Schematisches Modell einer menschlichen Fundusdrüse.]

Der Nachweis, ob Sekretkanälchen zwischen- oder binnenzellig

sind, ist nicht leicht. Bei quergeschnittenen Sekretkanälchen

werden binnenzellige stets von den Zellgrenzen entfernt,

zwischenzellige dagegen stets in den Zellgrenzen bzw. an dem

Treffpunkt mehrerer Zellgrenzen liegen. Noch bessere Entscheidung

gestattet das Verhalten der Schlußleisten. Zwischenzellige

Sekretkanälchen sind auf dem Querschnitt von mindestens zwei

Schlußleistenquerschnitten begrenzt, auf dem Längsschnitt sieht

man ebenfalls die Schlußleisten der Wand der Kanälchen entlang

verlaufen (Fig. 32). Binnenzellige Sekretkanälchen lassen

keinerlei Beziehung zu Schlußleisten erkennen.

Zwischenzellige Sekretkanälchen finden sich in den serösen

Drüsen der Zunge, in der Parotis, in den serösen Abschnitten

der Submaxillaris, der Sublingualis und verwandter Drüsen,

in den Bulbourethraldrüsen, in der Tränendrüse und in den

Pylorusdrüsen. Zwischenzellige und binnenzellige Sekretkanälchen

kommen nebeneinander in den Knäueldrüsen, in der Leber und in den

Gland. gastricae propriae vor. Es ist wahrscheinlich, daß die

binnenzelligen Sekretkanälchen nur vorübergehende Bildungen sind.

Sekretkanälchen scheinen den reinen Schleimdrüsen, den

schleimproduzierenden Abschnitten der gemischten Drüsen, den

Darm-, Duodenal- und Uterusdrüsen, der Schilddrüse, der Hypophyse

und der Niere zu fehlen.

Alle Drüsen, bei denen das Sekret durch Ausführungsgänge an eine

Oberfläche befördert wird, nennen wir ~offene~ oder ~exokrine~ Drüsen.

In Gegensatz dazu kennen wir eine Reihe von wichtigen, ebenfalls

vom Epithelgewebe abzuleitenden Drüsen, die mit keiner Oberfläche

des Körpers in Zusammenhang stehen, dabei aber doch nachweislich

sezernieren. Ihr Sekret muß auf dem Blut- oder Lymphwege aus den Drüsen

weggeführt werden; deshalb bezeichnen wir sie als ~innersekretorische~

oder ~endokrine~ Drüsen (Schilddrüse, Nebenniere, Thymus, Hypophyse

u. a.).

Häufig mißt man vielen Körperbestandteilen eine endokrine

Funktion zu, ohne dafür genügende Beweise beizubringen. Wir

legen zunächst Wert auf den Teil der gegebenen Definition, daß

die betreffenden Organe epithelialer Natur sein müssen, obgleich

zuzugeben ist, daß genauere Kenntnis tatsächlich auch bei anderen

Geweben gewisse der Sekretion nahestehende Prozesse aufdecken

kann. Das ist aber bis heute nicht geschehen.

Bei manchen endokrinen Drüsen besteht noch ein Lumen, das aber

allseitig von Epithel umschlossen ist (Schilddrüse, Teile der

Hypophyse).

Die Schilddrüse und die Hypophyse bilden insofern einen

Übergang von den exokrinen zu den endokrinen Drüsen, als sie in

embryonaler Zeit einen Ausführungsgang besitzen, der jedoch im

Laufe der Entwicklung schwindet. In dieser Beziehung ist der

Schilddrüse die ~Thymusdrüse~ verwandt, deren ~sekretorische~

Epithelzellen jedoch bald undeutlich werden. Bei den anderen

endokrinen Drüsen erscheint meist gleich bei der ersten Anlage

der lumenlose Zustand der Epithelien.

Bei vielen endokrinen Drüsen besteht das Drüsengewebe nur noch aus

~soliden~ Epithelsträngen, die miteinander anastomosierend ein von

Blutgefäßen umsponnenes Netzwerk bilden (Epithelkörperchen der

Schilddrüse, Hypophyse, Rindenschicht der Nebenniere, intertubuläre

Zellhaufen des Pankreas, Corpus luteum?). Die endokrine Natur der

sogenannten interstitiellen Zellen des Hodens (sogenannte Leydigsche

Zellen) und des Ovariums (sogenannte Pubertätsdrüse) können wir nicht

anerkennen.

In manchen Drüsen (z. B. Pankreas) sind exokrine und endokrine Anteile

dicht zusammengelagert.

Die ~Formen~, die die epithelialen Anteile der offenen Drüsen

darbieten, sind sehr mannigfaltig und sind sicherlich durch die

spezielle Funktion der Drüsen in wesentlichem Maße bestimmt, ohne daß

wir im einzelnen die Faktoren für die Wahl solcher Formen kennen.

Nach der Gestalt des Lumens haben sie entweder die Form von Röhren,

~Tubuli~, oder bauchigen Säckchen, ~Alveoli~[67]. Man unterscheidet

danach zwei Hauptformen: tubulöse und alveoläre Drüsen; da aber auch

bei den tubulösen Formen durch die verschiedene Höhe der Epithelzellen

Dickenunterschiede in den Einzelabschnitten vorkommen, ist es

zweckmäßig hier neben dem Lumen auch die äußere Form zu beachten.

Wir zweigen deshalb von der großen Zahl der tubulösen Drüsen die

sogenannte ~tubuloazinösen~ Drüsen ab; bei ihnen sitzen den Enden des

röhrenförmigen Gangsystems, von außen betrachtet, kugelig bis kolbig

verdickte ~Azini~ (= Beeren) auf. Zum Unterschiede vom Alveolus ist

also beim Azinus nur die äußere Gestalt verdickt und zwar durch die

Zunahme der Epithelzellenhöhe; das Lumen des Acinus ist dagegen ebenso

eng wie dasjenige des unmittelbar anschließenden Gangabschnittes[68].

Die letztgenannte Form ist sehr oft in tubulösen Drüsen zu finden, die

eine starke Verzweigung ihres Gangsystems erkennen lassen.

Als Zwischenformen des tubulösen und alveolären Typus können dagegen

solche Drüsen bezeichnet werden, deren Lumen in den Endkammern bauchig

erweitert ist; solche Drüsen bezeichnen wir als ~tubulo-alveoläre~.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 81 / 286 题