Das Tagebuch

ist für solche, die viele Präparate gleichzeitig herstellen

wollen, unerläßlich. Sofort nach dem Einlegen der Objekte in die

Fixierungsflüssigkeiten wird das Arbeitsprogramm auf die einzelnen Tage

verteilt in ein Kalender-Tagebuch (»Agenda«) eingetragen. Man hat

z. B. Magen, Submaxillaris und Milz zu fixieren und zu härten. Unter

Beiziehung der speziellen und der dort verwiesenen allgemeinen Technik

wird in das Tagebuch eingetragen:

1. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 1. Magen. Alkohol absol.[32].

Nr. 2. Submaxillaris Katze. Zenkers Fl.

Nr. 3. Milz. Katze. Müllers Fl.

vorm. 9-1/2 Uhr. Nr. 1. Wechseln[33], eventuell Nr. 2

und Nr. 3 wechseln.

12 Uhr. Nr. 1. Wechseln.

2. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In fließendes Wasser[34].

Nr. 3. Revidieren, ob Flüssigkeit klar,

eventuell wechseln.

3. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In destilliertem Wasser abspülen, in

Alkohol 60% bringen, ins Dunkle

stellen[35].

12 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 70%.

4. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 80%.

5. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 90%.

Nr. 1. Schneiden und Färben.

7. Mai Nr. 2. Alkoholwechsel.

16. Mai Nr. 3. Revidieren eventuell

Flüssigkeitswechsel.

17. Mai Nr. 2. Schneiden und Färben[36].

28. Mai vorm. 8 Uhr. Nr. 3. In fließendes Wasser.

nachm. 3 Uhr. Nr. 3. In destilliertem Wasser abspülen, in

Alkohol 60% ins Dunkle stellen.

nachm. 7 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 70%.

29. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 80%.

30. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 90% usw.

Zum Schlusse sei dem Mikroskopiker Geduld, viel Geduld empfohlen;

mißlingen Präparate, so suche er die Schuld nicht in der

Mangelhaftigkeit der angegebenen Methoden -- ich habe sie oft erprobt

-- sondern in sich selbst; wer sich nicht daran gewöhnen kann, die

angegebenen Vorschriften gewissenhaft[37] auszuführen, wer die zarten

Objekte mit allen fünf Fingern anfaßt, wer die Reagenzien ineinander

gießt, die in den Flüssigkeiten zu fixierenden Stücke der Sonne

aussetzt oder eintrocknen läßt, hat nicht das Recht, gute Resultate

seiner unsauberen Arbeit zu beanspruchen.

Fußnoten:

[10] Es empfiehlt sich, Korke vor dem Gebrauche zur Extraktion und

Neutralisierung der in ihr enthaltenen Gerbsäure einige Stunden in

2%iger Sodalösung auszukochen.

[11] Das sind besondere, von A. W. Faber in Nürnberg hergestellte

Stifte, mit denen man auf Glas leicht schreiben kann. Ist das Glas

fett, so muß es zuvor mit etwas Weingeist gereinigt werden.

[12] Zum Reinigen genügt für die meisten Fälle das Ausbürsten der

Flaschen mit Wasser; in anderen Fällen spüle man die Flaschen mit

Wasser, dem man ca. 20% roher Salzsäure bzw. Kalilauge zugesetzt hat,

aus, dann mit gewöhnlichem Wasser, dann mit destilliertem Wasser und

zum Schluß mit etwas Alkohol.

[13] Die Reagenzien müssen aus guten Apotheken oder besonders

empfohlenen Drogenhandlungen bezogen werden. In ersteren sind auch die

meisten Farbstoffe zu haben. Vorzügliche Farbstoffe und Reagenzien sind

zu haben bei Dr. ~Hollborn~, ~Leipzig~, Kronprinzstr. 71.

Anfänger wenden sich betreffs der verschiedenen Bezugsquellen immer am

besten an die Dozenten der anatomischen Institute.

[14] Aus Apotheken zu erhalten. Der für die anatomischen Institute

bezogene Alkohol ist gewöhnlich 96%ig. Zur Herstellung von

Alkoholgemischen geringeren Prozentgehaltes diene die Gleichung:

100 : 96 = x : p; p = dem gewünschten Prozentgehalte. Soll z. B.

90%iger Alkohol hergestellt werden, so lautet die Gleichung:

100 : 96 = x : 90.

96x = 90 · 100

x = 9000/96 = 93,7 abgerundet 94.

Also: um 100 ccm 90%igen Alkohol zu erhalten, muß man 94 ccm 96%igen

Alkohol mit 6 ccm destilliertem Wasser vermischen.

Die der Berechnung anhaftenden Fehler sind zu unbedeutend, als daß sie

für unsere Zwecke in Betracht gezogen werden müßten.

[15] Mit alten Chromosmiumessigsäurelösungen fixierte Gewebe färben

sich oft schlecht, weil die Essigsäure verdunstet ist; 5-20 Tropfen

Eisessig, der Lösung von neuem zugesetzt, beseitigen diesen Übelstand.

[16] Vorsicht! diese Karbolsäure ätzt sehr stark.

[17] Vgl. auch Substitution der Osmiumsäure bei der Golgimischung (S.

37).

[18] Man kann die Stücke noch länger, bis zu 6 Monaten, in Müllerscher

Flüssigkeit halten; sie lassen sich alsdann oft ohne Alkoholhärtung

schneiden und färben.

[19] Metallinstrumente dürfen hier nicht gebraucht werden.

[20] Auf 1 ccm Organstück müssen ca. 60 ccm Flüssigkeit kommen;

bei Zenker-Formol (S. 5) genügt oft eine 5stündige Fixierung; die

nachfolgende Wässerung darf bis zu 48 Stunden betragen.

[21] Aus eigener Erfahrung kenne ich die Thomaschen Schlittenmikrotome

mit schräger Hebung von R. Jung in Heidelberg, die trefflich gearbeitet

sind. Von Mikrotomen mit vertikaler Hebung sind die von Gustav Miehe

in Hildesheim konstruierten Instrumente sehr zu empfehlen. Sie finden

im Züricher und im Würzburger anatomischen Laboratorium vielfache

Verwendung. Siehe auch die neuen Mikrotome mit feststehendem Messer.

Über Wahl und Einrichtung der gebräuchlichsten Mikrotome lasse sich der

Anfänger von erfahrenen Mikroskopikern belehren.

[22] Die an den Thomaschen Mikrotomen befindliche Objektschlittenbahn

darf dagegen nur sehr wenig eingeölt werden, damit nicht der Schlitten

durch den Messerzug zurückgeschoben werde.

[23] Von Dr. Hollborn (Leipzig) bezogen.

[24] Wird z. B. von R. Jung (Heidelberg) angefertigt.

[25] Es empfiehlt sich, Kork- und Holzstücke zur Extraktion und

Neutralisierung der in ihnen enthaltenen Gerbsäure vor dem Gebrauch

einige Stunden in 2%iger Sodalösung auszukochen. Stabilit oder Durit

statt Holz verwendet ist ziemlich kostspielig.

[26] Frisches Hühnereiweiß wird mit dem gleichen Quantum Glyzerin gut

durchgeschüttelt und das klare Filtrat verwandt; zweckmäßig setzt man

einige kleine Stückchen Thymol hinzu.

[27] Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie Bd. II, S. 490,

Bd. III, S. 480, Bd. IV, S. 209. Der im letzten Artikel empfohlene

Negativlack ist bei Dr. Hollborn (Leipzig) zu haben.

[28] Neurologisches Zentralblatt. Leipzig. Jahrg. 9. 1890, S. 195.

[29] Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie Bd. XXVI, 1909, S.

177.

[30] Siehe Zoomikrotechnik von P. Mayer 1920, Taschenbuch der mikrosk.

Technik von Boehm-Oppel-Romeis, 8. Aufl. 1919, Enzyklop. der mikrosk.

Technik, 2. Aufl. 1911 und andere Bücher dieses Inhalts.

[31] Ein Mikron = µ = 0,001 mm.

[32] Nach der Nr. 128 für Magenschleimhaut gegebenen Vorschrift.

[33] Nach dem in Nr. 1 gegebenen Hinweis auf die allgemeine Technik des

Fixierens mit absolutem Alkohol (S. 14).

[34] Nach der in Nr. 8, S. 16 gegebenen Vorschrift.

[35] ibid. und nach S. 18.

[36] Eventuell dann Einbetten in Paraffin oder Zelloidin mit

diesbezüglicher Weitereintragung ins Tagebuch.

[37] Die für Färben, Entwässern usw. im einzelnen angegebene

Zeitdauer kann nur annähernde Geltung beanspruchen. Sie wechselt in

nicht unerheblichen Grenzen je nach der Dicke des Schnittes, der

Konzentration der Lösung usw. ~Übung~ wird den Mikroskopierenden bald

lehren, den richtigen Zeitpunkt herauszufinden.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 61 / 286 题