Die gnädige Frau kann ganz ruhig sein.
Haben Sie irgendwelche .....?
Zeugnisse besitze ich nicht. Ich habe nie darum gebeten. Die gnädige
Frau kann ja zuhören.
Nun, also bitte schön!
Sie ging voran, und er folgte ihr. Als sie hineingingen, konnte ich
viele Bilder an den Wänden des Zimmers sehen.
In der Küche schwänzelten die Mädchen hin und her und beobachteten
mich, den fremden Mann; eines der Mädchen war sehr schön. Ich saß da
und freute mich darüber, daß ich mich heute rasiert hatte.
Zehn Minuten vergingen. Falkenberg hatte zu stimmen begonnen. Die
gnädige Frau kam wieder in die Küche heraus und sagte:
Und Sie sprechen also französisch. Da können Sie mehr als ich.
Gott sei Dank, zu weiterem kam es also nicht. Ich hätte auch nicht mehr
sagen können als Omelette, und Pardon, und sucht die Frau, und daß ich
der Staat bin.
Ihr Kamerad hat mir seine Zeugnisse gezeigt, sagte Frau Falkenberg.
Ihr scheint tüchtige Leute zu sein. Ich möchte fast meinem Mann
telegraphieren und ihn fragen, ob wir nicht Arbeit für euch haben.
Ich wollte ihr danken, brachte aber kein Wort hervor, ich fing an zu
schlucken.
Neurasthenie.
Dann trieb ich mich auf dem Hof und auf den Äckern umher, alles war
gut gepflegt, und die Ernte war im Haus; sogar die Heinzen mit dem
Kartoffelkraut, die an vielen Stellen noch draußen stehen bleiben, bis
der Schnee kommt, waren schon eingefahren. Ich sah keine Arbeit für
uns. Das waren gewiß reiche Leute.
Als es gegen Abend ging, und Falkenberg immer noch den Flügel stimmte,
nahm ich ein wenig von unserem Mundvorrat und entfernte mich vom Hof,
um nicht zum Abendessen aufgefordert zu werden. Mond und Sterne standen
am Himmel, aber mir behagte es, mich in den Wald hineinzutasten bis
dorthin, wo er am dichtesten war, und mich im Finstern hinzusetzen.
Dort war es auch am wärmsten. Welche Stille auf der Erde und in der
Luft! Es war jetzt kühl geworden, der Boden bereifte sich, hier und
dort hörte man einen spröden Laut in den Halmen, eine kleine Maus
pfiff, eine Krähe strich über die Baumwipfel hin -- dann schwieg wieder
alles. Hast du je in deinem Leben schon einmal ein so helles Haar
gesehen? Nein. Herrlich erschaffen von oben bis unten, der Mund ganz
wundervoll und reif, und in ihrem Haar rieseln Glanzlichter. Wer doch
ein Diadem aus seinem Wanderbündel nehmen und es ihr schenken könnte!
Ich will eine blaßrosa Muschel suchen und einen Nagel daraus machen,
dann überreiche ich ihr die Pfeife für ihren Mann, das tue ich .....
Falkenberg begegnet mir draußen auf dem Hof und flüstert mir rasch zu:
Sie hat schon Antwort von ihrem Mann, wir können im Wald Bäume fällen.
Bist du das gewöhnt?
Ja.
Dann geh in die Küche, sie fragt nach dir.
Ich ging hinein und Frau Falkenberg sagte:
Wo waren Sie? Bitte kommen Sie zum Essen. Sie haben schon gegessen? Wo?
Wir haben Mundvorrat bei uns.
Das wäre nicht nötig gewesen. Wollen Sie auch keinen Tee haben?
Wirklich nicht? ..... Ich habe von meinem Mann schon Antwort bekommen.
Können Sie Bäume fällen? Das ist schön. Sehen Sie hier: Brauchen zwei
Holzfäller, Petter soll Arbeit anweisen .....
Gott -- sie stand dicht neben mir und deutete auf das Telegramm. Ihr
Atem duftete wie der eines jungen Mädchens.
16.
Im Walde. Petter, einer von den Knechten, hat uns den Weg gezeigt.
Als wir allein miteinander sprachen, war Falkenberg durchaus nicht so
dankbar dafür, daß die gnädige Frau uns Arbeit verschafft hatte. Das
ist nicht so dankenswert, sagte er, hier sind die Arbeiter anscheinend
rar. Falkenberg war übrigens kein großartiger Holzfäller, ich hatte von
anderen Orten in der Welt meine Erfahrungen und konnte zur Not hier die
Arbeit leiten. Womit Falkenberg auch ganz einverstanden war.
Jetzt begann ich an einer Erfindung herumzubasteln.
Bei den gewöhnlichen Baumsägen müssen die Arbeiter schief auf dem
Boden liegen und die Säge nach der *Seite* hinziehen. Das ist der
Grund, weshalb man keine größere Tagesleistung erreicht, und weshalb
immer so häßlich abgeschnittene Baumstümpfe in den Wäldern stehen.
Mit einem konischen Auswechselungsapparat, der an der Wurzel des
Baumes festgeschraubt würde, müßte es möglich sein, die Säge auf die
gewöhnliche Art und Weise hin und her zu ziehen, und doch mit der
Wirkung, daß das Blatt wagrecht schnitte. Ich begann die einzelnen
Teile einer solchen Maschine zu zeichnen. Am meisten Kopfzerbrechen
machte mir der leichte Druck, den das Blatt der Säge brauchte. Man
konnte ihn vielleicht durch eine Feder erzeugen, die man wie eine
Uhr aufzog, vielleicht aber auch durch ein Gewicht. Das Gewicht wäre
am einfachsten gewesen, aber der Druck wäre dann immer der gleiche
geblieben. Und je tiefer die Säge eindringen würde, desto schwerer
und schwerer würde sie gehen und darum einen desto geringeren Druck
erfordern. Eine Stahlfeder dagegen würde mit dem Eindringen des
Schnittes immer lockerer werden und also stets mit der richtigen Kraft
drücken. Ich entschloß mich für die Feder. Wahrhaftig, du wirst diesen
Apparat zustande bringen! dachte ich. Und das wird die größte Tat
deines Lebens sein.
Ein Tag verging wie der andere, wir fällten neunzöllige Stämme,
entasteten sie und schälten sie ab. Die Verpflegung war reichlich und
gut, wir nahmen kalten Mundvorrat und Kaffee mit in den Wald und
bekamen abends, wenn wir heimkehrten, warmes Essen. Dann wuschen wir
uns und machten uns schön, um besser auszusehen als die Knechte, und
saßen in der Küche, wo eine große Lampe brannte und die drei Mädchen
sich aufhielten.
Falkenberg wurde Emmas Schatz.
Dann und wann hören wir eine Welle des Wohllauts vom Flügel
herüberdringen, dann und wann kommt die gnädige Frau in ihrer
Mädchenhaftigkeit und mit ihrer beglückenden Freundlichkeit zu uns. Wie
war es heute im Wald? konnte sie sagen; habt Ihr den Bären gesehen?
Eines Abends aber dankte sie Falkenberg für die gute Arbeit, die er
am Flügel geleistet habe. Was -- wirklich? Falkenbergs verwittertes
Gesicht wurde vor Freude verschönt, und ich war gleichsam stolz auf
ihn, als er die bescheidene Antwort gab: Ja, ich fand selbst, daß es
ein wenig besser wurde.
Entweder hatte ihn die Übung geschickter gemacht, oder die gnädige Frau
war ihm dafür dankbar, daß er ihren Flügel nicht verdorben hatte.
Falkenberg zog jeden Abend meine guten Kleider an. Es wäre jetzt
natürlich nicht mehr angegangen, sie zurückzunehmen und selbst zu
tragen; jeder würde geglaubt haben, ich hätte sie nur von meinem
Kameraden geborgt.
Du kannst die Kleider behalten, wenn ich Emma dafür bekomme, sagte ich
im Scherz.
Ja, nimm sie, antwortete Falkenberg.
Es wurde mir klar, daß Falkenberg gegen sein Mädchen kühler geworden
war. Ach, Falkenberg hatte sich verliebt, wie ich. Nein, was für Knaben
waren wir doch!
Ob sie wohl heute Abend auch wieder zu uns herauskommt? konnte
Falkenberg im Wald sagen.
Und ich erwiderte:
Ich bin nur froh, daß der Kapitän so lange fort ist.
Ja, antwortete Falkenberg. Paß auf, wenn ich höre, daß er nicht gut
gegen sie ist, dann setzt es aber was.
Dann geschah es einmal eines Abends, daß Falkenberg ein Volkslied sang.
Und immer noch war ich stolz auf ihn. Die gnädige Frau kam heraus, er
mußte sein Lied wiederholen und noch ein zweites singen. Seine schöne
Stimme erfüllte die Küche, und Frau Falkenberg sagte erstaunt: Nein
aber -- so etwas habe ich ja noch nie gehört.
Da fing mein Neid an.
Haben Sie singen gelernt? fragte sie. Kennen Sie die Noten?
Ja, antwortete Falkenberg, ich war in einem Verein.
Hier aber hätte er antworten sollen: Nein, leider habe er nichts
gelernt, dachte ich.
Haben Sie schon einmal jemand vorgesungen? Hat Sie schon jemand gehört?
Ja, ich habe bisweilen bei den Tanzunterhaltungen gesungen und dann bei
einer Hochzeit.
Aber hat Sie jemand gehört, der sich darauf verstand?
Nein, das weiß ich nicht. Doch, ich glaube schon.
Ach, singen Sie noch etwas.
Falkenberg sang.
Es wird noch so weit kommen, daß er eines Abends in die Stube darf,
und daß ihn die gnädige Frau auf dem Flügel begleitet, denke ich. Ich
sagte:
Verzeihung, kommt der Herr Kapitän nicht bald?
Doch? antwortete Frau Falkenberg fragend. Warum?
Es ist wegen der Arbeit.
Habt Ihr schon alles gefällt, was angezeichnet ist?