ist ein echtes »Berliner Kind« von ca. elf Jahren. Die abnorme

Gestaltung seiner »Wunderhand« ist durch das Cliché so instructiv

illustrirt, dass von einer Detaillirung des abnormen Zustandes Abstand

genommen werden kann.

Ist die Hand auch beweglich, so kann der Knabe sie doch zu keinerlei

Verrichtungen, und wären es die unbedeutendsten, gebrauchen. Als er

im Sommer 1895 in Castan's Panopticum in Berlin ausgestellt war,

da liess Herr Director Louis Castan es sich schon angelegen sein,

ihn zum Bewegen der Hand, zum Halten und Tragen von Gegenständen

verschiedenster Art und zu sonst anderen Verrichtungen unterweisend

anzuhalten, und mit Ausdauer durchgeführt, werden durch diese Uebungen

auch unfehlbar günstige Resultate erzielt, ist doch die Hand viel

vollständiger entwickelt wie z. B. bei Kobelkoff, dem nur ein ganz

unbedeutendes Fingersegment zu Gebote steht.

[Illustration]

Obwohl eine nicht unbedeutende Abnormität, ist der Knabe bis jetzt doch

keine grosse Sehenswürdigkeit.

[Illustration]

Eli Bown

der Mann ohne Beine

ist eine der beliebtesten Schau-Nummern in ganz Amerika. Er ist

hochgebildet, hat eine grosse Familie (sein ältester Sohn ist

Rechtsanwalt) und erfreut sich eines ziemlichen Wohlstandes.

Jetzt etwa 48 Jahre alt, tritt er bereits seit seinem sechszehnten

Lebensjahre öffentlich auf und bezieht auch heute noch bedeutende Gagen.

[Illustration]

Mr. Bown besitzt vollständig normal entwickelte Füsse, die jedoch

direct an den Hüftengelenken stehen. Er schreibt mit dem linken

Fusse, greift Gegenstände mit den Zehen desselben und ist auch ein

nicht unbedeutender Akrobat. Er bedarf nicht der geringsten Hülfe,

bewegt sich allein auf den Strassen, besteigt die Strassenbahnen mit

Leichtigkeit und besitzt ein ausserordentlich heiteres Temperament.

(Vor vielen Jahren lebte eine junge Dame in Westpreussen, die ebenfalls

keine Beine, sondern nur Füsse hatte; sie trat nicht öffentlich auf und

war so hülflos, dass sie stets in einem Krankenstuhle gefahren werden

musste.) Mr. Bown besitzt eine ungeheure Kraft in den Armen, deren

Muskeln von Stahl zu sein scheinen.

Die jetzt etwa zehn Jahre alte Photographie, die als Original zu dem

Cliché diente, zeigt Mr. Bown mit seiner ganzen Familie.

[Illustration]

Wilhelm und Hulda

die »Fett-Kinder«

sind ein Geschwisterpaar, wie man es nicht oft findet. Die Eltern sind

einfache Fischersleute in Ostfriesland und haben ausser diesen beiden

Kindern noch drei, die ganz normal gestaltet sind. Die Ueberfettung der

beiden Kinder ist nicht, wie man anzunehmen geneigt sein dürfte, die

Folge eines krankhaften Zustandes, im Gegentheil erfreuen sie sich der

besten Gesundheit und ist das Fleisch ihrer Körper fest und gesund. Sie

werden seit längerer Zeit auf dem Continent zur Schau ausgestellt.

[Illustration]

[Illustration]

Eugène Berrey

der Mann mit dem Riesen-Fuss

ist eine etwas abschreckende Schaunummer und im Jahre 1872 in der

Stadt Indianapolis geboren. Der Riesenwuchs seiner Füsse war schon bei

seiner Geburt vorhanden und mit der progressiven Zunahme seines Körpers

nahmen auch seine Füsse progressiv zu und wurden immer grösser und

grösser, so dass sein linkes Bein z. B. heute ein Drittel seines ganzen

Körpergewichtes, nämlich dreiundvierzig Pfund, repräsentirt.

[Illustration]

Mr. Berrey hat sich einen gewissen Grad von Bildung angeeignet, spricht

auch etwas Deutsch und Französisch und ist sehr liebenswürdig in seinem

Umgange. Seit etwa sechs Jahren steht er vor der Oeffentlichkeit und

ist als der Mann mit den »Trilby«-Füssen bekannt. Seine Gagen sind

nicht bedeutend, ermöglichen ihm aber trotzdem ein comfortables Leben,

und mit Recht kann man von ihm sagen: »Mr. Berrey lebt auf grossem

Fusse!«

[Illustration]

Miss Maggie

die dreibeinige Dame

die das nächste Cliché zeigt, war, wie so manches andere in Amerika,

auch »Humbug«.

[Illustration]

»Vor etwa drei Jahren (also 1896)«, so berichtet mein Gewährsmann,

»wurde von einem bedeutenden Museum in der Bowery in New York unter

denkbarstem Hochdruck der Reclame als grösstes aller Naturwunder der

Welt eine »Dame mit drei Beinen« annoncirt. Der Zulauf war ein ganz

enormer, und auch ich, wenngleich mit etwas zweifelhaftem Vorgefühl,

entschloss mich zu einem Besuch.

Nachdem mehrere »Specialitäten« von geringem Werth vorgestellt waren,

erschien der »star« des Programms, die »Dame mit den drei Beinen«, in

Gestalt eines kräftig gebauten, munteren Mädchens, das in einem Sessel

sass und unter dessen Kleidern auch wirklich drei Füsse sichtbar waren.

Beim Vortrage des Explicators stand das Mädchen auf, hob die Kleider

fast bis zu den Knieen empor und bewegte jedes der drei Beine in

der natürlichsten Weise. Trotzdem jede Täuschung ausgeschlossen

schien, wurde »Humbug« doch das »geflügelte Wort«, dem ein Theil des

Publicums unverhohlen Ausdruck gab, während der andere Theil der festen

Ueberzeugung war, ein wirklich echtes, unverfälschtes Naturwunder vor

sich zu sehen; meine personellen Ansichten über das Pro und Contra

hatten jedoch noch keine bestimmte Richtung angenommen. Wie so oft

schon, trat aber auch hier der Zufall entscheidend auf. Einige Zeit

später passirte ich nämlich Nachts elf Uhr Bowery, um mich in mein

Hotel zu begeben. Vor dem »Museum« angelangt, trat aus dem Portal

desselben eine Dame am Arme eines jungen Mannes heraus, an deren

äusserer Erscheinung nicht nur, sondern auch an deren eigenthümlichem

Lachen ich die »dreibeinige Dame« sofort wieder erkannte. Um mir jedoch

volle Gewissheit zu verschaffen, folgte ich dem Paar unbemerkt eine

ziemliche Strecke weit und hörte nun aus dessen Unterhaltung, dass ich

mich nicht getäuscht, sondern die Dame mit den drei Beinen leibhaft vor

mir sah, dass sie jedoch jetzt gerade so gut wie jeder andere normale

Mensch auch nur »zwei« Beine hatte. Und »Humbug« tönte es höhnend durch

den kalten Nachtwind.«

[Illustration]

George Woodstock

der Mann mit dem Riesenbart

behauptet, den längsten Bart der Welt zu besitzen. Er ist ein geborener

Irländer, jedoch von seiner Kindheit an in Amerika und hat ein schönes

Bauerngut in Marshalltown, Iova. Sein Bart hat die respectable Länge

von acht Fuss und drei Zoll und ist dunkelbraun; damit er ihm bei der

täglichen Verrichtung seiner Haus- und Feldarbeiten nicht hinderlich

ist, wickelt er ihn während derselben sorgsam zusammen und verbirgt ihn

unter der Weste auf seiner Brust.

Mr. Woodstock ist niemals öffentlich aufgetreten und wird es auch

nicht, obgleich er bereits manche gute Offerte erhalten hat.

[Illustration]

(In den vierziger Jahren lebte in Deutschland ein ganz kleiner

verwachsener Mann, der auf dem Rücken und der Brust bedeutende

Buckel hatte. Der auf der Brust stationirte hatte hervorragend

monstrose Dimensionen, war aber kein wirklicher Buckel, sondern der

zusammengewickelte und unter der Weste verborgene grosse Bart des

kleinen Mannes, der eine Länge von über elf (!) Fuss rhein. hatte. In

einem Testamente hatte der Mann verfügt, dass seine Gesichtshaut sammt

dem Barte nach seinem Tode abgelöst und dem Universitäts-Museum in

Bonn zur Aufbewahrung übergeben werden solle. Dieser »letzte Wille«

wurde denn auch buchstäblich erfüllt, das bezeichnete Museum trat die

Erbschaft an und wahrscheinlich ist der Riesenbart heute noch als

Curiosität in demselben zur Schau ausgestellt. -- Leider können der

Familienname des Mannes und die Ortsnamen heute nicht mehr festgestellt

werden.)

[Illustration]

John Darrington

das lebende Skelet

ist in einer kleinen Stadt Connecticuts (Nord-Amerika) geboren und

jetzt etwa achtunddreissig Jahre alt. Bis zu seinem sechsundzwanzigsten

Jahre erfreute er sich der besten Gesundheit, zog sich aber infolge

einer Erkältung ein chronisches Magenleiden zu, so dass er in ganz

verhältnissmässig kurzer Zeit zum Skelet abgemagert war.

[Illustration]

Da er keinerlei Arbeiten mehr verrichten und auch Niemanden hatte,

der ihm Hülfe bieten konnte, so reifte in ihm der Entschluss, sich

als »lebendes Skelet« sehen zu lassen, und er hatte auch Erfolg

damit. Nicht der Einzige dieses Genres, ist seine Gage auch stets nur

gering, reicht jedoch bei seinen bescheidenen Ansprüchen aus, ihm

eine sorgenlose Existenz zu schaffen, so dass er nach seiner eigenen

Versicherung mit seiner jetzigen Lage vollständig zufrieden ist.

[Illustration]

John Chambert

der Mann ohne Arme

wurde 1854 in London geboren und kam ohne Arme zur Welt. Wie alle

anderen Fusskünstler, unter denen jedoch Herr C. H. Unthan der

geschickteste ist, verrichtet auch Mr. Chambert alle Arbeiten mit den

Füssen, die normale Sterbliche mit den Händen ausführen. Er bedient

sich selber beim Essen und Trinken, kleidet sich an und aus, rasirt

sich, schreibt ausgezeichnet, spielt mehrere Instrumente, schiesst,

hämmert, sägt, hobelt etc. etc.

[Illustration]

Seit seinem achtzehnten Lebensjahre zeigte er sich dem Publicum in

Museen etc., noch nicht ganz zwanzig Jahre alt, verheirathete er

sich, zog sich vom »show« zurück und eröffnete in London ein kleines

Cigarren- und Tabak-Geschäft. Er wurde Vater von drei Töchtern, und als

diese erwachsen waren, übergab er ihnen das Geschäft und kehrte zum

»Show-Leben« zurück. Vor etwa vier Jahren verlor er seine Gattin durch

den Tod, verheirathete sich jedoch im Februar 1899 zum zweiten Male und

führt mit seiner jungen hübschen Frau, die ihren »John« von Herzen lieb

zu haben scheint, ein recht glückliches Familienleben.

[Illustration]

[Illustration]

James Morris

der Mann mit der Gummihaut

ist am 1. September 1859 in Boston, Massachusetts (Amerika), geboren.

Als Sohn armer Eltern erlernte er das Barbierhandwerk. Seit seiner

Kindheit war er im Stande, seine Haut zu bedeutender Länge vom Körper

zu ziehen und oft that er das zum Vergnügen seiner Kameraden. Eines

Tages sagte einer derselben zu ihm: »Morris, warum lässt Du Deine Kunst

nicht für Geld sehen?« Diese Worte waren bei Morris auf fruchtbaren

Boden gefallen: eines Tages stellte er sich dem Besitzer eines Museums,

J. E. Sackett, in Providence, Rhode Island, vor und wurde von demselben

sofort für ein Jahr engagirt.

Seit der Zeit -- im Herbst 1882 -- war sein Glück gemacht, denn

während vier Saisons war er die Haupt-Attraction von Barnum's Side

Show und erhielt eine Wochengage von 150 Dollars. Leider ist Morris

ein Gewohnheits-Trinker und -Spieler, und statt heute ein Vermögen zu

besitzen, muss er noch auftreten, um sich ernähren zu können.

Seine Vorführung ist die beste in diesem Fache. Er kann z. B. die Haut

von seiner Brust bis zum Kopfhaar hinaufziehen, die Haut der Backen

kann er bis zu acht Zoll ausdehnen, und mit der Haut des einen Beines

kann er das andere bedecken.

Mr. Morris ist in allen Museen und bedeutenden Circusunternehmungen

Nord-Amerikas aufgetreten und befindet sich zur Zeit mit Count Orloff's

Abnormitäten-Truppe auf Tournée durch England. Er ist unverheirathet,

sehr gebildet und ein überaus gewandter Erzähler, als der er denn auch

in jeder Gesellschaft erwünscht und beliebt ist. (Die Dehnbarkeit der

Haut ist die Folge einer Krankheit der Zellengewebe derselben, die sich

auf andere Organe des Körpers nicht überträgt.)

[Illustration]

Angelotti

der Mann mit den Elephanten-Füssen

ist eine Abnormität, die sich besser für ein Krankenhaus, als für ein

Vergnügungs-Etablissement eignet. Er kam vor etwa einem Jahre als der

einzige gerettete Passagier einer kleinen Kohlen-Barke, die auf offenem

Ocean gesunken war, mit einem Ocean-Dampfer in Liverpool an, und da in

den bezüglichen Zeitungsberichten zugleich als Merkwürdigkeit bemerkt

war, dass der gerettete Passagier »Elephantenfüsse« habe, so suchte

Director Crouch ihn auf und engagirte ihn für seine Etablissements.

[Illustration]

Angelotti ist ein dunkelbrauner Neger, und haben seine unförmigen

Füsse, die einen recht zurückstossenden Anblick bieten, wirklich eine

grosse Aehnlichkeit mit Elephanten-Füssen. Dieser anormale Zustand

hat seinen Grund in der sog. Elephantiasis (Knollsucht), einem

bösartigen, doch nur selten auftretenden Aussatze, durch den die Beine

und Füsse mit einer, der Elephantenhaut ähnlichen, dicken, knolligen

Decke überzogen werden. Trotzdem erfreut der Mann sich des besten

Wohlbefindens, und so lange er sein Essen und genügend Rauch-Tabak

bekommt, fühlt er sich ganz glücklich. Er ist unverheirathet und etwa

vierzig Jahre alt.

[Illustration]

James Wilson

der einzige Brust-Expansionist der Welt

kann als ein Wunder der Natur bezeichnet werden. Er ist in Belfast,

Irland, geboren, erlernte das Schmiede-Handwerk, betrieb es bis

zu seinem dreissigsten Lebensjahre und war nicht nur wegen seiner

colossalen Kräfte, sondern mehr noch wegen seiner mächtigen Brust

allgemein bekannt. Nicht ganz einunddreissig Jahre alt, wanderte er

nach Amerika aus und arbeitete auch dort als Schmied.

[Illustration]

Da sah er in einem Museum in New-York einen Mann, der durch das

Ausdehnen seiner Brust fest um dieselbe gebundene Stricke zerriss.

In seine Wohnung zurückgekehrt, versuchte auch er den »Tric« und

fand, dass er sogar breite Lederriemen zerreissen konnte, und als es

ihm durch fortgesetzte Uebung endlich auch gelang, eiserne Ketten zu

zersprengen, da sagte er dem Schmiede-Handwerk Valet, ging zum »Show«

über und trat zum ersten Male in Barnum's »grösstem Circus der Welt«

auf; »seine Arbeit« erregte Sensation in ganz Amerika. Im Jahre 1889

gewann er in einem Match nicht nur die grosse Medaille, sondern auch

den Champion-Gürtel der Welt, da er seine sämmtlichen Rivalen überbot.

[Illustration]

Im Jahre 1891 kam er mit dem Barnum-Circus nach London, kehrte nach

beendeter Saison jedoch mit demselben wieder nach Amerika zurück.

Im December 1895 trat er zum ersten Male auf dem Continent und zwar

in Hornhardt's Etablissement in Hamburg auf, ging von dort ans

Apollo-Theater in Berlin und unternahm dann eine kurze Tournée durch

Deutschland. Da er jedoch nur englisch spricht, so fühlte er sich in

Deutschland zu sehr verlassen und kehrte im October 1896 nach Amerika

zurück, wo er zur Zeit wieder mit amerikanischem Circus auf Tournée ist.

[Illustration]

Lady Dot

das kleinste Mädchen der Welt

war eine recht liebliche Erscheinung und das Ebenbild der weltberühmten

Zwergin »Prinzess Pauline«, nur, dass diese noch etwas kleiner war.

[Illustration]

Lady Dot war im Jahre 1880 in Hanley, England, geboren und wog bei

ihrer Geburt nur 140 Gramm. Trotzdem die Aerzte behaupteten, dass

das Kind nicht lebensfähig sei, gelang es der Mutter doch, dasselbe

am Leben zu erhalten und schon von sieben Monaten an wurde es als

Schau-Object öffentlich ausgestellt. Lady Dot lebte bis zu ihrem

fünfzehnten Lebensjahre und starb infolge einer heftigen Erkältung.

Kurz vor ihrem Tode wog sie etwas über neun Pfund und war neunzehn Zoll

hoch. Sie hatte vier normale Geschwister.

[Illustration]

Edith

das Riesen-Kind

verdient diese Bezeichnung mit Recht, denn es war wirklich ein solches.

Es wurde am 8. Januar 1888 geboren und wog bei seiner Geburt über neun

Pfund, und da es sich der besten Gesundheit erfreute, so wurde es schon

in einem Alter von fünf Monaten ausgestellt. Das Cliché zeigt das

Kind im Alter von 1¼ Jahr, welch letzteres da schon ein Gewicht von

zweiundsiebzig Pfund erreicht hatte. Das war sein Höhepunkt, denn kurze

Zeit darauf erkrankte es schwer an den Masern und magerte furchtbar ab,

und als es wieder gesund geworden war, da war es kein Riesenkind mehr

und wuchs als ganz gewöhnliches normales Kind seines Alters auf. Jetzt

ist es ein hübsches neunjähriges Mädchen, das in Swansea, South-Wales

(England) die Schule besucht.

[Illustration]

[Illustration]

Achmed Aratas

der unverwundbare Fakir

wurde 1872 in Oesterreich geboren. Kaum fünf Jahre alt, verliessen

seine Eltern die Heimath mit ihm und wanderten nach Persien aus, wo sie

bald dem gelben Fieber erlagen. Des verwaisten Knaben aber nahm sich

ein Einsiedler, Namens Abbed an, bei dem er bis zu seinem vierzehnten

Jahre lebte und der ihn in sämmtliche Künste und Kunstgriffe der

Fakire einweihte, in denen er so grosse Fortschritte machte, dass er

einst zum Schah Nasser-Ed-Din berufen wurde, um sich vor diesem zu

produciren, und der ihm dann den Hausorden, welcher an rothem Bande

um den Hals getragen wird, verlieh. Endlich kehrte Aratas wieder nach

seiner Heimath zurück und wurde bald eine sehr gesuchte Attraction für

Variété-Theater etc.

[Illustration]

Seine Productionen bestehen in Folgendem: Durch Einathmen von

Dämpfen, deren Erzeugung sein Geheimniss ist, versetzt er sich in

einen quasi hypnotischen Zustand, dann beginnt er mit Kopfschütteln

und Verdrehungen und Verrenkungen des Körpers, bis er einem

Schwindelanfalle nahe ist. In diesem Stadium soll sein Körper in

gewissem Grade gefühllos sein, so dass er von den Schmerzen, die ihm

seine Productionen verursachen, fast gar nichts empfindet.

Dann folgen die Selbstpeinigungen: Er sticht sich vier bis sechs lange

spitze Dolchnadeln durch den einen Ober- und Unterarm; man sieht, wie

sich die Haut dehnt, bevor die Spitzen der Nadeln hindurchdringen. Dann

geht er, um etwaige Zweifel zu heben, unter das Publicum und lässt von

einer beherzten Person die Nadeln wieder langsam und vorsichtig aus dem

dicken Fleische herausziehen.

(Dieselbe Lieblingspassion hatte 1851 die dreizehnjährige Tochter eines

Kaufmanns in Demmin in Pommern, die sich oft mit zwölf und oft mit noch

mehr Stecknadeln die Innen- und Aussenseiten der Hände spickte, ohne

dass auch nur ein Tropfen Blut zum Vorschein gekommen wäre. Auf die

Frage: »Ob sie keine Schmerzen dabei empfinde«, antwortete sie: »Nein,

nur ein heftiges Jucken, wenn die Nadeln wieder herausgezogen sind,

sonst nichts«.)

Dann folgt das Durchstechen der Backen, des Halses und der Zunge, und

damit die allgemeine Annahme widerlegt werde, dass er die Nadeln durch

alte verwachsene Löcher steche, lässt er sich die Zunge auch von einem

Arzte unter den Zuschauern durchstechen. Dann schlägt er sich mit einem

hölzernen Hammer eine Nadel mit grossem Kopfe unter dem Bauchnabel

regelrecht in den Leib, und dann lässt er sich von zwei ziemlich

grossen Schlangen in Hals und Arme beissen. Zum Schluss hält er seinen

nackten Arm etwa fünf Minuten lang in die hochauflodernde Flamme einer

Fackel. -- Aratas ist ein schöner Mann. Trotzdem seine Productionen

hochinteressant sind, so haben sie doch etwas Abschreckendes,

Zurückstossendes für viele Zuschauer.

[Illustration]

Die Mac-Mahon-Kinder

stehen insofern wohl als Seltenheit da, als sie und ihre sämmtlichen

Geschwister Albinos sind und von Neger-Eltern abstammen. Sie wurden vor

fünfzehn Jahren in Troy, Staat New-York, geboren und von ihren Eltern

schon von frühester Kindheit an öffentlich ausgestellt. Die Eltern

haben sich dadurch ein kleines Vermögen erworben und leben seit einiger

Zeit mit den Kindern in stiller Zurückgezogenheit auf einer hübschen

Besitzung in ihrer Heimath. Den Kindern wird das Haar stets ganz

kurz geschnitten, und sollen dieselben nie wieder als Schau-Objecte

functioniren. -- Leider giebt es nicht viele so vernünftige Eltern,

die auch an das Wohlergehen ihrer Kinder denken und sie nicht bis zum

Lebensende ausnützen.

[Illustration]

[Illustration]

Katy Clary

die Riesen-Dame

ist weniger ihrer eigenen Grösse, wie ihrer kleinen Schwester wegen

eine gesuchte Attraction. Miss Katy ist nämlich fünf Fuss und zwei

Zoll hoch und wiegt 460 Pfund, ihre Schwester ist dagegen nur

zweiunddreissig Zoll hoch und wiegt trotzdem 172 Pfund. Miss Rosa, die

Zwerg Riesin, ist zwei Jahre älter, als ihre grosse Schwester.

[Illustration]

Sie sind in Nord-Amerika geboren, bereits seit längerer Zeit auf

Reisen, absolviren Engagements in allen bedeutenden »Shows« und

beziehen verhältnissmässig hohe Gagen.

[Illustration]

Marquis Wolga und Marquise Louise

das »Königspaar der Liliputaner«.

Zwerge giebt es zur Zeit ja eine Unmasse, wirklich gute dagegen

aber nur sehr wenige, und von diesen zeigt das Cliché ein paar

Hauptrepräsentanten. Der kleine Herr Marquis Wolga ist am 2. September

1857 in Ungarn geboren. Seine Eltern sind absolut normal gebaut,

desgleichen seine fünf Schwestern. Bei seiner Geburt war er nur

etwa neun Zoll gross und wog nicht ganz zwei Pfund, jetzt ist er

achtundzwanzig Zoll gross und wiegt circa sechszehn Pfund. Sein

Aeusseres ist sehr sympathisch und die Intelligenz seines Gesichtes

wird durch einen hübschen Schnurr- und Knebelbart sehr wirkungsvoll

unterstützt.

[Illustration]

Die jetzt neunundzwanzigjährige Marquise Louise ist von dänischer

Abkunft, aber in Samara in Russland geboren, und sind auch ihre

Eltern sowie ihre sieben Geschwister nicht nur normale, sondern

sogar recht grosse und starke Menschen. Da sie bei ihrer Geburt ganz

unverhältnissmässig klein und schwächlich war, so wurde sie längere

Zeit hindurch in Watte gehüllt und mit allergrösster Sorgfalt gepflegt,

um sie am Leben zu erhalten.

Heute erfreuen sich die kleinen distinguirten Herrschaften der besten

Gesundheit und sind trotz ihrer winzigen Körper sogar recht kräftig.

Vor etwa vier Jahren begegneten sie sich zum ersten Male in Ungarn,

und da nicht nur die Gleichheit des Körperbaues allein, sondern auch

die der Gesinnungen sie geistig näher zusammenführte und endlich die

Existenzfrage auch mit in die Wagschale fiel und eine gegenseitige

Zuneigung ausschlaggebend wurde, so entschlossen sich die beiden

Naturwunder, gemeinsam auf Reisen zu gehen. Da der Herr Marquis nun

aber den moralischen Werth und die Liebenswürdigkeit seiner kleinen

Reisegefährtin sehr bald kennen und schätzen lernte, da trug er ihr

kurz entschlossen Herz und Hand an, und nach einiger Zeit wurde das

Ehebündniss mit grossem Pomp in der Eglise de Madelaine in Paris

geschlossen.

Das kleine Menschenpaar reist heute noch auf dem Continent und

lässt sich vom Publicum bewundern, und der Impresario hat sich ein

bedeutendes Vermögen dadurch erworben.

[Illustration]

Leo Whitton

der canadische Coloss

wurde im Jahre 1857 in Northumberland in Canada von »gewichtigen«

Eltern geboren. Sein Vater wog 340, seine Mutter 375, er selbst bei

seiner Geburt schon über dreizehn Pfund. Im zwölften Jahre wog er

bereits 209, im zwanzigsten 360 und zur Zeit wiegt er 724 (!) Pfund bei

einer Grösse von fünf Fuss und elf Zoll. Der Hals hat sechsundzwanzig,

die Brust zweiundsiebenzig und die Taille vierundachtzig, die Oberarme

haben achtundzwanzig, die Oberschenkel neunundvierzig und die Waden

sechsundzwanzig Zoll Umfang. (Es bestätigt sich also auch bei diesem

Coloss, dass der Hals und die Waden eines jeden Menschen stets gleichen

Umfang haben.)

[Illustration]

Mr. Whitton ist auf einem Bauernhofe erzogen worden; mit dem

zweiundzwanzigsten Jahre eröffnete er einen Fleischerladen und betrieb

ihn bis zu seinem siebenunddreissigsten Jahre. Er ist verheirathet

und hat drei Söhne und eine Tochter, die jedoch nach der Mutter, die

nur 118 Pfund wiegt, arten. Er besitzt ein recht hübsches »Heim«,

ist kerngesund, voll gesunden Humors und reist zur Zeit mit Barnum's

»Riesen-Show« in England, mit dem er jedoch auf alle Fälle wieder nach

Amerika zurückkehrt.

[Illustration]

Monsieur Neptune

der französische Herkules

ist sowohl ein Wunder der Natur, als auch des Trainirens, und der

jetzt etwa siebenundzwanzigjährige junge Mann hat bereits das grösste

Aufsehen in der Athleten-Welt erregt.

[Illustration]

In Bordeaux geboren, ging er als dreizehnjähriger Sohn einer armen

Wittwe als Schiffsjunge auf ein Kauffahrtei-Schiff und als Seemann

wuchs er auf, wurde aber wegen seiner phänomenalen Kraft von seinen

Kameraden bald gefürchtet.

Abnormitäten · 第 3 / 6 段