Nun --! sagte Frau Falkenberg und dabei kam ihr ein Gedanke. Ich weiß
nicht -- Wenn es sich um das Geld handelt .....
Ich griff zu und antwortete:
Ja, vielen Dank.
Falkenberg sagte nichts.
Ja, liebe Leute, das müßt Ihr nur sagen. Bitte schön! sagte sie und gab
mir das Geld, das ich verlangt hatte. Und Sie?
Nichts. Vielen Dank, erwiderte Falkenberg.
Mein Gott, wie ungünstig ich nun wieder dastand, wie klein ich wurde.
Und Falkenberg, dieser schändliche Kerl, der dasaß und so reich war und
keinen Vorschuß brauchte! Noch heute Abend werde ich ihm die Kleider
vom Leibe reißen und ihn ganz nackt ausziehen!
Was natürlich doch nicht geschah.
17.
Und die Tage vergingen.
Wenn sie heute abend wieder zu uns kommt, dann werde ich das Lied von
der Mohnblume singen, sagte Falkenberg im Wald. Das habe ich bisher
vergessen.
Hast du nicht auch Emma vergessen? fragte ich.
Emma? Ich will dir etwas sagen: du bist genau der gleiche wie früher.
Bin ich das?
Ja, innerlich. Du brächtest es fertig, Emma jederzeit vor den Augen der
gnädigen Frau zu besitzen, ich aber könnte das nicht.
Du lügst, erwiderte ich erbittert. Du wirst mich niemals in eine
Weibergeschichte verwickelt sehen, solange ich hier auf dem Hof bin.
Nein, auch ich werde des Nachts zu keinem Mädchen mehr gehen. Glaubst
du, sie kommt heute abend zu uns heraus? Mir ist die Mohnblume erst
heute eingefallen. Hör’ zu.
Falkenberg sang von der Mohnblume.
Du bist ja gut dran mit deinem Gesang, sagte ich; aber von uns wird
sie doch keiner bekommen.
Sie bekommen! Hat man schon so einen Affen gesehen!
Oh, wenn ich jung und reich und schön wäre, könnte ich sie wohl
bekommen, sagte ich.
Ja, *dann*. Da würde ich sie auch bekommen. Aber der Kapitän wäre ja
auch noch da.
Ja, und dann wärst du noch da. Und dann wäre ich noch da. Und dann wäre
sie und die ganze Welt noch da. Und dann könnten wir wahrhaftig alle
beide unseren schamlosen Mund halten, sagte ich und war wütend auf mich
selbst wegen meines kindischen Geschwätzes. Ist es möglich, daß zwei
Holzfäller solch einen Unsinn schwätzen?
Wir wurden alle beide bleich und mager, und Falkenbergs kränkliches
Gesicht bekam viele Runzeln; keiner von uns aß so wie früher. Um
unseren Zustand voreinander zu verbergen, pfiff ich immer lustige
Melodien vor mich hin, während Falkenberg bei jeder Mahlzeit
verkündete, er esse zu viel und werde steif und faul davon.
Ihr eßt ja gar nichts, sagte Frau Falkenberg oft, wenn wir wieder
zuviel von unserem Proviant mit heimbrachten. Was seid Ihr doch für
Holzfäller!
Falkenberg ißt so wenig, sagte ich.
He, oder der da, sagte Falkenberg, der ißt überhaupt nichts mehr.
Manchmal, wenn die gnädige Frau uns um einen Dienst, einen kleinen
Gefallen bat, beeilten wir uns beide ihn auszuführen; schließlich
trugen wir von selbst das Wasser in die Küche und füllten die Holzkiste
auf. Einmal aber betrog mich Falkenberg und brachte Haselnußruten zum
Teppichklopfen aus dem Wald mit heim, während doch die gnädige Frau
ausdrücklich mich und keinen anderen gebeten hatte, ihr die Ruten
abzuschneiden.
Und Falkenberg sang jeden Abend.
Da faßte ich den Plan, die gnädige Frau eifersüchtig zu machen. O je,
mein lieber Mann, bist du verrückt oder bist du dumm -- die gnädige
Frau wird diesem Unternehmen nicht einen einzigen Gedanken widmen!
Aber trotzdem, ich wollte sie eifersüchtig machen.
Von den drei Mädchen konnte nur Emma zu diesem Experiment in Frage
kommen, und ich fing an, ihr schön zu tun.
Emma, ich weiß einen, der nach dir seufzt.
Woher weißt du das?
Von den Sternen.
Mir wäre lieber, du wüßtest es von einem hier auf der Erde.
Das weiß ich auch. Aus erster Hand.
Er spricht von sich selbst, sagte Falkenberg, aus Furcht hineingezogen
zu werden.