Mikroskop von Leitz. 1/2 natürlicher Größe.]

Nun kann die Untersuchung beginnen. Stets untersuche man ~zuerst mit

schwachen, dann mit starken Vergrößerungen; ganz besonders sei gewarnt

vor dem Gebrauche starker Okulare~. Das den gewöhnlichen Mikroskopen

beigegebene schwächste, eventuell das mittlere Okular (bei Leitz

Ok. 1) ist für die allermeisten Fälle ausreichend; zu starke Okulare

verkleinern und verdunkeln das Gesichtsfeld und erschweren die

Untersuchung in hohem Grade. Bei schwachen Vergrößerungen nehme man

das Diaphragma mit größter, bei starken Vergrößerungen das Diaphragma

mit kleinster Öffnung. Für die gewöhnlichen Objektive Nr. 3 und Nr. 7

ist nur der Konkavspiegel zu benutzen. Beim groben Einstellen, d. h.

beim Senken des Tubus, bis die undeutlichen Konturen des Präparates

erscheinen, stoße man den Tubus nicht gerade herab, sondern senke ihn

unter spiraliger Drehung. Dann folgt die feine Einstellung bis zur

vollkommensten Schärfe des Bildes. Dabei halte die linke Hand den

Objektträger, die rechte ruhe auf der Mikrometerschraube. Da wir nur

die in einer Ebene liegenden Punkte des Präparates deutlich sehen,

durchmustere man das Präparat unter feinem Heben und Senken des Tubus,

d. h. unter leisem Drehen der Mikrometerschraube. Man gewöhne sich

daran, ~beide Augen~ beim Mikroskopieren offen zu halten.

Man versäume nie, die Präparate mit der Lupe zu betrachten; als solche

sind die Okulare (z. B. Leitz Okular III) zu verwenden. Man halte das

eingeschlossene Präparat gegen das Licht, die vom Deckglas bedeckte

Seite gegen das Fenster gerichtet, setze die obere Fläche des Okulars

(die hier angebrachte Linse kann auch abgeschraubt werden) direkt auf

die Rückfläche des Präparates und betrachte von der unteren Okularlinse

aus.

Zeichnen.

Ein ~unschätzbares~ Hilfsmittel ist das ~Zeichnen~ der mikroskopischen

Objekte. Die Beobachtung wird dadurch ganz bedeutend verschärft, manche

Details, die bis dahin vollkommen übersehen worden waren, werden beim

Zeichnen entdeckt; selbst die aufmerksamste Betrachtung vermag die

Vorteile, welche das Zeichnen bietet, nicht zu ersetzen. Auch der im

Zeichnen wenig Geübte versuche die Objekte bei schwachen und starken

Vergrößerungen zu skizzieren. Man lege zu dem Zwecke das Zeichenpapier

in die Höhe des Objekttisches, sehe mit dem linken Auge ins Mikroskop,

mit dem rechten auf Papier und Bleistiftspitze. Anfangs fällt das etwas

schwer, bei einiger Übung eignet man sich jedoch rasch die nötige

Fertigkeit an.

Messen.

Zu diesem Zwecke benütze man ein Okularglasmikrometer und ein

Objektivmikrometer. Man lege letzteres auf den Objekttisch und

zähle, durch das mit dem Okularmikrometer versehene Mikroskop

blickend wie viele Teile des Okularmikrometers auf einen Teil

des Objektivmikrometers treffen. Indem der Wert der Teile des

Objektivmikrometers bekannt ist, berechnet sich leicht, wie groß

das Objekt ist, welches bei bestimmten Vergrößerungen einen, bzw.

mehrere Teile des Okularmikrometers deckt. Folgende Beispiele mögen

die Manipulationen verständlich machen. Bei Leitz Objektiv 3, Okular

I und eingeschobenem Tubus decken 5 Teile des Okularmikrometers einen

Teil des Objektivmikrometers; jeder Teil des von uns verwendeten

Objektivmikrometers = 1/20 mm. Also sind 5 Teile des Okularmikrometers

1/20 (0,05 mm) und ein Teil des Okularmikrometers 0,01 mm groß. Deckt

demnach ein Objekt, z. B. eine quergestreifte Muskelfaser, deren

Breite gemessen werden soll, bei dieser Vergrößerung 4 Teile des

Okularmikrometers, so ist die Faser 0,04 mm breit.

Die Okularmikrometer sind teils zum Einlegen (bei Leitz) oder zum

Einschieben (bei Seibert) in die Okulare eingerichtet, teils sind

besondere Meßokulare (z. B. bei Zeiß) den Mikroskopen beigegeben.

Die Größe der Teile der Okularmikrometer braucht natürlich nicht

bekannt zu sein. Das Objektivmikrometer ist ein Objektträger,

auf welchem ein Millimeter in 100 Teile geteilt eingeritzt ist.

Man kann statt dessen auch ein zweites Okularmikrometer, welches

gewöhnlich die Einteilung eines Millimeters in nur 20 Teile

enthält, benützen. Die damit erzielte Berechnung ist freilich

nicht so genau, doch sind die Fehler so unbedeutend, daß sie kaum

eine Berücksichtigung verdienen.

Es ist oft, besonders bei schwachen Vergrößerungen, schwierig, die

feinen Teilstriche des Okularmikrometers zu zählen. Man kann sich

die Sache erleichtern, wenn man die je 5 und 10 Teile abgrenzenden

großen Teilstriche des Okularmikrometers zu Hilfe nimmt. Z. B. bei

Leitz Objektiv 3 Okular I und ~ausgezogenem~ Tubus decken 40 Teile des

Okularmikrometers 5 Teile des Objektivmikrometers. Also sind 40 Teile

5/20 mm = 0,25 mm groß, und 1 Teil des Okularmikrometers bei dieser

Vergrößerung = 0,0062 mm. 2 Teile = 0,0124 mm usw.

Bei meinem Leitz Obj. 7 Okul. I und eingeschobenem Tubus gehen 30

Teile des Okularmikrometers auf einen Teil des Objektivmikrometers.

Also sind 30 Teile 0,05 mm, 1 Teil 0,0017 mm = 1,7 µ[31] groß. Endlich

gehen bei Leitz Obj. 7 Okul. I, und ausgezogenem Tubus 40 Teile des

Okularmikrometers auf einen Teil des Objektivmikrometers. Demnach 40

Teile = 0,05 mm; 1 Teil = 0,0012 mm oder 1,2 µ.

Derjenige, welcher viele Messungen vorzunehmen hat, wird gut tun, sich

eine Tabelle von 1 bis 10 und von da in Zehnern bis zu 100 anzulegen.

Es muß hervorgehoben werden, daß obige Berechnungen keineswegs für

alle aus der Leitzschen Werkstätte hervorgegangenen Mikroskope Geltung

haben. Für jedes Instrument ~müssen~ nach der oben angegebenen Methode

die Maße besonders ermittelt werden.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 60 / 286 题