3. Das Knochengewebe.

Das Knochengewebe zeigt ebenfalls nach Zusammensetzung und Entstehung

engste Beziehungen zu kollagene Substanzen enthaltenden, weichen

Stützgeweben; doch ist diese Form der festen Stützsubstanz in einer

ganz anderen Richtung differenziert als das Knorpelgewebe.

Deshalb kommt auch eine direkte Umbildung fertigen Binde-

oder Knorpelgewebes in Knochengewebe nicht vor. Die hier

als »Metaplasie« bezeichneten Vorgänge sind vielmehr so zu

verstehen, daß indifferente Bildungszellen des Bindegewebes sich

unter verschiedenen Einflüssen bald zu Knochenzellen, bald zu

Knorpelzellen oder zu typischen Sehnenzellen umwandeln können

(siehe auch Kap. Knochenentwicklung).

[Illustration: Fig. 63.

Bindegewebsknorpel. Aus einem Schnitt durch den Discus articularis des

Sternoklavikulargelenkes. Technik Nr. 37, S. 119. 350mal vergr.]

[Illustration: Fig. 64.

Entstehung des Knochengewebes (Oberkieferanlage eines etwa 9 Wochen

alten menschlichen Embryos). Scharfe Färbung der Bindegewebsfibrillen

nach Technik Nr. 20, S. 116. 500mal vergr.]

Die erste Bildung von Knochensubstanz geht von dem gleichen

plasmodialen Stadium aus wie die Bildung aller Stützgewebe. Dabei

zeichnen sich die mit der Knochenbildung betrauten Teile des

embryonalen Plasmodiums (sogenannte ~Osteoblasten~) durch ihren

Zytoplasmareichtum und die Kerngröße aus. In ihrer Umgebung

differenziert sich zunächst die Interzellularsubstanz zu einem

Teil in Fibrillenbündel aus (über deren Entstehung die gleichen

Erwägungen gelten wie für die Fibrillen der weichen Stützgewebe, s.

S. 96). Die Knochenbildung (Fig. 64) ist nun dadurch erst deutlich

von der Entstehung einfachen Bindegewebes unterschieden, daß die

Fibrillen frühzeitig fest zusammengebacken werden; dies geschieht

durch Umwandlung der interfibrillären Interzellularsubstanz, die

sicher ebenfalls unter dem Einfluß der Osteoblasten erfolgt. Durch

diese Umwandlung, deren Endphase durch Einlagerung von Kalksalzen

bestimmt wird, kommt die charakteristische Härte und das Aussehen der

Knocheninterzellularsubstanz zustande.

Zum Unterschied vom Knorpel grenzen sich die Zellen nicht gleich

vollständig voneinander ab, sondern bleiben durch feine Ausläufer

auch dann miteinander in Verbindung, wenn sie allseitig von

Interzellularsubstanz umschlossen sind, d. h. zu ~Knochenzellen~

(Osteozyten) geworden sind (Fig. 65, wo nur die Kanälchen, aber nicht

die verbindenden Zytoplasmastränge zu sehen sind).

[Illustration: Fig. 65.

Stück eines Querschnittes der Humerusdiaphyse eines 4monatl. menschl.

Fötus. 675mal vergr. Technik Nr. 90.]

In späteren Stadien der Knochenbildung und im fertigen

Knochengewebe ist es nicht sicher, ob die Zellen den primären

Zusammenhang wahren. Die Möglichkeit dazu besteht, da die

Knochenhöhlen, in denen die Zellen liegen, durch zahlreiche

Kanälchen unter sich zusammenhängen.

Eine Modifikation des Knochengewebes, das ~Zahnbeingewebe~,

unterscheidet sich in genetischer Beziehung dadurch vom

Knochengewebe, daß seine Bildungszellen, die ~Odontoblasten~,

nicht von der Interzellularsubstanz ganz umschlossen werden,

sondern nur Fortsätze in diese senden (s. Genaueres unter

»Zähne«).

Die Interzellularsubstanz des Knochengewebes ist durch ihre Härte,

Festigkeit und Elastizität ausgezeichnet, Eigenschaften, welche sie

einer innigen Vermengung organischer und anorganischer Teile verdankt.

Die Verbindung beider Teile ist derart, daß man jeden derselben

entfernen kann, ohne die Struktur des Gewebes zu zerstören.

Durch Behandlung mit Säuren (siehe »Entkalken«, S. 18) werden

die Kalksalze ausgezogen, das Gewebe wird dadurch biegsam,

schneidbar wie Knorpel; man nennt deshalb entkalkten Knochen

»Knochenknorpel«. Umgekehrt lassen sich durch vorsichtiges Glühen

die organischen Teile entfernen; so behandelter Knochen heißt

»kalzinierter Knochen«. Die fossilen Knochen sind (durch die

lange Einwirkung von Feuchtigkeit) gleichfalls der organischen

Teile beraubt.

[Illustration: Fig. 66. Fig. 67.

Aus Stücken senkrecht durch das Schädeldach eines erwachsenen Menschen

gelegter Schnitte. 550mal vergr. Nach Technik 11, S. 39.]

Die Knochengrundsubstanz erscheint gewöhnlich homogen oder feinstreifig

und besteht 1. aus leimgebenden, unverkalkten Fibrillen, die entweder

ungeordnet oder zu gröberen oder feineren Bündeln vereint sind, und

2. aus einer dazwischen befindlichen geringen Menge von Kittsubstanz,

welche die Kalksalze (vorzugsweise basisch phosphorsauren Kalk)

einschließt.

[Illustration: Fig. 68.

Stück eines Längsschnittes der Fingerphalanx eines erwachsenen

Menschen. 550mal vergr. Nach Technik 11, S. 39.]

Die ~gröberen~ Fibrillenbündel bilden Geflechte: solche

»~grobfaserige~« (= geflechtartige) Knochensubstanz ist beim

Erwachsenen nur an den Nähten und an den Ansatzstellen der

Sehnen vorhanden; findet sich aber zur Zeit der Entwicklung

in den perichondralen und sekundären Knochen (siehe Kap.

Entwicklung der Knochen). Die feineren Bündel können sich unter

spitzwinkliger Durchflechtung zu dünnen, 3 µ dicken Platten,

»Lamellen« vereinen. Aus solcher »~feinfaseriger~« (= lamellöser)

Knochengrundsubstanz besteht fast das ganze Skelett des

Erwachsenen.

Die Knochengrundsubstanz enthält zahlreiche, kürbiskernähnliche,

15-27 µ lange Hohlräume, die ~Knochenhöhlen~ (früher

»~Knochenkörperchen~«) Fig. 69, welche durch viele verästelte, feine

Ausläufer, die ~Knochenkanälchen~, untereinander kommunizieren. Auf

diese Weise wird ein die ganze Interzellularsubstanz durchziehendes,

feines Kanalsystem hergestellt.

Die von den Flächen der Knochenhöhlen ausgehenden

Knochenkanälchen entspringen nahezu unter rechten Winkeln und

sind wenig verästelt, die von den Kanten ausgehenden Kanälchen

entspringen unter verschiedenen Winkeln und sind reichlicher

verästelt (Fig. 69).

[Illustration: Fig. 69.

Stücke von Schliffen trockner Knochen, A der Tibia, B des Femur eines

erwachsenen Menschen. 550mal vergr. Technik Nr. 91.]

[Illustration: Fig. 70.

Stück eines Schnittes durch die knöcherne Nasenmuschel eines

erwachsenen Menschen. 550mal vergrößert. Technik Nr. 92.]

Die Wand der Knochenhöhlen und -kanälchen, die »Knochenkapsel« ist frei

von Fibrillen (Fig. 67) und besonders fest. In den Knochenhöhlen liegen

die kernhaltigen ~Knochenzellen~ (Fig. 70), welche eine plattovale

Gestalt haben und dünne Fortsätze in die Knochenkanälchen senden.

Die Ernährung des Knochengewebes ist anscheinend in vollkommenerer

Weise gewährleistet als diejenige des Knorpelgewebes; in feineren

Substanzlagen genügt das feine Kanälchensystem, das die Knochenhöhlen

untereinander und mit der Oberfläche verbindet. In dickeren

Knochensubstanzmassen kommen allenthalben größere Kanäle zur

Ausbildung, in denen Blutgefäße verlaufen.

Die gute Durchsaftung des Knochengewebes erklärt es zum Teil,

daß dieses Gewebe trotz seiner Härte zu den bildungsfähigsten

Strukturelementen des Körpers zu rechnen ist. Es paßt sich veränderten

Beanspruchungen durch einen entsprechenden Neu- bzw. Umbau an. Diese

Fähigkeit ist die Grundlage zur Heilung von Knochenverletzungen

(Weiteres s. unter Skelettsystem).

~Technik.~

Nr. 14. ~Embryonales Stützgewebe.~ Man fertige von jungen, nach

~Altmann~ (s. Techn. Nr. 3, S. 72) fixierten und in Paraffin

eingebetteten Wirbeltierembryonen dünne (5-7,5 µ) Schnitte an,

klebe sie auf Objektträger (S. 29) und färbe mit Eisenhämatoxylin

(s. S. 40).

Nr. 15. Um starke ~vitale Speicherung von Trypanblau in

Bindegewebszellen~ zu erzielen, verfahre man nach S. 48,

injiziere mindestens 6-8 ccm der Farbstofflösung in Dosen zu

1 ccm in Abständen von 4-5 Tagen (bei einer weißen Maus). Die

besten Bilder von Bindegewebszellen ergeben Flachschnitte durch

Haut und Unterhautzellgewebe.

Nr. 16. ~Plasmazellen~ finden sich in mit Sublimat oder

Zenkerscher Flüssigkeit (S. 16) fixierten Präparaten von

Schleimdrüsen, Magenschleimhaut und anderwärts; gute

Kernfärbungen (Hämatoxylin z. B.) lassen den Radkern gut

erkennen. Man achte auf die den Kern umgebende oder ihm

anliegende helle Zytoplasmaregion.

Nr. 17. ~Mastzellen.~ Man fixiere 1-3 qcm große Stückchen

Schleimhaut (z. B. des Mundes, des Rachens oder des Darmes)

in absolutem Alkohol (S. 14) 3-8 Tage.

Die Schnitte kommen a) in ca. 100 ccm Alaunkarmin-Dahlia 24 Stunden,

dann b) in mehrmals zu wechselnden Alkohol abs. 24 "

dann Einschließen in Xylolbalsam nach § 10,3 (S. 45).

Wasser ist gänzlich zu vermeiden, da die mit Dahlia gefärbten

Körnchen auch an gut fixierten Präparaten in Wasser löslich sind.

Nr. 18. ~Azidophile Zellen.~ Man betrachte das Bindegewebe in

Schnitten mit beliebigen Fixierungsmitteln behandelter Organe,

nachdem sie mit Hansenschem Hämatoxylin und Eosin gefärbt sind;

besonders zahlreich sind diese Zellen in den Schleimhäuten

anzutreffen.

Nr. 19. ~Gefensterte Membranen~ erhält man, indem man Stückchen

von ca. 5 mm Seite des Endokards abpräpariert, in einem Tropfen

Wasser auf den Objektträger bringt und 1-2 Tropfen Kalilauge

unter das Deckglas fließen läßt (S. 47). Man betrachte die Ränder

des Präparates (Fig. 44).

Auch die Art. basilaris gibt gute gefensterte Membranen; man

schneide ein Stück der Arterie der Länge nach mit der Schere auf

und lege es in 10 ccm reine Kalilauge 6 Stunden lang; dann bringe

man ein ca. 1 cm langes Stück in einigen Tropfen Wasser auf

den Objektträger und suche es durch Schaben mit einem Skalpell

in Lamellen zu zerlegen, was leicht gelingt. Deckglas, starke

Vergrößerung! Die kleinen Löcher der Membran sehen wie glänzende

Kerne aus.

Bei schwachen Vergrößerungen erkennt man die Membran an ihrer

dunklen Konturierung.

Will man konservieren, so kommt die Membran vom Objektträger

a) in Brunnenwasser 5 Minuten,

dann b) in destill. Wasser 5 "

dann c) in 3 ccm 1/30%iges Kongorot (S. 9) 12-20 Stunden,

dann Einschluß in Xylolbalsam nach § 10, 3 (S. 45).

Nr. 20. ~Gallertiges Bindegewebe.~ Man färbt Paraffinschnitte von

einem in Zenkerscher Flüssigkeit fixierten (S. 16) Nabelstrang

(von 3monatigen Embryonen bis zur Geburt) entweder in Hansenschem

Hämatoxylin und Eosin (S. 41) oder, um eine bessere Differenz

zwischen dem Zytoplasma und den kollagenen Fibrillenbündeln zu

bekommen nach folgendem Verfahren:

1. ~Hansens~ Hämatoxylin 5 Minuten (etwas überfärben),

2. Abspülen in Aq. dest.,

3. gründlich wässern in Brunnenwasser,

4. Eosin w. g. 1%ig mit Zusatz von 10 Tropfen Eisessig auf

100 ccm 20 Min.,

5. Abspülen in Aq. dest.,

6. 2%ige Phosphormolybdänsäure 10 Sekunden,

7. Abspülen in Aq. dest.,

8. Methylblau (~Hollborn~) 1%ig 1-2 Minuten.,

9. Abspülen in Aq. dest.,

10. Alkohol 96%ig, worin das überschüssige Eosin und Methylblau

ausgezogen werden,

11. Alkohol absol.,

12. Xylol,

13. Balsam.

Bei dieser Färbung, die im Prinzipe der von Mallory, Heidenhain

u. a. (s. Lehrbücher der Mikrotechnik) angegebenen folgt, wandelt

die Phosphormolybdänsäure in den Strukturen, in die sich das

hochmolekulare Methylblau, das man auch durch andere blaue

kolloidale Farbstoffe (Wasserblau, Isaminblau u. a.) ersetzen

kann, einlagert, das Eosin zu einem in Alkohol leicht löslichen

Körper um, so daß es dann im Alkohol 96%ig aus diesen Strukturen

ausgezogen wird. Es kommt darauf an, die Phosphormolybdänsäure

nicht zu lange einwirken zu lassen; ebenso muß die Wirkung des

Methylblau nicht zu lange dauern. Man richte sich nach den oben

angegebenen Zeiten, die in dem soeben ausgeführten Sinne variiert

werden können.

Nr. 21. ~Retikuläres Gewebe.~ Lymphknoten werden beliebig

fixiert, dann dicke Schnitte (mit dem Rasiermesser, nach der

Gefriermethode oder nach Einbettung in Paraffin) angefertigt;

die Schnitte schüttelt man, nach Überführung in Wasser, in einem

Reagenzglas gründlich, wodurch aus den Maschen des retikulären

Gewebes die Lymphozyten entfernt werden. Dann werden die Schnitte

nach einer der Methoden in Nr. 20 gefärbt; bei Anwendung der

Eosin-Methylblaufärbung gelingt es, auch die Retikulinfasern

darzustellen.

Nr. 22. ~Lockeres Bindegewebe.~ a) frisch: Intermuskuläres

Bindegewebe, z. B. das dünne zwischen M. serratus und den mm.

intercost. liegende Blatt wird in kleinen, 1-2 cm langen Streifen

abpräpariert, ein kleines Stückchen davon auf dem ~trockenen~

Objektträger mit Nadeln rasch ausgebreitet; dabei klebt das

Stückchen auf dem Objektträger an und kann leicht zu einem ganz

dünnen Häutchen ausgezogen werden:

~Bündel~; das Häutchen wird rasch mit einem Tropfen

Kochsalzlösung und einem Deckglas bedeckt. Man sieht die wellig

verlaufenden blassen Bindegewebsbündel, bei einiger Übung kann

man auch die schärfer konturierten, glänzenden elastischen Fasern

schon jetzt unterscheiden, an günstigen Stellen auch die Kerne

der Bindegewebszellen.

Bei einem derartigen Präparate setze man verdünnte Essigsäure

vom Deckglasrande her zu, worauf die kollagenen Bündel quellen

und unsichtbar werden, während die Zellkerne und die elastischen

Fasern deutlich hervortreten.

Einem anderen frischen Präparate setze man in der gleichen Weise

einen Tropfen Neutralrotlösung (1 : 1000) zu, worauf sich die

Granula der Mastzellen, später auch andere Bindegewebszellen

granulär färben.

b) ~Dauerpräparate~ kann man vom intermuskulären Bindegewebe

eines größeren Säugetieres oder des Menschen in folgender Weise

herstellen: man quetscht ein größeres Stück von einer Seite

in der Weise zusammen, daß sich an der entgegengesetzten Seite

durch die eingeschlossenen Luftblasen dünne Lamellen beulenartig

vorwölben; dann ersetzt man den Fingerdruck durch einen Faden,

mit dem man den so gewonnenen Stiel des Präparates abbindet. Das

ganze fixiert man nun in Formolalkohol (s. S. 15). Nach 24-48

Stunden schneidet man dünne, gespannte Bindegewebslamellen ab und

färbt sie zunächst in ~Hansens~ Hämatoxylin, dann in ~Weigerts~

Resorzinfuchsin (s. S. 35), endlich in Pikro-Fuchsin nach ~van

Gieson~ (s. S. 42) (Fig. 47).

Man kann an solchen Präparaten natürlich auch beliebige, andere

Färbungen vornehmen.

Nr. 23. ~Netz der Bindegewebsbündel.~ In absol. Alkohol fixierte

und mit Hansens Hämatoxylin (S. 32) (Fig. 48) gefärbte Stückchen

des Omentum werden in Xylolbalsam nach § 10,3 (S. 45) konserviert.

Nr. 24. ~Verfilztes Bindegewebe.~ Haut von der menschlichen

Handfläche oder Fußsohle wird in Alkohol absol. (S. 14) fixiert,

in Paraffin eingebettet, die 5-7,5 µ dicken Schnitte nach den

unter Nr. 20 angegebenen Methoden gefärbt.

Nr. 25. ~Sehnenzellen.~ Feine Längsschnitte (Freihand) einer

fixierten und gehärteten menschlichen Sehne werden 1/2 Stunde in

Hansens Hämatoxylin gelegt, dann direkt aus der Farbe auf einen

Objektträger gebracht. Nun bringe man ein paar große Tropfen

Eisessig auf den Schnitt, der dadurch ganz rot wird, und lege

ein Deckglas auf (bei dickeren Schnitten unter etwas Druck).

Schon bei schwachen Vergrößerungen sieht man die langen Kerne der

Sehnenbündel. Sobald die Kerne sichtbar sind, wird der Schnitt

in eine Schale mit ca. 30 ccm Aqua destillata gebracht, woselbst

die blaue Farbe des Schnittes wiederkehrt. Dann Konservieren in

Xylolbalsam nach § 10,3 (S. 45). Häufig sieht man nur die Kerne,

an günstigen Stellen auch das Zytoplasma der Sehnenzellen (Fig.

51).

Nr. 26. ~Sehnenquerschnitt.~ Den Schwanz einer jungen Ratte

fixiert man, nachdem die Haut abgezogen ist, in Müller-Formol

(Nr. 7, S. 16), entkalkt nach § 6, 2, bettet in Zelloidin ein.

Die ca. 10 µ dicken Schnitte werden mit ~Hansens~ Hämatoxylin (S.

32) und Eosin gefärbt.

Nr. 27. ~Stärkere elastische Fasern~ erhält man durch Zerfasern

eines ca. 5 mm langen, stecknadeldicken Stückchens des frischen

Nackenbandes eines Rindes in einem Tropfen Kochsalzlösung (Fig.

52). Man kann das Präparat mit Pikrokarmin färben (S. 47) und in

verdünntem Glyzerin konservieren.

Nr. 28. ~Querschnitte starker, elastischer Fasern~ erhält man

vom Nackenband des Rindes, von dem man kleine Stückchen in

Formolalkohol (s. S. 15) fixiert, in Paraffin einbettet und 10 µ

dick schneidet. Färbung nach den in Nr. 20 gegebenen Vorschriften.

Nr. 29. Pigmentgewebe findet man an Durchschnitten menschlicher

oder tierischer Augen.

Nr. 30. ~Fettzellen.~ Man nehme aus der Achselhöhle eines

recht abgemagerten Individuums ein linsengroßes Stückchen des

rötlichgelben, gelatinösen Fettes und behandle es nach Technik

Nr. 22. Dünne Stellen zeigen Fettzellen, wie in Fig. 56; man

kann unter dem Deckglase mit Pikrokarmin (S. 47) färben und

in verdünntem Glyzerin konservieren. Gewöhnliche Fettzellen,

von beliebigen Stellen des Körpers genommen, untersuche man

gleichfalls in Kochsalzlösung. Man betrachte die kugligen Zellen

bei wechselnder Einstellung (vgl. Fig. 43).

Zu einem solchen Präparate setze man unter dem Deckglase einen

Tropfen einer Lösung von Sudan III (man löst Sudan III in heißem

70%igen Alkohol, läßt absetzen und filtriert vor dem Gebrauche);

in kurzer Zeit färben sich alle Fettzellen und etwa aus diesen

ausgetretene Fettropfen orangerot.

Will man Fett konservieren, so fixiert man in Formalin (s. S.

14), fertigt Gefrierschnitte, die in Hansens Hämatoxylin (S.

32) gefärbt werden; dann kommen die Schnitte auf 10 Minuten in

Alk. 50%, auf 20-30 Minuten in filtrierte Sudanlösung (s. o.);

abspülen in Alk. 50%, Aq. dest.; einschließen in Glyzerin.

Nr. 31. ~Fettgewebe~ sieht man an Durchschnitten vieler,

beliebig fixierter Präparate, vor allem der Haut (vgl. dort).

Durch die Alkoholbehandlung wird das Fett ausgezogen, die

Maschen der leeren Hülsen bieten dann ein dem Anfänger oft

schwerverständliches Bild (Fig. 55).

Nr. 32. ~Knorpelentwicklung.~ Ca. 10 mm lange Kaulquappen vom

Frosch fixiert man in Zenkerscher Lösung (S. 16), bettet nach

Nr. 2, S. 71 in Nelkenöl-Kollodium-Paraffin oder in Paraffin ein

und schneidet quer zur Längsausdehnung vom Kopfe an; überall

finden sich hier Knorpelspangen, die bei geeigneter Kern- und

Zytoplasmafärbung (~Hansens~ Hämatoxylin und Eosin, S. 41),

Boraxkarmin und Methylblau) das in Fig. 57 dargestellte Bild

zeigen.

Nr. 33. Querschnitte durch jüngere Embryonen aller Wirbeltiere

(in ~Zenker~scher Flüssigkeit [S. 16] fixiert, in Paraffin

eingebettet, mit ~Hansens~ Hämatoxylin [S. 32] und Eosin gefärbt)

sind gute Objekte zum Studium der Chorda dorsalis.

Nr. 34. ~Hyaliner Knorpel.~ Man schneide den sehr dünnen

Schwertfortsatz des Frosches mit einer Schere aus, bringe ihn auf

einen trockenen Objektträger, bedecke ihn mit einem Deckglase

und untersuche rasch mit starker Vergrößerung. Die Knorpelzelle

füllt die Knorpelhöhle vollkommen aus (Fig. 59). Bei längerer

Beobachtung lasse man einen Tropfen Kochsalzlösung zufließen.

Nr. 35. ~Hyaliner Rippenknorpel.~ Fixierung: Alkohol absol. oder

~Zenker~sche Flüssigkeit (S. 16); Einbettung: Zelloidin oder

Paraffin; Färbung: ~Hansens~ Hämatoxylin (S. 32) und Eosin.

Frischer Rippenknorpel älterer Individuen, den man ohne

Vorbereitung mit dem Rasiermesser schneidet und in Wasser

betrachtet, zeigt die starren »Asbestfasern«.

Nr. 36. ~Elastischer Knorpel.~ Man nehme einen Gießbeckenknorpel

des Menschen (noch besser des Rindes); die gelbliche Farbe des

Proc. vocalis, noch deutlicher der oberen Spitze, verrät den

elastischen Knorpel. Man schneide so, daß die Grenze zwischen

elastischem und hyalinem Knorpel in den Schnitt fällt und

betrachte die Schnitte in Wasser.

Schnitte dieses und anderer in Alkohol absol. fixierter

elastischer Knorpel färbe man nach S. 35 C und konserviere in

Xylolbalsam (§ 10,3, S. 45).

Nr. 37. ~Bindegewebsknorpel.~ Ligg. intervertebralia, einen

Discus articularis schneide man in Stücke von 1-2 cm Seite,

fixiere sie in 100 ccm Kalibichromatessigsäure (S. 15) und

bette in Paraffin oder Zelloidin ein (auch Rasiermesserschnitte

sind nach Härtung in Alkohol (nach § 5, S. 17) brauchbar). Die

nach Nr. 20 gefärbten Schnitte konserviere man in Xylolbalsam.

Schnitte durch Randpartien ergeben auch hyalinen Knorpel;

Schnitte durch zentrale Teile der Bandscheibe zeigen große

Gruppen von Knorpelzellen.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 89 / 286 题