muskelhaut eines
menschlichen Magens. Feine Bindegewebsfasern bilden eine Hülle um die
Muskelfasern; sie ist an einzelnen Stellen angeschnitten, so daß man
die nackte Muskelfaser sieht. 600mal vergr. Technik Nr. 39, S. 130.]
Dickere bindegewebige Scheidewände finden sich nur in größeren
Abständen; elastische Fasern sind in wechselnder Menge sowohl in den
dicken Scheidewänden wie in den feinen Faserbündeln vorhanden.
Die glatten Muskelfasern sind entweder zu parallelfaserigen
Häuten (Darmmuskeln) oder zu komplizierten Flechtwerken
(Harnblase, Uterus) vereinigt.
In ihrer Tätigkeit sind die glatten Muskelzellen von der Versorgung mit
Nerven (s. bei Nervenendigungen) und Blutgefäßen abhängig. Die größeren
Blutgefäße verlaufen in den stärkeren bindegewebigen Scheidewänden; die
Kapillaren dagegen dringen zwischen die Fasern selbst ein und bilden
dort langgestreckte Netze. Auch Lymphgefäße sind in ansehnlicher Menge
vorhanden.
Die glatten Muskelzellen führen nur langsame, aber dauerhafte
Zusammenziehungen aus, die in der Regel dem Willen nicht unterworfen
sind; dies hängt mit ihrer Versorgung durch Nerven des vegetativen
Systems (s. Nervensystem) zusammen. Dementsprechend finden sich
glatte Muskeln im Darmkanale, in den zuführenden Luftwegen, in der
Gallenblase, im Nierenbecken, in den Ureteren, in der Harnblase, in
den Geschlechtsorganen, in Blut- und Lymphgefäßen, im Auge und in der
äußeren Haut.
Während bei den glatten Muskelzellen verzweigte Formen und echte,
plasmodiale Verbindungen die Ausnahme bilden, ist beides in
ausgeprägtem Maße bei dem