Jawohl, ich spreche von mir selbst. _Paratum cor meum._

Emma aber war unliebenswürdig und legte keinen Wert darauf, sich

mit mir zu unterhalten, obwohl ich gewandter im Sprechen war als

Falkenberg. Wie -- sollte ich nicht einmal mit Emma fertig werden? Da

wurde ich bis ins Innerste stolz und schweigsam und ging meine eigenen

Wege, zeichnete an meiner Maschine und verfertigte kleine Modelle. Und

wenn Falkenberg an den Abenden sang, und die gnädige Frau zuhörte,

schlich ich mich in die Gesindestube zu den Knechten hinüber und hielt

mich dort auf. Das war viel würdiger. Nur den einen Nachteil hatte es,

daß Petter bettlägerig geworden war und den Lärm von Axt und Hammer

nicht ertragen konnte; ich mußte deshalb jedesmal, wenn ich irgend

etwas hämmern wollte, in den Schuppen hinausgehen.

Manchmal aber kam mir der Gedanke, die gnädige Frau könnte es

vielleicht doch bedauern, wenn ich nicht mehr in der Küche war. So sah

es in meinen Augen aus. Als wir eines Abends beim Essen saßen, sagte

sie zu mir:

Ich hörte von den Knechten, daß Sie an einer Maschine arbeiten?

Es ist eine neue Art Säge, an der er herummacht, sagte Falkenberg. Aber

sie wird zu schwer.

Darauf antwortete ich nichts, ich war schlau und zog es vor, zu leiden.

War es nicht das Schicksal aller Erfinder, verkannt zu werden? Wartet

nur, meine Zeit ist noch nicht gekommen. Mitunter konnte ich mich kaum

zurückhalten, den Mädchen zu offenbaren, daß ich eigentlich besserer

Leute Kind sei, daß mich aber die Liebe auf Irrwege geführt habe;

jetzt suche ich Trost in der Flasche. Ach ja, ach ja, der Mensch denkt

und Gott lenkt ..... Das hätte einmal der gnädigen Frau zu Ohren kommen

können.

Ich glaube, ich will jetzt auch öfters an den Abenden in die

Gesindestube kommen, sagte Falkenberg.

Und ich verstand gut, warum Falkenberg auf einmal zu uns herüberkommen

wollte: er wurde, welchen Grund das nun auch haben mochte, nicht mehr

so oft wie früher zum Singen aufgefordert.

18.

Der Kapitän war heimgekehrt.

Eines Tages kam ein großer vollbärtiger Mann zu uns in den Wald und

sagte:

Ich bin Kapitän Falkenberg. Wie geht es, Jungens?

Wir grüßten ehrerbietig und antworteten: Ja danke, es ginge uns gut.

Eine Weile sprachen wir über das, was wir gefällt hatten und was noch

zu tun übrig war; der Kapitän lobte uns, weil wir kurze und schöne

Baumstümpfe zurückließen. Dann rechnete er aus, was wir am einzelnen

Tag ausgerichtet hatten und sagte, dies sei die normale Leistung.

Der Herr Kapitän vergißt die Sonntage abzuziehen, warf ich ein.

Da haben Sie recht, antwortete er. Dann ist es mehr als das Normale.

Ist nichts entzwei gegangen? Hält die Säge?

Ja.

Keiner hat sich verletzt?

Nein.

Pause.

Eigentlich solltet Ihr ja nicht von mir verköstigt werden, sagte er;

aber da Ihr das nun einmal vorgezogen habt, so müssen wir es bei der

Abrechnung ausgleichen.

Wir werden mit der Entscheidung des Herrn Kapitäns zufrieden sein.

Ja, das werden wir, sagte auch Falkenberg.

Der Kapitän machte einen kleinen Bogen durch den Wald und kam wieder.

Besseres Wetter konntet Ihr gar nicht bekommen, sagte er. Gar kein

Schnee ist wegzuschaufeln.

Nein, kein Schnee. Aber etwas mehr Frost wäre wünschenswert.

Warum? Wird’s euch zu heiß?

Ach ja, das auch. Aber hauptsächlich, weil gefrorenes Holz sich besser

sägen läßt.

Seid Ihr diese Arbeit schon von früher her gewohnt?

Ja.

Sind Sie der Sänger?

Nein, leider. Der da ist es.

Soso, Sie singen also? Wir sind doch Namensvettern?

Ja, sozusagen, antwortete Falkenberg ein wenig befangen. Ich heiße Lars

Falkenberg, wie Sie aus meinem Zeugnis sehen können.

Wo sind Sie her?

Aus der Gegend von Drontheim.

Der Kapitän ging nach Hause. Er war freundlich, kurz und bestimmt, kein

Lächeln, kein Scherz. Er hatte ein gutes, ein wenig durchschnittliches

Gesicht.

Von jetzt ab sang Falkenberg nur noch in der Gesindestube oder

im Freien, das Singen in der Küche hatte des Kapitäns wegen ganz

aufgehört. Falkenberg grämte sich und sprach finstere Worte: Pfui

Teufel, das Leben sei ekelhaft, und man könne sich ebensogut eines

Tages aufhängen. Aber seine Verzweiflung dauerte nicht lange. Eines

Sonntags ging er auf die beiden Höfe, wo er die Klaviere gestimmt

hatte, und bat um Zeugnisse. Als er zurückkam, zeigte er mir die

Papiere und sagte:

Die kann man gut gebrauchen, um sich durchzufressen, wenn’s einmal not

tut.

Du willst dich also nicht mehr aufhängen?

Dazu hast du mehr Ursache als ich, erwiderte Falkenberg.

Aber auch ich war nicht mehr so verstimmt. Als der Kapitän etwas von

meiner Maschine erfuhr, wünschte er sofort, mehr davon zu hören. Beim

ersten Blick auf meine Entwürfe sah er, daß sie unvollkommen waren, da

ich sie auf zu kleine Papierfetzen gezeichnet und nicht einmal einen

Zirkel gehabt hatte; er lieh mir ein großes Reißzeug und lehrte mich

einige Konstruktionsberechnungen. Auch der Kapitän fürchtete, meine

Säge würde zu unhandlich werden. Aber machen Sie nur weiter, sagte er,

zeichnen Sie jetzt alles nach einem bestimmten Maßstab auf, dann werden

wir schon sehen.

Ich dachte mir jedoch, daß ein einigermaßen schön ausgeführtes Modell

einen viel vollkommeneren Eindruck des Apparates geben würde. Und

als ich mit der Zeichnung fertig war, begann ich ein Modell aus

Holz herzustellen. Ich hatte keine Drehbank und mußte deshalb die

beiden Walzen und mehrere Räder und Schrauben mit der Hand schnitzen.

So beschäftigt war ich damit, daß ich am Sonntag die Mittagsglocke

überhörte. Der Kapitän kam und rief mir zu: Es ist Mittagszeit! Als er

sah, woran ich arbeitete, erbot er sich, noch morgen zum Schmied zu

fahren und alles drehen zu lassen, was ich brauchte. Geben Sie mir nur

die Maße an, sagte er. Brauchen Sie nicht auch noch Werkzeug? Schön,

eine Spitzsäge, ein paar Bohrer, Schrauben, ein feines Stecheisen.

Sonst nichts?

Er schrieb alles auf. Er war ein Arbeitgeber ohnegleichen.

Als ich am Abend gegessen hatte und mich in die Gesindestube

hinüberbegab, rief mich die gnädige Frau. Sie stand unten im Hof im

Schatten der Hauswand, trat aber dann ganz vor.

Es ist meinem Mann aufgefallen, daß -- ja, daß Sie zu dünn gekleidet

sind, sagte sie. Ich weiß nicht, ob -- nehmen Sie dies hier!

Sie legte mir einen ganzen Anzug über den Arm.

Ich dankte, murmelte und stammelte etwas. Ich könne mir bald selbst

einen Anzug kaufen, es habe keine Eile, ich brauche keinen --

Ja, ich weiß schon, daß Sie sich selbst etwas kaufen können, aber Ihr

Kamerad hat so gute Kleider, und Sie .... Doch, doch, nehmen Sie sie

nur.

Sie floh sogleich wieder hinein, ganz wie ein junges Mädchen, das Angst

hat, bei irgendeiner zu großen Freundlichkeit ertappt zu werden. Ich

mußte ihr meinen Dank nachrufen.

Als der Kapitän am Abend darauf mit meinen Walzen und Rädern kam,

ergriff ich die Gelegenheit, ihm für die Kleider zu danken.

Soso, antwortete er. Meine Frau glaubte nämlich ..... Passen sie Ihnen?

Ja, sie passen sehr gut.

Das ist schön. Ja, meine Frau glaubte ..... Nun, da sind also die

Räder. Und hier ist das Werkzeug. Gute Nacht.

Es lag ihnen wohl beiden am Herzen, ihren Mitmenschen Gutes zu tun. Und

wenn sie es dann getan hatten, dann schob es der eine auf den anderen.

Dies war wohl die Ehe, von der die Träumer hier auf Erden träumten

.....

19.

Der Wald ist entlaubt, und das Vogelgezwitscher schweigt, nur die

Krähen krächzen gegen fünf Uhr morgens und verteilen sich dann auf die

Äcker. Falkenberg und ich begegnen ihnen, wenn wir in den Wald gehen.

Die Jungen, die noch nicht gelernt haben die Welt zu fürchten, hüpfen

vor unseren Füßen auf dem Weg.

Dann begegnen wir dem Finken, dem Sperling des Waldes. Er kommt bereits

von einem kleinen Ausflug aus dem Wald und kehrt nun zurück zu den

Menschen, unter denen er sich gerne aufhält, um sie von allen Seiten

kennenzulernen. Kleiner, seltsamer Fink! Eigentlich ist er ja wohl

ein Zugvogel, aber seine Eltern haben ihn gelehrt, daß es möglich

ist, auch im Norden zu überwintern; jetzt will er wieder seine Kinder

lehren, daß man überhaupt nur im Norden überwintern kann. Aber er hat

noch das Auswandererblut in sich, er wird immer ein Wanderer bleiben.

Eines Tages nun werden er und alle die Seinen sich versammeln und viele

Pfarrgemeinden weit fortziehen, zu ganz anderen Menschen, die er auch

kennenlernen will, -- dann ist kein einziger Fink mehr im Espenhain.

Und eine ganze Woche kann vergehen, ehe sich wieder ein neuer Schwarm

von diesen fliegenden Wesen im Espenhain niederläßt ..... Herrgott, wie

oft habe ich den Finken zugesehen und mich über sie gefreut!

Eines Tages sagt Falkenberg, er sei jetzt wieder obenauf. Im Winter

will er sich hundert Kronen von dem Geld, das er durch Holzfällen und

Klavierstimmen verdienen könne, zurücklegen und sich wieder mit Emma

versöhnen. Auch ich solle damit aufhören, die Damen der ersten Kreise

anzuseufzen und solle wieder zu meinesgleichen zurückkehren, sagt er.

Er hatte recht.

Am Samstag abend hörten wir etwas früher auf wie gewöhnlich, um zum

Landhändler zu gehen. Wir brauchten Hemden, Tabak und Wein.

Während ich im Laden stand, fiel mein Blick auf eine kleine, mit

Muscheln ausgelegte Nähschatulle, eine jener Nähschatullen, wie sie

die Seeleute in alten Zeiten in Amsterdam kauften und ihren Liebsten

heimbrachten; jetzt stellen die Deutschen sie tausendweis her. Ich

kaufte die Schatulle, um mir aus einer der Muscheln einen Nagel für

meine Pfeife zu machen. Was willst du damit? fragte Falkenberg; willst

du sie Emma geben?

Seine Eifersucht erwachte, und um nicht zurückzustehen, kaufte er ein

seidenes Tuch für sie.

Auf dem Heimweg tranken wir von dem Wein und kamen ins Schwätzen;

Falkenberg war immer noch eifersüchtig. Da suchte ich mir die Muschel

aus, die ich brauchte, brach sie aus und gab ihm das Kästchen. Nun

waren wir wieder Freunde.

Allmählich wurde es dunkel für uns, wir hatten keinen Mondschein.

Plötzlich hören wir aus einem Haus oben auf einem Hügel die Töne einer

Ziehharmonika und sehen, daß dort getanzt wird. Das Licht kam und ging

wie ein Leuchtfeuer. Da gehen wir jetzt hin, sagte Falkenberg.

Und wir waren in guter Stimmung.

Als wir zu dem Haus hinaufkamen, stießen wir auf ein paar junge

Burschen und Mädchen, die draußen standen und sich abkühlten; auch

Emma war dort.

Nein, so was, da ist ja auch Emma! rief Falkenberg gutmütig: und er war

gar nicht ärgerlich darüber, daß Emma ohne ihn hingegangen war. Emma,

komm her, ich habe etwas für dich.

Er glaubte, es sei mit einem guten Wort genug getan; aber Emma wandte

sich von ihm ab und ging hinein. Als Falkenberg ihr folgen wollte,

wurde ihm der Weg versperrt, und man bedeutete ihm, daß er hier nichts

zu suchen habe.

Aber Emma ist doch da. Bittet sie, daß sie herauskommen soll.

Sie kommt nicht heraus. Emma ist mit Markus dem Schuhmacher hier.

Falkenberg war sehr betroffen. Nun war er so lange kalt gegen Emma

gewesen, daß sie ihn aufgegeben hatte. Als er immer noch wie aus allen

Wolken gefallen aussah, begannen ihn einige Mädchen zu verspotten:

Haben dir die Hühner das Brot weggefressen? Du Armer.

Falkenberg setzte in Gegenwart aller die Flasche an die Lippen und

trank, dann wischte er den Mund ab und gab sie an den Nebenmann weiter.

Die Stimmung gegen uns besserte sich, wir waren nette Kerle, hatten

Flaschen in unseren Taschen und ließen sie herumgehen; außerdem waren

wir Fremde und brachten ein wenig Abwechslung mit. Und Falkenberg sagte

viele lustige Dinge über Markus den Schuhmacher, den er beständig Lukas

nannte.

Drinnen wurde weiter getanzt, aber keines der Mädchen ging hinein. Ich

wette, daß auch Emma sich wieder zu uns herauswünscht, sagte Falkenberg

großsprecherisch. Da seien nun Helene und Rönnaug und Sara, wenn die

aus der Flasche getrunken hätten, gäben sie einem die Hand, wie es der

Brauch sei; andere aber seien zu fein geworden und sagten nur: Schönen

Dank! -- Helene wurde Falkenbergs Mädchen, er nahm sie um den Leib

und erklärte, daß er nachts zu ihr kommen wolle. Als die beiden sich

immer weiter von uns zurückzogen, rief ihnen keiner deswegen nach; wir

nahmen uns jeder ein Mädchen und gingen unsere eigenen Wege in den Wald

hinein. Und ich hatte Sara.

Als wir wieder zurückkamen, stand Rönnaug noch da und kühlte sich ab.

So ein Mädchen, sie hatte die ganze Zeit hier gestanden! Ich nahm sie

bei der Hand und sprach ein wenig mit ihr, sie aber lächelte nur zu

allem und antwortete nicht. Als wir auf den Wald zugingen, hörten wir

Sara uns in die Dunkelheit nachrufen: Rönnaug, komm, wir wollen lieber

heimgehen! Aber Rönnaug antwortete nicht, sie war so wortkarg. Sie war

groß und still und hatte eine Haut wie Milch.

20.

Der erste Schnee ist gekommen, er schmilzt zwar sofort wieder weg,

aber der Winter ist wohl nicht mehr weit. Und mit unserer Waldarbeit

beim Kapitän geht es zu Ende, zwei Wochen lang haben wir vielleicht

noch zu tun, doch kaum länger. Was sollten wir dann unternehmen? Im

Gebirge gab es Arbeit beim Eisenbahnbau, und vielleicht fand sich auch

noch Holzfällerarbeit für uns auf einem Hof. Falkenberg war für die

Eisenbahn.

Aber meine Maschine konnte in dieser kurzen Zeit nicht fertig werden.

Jeder von uns hatte mit dem Seinen zu kämpfen. Außer der Maschine mußte

ich auch den Nagel für meine Pfeife fertig machen, und die Abendstunden

wollten fast zu kurz für mich werden. Und Falkenberg mußte mit Emma

wieder zurechtkommen. Wie schwer war das und wie langsam ging es! Sie

hatte sich an Markus Schuhmacher gehalten; jawohl; aber dafür hatte

Falkenberg in einer stimmungsvollen Stunde Helene ein seidenes Tuch und

ein mit Muscheln besetztes Kästchen geschenkt.

Falkenberg war in der Klemme und sagte:

Auf allen Seiten gibt es nur Ärger und Unverstand und Widerwärtigkeiten.

Und das sagst du?

Ja, so nenne ich es, wenn dus wissen willst. Ich bringe sie nicht dazu,

mit ins Gebirge zu gehen.

Da hält sie wohl Markus Schuhmacher zurück?

Falkenberg schweigt finster.

Nicht einmal singen darf ich mehr, sagte er nach einer Weile.

Wir kamen auf den Kapitän und seine Frau zu sprechen. Falkenberg hat

schlimme Ahnungen, es sei zwischen den beiden nicht alles in Ordnung.

So ein Schwätzer! Ich sage:

Entschuldige, darauf verstehst du dich doch wirklich nicht.

So? antwortete er erregt. Und er wurde immer aufgeregter und sagte:

Hast du vielleicht gesehen, daß sie etwa bei jedem Schritt aneinander

hängen und nett zueinander sind? Ich habe sie niemals ein Wort wechseln

hören.

Dieser Idiot, dieser Schwätzer!

Ich verstehe nicht, wie du heute sägst, nörgle ich. Schau nur den

Schnitt an, den du da gemacht hast.

*Ich*? Wir sind doch wohl zu zweit bei dieser Arbeit?

Gut, dann ist offenbar das Holz nicht mehr genug gefroren. Wir wollen

lieber die Axt nehmen.

Lange Zeit hieben wir, ein jeder für sich, auf die Bäume ein, kurz

und zornig, alle beide. Was hatte er doch zu lügen gewagt -- daß sie

niemals ein Wort zueinander sagten? Aber, mein Gott, er hatte ja recht!

Falkenberg hatte eine gute Nase, er verstand sich auf die Menschen.

Auf jeden Fall sagen sie zu uns nur Gutes voneinander, fing ich wieder

an.

Falkenberg hieb nur drauf los.

Ich dachte noch länger darüber nach.

Nein, du kannst recht haben, das ist vielleicht nicht die Ehe, von der

die Träumer geträumt haben, aber --.

Das war nichts für Falkenberg, er verstand kein Wort davon.

In der Mittagspause nahm ich das Gespräch wieder auf:

Du sagtest doch, es sollte etwas setzen, wenn er nicht nett zu ihr sei?

Ja, das sagte ich.

Aber es hat nichts gesetzt?

Habe ich vielleicht gesagt, er sei nicht nett gegen sie? fragte

Falkenberg erbittert. Aber sie haben sich satt, das haben sie. Wenn der

eine hereinkommt, geht der andere hinaus. Wenn er über irgend etwas in

der Küche spricht, werden ihre Augen ganz tot und gelangweilt, und sie

hört nicht zu.

Eine Zeitlang schlagen wir wieder auf die Stämme ein und haben jeder

unsere eigenen Gedanken.

Ich werde ihn doch noch verprügeln müssen, sagt Falkenberg.

Wen?

Den Lukas .....

Ich machte die Pfeife fertig und ließ sie durch Emma dem Kapitän

überbringen. Der Nagel war ganz natürlich geworden, und mit dem guten

Werkzeug, das ich bekommen hatte, war es mir auch möglich gewesen, ihn

in den Finger einzulassen und ihn an der Unterseite zu befestigen, ohne

daß die beiden kleinen Kupfernägel zu sehen waren. Ich war zufrieden

mit der Arbeit.

Als wir beim Abendessen saßen, kam der Kapitän mit der Pfeife in die

Küche und bedankte sich bei mir. Gleichzeitig sah ich auch Falkenbergs

Klugheit bekräftigt: kaum war der Kapitän herausgekommen, als seine

Frau die Küche verließ.

Der Kapitän lobte mich wegen der Pfeife und fragte, wie ich den Nagel

befestigt habe, er nannte mich einen Künstler und Meister. Die ganze

Küche stand da und hörte zu. Und es hatte etwas zu bedeuten, wenn der

Kapitän sagte, ich sei ein Meister. Ich glaube, in diesem Augenblick

hätte ich Emma bekommen können.

In jener Nacht geschah es, daß ich das Gruseln lernte.

Die Leiche einer Frau kam zu mir herein, streckte ihre linke Hand vor

und zeigte sie mir: am Daumen fehlte der Nagel. Ich schüttelte den

Kopf, ich hätte einmal einen Nagel gehabt, hätte ihn aber weggeworfen

und statt dessen eine Muschel genommen. Die Leiche blieb trotzdem

stehen, und ich lag da und fror vor Furcht. Da stammelte ich, ich könne

es leider nicht mehr ändern, sie solle in Gottes Namen ihres Weges

gehen. Und Vater unser, der du bist im Himmel ..... Die Leiche kam auf

mich zu, da hieb ich mit den Fäusten um mich und stieß einen eiskalten

Schrei aus, gleichzeitig drückte ich Falkenberg platt an die Wand.

Was ist los? rief Falkenberg. In Jesu Namen --!

In Schweiß gebadet erwachte ich und schlug die Augen auf, ich lag da

und sah mit offenen Augen die Leiche ganz langsam in der Dunkelheit des

Zimmers verschwinden.

Die Leiche, stöhnte ich. Sie will ihren Nagel wieder haben. Falkenberg

richtete sich steil vom Lager auf, hellwach, auch er.

Ich sah sie, sagte er.

Du auch? Sahst du den Finger! Uff!

Ich möchte nicht um viel Geld in deiner Haut stecken.

Laß mich an der Wand liegen! bat ich.

Wo soll dann ich liegen?

Für dich ist es nicht gefährlich, du kannst ruhig vorne liegen.

Damit sie mich zuerst nimmt? Nein, danke. Und Falkenberg legte sich

wieder hin und zog sich die Decke über die Augen.

Einen Augenblick erwog ich, ob ich hinuntergehen und mich zu Petter

legen sollte; er war schon auf dem Weg der Besserung und würde mich

mit seiner Krankheit wohl nicht mehr anstecken. Aber ich getraute mich

nicht über die Treppe hinunterzusteigen.

Ich hatte eine schlimme Nacht.

Am nächsten Morgen suchte ich überall nach dem Nagel und fand ihn unter

Sägemehl und Hobelspänen auf dem Boden. Auf dem Weg zum Wald begrub ich

ihn.

Es fragt sich erst noch, ob du den Nagel nicht wieder dorthin bringen

mußt, wo du ihn hergenommen hast, sagte Falkenberg.

Es ist so weit, eine ganze Reise ....

Wenn du nur nicht gemahnt wirst, bis du es tust. Sie will vielleicht

nicht hier einen Finger haben und dort einen Nagel.

Aber ich war wieder ganz frech geworden. Das Tageslicht machte mich

waghalsig, ich lachte über Falkenbergs Aberglauben und sagte, sein

Standpunkt sei von der Wissenschaft aufgegeben worden.

21.

Eines Abends kamen Fremde auf den Hof, und da Petter immer noch

schlecht daran war, und der andere Knecht noch ganz jung, mußte ich die

Pferde versorgen. Aus dem Wagen stieg eine Dame. Sind die Herrschaften

zu Hause? fragte sie. Als das Wagengerassel vernehmbar wurde, zeigten

sich Gesichter an den Fenstern, Lampen wurden in Gang und Zimmern

angezündet, die gnädige Frau kam heraus und rief: Bist du es, Elisabet?

Ich habe dich schon lange erwartet. Willkommen.

Es war Fräulein Elisabet vom Pfarrhof.

Ist *der* hier? fragte sie überrascht.

Wer?

Sie meinte mich. Sie hatte mich wiedererkannt ....

Am Tag darauf kamen die beiden jungen Damen zu uns in den Wald. Anfangs

hatte ich Angst, das Gerücht von einem gewissen Ritt auf fremden

Pferden sei bis zum Pfarrhof gedrungen, als ich aber nichts davon

hörte, beruhigte ich mich wieder.

Mit der Wasserleitung geht es gut, sagte Fräulein Elisabet.

Das ließ sich hören.

Mit der Wasserleitung? fragte die gnädige Frau.

Er hat uns eine Wasserleitung gelegt. Bis in die Küche, und in den

ersten Stock hinauf. Wir drehen bloß einen Hahn auf. So etwas solltest

du auch haben.

So. Wäre das auch bei uns möglich?

Ich antwortete: Ja, das wäre wohl möglich.

Warum haben Sie es denn meinem Mann nicht vorgeschlagen?

Ich habe es ihm schon gesagt. Er wollte deswegen mit Ihnen sprechen.

Eine peinliche Pause. Nicht einmal diese Sache, die doch vor allem die

gnädige Frau anging, hatte er mit ihr besprochen.

Um nur etwas zu sagen, fuhr ich rasch fort:

Für heuer ist es ja auf jeden Fall zu spät. Der Winter würde uns

überraschen, ehe wir fertig wären. Aber im Frühjahr dann.

Frau Falkenberg kam mit ihren Gedanken gleichsam von weit her zurück.

Ich erinnere mich jetzt übrigens, daß er einmal mit mir darüber

gesprochen hat, sagte sie. Daß wir es uns überlegten. Aber es war zu

spät für dieses Jahr ..... Du, Elisabet, ist es nicht ganz lustig, so

beim Holzfällen zuzusehen?

Wir benutzten manchmal ein Tau, um den Baum im Fallen zu lenken,

Falkenberg hatte nun eben dieses Tau hoch oben an einem Baum befestigt,

der unter ihm schwankte.

Warum machen Sie das?

Damit der Baum den richtigen Weg nimmt ..... begann ich zu erklären.

Die gnädige Frau aber wollte mich nicht mehr anhören, sie wiederholte

ihre Frage an Falkenberg gewandt und sagte:

Ist es denn nicht gleich, wohin er fällt?

Da mußte Falkenberg antworten:

O nein, wir müssen ihn schon lenken, damit er dort, wo er hinfällt,

nicht zu viel Jungwald umbricht.

Hast du gehört? sagte Frau Falkenberg zu ihrer Freundin, hast du seine

Stimme gehört? Das ist der Sänger.

Wie ärgerte ich mich, weil ich so viel geredet und ihren Wunsch nicht

bemerkt hatte! Ich wollte ihr zeigen, daß ich ihre Zurechtweisung

verstand. Und übrigens war ich ja in Fräulein Elisabet und in keine

andere verliebt; die war nicht launisch, und sie war ebenso schön wie

die andere, ja tausendmal schöner. Ich wollte mich als Knecht bei

ihrem Vater verdingen ..... Nun machte ich es mir zur Regel, sooft

die gnädige Frau mich ansprach, erst zu Falkenberg und dann zu ihr

hinzusehen und mit meiner Antwort zu warten, als fürchte ich, es sei

nicht an mir zu antworten. Ich glaube, mein Betragen war ihr ein wenig

schmerzlich, und sie sagte einmal mit einem kleinlauten Lächeln: Doch

doch, ich habe Sie schon gefragt.

Dieses Lächeln und diese Worte ..... Eine Freude durchwirbelte mein

Herz, ich begann mit der ganzen Kraft, die ich mir durch die Übung

angeeignet hatte, meine Axt zu schwingen und hieb tiefe Kerben in die

Bäume. Und die Arbeit ging wie ein Spiel. Und hie und da hörte ich,

wovon gesprochen wurde.

Heute abend werde ich ihnen etwas vorsingen, sagte Falkenberg, als wir

allein waren.

Der Abend kam.

Ich stand draußen auf dem Hofplatz und sprach einen Augenblick mit dem

Kapitän. Wir hatten noch für drei, vier Tage Arbeit im Wald.

Wo werdet Ihr dann hinreisen?

Zum Eisenbahnbau.

Vielleicht habe ich hier für Euch Verwendung, sagte der Kapitän. Ich

will den Weg, der den Hof mit der Landstraße verbindet, verlegen, er

ist zu steil, kommen Sie, ich will es Ihnen zeigen.

Er führte mich auf die Südseite des Hauptgebäudes und begann zu deuten,

obwohl es schon etwas zu dunkel war.

Und wenn dann der Weg fertig ist und sonst noch Verschiedenes, dann

ist wohl der Frühling da, sagte er. Dann kommt die Wasserleitung dran.

Übrigens ist ja auch Petter krank; das kann so nicht weitergehen, ich

muß mir eine Hilfe nehmen.

Plötzlich hören wir Falkenberg singen. Im Zimmer brannte Licht,

Falkenberg war drinnen, und jemand begleitete ihn am Flügel. Der

Wohllaut dieser ungewöhnlichen Stimme flutete zu uns heraus,

unwillkürlich erbebte ich.

Der Kapitän stutzte und sah zu den Fenstern auf.

Aber -- sagte er plötzlich, es ist wohl am besten, wir warten auch mit

dem Weg bis zum Frühjahr. Wie lange, sagten Sie, haben Sie noch im Wald

zu arbeiten?

An die drei, vier Tage.

Gut, dann sagen wir also drei, vier Tage, und machen für heuer ein Ende.

Das ist ein merkwürdig rascher Entschluß, dachte ich.

Ich antwortete:

Den Weg könnte man aber im Winter ebensogut bauen, in mancher Beziehung

wäre es sogar besser. Es müssen Steine gesprengt werden, Kies muß

angefahren werden --

Ja, das weiß ich schon, aber ..... Nein, nun muß ich hineingehen und

zuhören.

Der Kapitän ging hinein.

Ich dachte: Das tut er nun gewiß nur aus Höflichkeit, er will sich

nicht absondern, wenn Falkenberg im Zimmer ist. In Wirklichkeit aber

hätte er sich lieber mit mir unterhalten.

Wie eingebildet war ich, und wie irrte ich mich!

22.

Ich hatte nun die meisten Teile meiner Säge fertig und konnte sie

zusammensetzen und ausprobieren. Bei der Scheunenbrücke stand noch der

Stumpf einer vom Wind umgebrochenen Espe. Ich befestigte den Apparat

an diesem Stumpf und überzeugte mich sofort, daß die Säge schnitt.

Nun also, schweigt stille, Ihr Kleinen, die Aufgabe ist gelöst! Als

Sägeblatt hatte ich mir ein Ungeheuer von einer Zimmermannssäge

gekauft, die ich dann am ganzen Rücken mit Zähnen versah; diese Zähne

griffen während des Sägens in ein kleines Zahnrad ein, das wegen

der Reibung angebracht war und von der Feder vorgedrückt wurde. Die

Druckfeder hatte ich ursprünglich aus einer breiten Korsettschiene

hergestellt, die ich von Emma bekommen hatte; es zeigte sich aber bei

den Proben, daß sie zu schwach war, so spannte ich mir eine neue Feder

aus einem Sägeblatt, das nur sechs Millimeter breit war, und an dem ich

zuvor die Zähne abgeschliffen hatte. Diese neue Feder aber drückte zu

stark. Da mußte ich mir helfen, so gut es eben ging, ich zog die Feder

nur halb auf und spannte sie, wenn sie abgelaufen war, immer wieder nur

zur Hälfte.

Leider waren meine theoretischen Kenntnisse ungenügend. Ich mußte

allerlei Versuche anstellen, und das hinderte mich sehr in meiner

Arbeit. Auf diese Weise hatte ich auch die konische Auswechslung, die

zu schwerfällig arbeitete, vollständig verwerfen und den ganzen Apparat

nach einem einfacheren System umbauen müssen.

Es war ein Sonntag, als ich meine Maschine an dem Espenstumpf

befestigte; das neue, weiße Holzwerk und das schimmernde Sägeblatt

blinkten in der Sonne. Bald zeigten sich Gesichter in den Fenstern, und

der Kapitän kam heraus. Er antwortete nicht einmal, als ich grüßte, so

starr sah er schon im Näherkommen auf die Maschine.

Nun, wie macht es sich?

Ich ließ die Säge arbeiten.

Sieh, sieh, wahrhaftig --!

Die gnädige Frau und Fräulein Elisabet kamen heraus, alle Mädchen kamen

heraus, Falkenberg kam heraus. Und ich ließ die Säge arbeiten. Nun

also, schweigt jetzt nur stille, Ihr Kleinen alle!

Der Kapitän sagte:

Dauert es nicht zu lange, bis man diesen Apparat jeweils am Baum

befestigt hat?

Man wird durch ein weit leichteres Arbeiten etwas von der Zeit wieder

einholen. Hier wird man niemals ausschnaufen müssen.

Warum nicht?

Weil der *Druck gegen die Seite* von einer Feder besorgt wird. Dieser

Druck gerade ermüdet am meisten.

Und die übrige Zeit?

Ich habe vor, die ganze Schraube wegzulassen und an ihrer Stelle eine

Zwinge zu setzen, die durch ein paar Schläge mit dem Rücken der Axt

befestigt werden kann. Die Zwinge hat eine Reihe von Haken und kann an

Bäumen der verschiedensten Stärke angebracht werden.

Ich zeigte ihm den Aufriß einer solchen Zwinge, die ich bisher noch

nicht hatte fertig machen können.

Der Kapitän setzte eigenhändig die Säge in Gang und prüfte, wieviel

Kraft sie erforderte. Er sagte:

Es fragt sich, ob es nicht zu schwer wird, eine Säge zu ziehen, die

eine gewöhnliche Baumsäge in der Breite um mehr als das Doppelte

übertrifft.

Freilich, sagte Falkenberg. Das kann man sich ja denken.

Alle sahen Falkenberg und dann mich an. Jetzt mußte ich reden.

Ein einzelner Mann kann einen vollgeladenen Güterwagen auf den Schienen

bewegen, antwortete ich. Hier aber ziehen zwei Männer eine Säge auf

zwei Rollen hin und her, die wiederum auf geölten Stahlachsen laufen.

Diese Säge wird bedeutend leichter zu ziehen sein als die alte, zur Not

kann sie auch von einem Einzelnen gehandhabt werden.

Das halte ich für beinahe unmöglich.

Wir werden sehen.

Fräulein Elisabet fragte halb im Scherz:

Aber sagen Sie nun mir, die ich nichts davon verstehe, warum ist es

nicht am besten, die Bäume quer abzusägen wie in früheren Zeiten?

Er möchte den Seitendruck beim Sägen aufheben, erklärte der Kapitän.

Diese Säge, die horizontal schneidet, braucht nicht anders gehandhabt

zu werden, wie eine senkrecht schneidende Säge. Stellen Sie sich doch

vor: Sie drücken nach unten, und es wirkt nach der Seite hin. Sagen

Sie, wandte er sich an mich, glauben Sie nicht, daß man das Sägeblatt

an den Enden zu sehr hinunter biegt und dadurch den Schnitt konvex

macht?

Das verhindern erstens diese beiden Rollen, auf denen die Säge liegt.

Das hilft ein wenig, ja. Und zweitens?

Zweitens ist es unmöglich, mit diesem Apparat einen konvexen Schnitt

zu machen, selbst wenn man wollte. Das Sägeblatt hat nämlich einen

T-förmigen Rücken, der es tatsächlich unbiegsam macht.

Ich glaube, der Kapitän erhob einige seiner Einwände wider besseres

Wissen. Er hätte sie mit seinen Kenntnissen selbst besser beantworten

können als ich. Dagegen übersah er andere Dinge, die mir jedoch Sorge

bereiteten. Eine Maschine, die im Wald herumgeschleppt werden sollte,

durfte keine empfindliche Vorrichtung sein. So fürchtete ich zum

Beispiel, die beiden Stahlachsen könnten einen Stoß erhalten und

entweder abspringen oder so verbogen werden, daß die Rollen nicht mehr

gleiten würden. Ich mußte versuchen, ohne die Stahlachsen auszukommen,

und die Rollen unter dem Rücken der Säge anbringen. Ich war noch

keineswegs fertig mit meiner Maschine ....

Der Kapitän ging zu Falkenberg und sagte:

Sie haben wohl nichts dagegen, unsere Damen morgen zu fahren? Es ist

zwar ziemlich weit, aber Petter ist noch krank.

Nein, da habe ich wahrhaftig nichts dagegen.

Fräulein Elisabet will wieder heim, sagte der Kapitän, als er ging. Ihr

müßt um sechs Uhr aufbrechen.

Falkenberg war sehr vergnügt und froh über das Vertrauen, das man ihm

zeigte, und scherzend sagte er mir nach, ich gönne es ihm nicht. In

Wirklichkeit war ich keineswegs neidig. Vielleicht war es mir einen

Augenblick ein wenig schmerzlich, daß mein Kamerad mir vorgezogen

wurde, aber unleugbar war ich doch lieber mit mir allein im Wald und

in der Stille, als daß ich auf einem Kutschbock saß und fror.

Falkenberg war strahlender Laune und sagte:

Du wirst ganz gelb vor Neid, du solltest etwas dagegen einnehmen, ein

wenig amerikanisches Öl.

Den ganzen Vormittag verbrachte er mit den Vorbereitungen für die

Fahrt, wusch den Wagen, schmierte die Radachsen und sah das Geschirr

nach. Und ich half ihm.

Am Ende kannst du nicht einmal ein Zweigespann lenken, sagte ich, um

ihn zu necken. Aber ich will dich noch, ehe du morgen fährst, das

Wichtigste lehren.

Es ist ein Jammer, daß du so viel ausstehen mußt, nur um die zehn Öre

für amerikanisches Öl zu sparen, sagte er.

In Wahrheit war aber alles nur Scherz und Heiterkeit.

Am Abend kam der Kapitän und sagte zu mir:

Ich hätte es Ihnen gerne erspart und hätte lieber Ihren Kameraden mit

den Damen geschickt, aber Fräulein Elisabet will Sie haben.

Mich?

Weil Sie alte Bekannte seien.

Nun, mein Kamerad ist auch nicht gerade gefährlich.

Haben Sie etwas dagegen?

Nein.

Gut, dann bleibt es also bei Ihnen.

Sofort dachte ich: Hoho, also ziehen die Damen doch mich vor, weil ich

ein Erfinder und ein Sägebesitzer bin, und wenn ich mich schön mache,

dann sehe ich gut aus, ganz brillant.

Falkenberg aber hatte vom Kapitän eine Erklärung bekommen, die meine

Eitelkeit mit einem Schlag schwer verletzte: Fräulein Elisabet solle

mich noch einmal auf den Pfarrhof bringen, damit der Vater einen neuen

Versuch machen könne, mich als Knecht zu bekommen. Das sei zwischen ihr

und dem Pfarrer so verabredet worden.

Ich dachte immer wieder über diese Erklärung nach.

Wenn du dich aber auf dem Pfarrhof verdingst, dann wird es nichts mit

unserer Arbeit bei der Eisenbahn, sagte Falkenberg.

Ich antwortete:

Ich verdinge mich nicht.

23.

Im geschlossenen Wagen fuhr ich die beiden Damen in den frühen Morgen

hinaus. Zu Anfang war es ziemlich kalt, meine wollene Decke kam mir nun

gut zu statten und abwechselnd legte ich sie über die Knie oder als

Schal um die Schultern.

Ich fuhr den Weg, den ich mit Falkenberg hierhergewandert war und

erkannte einen Platz nach dem anderen wieder: hier stimmte Falkenberg

ein Klavier, dort hatten wir eine Wildgans vernommen ..... Die Sonne

ging auf, es wurde warm, die Stunden verstrichen; bei einer Wegkreuzung

klopften die Damen ans Wagenfenster und sagten, es sei Mittag. Durch

einen Blick nach der Sonne überzeugte ich mich, daß es für die Damen

noch zu früh zum Essen war, wogegen es für mich, der mit Falkenberg um

zwölf Uhr zu essen pflegte, sehr gut gepaßt hätte. Ich fuhr also weiter.

Können Sie denn nicht halten! riefen die Damen.

Sie pflegen doch um drei Uhr zu essen .... Ich glaubte ....

Aber wir sind hungrig.

Ich fuhr mit dem Wagen auf die Seite und spannte die Pferde aus,

fütterte sie und brachte ihnen Wasser. Hatten denn diese merkwürdigen

Frauen ihre Essenszeit nach mir gerichtet?

Bitte schön! wurde gerufen.

Da ich mich nicht gut den anderen beigesellen konnte, blieb ich bei den

Pferden stehen.

Nun? sagte die gnädige Frau.

Möchten Sie so freundlich sein und mir etwas geben, bat ich.

Alle beide reichten mir zu essen und glaubten, daß ich nicht genug

bekäme; ich öffnete die Bierflaschen und erhielt auch hiervon meinen

reichlichen Teil, es war ein Fest auf der Landstraße, ein kleines

Abenteuer in meinem Leben. Frau Falkenberg aber wagte ich fast nicht

anzusehen, damit sie sich nicht verletzt fühlen sollte.

Sie plauderten und scherzten miteinander und zogen aus Freundlichkeit

auch mich ins Gespräch. Fräulein Elisabet sagte:

Ich finde es furchtbar nett im Freien zu essen. Sie nicht auch?

Sie sagte jetzt nicht Du, wie sie das früher getan hatte.

Das ist für ihn wohl nicht so neu, meinte die gnädige Frau. Er ißt ja

jeden Tag im Walde.

O diese Stimme, diese Augen, dieser frauenhafte, zärtliche Ausdruck der

Hand, die mir das Glas entgegenhielt ..... Ich hätte wohl auch etwas

zu sagen gewußt, hätte mitsprechen, irgend etwas aus der weiten Welt

erzählen und sie unterhalten können; ich hätte die Damen verbessern

können, wenn sie allen möglichen Unsinn schwätzten und nicht wußten,

wie man auf Kamelen reitet oder wie man Wein erntet .....

Ich beeilte mich beim Essen und entfernte mich dann, nahm den Eimer

und holte mehr Wasser für die Pferde, obwohl es unnötig war. Beim Bach

setzte ich mich hin.

Nach einer Weile rief Frau Falkenberg nach mir:

Sie müssen zu den Pferden kommen, wir wollen ein bißchen fortgehen und

sehen, ob wir Hopfen oder etwas Ähnliches finden.

Als ich aber bis zum Wagen gekommen war, waren sie sich darüber einig

geworden, daß der Hopfen die Blätter verloren hatte und daß hier keine

Vogelbeeren und kein buntes Laub zu finden seien.

In diesem Wald gibt es gar nichts, sagte das Fräulein. Und sie stellte

mir wieder eine direkte Frage: Sagen Sie, auf Övrebö haben Sie doch

keinen Kirchhof, in dem Sie herumwandern könnten?

Nein?

Können Sie es ohne einen solchen aushalten? Dann erklärte sie Frau

Falkenberg, daß ich ein seltsamer Mann sei, der nachts auf die

Friedhöfe ginge und mit den Toten Zusammenkünfte habe. Dort erfände ich

meine Maschinen.

Um etwas zu sagen fragte ich nach Jung-Erik. Er wurde damals verletzt

und spuckte Blut .....?

Ja, er erholt sich, antwortete Fräulein Elisabet kurz. Wollen wir nicht

bald wieder weiter, Louise?

Ja, können wir schon fahren?

Sobald Sie es wünschen, erwiderte ich.

So fuhren wir weiter.

Die Stunden vergehen, die Sonne sinkt tiefer, es wird wieder kühl, die

Luft ist rauh; später kommen Wind und Nässe, halb Regen, halb Schnee.

Wir fuhren an der Annexkirche, an ein paar Landhändlern vorbei, Hof auf

Hof ließen wir hinter uns.

Da klopfte es an das Wagenfenster.

Hier ritten Sie doch eines Nachts auf fremden Pferden? fragte das

Fräulein und lachte. Wir haben schon davon gehört, das können Sie sich

denken.

Beide Damen belustigten sich darüber.

Mir fiel die Antwort ein:

Und trotzdem möchte mich Ihr Vater als Knecht haben, ist es nicht so?

Doch.

Weil wir nun gerade davon sprechen -- woher wußte Ihr Vater, daß ich

bei Kapitän Falkenberg arbeitete? Sie selbst waren doch erstaunt, mich

dort zu sehen?

Nach rascher Überlegung erwiderte sie und sah Frau Falkenberg dabei an:

Ich habe es heimgeschrieben.

Die gnädige Frau schlug die Augen nieder.

Ich hatte den Eindruck, daß das junge Mädchen schwindelte. Aber sie

gab eine ausgezeichnete Antwort und stopfte mir damit den Mund. Es

war nicht undenkbar, daß sie in einem Brief an die Eltern ungefähr

so geschrieben hatte: Und wißt Ihr, wen ich hier getroffen habe? Den

gleichen Mann, der bei uns auf dem Pfarrhof die Wasserleitung gelegt

hat, jetzt fällt er bei Falkenbergs Bäume .....

Als wir aber auf dem Pfarrhof ankamen, war schon ein neuer Knecht

eingestellt und bereits seit drei Wochen im Dienst. Er versorgte unsere

Pferde.

Da dachte ich immer und immer wieder: warum hatte sie nun mich zum

Kutscher gewählt? Vielleicht nur als kleine Entschädigung dafür,

daß Falkenberg im Zimmer hatte singen dürfen. Aber verstanden denn

diese Menschen nicht, daß ich ein Mann war, der in kurzer Zeit seine

Erfindung fertig haben und gar keine Wohltaten mehr brauchen würde!

Gelangweilt und mit saurer Miene ging ich umher, aß in der Küche, wurde

von Oline wegen der Wasserleitung gelobt, pflegte meine Pferde. Als es

dunkel war, ging ich mit meiner Decke zur Scheune .....

Ich erwachte davon, daß jemand an mir herumtastete.

Hier darfst du doch nicht liegen bleiben, das mußt du doch einsehen, du

erfrierst ja, sagte die Pfarrersfrau. Komm, ich will dich führen.

Eine Weile verhandelten wir darüber, ich wollte nicht fort und brachte

auch sie soweit, daß sie sich setzte. Sie war wie eine Flamme, nein,

eine Tochter der Natur. In ihrem Inneren spielte noch ein hinreißender

Walzer.

24.

Am nächsten Morgen stand es besser um meine Laune, ich war abgekühlt

und verständig, ich entsagte. Nur hätte ich mich besser auf meinen

Vorteil verstehen und niemals diesen Ort verlassen sollen. Ich hätte

hier Knecht werden können und der erste unter meinesgleichen sein. Ja,

und hätte mich gründlich in ein stilles Landleben verwurzeln können.

Frau Falkenberg stand im Hof. Diese helle Frau war wie eine Säule, rank

und frei und ohne Hut stand sie auf dem weiten Hofplatz.

Ich wünschte Guten Morgen.

Guten Morgen! antwortete sie und kam auf mich zugeschritten. Ganz leise

sagte sie: Ich hätte gerne nachgesehen, wie man Sie gestern abend

untergebracht hatte, aber ich kam nicht los. Doch, natürlich kam ich

los, aber ..... Sie lagen doch nicht auf dem Heu?

Die letzten Worte hörte ich wie im Traum, und ich konnte nicht

antworten.

Warum sagen Sie nichts?

Doch, ob ich auf dem Heu schlief? Ja.

Wirklich? Ging es denn?

Ja.

Soso. Ja ja. Wir werden heute wieder heimfahren.

Sie drehte sich um und verließ mich mit einem Gesicht, das über und

über von Röte übergossen war .....

Harald kam und bat mich, ihm einen Drachen zu machen.

Ja, ich will dir einen Drachen machen, antwortete ich in meiner

Verwirrung, einen riesigen Drachen, der bis zu den Wolken hinauffliegen

soll. Ja, das werde ich tun.

Harald und ich arbeiteten ein paar Stunden lang, er war so lieb

und unschuldig in seinem Eifer, und ich für meinen Teil dachte an

alles andere, nur nicht an diesen Drachen. Wir knüpften einen viele

Meter langen Schweif und klebten und schnürten mit Bindfaden unser

Werk zusammen. Fräulein Elisabet kam zweimal heraus und sah uns zu.

Vielleicht war sie ebenso süß und niedlich wie früher, aber es

kümmerte mich nicht mehr, was sie war, und ich dachte nicht an sie.

Dann ließ man mir sagen, ich solle anspannen. Ich hätte diesem Befehl

sofort gehorchen sollen, denn der Heimweg war lang, statt dessen aber

sandte ich Harald hinein und ließ bitten, noch eine halbe Stunde

warten zu dürfen. Und wir arbeiteten weiter, bis der Drachen fertig

war. Morgen, wenn der Kleister trocken war, konnte Harald den Drachen

fliegen lassen und ihm mit den Augen folgen und in seinem Gemüt eine

ungekannte Erregung verspüren, so wie jetzt ich.

Es ist angespannt.

Frau Falkenberg kommt heraus; die ganze Pfarrersfamilie begleitet sie.

Der Pfarrer und seine Frau erkennen mich beide wieder, beantworten

meinen Gruß und sagen einige Worte. Aber ich höre nichts davon, daß ich

Knecht bei ihnen werden solle. Und die blauäugige Pfarrersfrau steht

da, sieht mich mit ihrem listigen Seitenblick an, als erkenne sie mich

wieder, obwohl sie mich schon gestern abend auch gekannt hatte.

Fräulein Elisabet bringt den Eßvorrat und hüllt ihre Freundin ein.

Willst du wirklich nicht mehr zum Zudecken haben? fragt sie zum

lettzenmal.

Nein, danke, das ist vollkommen genug. Lebt wohl, lebt wohl.

Seien Sie nun heute ein ebenso guter Kutscher wie gestern, sagt

Fräulein Elisabet und nickt auch mir zu.

Wir fahren los.

Der Tag war kalt und rauh, und ich sah sofort, daß die gnädige Frau mit

ihrer Decke nicht genügend geschützt war.

Wir fahren Stunde auf Stunde, die Pferde fühlen, daß sie auf dem

Heimweg sind und traben unaufgefordert, und da ich keine Fäustlinge

habe, werden meine Hände ganz steif um die Zügel. Als wir an einer

Hütte vorbeikamen, klopfte die gnädige Frau an die Scheibe, es sei

Mittag. Und ganz bleich vor Kälte steigt sie aus.

Wir wollen zu dieser Hütte hinaufgehen und dort essen, sagte sie.

Kommen Sie nach, wenn Sie fertig sind, und bringen Sie den Korb mit.

Damit ging sie die Anhöhe hinauf.

Sie will wohl wegen der Kälte in dieser Hütte essen, denke ich; denn

sie wird doch wohl keine Angst vor mir haben ..... Ich binde die Pferde

an und füttere sie; da es nach Regen aussieht, lege ich ihnen die

Öldecken über, klopfe sie schmeichelnd und gehe mit dem Korb zur Hütte

hinauf.

Eine alte Frau ist daheim, sie sagt: bitte, komm nur herein! und kocht

ihren Kaffee weiter. Frau Falkenberg packt den Korb aus und fragt, ohne

mich anzusehen:

Ich soll Ihnen wohl auch heute vorlegen?

Ja, tausend Dank.

Wir essen schweigend. Ich sitze auf einer kleinen Bank bei der Türe und

habe meinen Teller neben mir stehen; die gnädige Frau sitzt am Tisch,

sieht beinahe die ganze Zeit zum Fenster hinaus und bringt keinen

Bissen hinunter. Dann und wann spricht sie ein Wort mit der Frau, dann

und wann wirft sie einen Blick auf meinen Teller, ob er etwa leer sei.

Die kleine Stube ist so eng, es sind nicht mehr als zwei Schritte von

mir bis zum Fenster, so daß wir also trotzdem beieinander sitzen.

Als der Kaffee kommt, habe ich auf meiner Bank keinen Platz mehr für

die Tasse, ich sitze da und halte sie in der Hand. Da wendet die

gnädige Frau mir ruhig das Gesicht zu und sagt mit niedergeschlagenen

Augen:

Hier ist doch Platz.

Ich höre mein Herz laut pochen und murmle etwas:

Danke, es geht ausgezeichnet ..... Ich möchte lieber .....

Kein Zweifel, sie ist unruhig, sie hat Angst vor mir, ich könnte etwas

sagen, etwas tun; wieder sitzt sie mit abgewandtem Gesicht ruhig da,

aber ich sehe, daß ihre Brust schwer atmet. Sei doch ruhig, denke ich,

es soll kein Wort aus meinem elenden Munde kommen!

Ich möchte gerne den leeren Teller und die Tasse auf den Tisch stellen,

aber ich fürchte, sie zu erschrecken, wenn ich näher trete, denn sie

sitzt beständig mit abgewandtem Kopf da. Ich klirre ein wenig mit der

Tasse, um sie aufmerksam zu machen, stelle das Geschirr hin und danke.

Sie versucht ihren hausmütterlichen Ton anzuschlagen:

Wollen Sie nichts mehr haben? Ich verstehe nicht .....

Nein, vielen Dank ..... Soll ich einpacken? Aber ich kann wohl nicht.

Mein Blick fiel auf meine Hände, in der warmen Stube waren sie

fürchterlich aufgeschwollen und so unförmig und schwer geworden, daß

ich wohl kaum irgend etwas einpacken konnte. Sie erriet, was ich

dachte, sah zuerst auf meine Hände, dann zu Boden und sagte, während

sie zu lächeln versuchte:

Haben Sie keine Fäustlinge?

Nein, ich brauche keine.

Ich ging an meinen Platz zurück und wartete darauf, daß sie einpacke,

damit ich den Korb mitnehmen könnte. Plötzlich dreht sie mir ihr

Gesicht wieder zu und fragt, immer noch ohne aufzusehen:

Wo sind Sie her?

Aus dem Nordland.

Pause.

Ich wagte zurückzufragen:

Die gnädige Frau ist schon dort gewesen?

Ja, in meiner Kindheit.

Im selben Augenblick sah sie auf die Uhr, wie um mir weitere Fragen

abzuschneiden und mich zugleich an die Zeit zu mahnen.

Sofort stand ich auf und ging zu den Pferden hinaus.

Es war schon etwas dunkel geworden, der Himmel verfinsterte sich, und

es fiel nasser Schnee. Heimlich nahm ich meine Decke vom Bock herunter

und schob sie unter den Vordersitz im Wagen; als ich das getan hatte,

gab ich den Pferden Wasser und spannte sie an. Bald darauf kam Frau

Falkenberg den Weg herunter, und ich ging ihr entgegen, um den Korb zu

holen.

Wo wollen Sie hin?

Den Korb holen.

Danke, das ist nicht nötig. Es lohnt sich nicht mehr ihn mitzunehmen.

Wir gingen zum Wagen, sie stieg ein, und ich half ihr und packte sie

gut ein. Dabei holte ich die Decke unter dem Vordersitz hervor und

versteckte die Kanten gut, damit sie sie nicht erkenne.

Nein, wie schön! sagte die gnädige Frau. Wo lag sie denn?

Hier.

Ich hätte noch mehr Decken auf dem Pfarrhof bekommen können, aber die

armen Menschen würden sie ja niemals wieder zurückerhalten haben .....

Danke, ich kann gut selbst ..... Nein danke, ich kann selbst .....

Machen Sie sich fertig.

Ich schloß die Wagentüre und stieg auf.

Wenn sie jetzt wieder an die Scheibe klopft, kann es sich nur um die

Decke handeln, und da halte ich nicht an, denke ich.

Stunde auf Stunde vergeht, es wird dunkel wie in einem Sack, es

regnet und schneit mit zunehmender Heftigkeit, der Weg wird immer

aufgeweichter. Dann und wann springe ich vom Bock herunter und laufe

neben dem Wagen her, um mich zu erwärmen; meine Kleider triefen.

Wir nähern uns dem Hof.

Hoffentlich ist es nicht so hell, daß sie die Decke erkennt, denke ich.

Aber leider war alles erleuchtet, die gnädige Frau wurde erwartet.

In meiner Not brachte ich die Pferde ein Stück weit vor dem Eingang zum

Stehen und öffnete den Wagenschlag.

Warum --! nein, was ist denn!

Ich dachte, Sie würden so freundlich sein hier auszusteigen. Es ist so

aufgeweicht ..... die Räder .....

Sie glaubte wohl, ich wolle sie zu irgend etwas verlocken, Gott mag das

wissen, sie sagte:

Herrgott, so fahren Sie doch zu!

Die Pferde zogen an, und wir hielten mitten im hellsten Licht.

Emma kam heraus und nahm Frau Falkenberg in Empfang. Die gnädige Frau

gibt ihr die Decken, die sie schon vorher im Wagen zusammengelegt hatte.

Danke, sagte sie zu mir. Mein Gott, wie das Wasser an Ihnen

herunterläuft!

25.

Eine merkwürdige Neuigkeit erwartete mich: Falkenberg hatte sich beim

Kapitän als Knecht verdungen.

Dieses Ereignis warf unsere Verabredung über den Haufen und machte mich

einsam. Ich vermochte das Ganze nicht zu begreifen. Aber ich konnte

ja auch noch morgen darüber nachdenken. Es wird zwei Uhr nachts, und

immer noch liege ich wach da und friere und denke. In dieser ganzen

Zeit war es mir unmöglich gewesen warm zu werden, endlich aber gerate

ich in Hitze, ich liege in vollem Fieber da ..... Wie sie Angst hatte,

gestern, sie wagte nicht, mit mir auf der Landstraße zu essen, und

schlug die ganze Zeit die Augen nicht zu mir auf .....

Als ich in einem klaren Augenblick daran denke, daß ich durch meine

Unruhe Falkenberg noch aufwecken werde und vielleicht irre reden

könnte, beiße ich die Zähne zusammen und springe auf. Ich ziehe meine

Kleider wieder an, taumle die Treppe hinunter und laufe in großen

Sätzen über die Felder. Nach einer Weile werde ich in den Kleidern

warm, ich schlage die Richtung zum Walde ein, zu unserem Arbeitsplatz,

und Schweiß und Regen rinnen mir über das Gesicht. Wenn ich jetzt

nur die Säge finde, damit ich mir das Fieber aus meinem Körper

herausarbeiten kann; das ist eine alte, von mir erprobte Kur. Ich finde

zwar die Säge nicht, dafür aber meine Axt, die ich am Samstag abend

versteckt hatte, und beginne Bäume zu fällen. Es ist so dunkel, daß ich

beinahe nichts sehen kann; aber ich taste dann und wann den Schnitt ab

und fälle auf diese Weise mehrere Bäume. Ich triefe von Schweiß.

Als ich genügend erschöpft bin, verstecke ich die Axt am alten Platz;

es beginnt zu tagen, und ich laufe heim.

Wo bist du gewesen? fragt Falkenberg.

Ich will nicht, daß er von meiner Erkältung gestern erfährt und

vielleicht in der Küche davon spricht, deshalb murmle ich nur, ich

wisse nicht genau, wo ich gewesen sei.

Du bist wohl bei Rönnaug gewesen, sagte er.

Ich antwortete Ja, ich sei bei Rönnaug gewesen, wenn er es doch schon

erraten habe.

Da war wohl nichts weiter zu erraten, sagte er. Ich für meinen Teil

werde nie wieder so etwas tun.

Bekommst du jetzt Emma?

Ja, es sieht so aus. Es ist wirklich ärgerlich, daß du nicht auch

hierbleiben kannst. Dann hättest du vielleicht eine von den anderen

bekommen können.

Und er spinnt das weiter aus, daß ich vielleicht eines von den anderen

Mädchen, welche mir eben gefiele, hätte nehmen können, daß aber der

Kapitän keine Verwendung mehr für mich habe. Ich solle morgen nicht

einmal mehr in den Wald gehen ..... Weit weg, wie hinter einem Meer von

Schlaf, das auf mich zukommt, höre ich Falkenbergs Worte.

Am Morgen ist mein Fieber fort, ich bin ein wenig matt, bereite mich

aber doch darauf vor, in den Wald zu gehen.

Du brauchst deinen Arbeitsanzug nicht mehr anzuziehen, sagt Falkenberg.

Ich habe es dir doch schon gesagt.

Ach ja, es stimmte ja! Aber ich ziehe ihn doch an, weil die andern

Kleider so naß sind. Falkenberg ist ein wenig verlegen, weil er sich

von mir getrennt hat; aber er entschuldigt sich damit, daß er geglaubt

hätte, ich wolle auf dem Pfarrhof bleiben.

Ja, dann gehst du also nicht mit ins Gebirge? frage ich.

Hm. Nein, schwerlich. Du verstehst wohl selbst, ich habe es satt in der

Welt umherzustreunen. Und ich bekomme es nirgends besser als hier.

Ich gebe mir den Anschein, als mache mir das nicht so sehr viel aus

und interessiere mich plötzlich für Petter. Der arme Kerl, es sei doch

schlimm für ihn, daß er jetzt hinausgeworfen werden solle und heimatlos

werde.

Heimatlos! erwidert Falkenberg. Wenn er genau so viel Wochen hier krank

gelegen hat, als er nach dem Gesetz berechtigt ist, dann fährt er

wieder nach Hause. Er ist ein Bauernsohn.

Dann erklärt Falkenberg, er fühle sich nur noch wie ein halber Mensch,

seit wir uns voneinander trennen sollen. Wäre es nicht wegen Emma,

würde er dem Kapitän jetzt durchbrennen.

Sieh her, sagte er, die kannst du nun haben.

Was ist das?

Die Zeugnisse. Ich werde nunmehr keine Verwendung dafür haben, dir aber

können sie einmal aus einer Klemme helfen. Wenn du vielleicht einmal

ein Klavier stimmen willst.

Er reicht mir die Papiere und den Stimmschlüssel.

Da ich aber Falkenbergs gutes Gehör nicht habe, sind diese Dinge

wertlos für mich, und ich sage daher, ich könne eher einen Schleifstein

stimmen als ein Klavier.

Da kann sich Falkenberg nicht halten vor Lachen und fühlt sich sehr

erleichtert, weil ich zum Schluß noch so lustig bin .....

Falkenberg ist fortgegangen. Ich habe Zeit, mich noch ein bißchen zu

dehnen und zu strecken und lege mich in den Kleidern aufs Bett, ruhe

mich aus und denke. Na, unsere Arbeit war ja zu Ende, wir hätten ja

doch fortreisen müssen, ich konnte nicht erwarten, eine Ewigkeit noch

hier bleiben zu dürfen. Das einzige, was außer aller meiner Berechnung

gelegen hatte, war, daß Falkenberg zurückblieb. Wenn doch ich diese

Stellung bekommen hätte, ich würde für zwei gearbeitet haben! Konnte

ich nicht Falkenberg bestechen, daß er von seinem Plan abging? Wenn

ich es genau betrachtete, hatte ich sogar geglaubt, beim Kapitän ein

Unbehagen darüber zu bemerken, daß dieser Arbeitsmann, der denselben

Namen trug wie er, auf dem Hof umherging. Aber ich hatte mich offenbar

geirrt.

Ich grübelte und grübelte. Soviel ich wußte, war ich doch ein guter

Arbeiter gewesen und hatte dem Kapitän niemals einen Augenblick der

Arbeitszeit für meine Erfindung gestohlen .....

Ich schlafe wieder ein und erwache durch Schritte, die die Treppe

heraufkommen.

Noch ehe ich mich im Bett aufrichten konnte, stand der Kapitän in der

Türe.

Bleiben Sie nur liegen, sagte er freundlich und wollte wieder gehen.

Na, da ich Sie nun schon einmal geweckt habe, können wir vielleicht

abrechnen?

Danke. Wie der Herr Kapitän es wünscht.

Ich will Ihnen etwas sagen, sowohl Ihr Kamerad wie auch ich meinten,

Sie würden sich auf dem Pfarrhof verdingen und da ..... Und jetzt ist

es auch mit dem guten Wetter vorbei, und man kann im Wald nicht mehr

arbeiten; übrigens sind auch nicht mehr viel Bäume übrig. Was ich sagen

wollte: ich habe mit Ihrem Kameraden abgerechnet, ich weiß nicht, ob

.....?

Ich bin natürlich mit der gleichen Bezahlung zufrieden.

Ihr Kamerad und ich haben uns darüber geeinigt, daß Sie ein wenig mehr

für den Tag bekommen sollten.

Davon hatte Falkenberg kein Wort zu mir gesagt, das hatte sicher der

Kapitän sich ausgedacht.

Ich habe mit ihm ausgemacht, daß wir halb und halb teilen, sagte ich.

Aber Sie waren doch der Vorarbeiter. Selbstverständlich müssen Sie

fünfzig Öre mehr für den Tag haben.

Als ich sah, daß meine Weigerung nicht anerkannt wurde, ließ ich ihn

rechnen, wie er selbst es wollte, und nahm mein Geld in Empfang. Ich

sagte, es sei mehr als ich erwartet hätte.

Der Kapitän entgegnete:

Das freut mich. Und ich möchte Ihnen auch noch gerne dieses Zeugnis für

gut ausgeführte Arbeit geben.

Und er reichte mir das Papier.

Er war ein rechtschaffener und ordentlicher Mann. Von der

Wasserleitung, die im Frühjahr gebaut werden sollte, erwähnte er nichts

mehr, er hatte wohl seine Gründe dafür, und ich wollte ihn daher nicht

gerne damit belästigen.

Er fragte:

Und jetzt gehen Sie also zum Eisenbahnbau?

Nein, ich weiß noch nicht recht.

Na, soso, dann also schönen Dank für Ihre Hilfe.

Er ging zur Türe.

Ich elender Kerl konnte nicht länger an mich halten und fragte:

Der Herr Kapitän wird wohl auch später keine Arbeit für mich haben, im

Frühjahr?

Ich weiß nicht, wir müssen sehen. Ich ..... Es kommt darauf an. Wenn

Sie in diese Gegend kommen ..... was werden Sie mit Ihrer Maschine

machen?

Unter Herbststernen · 第 11 / 19 题