Ja, aber --. Aber da müßten Sie doch ein wenig jünger sein. Ich meine --

Ich zwinge mich zum Lachen. Oh, wir würden es schon schaffen. Verachten

Sie uns Alten nicht, uns Uralten, wir können ganz unvergleichlich sein.

Machen Sie mir nur auf dem Sofa Platz, damit er meinen Mond nicht sieht.

Oh, wie schwer ist es doch, den schicksalsschwangeren Übergang

zum Alter auf eine schöne und stille Art zu finden. Eine gewisse

Krampfhaftigkeit tritt ein, ein Zucken und Zappeln, Grimassen, der

Kampf mit den Jüngeren, der Neid.

Hören Sie, gnädiges Fräulein, sagte ich und bitte sie von ganzem

Herzen: Können Sie nicht telephonieren und Frau Falkenberg hierher

kommen lassen?

Sie denkt nach.

Doch, das wollen wir tun, erwidert sie und ist barmherzig.

Wir gehen ans Telephon, rufen das Hotel Viktoria an und lassen Frau

Falkenberg ans Telephon bitten.

Bist du es, Louise? Du solltest nur wissen, mit wem ich hier bin,

kannst du kommen? Das ist schön. Wir sind im Grand. Das darf ich nicht

sagen. Doch, freilich ist es ein Mann, aber jetzt ist er ein Herr, mehr

sage ich nicht. Kommst du also? Nun, was gibt es da lang zu überlegen?

Verwandte? Ja ja, du mußt tun, wie du meinst, aber --. Doch, er steht

hier bei mir. Du hast es aber eilig! Also leb wohl.

Fräulein Elisabet läutete ab und sagte kurz:

Sie muß zu Verwandten.

Wir setzen uns wieder an unseren Tisch. Es kommt mehr Wein, ich

versuche lustig zu sein und schlage Champagner vor. Ja, danke. Wie wir

gerade am gemütlichsten beisammen sitzen, sagt die junge Dame:

Da ist Bewer. Das ist jetzt wirklich ausgezeichnet, daß wir Champagner

haben.

Ich bin nur von einem einzigen Gedanken erfüllt, und als ich nun meine

Kunst zeigen und das gnädige Fräulein zum Vorteil eines anderen betören

soll, sage ich das Eine, denke aber dabei an etwas ganz anderes. Da muß

es ja verkehrt gehen.

Ich kann das Telephongespräch nicht aus dem Kopf bringen: sicher

hat sie den Zusammenhang geahnt und wußte, daß ich es war, der auf

sie wartete. Was hatte ich aber nur verbrochen? Warum in aller Welt

hatte ich denn auf Övrebö so rasch meinen Abschied bekommen, warum

war Falkenberg für mich eingestellt worden? Der Kapitän und seine

Frau waren zwar vielleicht nicht immer die besten Freunde, aber er

hatte wohl doch eine Gefahr in mir geahnt und seine Frau vor einem

lächerlichen Fall bewahren wollen. Und da schämte sie sich jetzt hier,

weil ich auf ihrem Hof bedienstet gewesen war, ihren Kutscher hatte

machen müssen, und weil sie zweimal den Proviant mit mir geteilt hatte.

Und sie schämte sich meines gesetzten Alters .....

Nein, so geht es nicht, meint Fräulein Elisabet.

Da gebe ich mir also wieder Mühe und sage allerlei närrisches Zeug, bis

sie lachen muß, trinke viel und werde waghalsiger und erfinderisch.

Schließlich scheint das Fräulein zu glauben, daß ich wirklich auf

eigene Rechnung arbeite. Sie sieht mich an.

Ist das wahr, finden Sie wirklich, daß ich hübsch bin?

Hören Sie doch, seien Sie lieb ..... Ich spreche ja von Frau Falkenberg.

Still! antwortet Fräulein Elisabet. Natürlich, meinen Sie Frau

Falkenberg, das wußte ich die ganze Zeit, aber warum müssen Sie mir das

sagen? Ich glaube jetzt, daß es auf den dort drüben zu wirken beginnt.

Wir müssen fortfahren, unser Interesse darf nicht nachlassen.

Also glaubte sie nicht, daß ich auf eigene Rechnung arbeite. Ich war zu

allem zu alt, zum Teufel!

Aber Frau Falkenberg können Sie doch nicht bekommen, fängt sie wieder

an. Das ist hoffnungslos.

Nein, ich kann sie nicht bekommen. Und Sie kann ich auch nicht bekommen.

Sprechen Sie jetzt auch zu Frau Falkenberg?

Nein, jetzt rede ich mit Ihnen.

Pause.

Wissen Sie, daß ich einmal in Sie verliebt gewesen bin? Doch. Bei uns

daheim noch.

Jetzt wird die Sache lustig, sage ich und rücke auf dem Sofa vor. Ja,

jetzt wollen wir Bewer ganz knicken.

Ja, denken Sie sich, ich ging an den Abenden auf den Friedhof hinauf,

um Sie dort zu treffen. Aber Sie dummer Mensch verstanden gar nichts

davon.

Jetzt sprechen Sie gewiß mit Bewer, werfe ich ein.

Nein, es ist wirklich wahr, was ich da sage. Und einmal kam ich zu

Ihnen auf den Acker hinaus. Ich kam nicht wegen Ihres Erik, wie Sie

glaubten.

Nein, so etwas, zu mir! sage ich und stelle mich wehmütig.

Ja, Sie finden das wohl sonderbar? Aber Sie müssen bedenken, wir auf

dem Land brauchen auch jemand, den wir gerne haben können.

Sagt das Frau Falkenberg auch?

Frau Falkenberg -- nein, sie sagt, daß sie keinen Menschen gern haben

will, sie will nur auf ihrem Flügel spielen und so. Ich rede von mir.

Nein, wissen Sie, was ich einmal tat? Aber ob ich das sagen soll?

Wollen Sie es hören?

Ja, gerne.

Ja, denn Ihnen gegenüber bin ich doch noch ein kleines Mädchen, da

macht es nichts: Als Sie damals bei uns auf dem Heu schliefen, schlich

ich mich einmal in die Scheune und machte aus ihren Decken ein Bett für

Sie zurecht.

So, Sie waren das! sage ich aufrichtig und falle aus der Rolle.

Sie hätten nur sehen sollen, wie ich mich einschlich, hahaha.

Doch das junge Mädchen war noch nicht gerissen genug, sie wechselte bei

ihrem kleinen Bekenntnis die Farbe und lachte gezwungen, um darüber

hinwegzukommen.

Ich will ihr helfen und sage:

Sie sind ja ein großartiges Menschenkind. So etwas hätte Frau

Falkenberg nicht fertig gebracht.

Nein, aber sie ist auch älter. Sie glaubten vielleicht, daß wir

gleichaltrig seien?

Sagt Frau Falkenberg, daß sie sich in keinen Menschen verlieben *will*?

Ja. Uff, nein übrigens, ich weiß es nicht. Frau Falkenberg ist doch

verheiratet, das wissen Sie doch, sie sagt gar nichts. Reden Sie jetzt

wieder ein bißchen mit mir ..... Ach, und dann mußten wir doch einmal

zusammen zum Landhändler gehen, erinnern Sie sich? Ich ging immer

langsamer und langsamer, damit Sie mich einholen könnten .....

Ja, das war hübsch von Ihnen. Und jetzt will ich Ihnen dafür auch eine

Freude machen.

Ich stehe auf, gehe zu dem jungen Bewer hinüber und frage ihn, ob er

nicht ein Glas mit uns, an unserem Tisch, trinken will. Er kommt mit;

Fräulein Elisabet wird bei seinem Kommen puterrot. Dann bringe ich die

beiden jungen Leute in ein lebhaftes Gespräch und dann fällt mir ein,

daß ich noch etwas zu besorgen habe und sie verlassen müsse --: so

schwer es mir fällt, meine Herrschaften, Sie, Fräulein Elisabet, haben

mich freilich ganz verhext, aber ich sehe ein, daß ich Sie doch nicht

bekomme. Es ist mir allerdings ein Rätsel .....

34.

In Gedanken versunken gehe ich die Rathausstraße hinunter, bleibe

eine Weile bei den Droschkenkutschern stehen und beobachte die Türe

des Hotels Viktoria. Aber es ist ja wahr, sie ist heute abend bei

Verwandten. Dann gehe ich ins Hotel und spreche mit dem Portier.

Doch, Frau Falkenberg ist zu Hause. Zimmer Nummer zwölf, im ersten

Stock.

Sie ist also nicht ausgegangen?

Nein.

Reist sie bald ab?

Sie hat nichts gesagt.

Ich gehe wieder hinaus, und die Kutscher schlagen mit einem Bitte-schön

das Schutzleder zurück. Ich wähle einen Wagen und steige ein.

Wohin wollen Sie fahren?

Wir bleiben hier stehen. Ich nehme Sie stundenweise.

Die Kutscher stellen sich wieder zusammen und flüstern, der eine meint

dies, der andere jenes: er will das Hotel beobachten, wahrscheinlich

ist seine Frau drinnen bei einem Handlungsreisenden.

Ja, ich beobachte das Hotel. In manchen Zimmern ist Licht und mir kommt

plötzlich der Gedanke, daß sie vielleicht oben an einem Fenster stehen

und mich sehen könnte. Warten Sie ein wenig, sage ich zu dem Kutscher

und gehe wieder ins Hotel.

Wo ist Nummer zwölf?

Im ersten Stock.

Und gehen die Fenster nach der Rathausstraße?

Ja.

Dann war es also doch meine Schwester, die mir zuwinkte, sage ich und

lüge, um am Portier vorbeizukommen.

Ich gehe die Treppe hinauf, und um mir keine Zeit zu lassen wieder

umzukehren, klopfe ich sofort an, sowie ich die Nummer gefunden habe.

Keine Antwort. Ich klopfe noch einmal an.

Ist es das Mädchen? fragte es drinnen.

Ich konnte nicht Ja antworten, meine Stimme würde mich verraten haben.

Ich drückte die Klinke nieder, die Türe war verschlossen. Sie hatte

wohl befürchtet, daß ich kommen würde, vielleicht hatte sie mich auch

auf der Straße gesehen.

Nein, es ist nicht das Mädchen, sage ich und höre, wie die Worte

fremdartig zittern.

Ich warte eine lange Zeit und lausche; ich höre es drinnen rascheln,

geöffnet aber wird nicht. Da klingelt es zweimal kurz aus einem der

Zimmer zum Portier hinunter. Das ist sie, denke ich, sie ruft dem

Mädchen, sie ist unruhig. Ich entferne mich von ihrer Türe, um ihr

nicht Unannehmlichkeiten zu bereiten, und wie dann das Mädchen kommt,

gebe ich mir den Anschein, als wollte ich hinuntergehen. Ich höre das

Mädchen sagen: Ja, es ist das Mädchen. Und höre, wie die Türe geöffnet

wird.

Nein nein, sagt das Mädchen wieder, es war nur ein Herr da, der eben

hinunterging.

Erst wollte ich ein Zimmer im Hotel nehmen, aber das widerstrebte mir,

sie gehörte nicht zu den Frauen, die sich ein Stelldichein mit einem

Handlungsreisenden gaben. Als ich zum Portier hinunterkam, sagte ich im

Vorbeigehen, daß sich die gnädige Frau offenbar schlafen gelegt habe.

Dann gehe ich wieder hinaus und setze mich in den Wagen. Die Zeit

vergeht, eine Stunde vergeht, der Kutscher fragt mich, ob ich nicht

friere? Doch ja, ein wenig. Ob ich auf jemand warte? Ja ..... Er reicht

mir eine Decke vom Bock herunter, und da er so freundlich ist, gebe ich

ihm ein Trinkgeld.

Die Zeit vergeht. Stunde auf Stunde vergeht. Die Kutscher tun sich

keinen Zwang mehr an, sondern sagen untereinander, ich ließe das Pferd

zuschanden frieren.

Es half wohl auch nichts mehr. Ich bezahle den Wagen, gehe heim und

schreibe folgenden Brief:

Ich durfte Ihnen nicht *schreiben*, würden Sie mir wenigstens erlauben,

Sie wieder zu sehen? Ich werde morgen nachmittag um fünf Uhr im Hotel

vorsprechen.

Sollte ich eine frühere Stunde festsetzen? Aber das Licht des

Vormittages ist so hell. Wenn ich erregt werde und mein Mund zuckt,

nehme ich mich wohl schrecklich aus.

Ich brachte den Brief selbst ins Viktoria und ging wieder heim.

Eine lange Nacht. Oh, wie lang waren diese Stunden! Jetzt, da ich

schlafen und mich stärken sollte, um für den anderen Tag frisch zu

sein, konnte ich es nicht. Der Tag graute, und ich stand auf. Nach

einer langen Wanderung durch die Straßen taumle ich wieder heim, lege

mich hin und schlafe ein.

Die Stunden vergehen. Als ich aufwache und zur Besinnung komme, stürze

ich in meiner Angst sofort ans Telephon und frage, ob Frau Falkenberg

abgereist sei.

Nein, sie ist nicht abgereist.

So wollte sie also Gott sei Dank nicht vor mir fliehen, denn sie mußte

meinen Brief schon seit langem erhalten haben. Nein, nur die Zeit war

gestern abend ungünstig gewesen, das war alles.

Ich esse und lege mich wieder schlafen. Als ich aufwache, ist es schon

Mittag vorbei, wieder eile ich ans Telephon und läute an.

Nein, die gnädige Frau ist nicht abgereist. Aber sie hat gepackt. Sie

ist jetzt ausgegangen.

Sofort mache ich mich fertig, fahre gleich in die Rathausstraße und

beobachte das Hotel. Im Laufe einer halben Stunde kommen und gehen

viele Leute durch das Tor des Hauses, aber sie ist nicht darunter. Es

ist jetzt fünf Uhr und ich gehe zum Portier hinein.

Frau Falkenberg ist abgereist.

Abgereist?

Haben *Sie* telephoniert? Im selben Augenblick kam sie und holte ihren

Mantel. Aber ich habe einen Brief für Sie.

Ich nehme den Brief und ohne ihn zu öffnen frage ich nach dem Zug.

Der Zug geht um vier Uhr fünfundvierzig, sagt der Portier und sieht auf

seine Uhr. Jetzt ist es fünf Uhr.

Eine halbe Stunde hatte ich vergeudet, weil ich vor dem Hotel wartend

gestanden hatte.

Ich setze mich auf eine Treppenstufe und starre zu Boden. Der Portier

spricht noch immer mit mir. Er hat wohl begriffen, daß die Dame nicht

meine Schwester war.

Ich sagte der gnädigen Frau, daß soeben ein Herr telephoniert habe.

Aber sie antwortete nur, sie habe keine Zeit, ich solle Ihnen diesen

Brief geben.

War eine andere Dame bei ihr, als sie abreiste?

Nein.

Ich stehe auf und gehe fort. Als ich auf der Straße bin, öffne ich den

Brief und lese:

Unter Herbststernen · 第 15 / 19 题