Man lege ganz frische, noch ~lebenswarme~ Stückchen von 3-5 mm

Seite in 4 ccm dieser Flüssigkeit 1 Tag bis 3 Wochen,

dann in (womöglich fließendes) Wasser 1 Stunde (besser länger),

dann in destill. Wasser 1 Minute,

dann Härten in allmählich verstärktem Alkohol (S. 17).

~Die zum Fixieren verwendeten Flüssigkeiten können nicht mehr weiter

gebraucht werden; man gieße sie weg.~

§ 5. Härten.

Mit Ausnahme des absoluten Alkohols erfordern sämtliche

Fixierungsmittel eine nachfolgende Härtung der Objekte. Das beste

Härtungsmittel ist der ~allmählich verstärkte Alkohol~. Auch hier gilt

die Regel, reichlich Flüssigkeit zu verwenden, sowie trüb oder farbig

gewordenen Alkohol zu wechseln.

Die in Chromsalzlösungen z. B. in Müllerscher Flüssigkeit

fixierten Stücke geben, wenn nicht lange ausgewaschen wurde

-- und das muß man wegen eintretender Schädigung vermeiden --

noch im Alkohol Stoffe ab, die bei gleichzeitiger Einwirkung

des Tageslichtes in Form von Niederschlägen auftreten; hält man

dagegen den Alkohol im Dunkeln, so entstehen keine Niederschläge,

sondern der Alkohol färbt sich nur gelb, bleibt aber klar. Aus

diesem Grunde ist oben der Ausschluß des Tageslichtes empfohlen

worden; es genügt, die betreffenden Gläser in einer dunklen

Stelle des Zimmers aufzustellen. Auch der 90%ige Alkohol muß, so

lange er noch ~intensiv~ gelb wird, täglich einmal gewechselt

werden.

Die zur Härtung benützten Gläser müssen am Boden mit einer 2-4 ccm

hohen Schicht entfetteter Watte belegt sein, damit das zu Boden

sinkende Wasser nicht in der nächsten Umgebung der zu härtenden Stücke

bleibe. Die genauere Handhabung ist folgende: Nachdem die Objekte (in

einer der oben aufgezählten Flüssigkeiten) fixiert und, je nach Angabe,

in Wasser ausgewaschen sind, kommen sie

in Alkohol 50% 2-6 Stunden,

in Alkohol 70% 12-24 "

in Alkohol 80% 12-24 "

woselbst die Härtung nach weiteren 24-48 Stunden vollendet ist. In

diesem Alkohol können die Objekte bis zur definitiven Fertigstellung

monatelang verweilen.

Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach der Größe des Objektes;

unter besonderen Umständen, bei sehr kleinen, zarten Objekten

empfiehlt es sich, diese auf je eine Stunde in 40%, 50%, 60%, 70%

Alkohol einzulegen.

§ 6. Entkalken.

Die zu entkalkenden Objekte können nicht frisch in die

Entkalkungsflüssigkeit eingelegt werden, sie müssen vielmehr vorher

fixiert und gehärtet werden.

1. Zu diesem Zwecke fixiere man kleine Knochen (bis zur Größe von

Phalangen) und Zähne ganz, von größeren Knochen ausgesägte Stücke (von

33 cm Länge)

in ca. 300 ccm Müllerscher Flüssigkeit (6, S. 15) 2-4 Wochen,

oder in 10%iger Formollösung (2, S. 14) 48 Stunden.

Trockne, mazerierte Knochen bzw. Zähne müssen zuerst ca. 12

Stunden in destilliertem Wasser liegen.

2. Nachdem der Knochen 3 Tage (oder beliebig länger) in 90%igem Alkohol

verweilt hat,

kommt er in womöglich fließendes Wasser ca. 24 Stunden,

dann in die Entkalkungsflüssigkeit (konzentrierte Salpetersäure

9 ccm zu 300 ccm Aq. destill.) mehrere Wochen.

Auch hier müssen große Quanten (mindestens 300 ccm) verwendet werden,

die anfangs ~täglich~, später alle 14 Tage zu wechseln sind, bis die

Entkalkung vollendet ist. Man kontrolliert den Prozeß durch Einstechen

mit einer alten Nadel und Einschneiden mit einem Skalpell. Entkalkter

Knochen ist biegsam, weich und läßt sich leicht schneiden. Der

Entkalkungsprozeß nimmt bei dicken Knochen mehrere Wochen in Anspruch,

bei fetalen und kleinen Knochen 3-12 Tage. Nach vollendeter Entkalkung

werden die Knochenstücke entsäuert, d. h. sie kommen

in 5%ige wässerige Lösung von Natriumsulfat 12-24 Stunden,

(Die Lösung ist bei großen Stücken nach 6 Stunden zu wechseln)

dann in (womöglich fließendes) Wasser 24 "

dann abermalige Härtung nach § 5 in allmählich

verstärktem Alkohol.

Bei sehr zarten Objekten (z. B. Schnecken) empfiehlt es sich,

das fixierte und gehärtete Objekt vor dem Entkalken in Zelloidin

einzubetten (siehe Schaffer, Zeitschr. f. wissensch. Mikroskopie

Bd. 19. S. 23).

Anfängern begegnet es nicht selten, daß der Knochen noch vor

vollständiger Entkalkung in Alkohol gebracht wird und dann bei

Schneideversuchen sich noch unbrauchbar erweist. In solchen Fällen muß

dann die Entkalkungsprozedur wiederholt werden. Allzulanges Liegen der

Objekte in der Entkalkungsflüssigkeit führt schließlich zu gänzlichem

Verderben.

§ 7. Schneiden.

Schnitte lassen sich entweder mit dem Rasiermesser oder mit Hilfe eines

Mikrotomes herstellen.

A. Die Rasiermessertechnik.

Das ~Rasiermesser~ (s. S. 8) muß ~scharf~ sein; das Gelingen guter

Schnittpräparate hängt von der Schärfe des Messers ab. Beim Schneiden

muß die Klinge mit Alkohol befeuchtet werden (nicht mit Wasser,

welches die Klinge nur unvollkommen benetzt). Zu dem Zwecke tauche

man das Messer vor jedem dritten oder vierten Schnitte in eine mit

ca. 30 ccm 90%igem Alkohol gefüllte flache Glasschale, die zugleich

zur Aufnahme der angefertigten Schnitte dient. Das Messer ist

~horizontal~ zu halten, leicht zu fassen, der Daumen gegen die Seite

der Messerschneide, die übrigen Finger gegen die Messerrückenseite,

die Handrückenfläche nach oben gerichtet. Zuerst stelle man an dem zu

schneidenden Objekte eine glatte Fläche her, indem man ein Stück von

beliebiger Dicke mit ~einem~ Zuge vom Objekte trennt. Dann beginnt

das Herstellen der Schnitte, die immer mit ~einem~ leichten, nicht zu

raschen Zuge möglichst glatt und gleichmäßig dünn ausgeführt werden

sollen.

Man darf das Messer nicht durch das Objekt ~drücken~, man muß

~ziehen~; zu dem Zwecke muß immer der dem Messergriff zunächst

liegende Teil der Messerschneide an das Objekt angesetzt werden.

Es ist geboten, stets eine größere Anzahl (10-20) von Schnitten

anzufertigen, die mit der Nadel oder durch Eintauchen des Messers in

die Glasschale übertragen werden. Dann stelle man die Schale auf eine

schwarze Unterlage und suche die besten Schnitte aus. Die dünnsten

Schnitte sind nicht immer die brauchbarsten; für viele Präparate,

z. B. für einen Durchschnitt durch sämtliche Magenhäute, sind dickere

Schnitte mehr zu empfehlen. Für Übersichtsbilder fertige man große,

dicke, für feinere Strukturen kleine, dünne Schnitte an; für letztere

genügen oft allerkleinste, durch zu oberflächliche Messerführung

erzielte Bruchstücke von 1-2 mm Seite oder Randpartien etwas dickerer

Schnitte.

Ist das zu schneidende Objekt zu klein, um nur mit den Fingern gehalten

zu werden, so bettet man dasselbe ein. Die einfachste Methode ist das

~Einbetten~ bzw. ~Einklemmen in Leber~.

Man nehme entweder Rindsleber oder besser menschliche Fett- oder

Amyloidleber (aus pathalog.-anatomischen Instituten zu erhalten),

schneide sie in ca. 3 cm hohe, 2 cm breite und 2 cm dicke Stücke, die

man sofort in 90%igen Alkohol wirft, der am nächsten Tage gewechselt

werden muß; nach weiteren 3-5 Tagen hat die Leber die erforderliche

Härte. Nun schneide man eines dieser Stücke von oben her zur Hälfte der

Höhe ein und klemme das zu schneidende Objekt in die so entstandene

Spalte. Ist das Objekt zu dick, so kann man mit einem schmalen Skalpell

Rinnen in die Leber schneiden, in welche das Objekt eingepaßt wird. Das

Objekt bedarf keiner weiteren Fixierung (etwa durch Zubinden mit einem

Seidenfaden oder dgl.).

Ich klemme die meisten Schnittobjekte in Leber; man kann so sehr feine

Schnitte erzielen, sofern man nur einigermaßen Übung hat und die kann

man sich in wenigen Wochen leicht aneignen.

B. Die Mikrotomtechnik.

a) Die Mikrotome.

Die gebräuchlichen Mikrotome sind nach zwei verschiedenen Prinzipien

konstruiert.

Das Prinzip der einen Art besteht darin, daß das zu schneidende Objekt

durch Verschiebung des Objekthalters auf einer schräg aufsteigenden

Ebene gehoben wird.

Bei der anderen Art wird das Objekt in vertikaler Richtung durch eine

Mikrometerschraube gehoben.

Beide Arten von Mikrotomen leisten Vorzügliches[21].

Alle Teile des Mikrotoms sind möglichst sauber zu halten. Bei häufigem

Gebrauche schütze man dasselbe, mit einem leichten Holzkasten bedeckt,

vor Staub. Die Bahn, auf welcher der Messerschlitten läuft, muß

vollkommen rein sein; man putze dieselbe hie und da mit einem in Benzin

getauchten Lappen und fette sie dann mit Knochenöl oder mit Vaselin

so reichlich ein, daß der Schlitten auch bei leichtem Anstoße die

ganze Bahn gleichmäßig durchläuft[22]. Besondere Sorgfalt ist auf die

Messer zu verwenden. Nur mit sehr scharfen Messern wird man Serien sehr

feiner Schnitte herstellen können. Ein wirklich scharfes Messer muß ein

feines Haar, das man an dem einen Ende zwischen den Fingern hält, mit

Leichtigkeit durchschneiden.

b) Die Gefriermethode.

Diese Methode bietet den Vorteil, daß sich relativ rasch gute Präparate

von unfixiertem und fixiertem Material herstellen lassen. Am meisten

verwendet man zur Anfertigung von Gefrierschnitten formolfixiertes

Material, während Blöcke von alkoholfixierten Geweben erst nach Ersatz

des Alkohols durch Wasser, Sublimatmaterial dagegen nur schlecht in

Gefrierschnitte zerlegt werden können.

Am gebräuchlichsten ist folgendes Verfahren:

1. Fixation in 10%igem Formol 24-48 Stunden,

2. Wässern 24 "

3. Schneiden.

Hierzu verwendet man am besten ein kleines Mikrotom (Jungsches

Studentenmikrotom), das mit Gefriereinrichtung geliefert wird.

Das Durchfrieren der Blöcke geschieht mit Kohlensäure, die man

aus einer Bombe durch die Gefriereinrichtung in beliebiger

Geschwindigkeit in der Umgebung des auf dem Objekttisch liegenden

Gewebsblockes ausströmen läßt. Den vorher etwas angefeuchteten

Block drückt man dabei mit der Fingerkuppe leicht an den

Objekttisch an.

Am besten läßt man die Kohlensäure in ganz kurzen, rasch

aufeinanderfolgenden Stößen auf das Objekt einwirken. Dieses muß

langsam vollständig erstarren; man darf deshalb von größeren

Organen nur etwa 0,5 cm dicke Scheiben verwenden. Die Übung lehrt

einen Erstarrungsgrad herausfinden, der die besten Ergebnisse

liefert. Zu stark gefroren, splittert der Block und schädigt

die Messerschneide, zu wenig gefroren schiebt sich das Gewebe

zusammen, so daß man keine exakten Schnitte bekommt.

Bei richtiger Anwendung lassen sich aber tadellose Schnitte von

den allermeisten Objekten herstellen. Man stelle im Durchschnitt

die Schnittdicke auf 10 bis 15 µ ein; allzu dünne Schnitte können

nur bei größerer Übung erzielt werden.

Nach ausreichender Erstarrung hebelt man den Messerhalter

so lange über das Objekt, bis eine gute Schnittfläche

hergestellt ist. Bei richtiger Messerführung hebt sich durch

die Hebelübertragung der Objekttisch bei jedem Schnitt um die

eingestellte Dickenzahl. Die Schnitte, die auf dem Messer

gewöhnlich sehr rasch schmelzen, übertrage man mit einem weichen

Pinsel oder mit der Fingerkuppe in eine Schale mit ausgekochtem

Wasser (bei gewöhnlichem Wasser fangen sich leicht Luftblasen an

den Schnitten). Im Wasser breiten sie sich von selbst wieder aus.

Vorsichtig mit einer gebogenen Nadel aus einem Schälchen in

das andere übertragen, lassen sich die zarten Schnitte den

verschiedensten Färbeverfahren unterwerfen.

Die Gefriereinrichtung ist auch einzeln käuflich und läßt sich an

jedem Mikrotom anbringen.

c) Einbetten.

¿a¿) In Paraffin.

Hierzu bedarf man:

1. ~Paraffin~: zwei Sorten, eine weichere (45° C Schmelzpunkt)

und eine härtere (52° C Schmelzpunkt). Davon stelle man sich eine

Mischung her, die bei ca. 50° C schmelzbar ist. Von dem richtigen

Mischungsverhältnisse beider Sorten hängt viel ab; mancher Mißerfolg

wird nur durch eine ungenügende Mischung herbeigeführt.

Eine genaue Angabe der Mengenverhältnisse läßt sich nicht liefern, da

die Konsistenz des Paraffins in hohem Grade von der äußeren Temperatur

abhängig ist. Auch bedingen härtere Objekte, ferner der Wunsch, sehr

feine Schnitte herzustellen, die Anwendung härterer Mischungen als

gewöhnlich. Für den Winter, bei einer Zimmertemperatur von 20° C dürfte

eine Mischung von 30 g weichem mit 25 g hartem Paraffin[23] den meisten

Anforderungen genügen.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 39 / 286 题