Schema eines mehrreihigen Epithels.]

Von den ~Stoffwechselvorgängen~ in den Epithelzellen gibt uns das

Aussehen von Zytoplasma und Zellkern vielfach gewisse Vorstellungen.

Vor allem werden viele Substanzen, die die Zellen durchsetzen,

vorübergehend im Zytoplasma gespeichert. Ob hierzu in allen Fällen

besondere Zellorgane (Plasmosomen[64]), Granula notwendig sind, wie

viele Autoren annehmen, oder ob die Substanzen in zytoplasmafreie

Hohlräume (Vakuolen) deponiert werden, also paraplasmatische Stoffe

sind, wie andere annehmen, ist nicht bestimmt zu sagen. In den

meisten Fällen finden wir solche Substanzen (Fett, körpereigene und

-fremde Farbstoffe, Eiweißsubstanzen, Glykogen u. a.) in tropfiger

oder körniger Form im Zytoplasma vor und nennen diesen Vorgang

~Speicherung~. Die Speicherung ist ein wichtiger Vorgang und dürfte

in Epithelzellen ein wesentlicher Faktor für die Entstehung vieler

»Granula« sein, deren Natur wir nicht näher bestimmen können.

Speicherungsvorgänge sind es auch, die uns oft bei resorbierenden

Epithelien davon Kunde geben, daß bestimmte Substanzen von den

Zellen aufgenommen worden sind. Der Vorgang der ~Resorption~ (z. B.

aus dem Dünndarmlumen) läßt sich aber nicht als Speicherung allein

charakterisieren; vielmehr gehört zu seinem Wesen, daß Substanzen

aus dem Darminnern durch die Epithelschicht in die Körpersubstanz

aufgenommen werden. Über die Einzelheiten dieses Vorganges sind wir

nicht unterrichtet.

[Illustration: Fig. 28.

Querschnitt durch das Hauptstück eines Nierenkanälchens der weißen

Maus, welches Farbstoff gespeichert hat (nach ~W. v. Möllendorff~

1915). Technik Nr. 13, S. 90.]

[Illustration: Fig. 29.

Zwei seröse Drüsenzellen aus der Gl. submaxillaris eines

Meerschweinchens. 1260mal vergr. In der Zelle (¡B¡) sind die Granula in

den unfärbbaren Zustand übergegangen, neue färbbare Granula beginnen

sich im Zytoplasma zu bilden. Technik Nr. 121.]

Grundsätzlich, wenn auch morphologisch im Einzelfall nicht immer

deutlich, davon zu unterscheiden ist die sogenannte ~Sekretion~,

d. h. die Abscheidung von Substanzen aus dem Zellinnern nach der

Zelloberfläche; auch sie spielt im Körper eine sehr wichtige Rolle.

Im übertragenen Sinne bezeichnen wir als Sekretion jede

Abscheidung aus dem Körper, sofern sie demselben einen

erkennbaren Nutzen bringt; hierbei braucht das ~Sekret~ nicht

immer die Zellen zu verlassen, sondern kann durch den Untergang

der ganzen Zelle nutzbar gemacht werden. Im Gegensatz dazu

bezeichnet man als ~Exkret~ ein Abscheidungsprodukt, das für den

Organismus keinen erkennbaren Nutzen mehr besitzt. Doch ist in

manchen Fällen die Entscheidung, ob wir es mit einem Sekret oder

mit einem Exkret zu tun haben, nicht leicht zu treffen.

Wenn auch der Vorgang der Speicherung eine gewisse morphologische

Ähnlichkeit mit vielen Sekretionsvorgängen besitzt, so muß

er unseres Erachtens scharf von ihnen unterschieden werden,

weil sonst der Begriff des Sekretes zu weit gefaßt und endlich

inhaltslos würde.

Zellen, die eine deutliche Sekretionstätigkeit entfalten, nennen wir

~Drüsenzellen~. Die bei Bildung und Ausscheidung des Sekretes sich

abspielenden Vorgänge sind häufig an gewissen Verschiedenheiten an Form

und Inhalt der Drüsenzellen zu erkennen, welche den sekretleeren und

sekretgefüllten Zustand der Zelle anzeigen.

Die Bezeichnungen »sekretleer« und »sekretgefüllt« beziehen

sich auf das fertige, der Ausstoßung nahe Sekret, nicht auf die

Vorstufen desselben; andere Autoren verwenden dafür die Ausdrücke

»ruhend« und »tätig«, die sich indessen nicht vollkommen mit

ersteren decken. Die Physiologie nennt eine solche Drüse

»ruhend«, welche kein Sekret abgibt, »tätig« aber, solange Sekret

aus den Ausführungsgängen abfließt.

Bei vielen, z. B. den sogenannten serösen Drüsenzellen, äußert sich

der sekretleere Zustand neben gewissen Erscheinungen am Kern durch ein

geringeres Volum und ein dunkleres Aussehen der Zelle.

Es ist zweifellos, daß auch aus dem Kern Teile in Form färbbarer

Körnchen in das Zytoplasma übertreten, ob aber diese Teile als

echte Sekretgranula aufgefaßt werden dürfen, ist nicht sicher.

Wir betrachten die Kernveränderungen bei der Sekretion als ein

Zeichen seiner Anteilnahme am Zellstoffwechsel, ohne daß wir die

Rolle, die der Kern hierbei spielt, genauer abzugrenzen vermögen.

[Illustration: Fig. 30.

Darm- (Lieberkühnsche) Drüse aus einem Schnitte durch den Dickdarm des

Menschen, 165mal vergr. Das in den Becherzellen gebildete Sekret ist

dunkelblau gefärbt. In der Zone 1 sieht man Becherzellen im Anfang

der Sekretbildung; daß Sekret hier schon ausgestoßen wird, geht aus

dem Vorhandensein von Sekrettröpfchen im Lumen der Drüse hervor; 2

Becherzellen mit viel Sekret; 3 Becherzellen, in denen schon weniger

Sekret vorhanden ist; 4 absterbende Becherzellen, die zum Teil noch

einen letzten Rest Sekret enthalten. Technik Nr. 131.]

Stärkere Vergrößerungen und besondere Methoden zeigen Körnchen, die

sich intensiv färben lassen (Fig. 29a). Diese »Granula« wachsen,

verlieren die Fähigkeit, sich zu färben (Fig. 29b) und wandeln sich

zu Sekrettropfen um; damit ist die Zelle in den sekretgefüllten

Zustand übergegangen, der sich auch bei einfacheren Methoden durch ein

vermehrtes Volum und ein helleres Aussehen anzeigt. Die Sekrettropfen,

zuweilen schon die Granula, werden an der freien Zelloberfläche

ausgestoßen. Die speziellen Vorgänge in vielen anderen Drüsenzellen

werden wir im speziellen Teil noch kennen lernen.

Die in manchen serösen Drüsenzellen und den Hauptzellen der

Magendrüsen befindlichen Basalfilamente (»Ergastoplasma«) sind

vielleicht Teile der Filarsubstanz, gehören vielleicht zu den

Plastosomen (S. 59), vielleicht hängen sie aber auch mit der

Bildung des Sekrets zusammen, sind Ausdruck endoplasmatischer

Ströme. Nach der Ansicht vieler Autoren sollen die Sekretgranula

aus Plastosomen entstehen.

Die meisten Drüsenzellen gehen beim Sekretionsakte nicht zugrunde,

sondern sind imstande, denselben Prozeß mehrfach zu wiederholen. Solche

Drüsenzellen sind ~merokrin~[65] im Gegensatz zu ~holokrinen~[66]

Drüsenzellen, deren Zelleib unter einer spezifischen Umwandlung

zugrunde gehen muß, um als Ganzes Sekret zu werden (Talgdrüsen).

Die Drüsenzellen liegen in vielen Fällen zwischen indifferenten

oder in anderer Richtung spezialisierten Epithelzellen angeordnet

(Fig. 30); wird aber der Bedarf nach einem Sekret größer, so

werden mehr oder weniger große Mengen von Epithelzellen unter die

Epitheloberfläche verlagert und wandeln sich zu Drüsenzellen um:

es kommt damit zur Ausbildung von ~Drüsen~. Die Vergrößerung der

sezernierenden Oberfläche, die geschützte Lage der Drüsenzellen sind

die Hauptvorteile, die durch diese Entwicklung erreicht werden. In viel

stärkerem Maße als nicht sezernierende Epithelien werden Drüsen mit

Blutgefäßen (Fig. 31) versorgt, die allenthalben bis dicht unter die

Epithelzellen hingelangen, von denen sie durch eine ~Membrana propria~

getrennt werden. Das Prinzip des Stofftransportes schaltet also hier

ebenfalls die Drüsenzelle zwischen Blutgefäß und freie Oberfläche als

regulierenden Faktor ein.

[Illustration: Fig. 31.

Stück eines Durchschnitts einer Zungenschleimdrüse eines Kaninchens.

Blutgefäße injiziert. Die Kerne der Drüsenzellen waren an dem Präparat

nur undeutlich zu sehen. ca. 180mal vergrößert. Wie Technik Nr. 126.]

Zuweilen finden sich zwischen Propria und Drüsenzellen

sternförmige Zellen, welche miteinander sich verbindend als

»Korbzellen« die Drüsenröhrchen umgreifen; es ist noch nicht

entschieden, ob dieselben Epithel- oder Bindegewebszellen oder

glatte Muskelfasern sind.

Durch die Zusammendrängung der Epithelzellen auf einen engen

Raum werden aber viele besondere Formbildungen notwendig. Die

Epithelzellenoberfläche grenzt nunmehr an einen engen kanalartigen

Hohlraum an, der mit der freien Oberfläche eines Hohlorganes oder mit

der Oberfläche des Körpers in Verbindung steht (vgl. Fig. 20B, S.

76). Je nach der Art des bereiteten Sekretes sind die Hohlräume in

den Drüsen fast unmeßbar fein oder weiter. Soweit der Hohlraum von

richtigen Drüsenzellen umgeben wird, nennen wir ihn das ~Drüsenlumen~,

diesen Abschnitt der Drüse ~Endstück~; zumeist nehmen nämlich die

Epithelzellen, die dem Ausgang des Drüsenkanalsystems näher liegen, an

der Sekretionsarbeit nicht teil. Wir bezeichnen deshalb diese Teile

einer Drüse als ~Ausführungsgang~.

Die komplizierte Zusammensetzung des Ausführungsgangsystems

in manchen Drüsen macht die Annahme notwendig, daß auch die

Epithelzellen bestimmter Teile desselben an der Sekretbereitung

Anteil nehmen. Doch sind wir über die Art dieser Beteiligung nur

ungenügend unterrichtet.

Bei vielen Drüsen gehen vom axialen (zentralen) Lumen feine

Seitenzweige, ~Sekretkanälchen~ (weniger gut »Sekretkapillaren«) ab,

die bald zwischen den Drüsenzellen (»zwischenzellige Sekretkanälchen«),

bald im Innern einer Drüsenzelle (»binnenzellige Sekretkanälchen«)

gelegen sind. Sie sind nur durch besondere Methoden sichtbar zu machen

und erscheinen dann bald in Form einfacher, bald verästelter, unter

Umständen sogar netzförmig verbundener Kanälchen (Fig. 32), die nicht

bis zur Membrana propria und nicht bis zu den Blutgefäßen reichen,

sondern von diesen wenigstens durch ein Stück einer Drüsenzelle

getrennt sind.

[Illustration: Fig. 32.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 80 / 286 题