II. Stützgewebe.

Im Gegensatz zu den Epithelgeweben grenzt das Stützgewebe in

der Regel nicht an freie Oberflächen an, sondern bildet einen

Teil der Innensubstanz des Körpers, der die wichtigsten und

verschiedenartigsten Aufgaben (Formgebung und -erhaltung,

Stoffwechsel, vielleicht auch Reizübertragung) besitzt. Der Name

»Stützsubstanzen« bezeichnet die Eigenart nur eines Teiles der

hierher gehörigen Gewebe.

Das Gemeinsame aller hier zusammengefaßten Gebilde liegt in ihrer

Herkunft und Verwandtschaft, die bewirkt, daß durch bestimmte

Beanspruchungen vielfach aus einer Form andere Formen dieser Gruppe

entstehen können.

[Illustration: Fig. 41.

Embryonales Stützgewebe aus einem Schnitt durch einen sehr jungen

Embryo vom Meerschweinchen; die Zellen bilden ein Plasmodium. Beachte

den Unterschied der Stützsubstanz zum Epithel! 750mal vergrößert.

Technik Nr. 14, S. 116.]

Ontogenetisch entwickelt sich das Stützgewebe später als das

Epithelgewebe; wir erkennen sein Auftreten daran, daß auf einer

bestimmten Entwicklungsstufe des Keimes zwischen den Epithellagen

Zellen angetroffen werden, die 1. zwar untereinander und mit den

Epithelzellen ihre Verbindungen gewahrt haben, 2. aber durch

relativ weite Zwischenräume voneinander getrennt werden.

Die Zellen bilden zunächst ein zusammenhängendes schwammartiges Gerüst

(Plasmodium)[69]; in den dickeren, zytoplasmatischen Teilen des

Gerüstes liegen die Zellkerne. Die in den Hohlräumen liegende Masse

nennen wir ~Interzellularsubstanz~ (Grundsubstanz) (Fig. 41).

Sie ist im ersten Entwicklungsanfang von den die

Interzellularspalten des Epitheles erfüllenden Gewebssäften

prinzipiell sicher nicht unterschieden und muß bei der ersten

Stützsubstanzbildung ebenfalls als flüssig angesehen werden.

Ob sie von den Zellen ausgeschieden wird, wie die einen, oder

~vor~ den später in ihr liegenden Zellen entstanden ist, wie

andere Autoren meinen, oder ob sie endlich nur ein durch seine

Konsistenz vom Zytoplasma unterschiedenes Außenplasma darstellt,

sei dahingestellt. Sicher bildet sie morphologisch von Anfang an

einen gewissen Gegensatz zu den Zellen selbst.

Viele Erscheinungsformen des Stützgewebes werden durch Eigenschaften

der Interzellularsubstanz bestimmt; wenn lockeres Bindegewebe weich

dehnbar, aber relativ zugfest, wenn Knochen hart ist, stets ist die

Interzellularsubstanz die Trägerin dieser Eigenschaften.

Alle weiter ausgebildeten Formen des Stützgewebes sind charakterisiert

1. durch das Verhalten der Zellen, 2. durch die Masse und die

Differenzierungsweise der Interzellularsubstanz.

[Illustration: Fig. 42.

Fibroblasten und »Ruhende Wanderzellen« im subkutanen Bindegewebe der

Maus nach Speicherung von Trypanblau. 500mal vergrößert. Technik

Nr. 15, S. 116.]

Wenn auch mit Recht immer wieder darauf hingewiesen wird, daß wir der

Interzellularsubstanz nicht das Leben absprechen dürfen, weil sich in

ihr auch ohne unmittelbare Anteilnahme der Zellen Bildungsprozesse

abspielen, so sehen wir doch eine Reihe wichtiger Lebensvorgänge, vor

allem die erste Bildung der Stützsubstanzen an Zellverbände geknüpft

und betrachten diese deshalb als Bildner der Stützsubstanzen und als

diejenigen Bestandteile der ausgebildeten Gewebe dieser Gruppe, an die

die wichtigsten Stoffumsetzungen gebunden sind.

In allen Formen des Stützgewebes liegen Stammzellen, die als

unmittelbare Abkömmlinge des Plasmodiums zu betrachten sind; diese

behalten ihre Zusammenhänge entweder mehr oder weniger deutlich bei

und bilden die sogenannten Fibroblasten des lockeren Bindegewebes,

die sogenannten Retikulumzellen (s. retikuläres Bindegewebe, S. 98),

die Sehnenzellen (s. S. 101), Knochenzellen (s. S. 114), oder sie

verlieren die plasmatischen Verbindungen und werden dann allseitig

von Interzellularsubstanz umschlossen (Knorpelzellen, s. S. 107).

Unmittelbare Umwandlungsformen aus dem Plasmodium sind auch die Fett-

und die Pigmentzellen, die sich von den obengenannten, morphologisch

mehr indifferenten Zellformen durch auffallende zytoplasmatische

Einschlüsse unterscheiden. Alle diese Zellformen sind durch ihre

(normalerweise) unveränderliche Lage im Innern der festeren Teile der

Interzellularsubstanz ausgezeichnet.

Neben ihnen finden wir in den Stützgeweben, besonders in den

saftreichen, weicheren (lockeres Bindegewebe, adenoides Gewebe der

Lymphknoten und der Schleimhäute), verschiedenartige, sogenannte freie

oder wandernde Zellen vor. Ihr Vorkommen unterliegt in den einzelnen

Gewebsformen den größten Schwankungen; sie vermögen ihre Lage zu

verändern, was sich in fixierten Präparaten an ihrer unregelmäßigen

Form erkennen läßt. Besonders unter starken physiologischen und

pathologischen Reizen kann ihre Zahl an einzelnen Gewebestellen stark

zunehmen.

Die Herkunft und Bedeutung dieser Zellen ist nicht für alle Fälle

geklärt. Wir unterscheiden:

a) ~Ruhende Wanderzellen~ (~Maximow~). Der Name »Ruhende

Wanderzellen« drückt aus, daß diese Zellen auf Reize hin

Wanderungen ausführen können. In diese Gruppe fallen die

Klasmatozyten[70] (~Ranvier~), die Adventitiazellen. Die

Adventitiazellen sind »ruhende Wanderzellen«, die in den

Außenschichten der Blutgefäße (T. externa oder adventitia)

aufgefunden werden (~Marchand~); sie gehören zu der Gruppe der

Histiozyten (~Aschoff~). Der Name Histiozyten = vom Gewebe

stammende Zellen ist als Gegensatz zu Blutzellen (Leukozyten)

gemeint. Beim Entzündungsvorgang reichern sich zahlreiche Zellen

an, die teils dem Blute, teils den »Ruhenden Wanderzellen«

entstammen. Als »Bluthistozyten« werden die losgelösten »ruhenden

Wanderzellen«, Retikulumzellen (Milz, Lymphknoten, Knochenmark)

und ebenfalls gelegentlich sich ablösende Kapillarepithelien

bestimmter Organe (Leber) zusammengefaßt. Allen diesen Formen ist

ein bedeutendes Speicherungsvermögen und die Loslösung aus dem

Gewebsverband bei Reizzuständen gemeinsam.

Diese Zellen liegen in sehr großer Zahl im lockeren Bindegewebe

aller Organe, besonders auch in der Umgebung der Blutgefäße. Sie

dürften umgewandelte Formen der Fibroblasten sein und aus diesen

dauernd während des ganzen Lebens entstehen. Sie sind durch ihr

besonderes Speicherungsvermögen am besten zu charakterisieren.

Sie enthalten normalerweise in ihrem Zelleib mannigfaltige

Einschlüsse; saure Farbstoffe, dem lebenden Organismus

einverleibt, werden vom Zytoplasma dieser Zellen reichlich

aufgenommen und gespeichert, während sich die Fibroblasten an

diesem Vorgange weniger stark beteiligen. Auch gröbere Substanzen

(Zelltrümmer, Bakterien usw.) nehmen sie auf, weshalb man sie oft

auch als ~Makrophagen~ bezeichnet.

Die ruhenden Wanderzellen liegen offenbar den dünnflüssigen

Teilen der Interzellularsubstanz (den sog. Saftspalten) dicht

an, oder auch in ihnen darin, während die Fibroblasten von

konsistenteren Teilen der Interzellularsubstanz umschlossen sind.

Daher kommen alle das Stützgewebe durchsetzenden Substanzen

zuerst mit den ruhenden Wanderzellen in Berührung und werden

von ihnen intensiv aufgenommen. Bei reichlicher Beladung mit

Speicherungssubstanzen lösen sich jeweils einzelne Zellen los und

werden von Lymphstrom aus dem Gewebe weggeführt, gelangen in die

Lymphbahn, die Lymphknoten und weiter in das Venensystem, wo sie

dann gelegentlich angetroffen werden. Vermutlich gehen sie nun

rasch zugrunde. Bei vielen pathologischen Fällen spielen diese

Zellformen eine große Rolle.

Das Schicksal und die Fähigkeit, Fremdstoffe stark zu speichern,

haben die ruhenden Wanderzellen mit den ihnen nahestehenden

Retikulumzellen (s. adenoides Gewebe) in der Milz, den

Lymphknoten, dem Knochenmark gemeinsam, die andererseits den

Fibroblasten nahestehen, was wiederum auf die nahe Verwandtschaft

aller dieser Zellformen hinweist.

b) ~Mastzellen~ (Fig. 43B) nennen wir charakteristische

granulareiche Zellen, deren unregelmäßig gestaltetes Zytoplasma

zahlreiche dichtgedrängte, rundliche Einschlüsse enthält. Diese

lassen sich mit basischen Anilinfarben stark beladen, weshalb

man sie basophil nennt (mit geeigneten Farbstoffen färben sie

sich in einem vom gelösten Farbstoff abweichenden Tone, also

metachromatisch). Ihre Herkunft (aus Blut- oder Gewebszellen)

ist nicht sicher. Manche Forscher unterscheiden histogene und

hämatogene Formen[71].

[Illustration: Fig. 43.

Zellen im Bindegewebe des Menschen. 560mal vergr. Technik Nr. 16, 17,

30, S. 116, 118.]

In frühester embryonaler Zeit entstehen aus dem Plasmodium

noch zweierlei später scharf vom Mutterboden unterschiedene

Formbestandteile: die Gefäße und die zelligen Elemente des Blutes

und der Lymphe (genauer s. unter Blut und Gefäße); besonders die

zelligen Bestandteile der Lymphe, die verschiedenen Formen von

Lymphozyten machen einen bedeutenden Teil der wandernden Zellen in den

Stützsubstanzen aus. So kommen in verschiedener Menge

c) ~kleine Lymphozyten~ (über ihren Bau s. Blut) vor, während

d) die sogenannten ~Plasmazellen~ weniger regelmäßig

angetroffen werden. Diese sind offenbar Umwandlungsformen der

Lymphozyten, von denen sie sich durch den Umfang des Zytoplasmas

unterscheiden. Sie liegen vorzugsweise in der Nähe kleiner

Blutgefäße, sind basophil, ohne eine ausgesprochene Granulierung

des Zytoplasmas, und haben einen einfachen, exzentrischen, von

einem hellen Hof umgebenen Kern, dessen Chromatin in starken

Brocken der Kernmembran anliegt: sogenannter Radkern (Fig. 43A).

Sie sind nur ausnahmsweise Phagozyten[72]. Nur bei vermehrtem

Stoffwechsel (während der Verdauung in der Darmwand, während

der Schwangerschaft und der Menstruation in der Uteruswand,

bei entzündlichen Vorgängen usw.) treten sie auf, so daß man

annehmen kann, daß sie durch Speicherung bestimmter Substanzen

heranwachsende Lymphozyten sind.

e) Endlich finden sich in Stützgeweben eine wechselnde Zahl

sogenannter ~azidophiler Zellen~ (Fig. 43E) vor, deren

Zytoplasmagranula sich vorzugsweise mit sauren Farbstoffen

färben. Sie werden von vielen Autoren als identisch angesehen mit

den entsprechend granulierten Formen der Blutzellen (azidophile

Leukozyten).

Die ~Interzellularsubstanz~, in den ersten Entwicklungsstufen rein

flüssig, verfestigt sich unter dem Einfluß der Zellen teilweise und

in den verschiedenen Formen des Stützgewebes in sehr wechselndem

Umfang. Diese Verfestigung dürfte in erster Linie auf einer zunehmenden

Konzentrierung an eiweißartigen Stoffen beruhen.

Den Einfluß der Konzentration auf die Festigkeit einer

Eiweißstoffe enthaltenden Lösung können wir am Beispiel der

Gelatine prüfen. Sie erstarrt bei einer bestimmten Temperatur

erst dann zu einer Gallerte, wenn eine gewisse kritische

Konzentration erreicht ist. Schwächere Lösungen bleiben bei

der gleichen Temperatur zähflüssig, stärkere bedürfen zum

Flüssigwerden einer noch höheren Temperatur.

Die Verfestigung betrifft in der Regel nicht die gesamte

Interzellularsubstanz eines Stützgewebes. Vielfach wird diese Masse in

Form von Lamellen schichtweise gebildet, so daß zwischen den Lamellen

dünnflüssigere Spalten übrig bleiben; so kommt es, daß in vielen

Stützgeweben die Möglichkeit besteht, daß freie Zellen sich in solchen

flüssig gebliebenen Spalten der Interzellularsubstanz bewegen können;

auch für die Diffusion gelöster Stoffe dürften diese Einrichtungen von

größter Bedeutung sein (sogenanntes Saftspaltensystem).

Das Saftspaltensystem ist von sehr wechselnder Ausdehnung; es

kann durch reichliche in ihm auftretende Zellansammlungen stark

ausgedehnt werden, umgekehrt im zellfreien Zustande unsichtbar

sein. Reichliche Flüssigkeitsansammlung in diesen Räumen kann

eine starke Aufschwellung im gesamten Stützgewebe verursachen

(sogenanntes Ödem).

Die Verfestigung der Interzellularsubstanz ist in der Regel mit der

Bildung fibrillärer oder membraniger Strukturen verbunden, zwischen

denen meist noch als »Kittsubstanz« ein undifferenzierter Teil der

verfestigten Interzellularsubstanz angenommen wird.

Die Bildungsweise der Differenzierungsprodukte der

Interzellularsubstanz unterliegt noch der Diskussion. Sie

entstehen entweder ~direkt~ aus den Bindegewebszellen,

binnenzellig in der Hautschicht dieser Zellen, von denen sie sich

dann ablösen und mit gleichfalls abgelösten Nachbarfibrillen

sich zu zwischenzelligen Bündeln vereinigen (hierbei sollen

Plastosomen das Material für die Fibrillenbildung darstellen)

oder ~indirekt~ aus Bindegewebszellen, welche durch ihre

Tätigkeit die zur Fibrillenbildung notwendigen Stoffe der

Interzellularsubstanz zuführen, in der es dann nachträglich zur

Fibrillenbildung kommt.

Ihrem chemischen, physikalischen und färberischen Verhalten nach

lassen sich im wesentlichen zwei Arten von differenzierten Substanzen

in der Interzellularsubstanz der Stützgewebe bei höheren Wirbeltieren

nachweisen, die ~kollagenen~ und die ~elastischen~ Substanzen.

Die ~kollagene~[73] Substanz besteht aus äußerst feinen (0,6 µ),

gleichmäßig glatten, unverzweigten Fäden (~Bindegewebsfibrillen~),

welche durch eine geringe Menge ungeformter Interzellularsubstanz zu

verschieden dicken Bündeln, den ~Bindegewebsbündeln~, verbunden werden.

Diese Bündel sind weich, biegsam, wenig dehnbar und charakterisiert

durch ihre blassen Konturen, ihre Längsstreifung (die von ihrer

Zusammensetzung aus parallel angeordneten Fibrillen herrührt), ihren im

ungedehnten Zustand welligen[74] Verlauf, sowie durch ihr chemisches

Verhalten; sie zerfallen durch Behandlung mit Pikrinsäure in ihre

Fibrillen, quellen auf Zusatz verdünnter Säuren, z. B. Essigsäure,

bis zu vollkommener Durchsichtigkeit auf, werden durch alkalische

Flüssigkeiten zerstört und geben beim Kochen Leim (Glutin). Daher hat

dieses Differenzierungsprodukt seinen Namen.

Mit einer Reihe von Färbemethoden gelingt es, die kollagenen

Fibrillen charakteristisch von anderen Gewebsbestandteilen zu

unterscheiden; so werden sie bei Pikrofuchsinfärbung (s. Nr.

18, S. 42) rot, bei Eosin-Methylblau (s. Nr. 20, S. 116) blau

gefärbt. Während diese »spezifischen« Färbungen von vielen

Autoren auf chemische Eigenschaften der Fibrillen bezogen

werden, vermögen wir darin nur den Ausdruck einer spezifischen

physikalischen Dichte zu erkennen. Es muß jedenfalls davor

gewarnt werden, alles was sich mit diesen »Bindegewebsfärbungen«

im spezifischen Tone färbt, etwa für kollagen zu halten.

In mancher Beziehung weichen die Eigenschaften der Fibrillen im

retikulären Gewebe sowie in den sogenannten Gitterfasern der

Leber von der verbreiteten Form der kollagenen Fibrillen ab; sie

dürften aber im wesentlichen aus den gleichen Substanzen bestehen.

Die Zahl und die Anordnung der kollagenen Fibrillen

charakterisieren die mechanische Struktur eines Stützgewebes in

besonderem Maße. Bei wechselnder Beanspruchung in verschiedenen

Richtungen durchflechten sich die Bindegewebsbündel, ohne

besondere Bevorzugung einer einzelnen Verlaufsrichtung.

Einseitiger Zug (Sehnengewebe) zwingt die Fibrillen zu unter

sich paralleler Anordnung in der Richtung des Zuges.

Die leimgebenden Fibrillen des Knorpel- und Knochengewebes --

in beiden sind sie besonders reichlich entwickelt -- werden

optisch schwerer nachweisbar, weil sie hier durch eine besondere

Umwandlung der ungeformten Interzellularsubstanz (beim Knorpel

die sogenannten Chondroitinschwefelsäure, beim Knochen Kalksalze)

beeinflußt werden.

Die ~elastische~ Substanz ordnet sich zu Fasern oder sogenannten

gefensterten Membranen; sie zeichnet sich durch die scharfen dunklen

Umrisse, durch ihr starkes Lichtbrechungsvermögen, sowie -- im

Gegensatz zu den kollagenen Substanzen -- durch ihre bedeutende

Widerstandsfähigkeit gegen Säuren und Alkalien aus. Die elastischen

Fasern sind von ~sehr verschiedener Dicke~ (von unmeßbar feinen bis

zu 10 µ) und kommen meist in Form feinerer oder gröberer Netze vor,

die wieder bald eng-, bald weitmaschig sind. Aus dickeren, elastischen

Fasern gewebte, engmaschige Netze bilden den Übergang zu elastischen

Membranen (Fig. 44), welche entweder homogen oder feinstreifig,

von verschieden großen Löchern durchbrochen sind (daher der Name

»gefensterte Membranen«).

Über die spezifischen Färbungen der elastischen Substanzen

(s. Nr. 6, S. 35) ist das gleiche zu sagen, was oben für die

kollagenen Fibrillen ausgeführt wurde.

Die elastische Substanz wird auch als ~Elastin~ bezeichnet;

es gibt Fälle -- vorzugsweise pathologische, z. B. in der

verwitterten Gesichtshaut älterer Personen -- in denen sich die

elastischen Fasern mit den spezifischen sauren Farbstoffen (S.

35) nur schwach, dagegen mit basischen, kernfärbenden Farben

stark färben; die Substanz solcher Fasern nennt man ~Elazin~.

Andererseits können degenerierende Fasern leimgebender Natur sich

mit den genannten sauren Farben stark färben; dieses veränderte

Bindegewebe hat man ~Kollastin~ genannt.

Die elastischen Fasern sollen binnenzellig (in Form feinster

Körnchen?) entstehen, die alsbald zu dünnen, später durch

Apposition dicker werdenden Fasern verschmelzen. Nach anderen

Autoren entstehen sie nicht direkt in Zellen, sondern durch

Umbildung von Bindegewebsfibrillen.

Die elastischen Fasern können in fast allen Arten von Stützgewebe

spärlich oder in größerer Zahl auftreten; überwiegen sie

gegenüber der kollagenen Substanz an Masse, so beeinflussen sie

die mechanischen Eigenschaften des Stützgewebes wie sein Aussehen

in bedeutender Weise. Im allgemeinen zeigt die mehr gelbliche

Farbe eines Stützgewebes den Gehalt an elastischer Substanz an

(»gelbes Bindegewebe, gelber Knorpel«).

[Illustration: Fig. 44.

Netzwerk (¡n¡) dickerer elastischer Fasern, nach links in eine

gefensterte Membran (¡m¡) übergehend. Aus dem Endokard des Menschen.

560mal vergr. Technik Nr. 19, S. 116.]

Im Gegensatz zu extrem aus kollagenen Differenzierungsprodukten

zusammengewirkten Geweben, die nur wenig dehnbar sind, vermögen

elastische Gewebe erhebliche Dehnungen nach Aufhören des Dehnungszuges

fast völlig wieder auszugleichen. Wirkt der Dehnungszug einseitig, so

kommt es zu parallelfaseriger Anordnung des Fasernetzes (elastisches

Nackenband); bei zentrifugal flächenhaft wirkender Dehnung (in der

Wandung der großen Arterien, s. dort) kommt es zur Membranbildung aus

elastischer Substanz.

Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit, Dehnungen wieder

auszugleichen, allmählich ab, wodurch das Schlaffwerden z. B. des

Stützgewebes in der Haut zu erklären ist.

Die ~Ernährung~ der Stützgewebe ist durch Diffusionsströme in

der Interzellularsubstanz ermöglicht. Die Blutgefäße, die ja als

Abkömmlinge des Stützgewebes zu betrachten sind, bringen die

Nahrungssubstanzen in allen Teilen des Körpers in die feinsten

Verzweigungen des Gefäßsystems, die sogenannten Kapillaren, durch

deren dünne Wandung die Nahrungsstoffe in das Stützgewebe übertreten.

Hier dienen sie teilweise als Substrat für den Stoffwechsel der

Zellen und der Interzellularsubstanz der Stützgewebe selbst, teils

gelangen die Nahrungsstoffe auf diesem Wege an die Epithelien und

deren Abkömmlinge, die Drüsen. Ebenso werden die Stoffwechselprodukte

der Epithelzellen durch das Stützgewebe hindurch den Gefäßbahnen

zugeführt. Dadurch werden alle Teile des Stützgewebes, die mit

Epithelien in naher Beziehung stehen, zu wichtigen Überträgern des

Stoffwechsels dieser Gewebe. Damit steht wieder im Zusammenhang, daß

die Kapillaren des Gefäßsystems um so dichter gelagert sind, je größere

Stoffwechselzentren in den Stützgeweben liegen (s. bei Gefäßsystem).

Die Formen des Stützgewebes.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 86 / 286 题