gütigst übersetzt. (Königsspiegel, Kristiania-Ausgabe S. 19-20.)
Der Königsspiegel wurde ungefähr im Jahre 1250 von einem Norweger
geschrieben, der im nördlichen Namthal, entweder auf Vigten oder Naerö,
wohnte. (Siehe „Archiv für nordische Philologie“, I. 205-9.)
[15] Aus dem „Jahrbuch des norwegischen Touristenvereins für das Jahr
1889“ ersehe ich, daß in einem Artikel über den größten Wasserfall
der Erde von +A. G. Guillemard+ mitgetheilt wird (S. 17), daß es
in Australien keinen Schnee giebt, ausgenommen im Winter auf dem
Berge Kosciusco und den umliegenden Hochlanden und den Gipfeln der
südaustralischen Alpen, wo Schneeschuhe, die den norwegischen Ski sehr
ähnlich sind, von fast allen Bauern in der Gebirgsgegend um Kiandra
benutzt werden. Es verlautet nichts darüber, woher diese Schneeschuhe
gekommen sind, aber es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß sie vor
nicht gar langer Zeit von den Skandinaviern eingeführt worden sind.
[16] Bei Touren in den Wald werden dagegen vornehmlich Truger benutzt.
[17] Hierzu ist indessen zu bemerken, daß die Ainos keine zahmen
Rennthiere haben, folglich muß hier eine Verwechselung mit einem
anderen nordasiatischen Volk, das Rennthiere hält, vorliegen.
[18] ~+O. Donner.+ Acta soc. fenn. T. II.~
[19] In dem Worte +suatakha+, das bei den Mandschuren, dem südöstlichen
Seitenzweig der Tungusen, Schneeschuhe bedeutet, finden wir
möglicherweise denselben Stamm +takh+ wie in der Form +tokh+ bei den
Mordwinen und Ostjaken und die Form +artakh+ bei den Permiern wieder.
[20] Wie weit das samojedische Wort +tudo+ und +tuta+ dasselbe Wort
ist, müssen wir dahingestellt sein lassen.
[21] In den Wörtern +sana+, +hana+ und +taña+ haben wir einen ganz
ähnlichen Lautübergang wie in den Wörtern +sok+, +hok+ und +tokh+,
wodurch die Annahme, daß diese letzten Wörter Abweichungen von einem
Worte sind nur bekräftigt wird.
[22] Ein Paar Ski von den +Golden+ befinden sich im „Museum für
Völkerkunde“ in Berlin. Diese sind nach +Jakobsen+ 1,40 ~m~ lang und
16 ~cm~ breit. Sie sind aus Fichtenholz gemacht und mit Rennthierfell
bezogen. Der Zehenriemen besteht aus breitem Seehundsfell mit einem
breiten Fersenriemen. Sie sind vorn beträchtlich und hinten ganz
schwach in die Höhe gebogen.
[23] Kapitän +Jakobsen+ beschreibt in einem Brief an mich diese Ski
folgendermaßen: „Sie sind mit Seehundsfell bezogen und dort, wo der Fuß
ruht, mit Birkenrinde ein wenig vertieft; vor und hinter dieser Stelle
läuft eine schwache Leiste an dem Ski entlang. Die Biegung nach vorne
zu ist ziemlich stark.“
[24] +Olaus Magnis+ Zeichnungen aus den Jahren 1539 und 1555 sind
scheinbar unrichtig.
[25] Die Ableitung dieses Wortes läßt sich schwerlich bestimmen. In
Smaalenen habe ich das Wort +Andre+ zur Bezeichnung eines ähnlichen
Begriffs, nämlich des Eisens unter einer Schlittenschiene, gefunden.
[26] Als Uebergangsform muß wohl die Skiart betrachtet werden, welche
noch heute in Österdalen und den benachbarten Gegenden von Schweden,
sowie auch wohl noch in Finnland benutzt wird, und von welcher der
rechte Ski (Andor) kurz und oft fellbekleidet ist, während der linke
lang und unbekleidet ist.
[27] +Smith+, Beschreibung über Trysild u. s. w. Kap. 9, Seite 13.
Topograph. Journal für Norwegen. Bd. 6. Kristiania 1797-98.
Kapitel IV.
Von Norwegen über Schottland und die Faröer nach Island.
Um nach Grönlands Ostküste zu gelangen, war es, wie bereits erwähnt,
meine Absicht, einen norwegischen Seehundsfänger zu bewegen, daß er uns
von Island abholen und uns hinüberbringen sollte.
Nachdem ich Unterhandlungen mit den Rhedereien mehrerer Seehundsfänger
gepflogen, einigte ich mich schließlich mit dem Rheder des
Seehundsfängers „Jason“ aus Sandefjord dahin, daß uns der „Jason“
von Island abholen und den Versuch machen solle, uns an der Ostküste
von Grönland an Land zu setzen, wogegen ich mich verpflichtete, daß
der „Jason“ dadurch keinen pekuniären Verlust erleiden dürfe, indem
er z. B. seinen Fang oder dergl. vernachlässigte. „Jasons“ Kapitän,
+Mauritz Jacobsen+, war ein ruhiger und erfahrener Eismeerschiffer.
Meine Verabredung mit ihm ging darauf hinaus, daß er auf seinem Wege
nach dem Fangfeld in der Dänemarksstraße, nachdem er im Frühling in der
Gegend von Jan Mayen auf Fang ausgewesen war, uns Anfang Juni abholen
sollte, entweder aus +Isafjord+, oder wenn hier Eisverhinderungen
eintreten sollten, aus +Dyrafjord+ auf Island.
Am 2. Mai verließ ich Kristiania, um mich über Kopenhagen und London
nach Leith zu begeben, wo ich mit den übrigen Theilnehmern der
Expedition zusammentreffen wollte. Diese verließen Kristiania einen
Tag nach mir, um mit dem Dampfer über Kristianssand nach Schottland zu
gehen. Sie hatten die ganze Ausrüstung der Expedition bei sich.
Viele vernünftige Leute schüttelten bedenklich die Köpfe und drückten
uns wehmüthig die Hände, als wir reisten. Man dachte, wenn man es auch
nicht aussprach: „Dies ist wohl das letzte Mal, daß wir uns sehen.“
Die Abreise schildert +Balto+ folgendermaßen:
„Als wir die Stadt verließen und auf die Dampferbrücke gingen, waren
da viele Frauen und Herren, die uns an den Dampfer begleiteten, um
uns Glück wünschen zu können und Hurrah zu rufen. Diese Glückwünsche
brachten uns die Leute in all’ den kleinen Städten dar, die zwischen
Kristiania und Kristianssand liegen, denn sie glaubten, daß wir nie
wieder zurückkehren würden. Es würde uns wohl so gehen wie Herrn
+Sinclar+, der auf Raub nach Norwegen ausgezogen war.“
In Kopenhagen suchte ich Kapitän +Holm+, den Leiter der dänischen
Frauenbootsexpedition nach Grönlands Ostküste, auf und erhielt von
ihm allerlei werthvolle Auskünfte über die Eisverhältnisse in dem
von ihm bereisten Theil der Ostküste. Hier traf ich ebenfalls den
Handlungsgehülfen +Maigaard+, der in Gemeinschaft mit dem Amerikaner
+Peary+ eine Wanderung über das Inlandseis unternommen hatte (1886).
Er war einer der äußerst Wenigen, die lichten Blickes in die Zukunft
der Expedition schauten und nicht an der Möglichkeit einer Durchquerung
Grönlands zweifelten.
In Leith traf ich dann, wie bereits gesagt, mit den übrigen
Mitgliedern der Expedition zusammen, die sich scheinbar in bestem
Wohlsein befanden und viele Freundlichkeiten von dort ansässigen
Landsleuten empfangen hatten. +Balto+ spricht in seinem Bericht von
dem norwegischen Konsul wie von einem zweiten Vater, den er in Leith
gefunden und der sie Alle ganz übermäßig traktirte. -- Es scheint, als
habe er an vielen Orten Väter gefunden!
Nachdem wir viele Beweise schottischer Gastfreundschaft in Empfang
genommen hatten, begaben wir uns am Abend des 9. Mai an Bord des
dänischen Dampfers „Thyra“, der in Granton (ein wenig nördlich von
Leith) lag, und der uns nach Island führen sollte.
Die „Thyra“ gehört der Vereinigten Dampfschiffsgesellschaft in
Kopenhagen und ist der eine der beiden Dampfer, welche eine feste Route
zwischen Dänemark und Island bilden.
Um Mitternacht nahmen wir Abschied von den letzten Freunden, die uns
auf die einsame Brücke das Geleit gegeben hatten, und steuerten ins
Dunkle hinaus, um unsern Kurs nordwärts zu nehmen.
Fern in der Nordsee, umbraust von Meeresschlag und Wellenbrandung
liegen einige kleine Inseln. Es sind die Faröer.
Vor mehr denn tausend Jahren entdeckten die Norweger sie und siedelten
sich dort an, und seither gehörten die Inseln während langer Zeiten zu
Norwegen, und norwegische Fahrzeuge kommen jahraus, jahrein dahin.
Die Zeiten sind längst entschwunden, nur ganz ausnahmsweise verirrt
sich einmal ein Norweger nach diesen Inseln. Von aller Welt
abgeschlossen führen die Bewohner dort draußen im Meer ein Leben
für sich. Die Bevölkerung bildet einen kleinen abgesonderten und
verschollenen Ueberrest einer längst entschwundenen Zeit, aber wenn
wir Norweger zu ihnen kommen, werden wir trotzdem fühlen, daß wir
aus einem Stamm entsprossen sind. Sie haben noch viel von dem alten
norwegischen Volkscharakter und sprechen noch die alte norwegische
Sprache, die wir selber längst vergessen haben.
Abgeschlossen in sich selbst, über den Erinnerungen nordischer Größe
brütend, erhalten diese Leute ein seltsames Gepräge, das etwas ganz
Eigenartiges hat, gleich wie die Inseln, auf denen sie wohnen.
Die Faröer sind durch vulkanische Thätigkeit entstanden und bestehen
theils aus Basalt, der sich in geschmolzenem Zustand zu verschiedenen
Zeiten in gewaltigen Strömen aus der Erde ergossen hat, wie die Lava
heutzutage den Vulkanen entströmt. Diese Ströme sind gleichmäßig bis
an alle Seiten geflossen und erstarrt, der eine über dem andern, und
bilden jetzt eine Unzahl fast wagerechter Schichten, wie das überall
an den Seiten der Felsen ersichtlich ist. Diese erhalten dadurch etwas
eigenartig Gestreiftes und bilden häufig Absätze gleich mächtigen zum
Gipfel aufsteigenden Stufen, der wagerecht abgeschnitten und oben flach
ist.
Ursprünglich haben die Faröer wohl ein großes, zusammenhängendes Land
gebildet, wie Island jetzt, aber der Basalt ist eine lose Steinart, die
leicht verwittert. Im Laufe der Zeiten haben Regen, Frost, Eis, vor
allem aber das Meer dazu beigetragen, das Land in diese Anzahl kleiner
Inseln zu zerschneiden, die wir jetzt vorfinden.
Diese Ueberreste früheren Landes bieten aber einen unendlichen
Reichthum an wilden, malerischen Formen dar. Besonders an der West-
und der Nordküste, wo das Meer am gewaltsamsten eindringt und sich am
stärksten einbohrt, sind sie am zerklüftetsten.
Die dunklen Basaltwände stürzen sich oft in einer Höhe von mehreren
hundert, ja tausend Fuß ins Meer, häufig aber ragen noch einzelne
Felsstücke mit vielen wunderlichen Gestaltungen vor denselben auf.
Die Wogen brechen sich dagegen und schleißen sie mehr und mehr ab,
vermochten aber doch noch nicht, sie ganz zu entfernen.
[Illustration: Der Felsen „Kodlen“ mit den Klippen „Risen“ und
„Lyellingen“ an der Nordküste der Faröer. (Von Th. Holmboe nach einer
Photographie.)]
Wenn das Meer mit seiner ganzen Gewalt auf die Insel steht, wenn diese
dunklen, mächtigen Nordseewellen von weit her herangerollt kommen,
ihre nassen Schwingen ausbreitend und einander in ununterbrochener
Reihenfolge jagend, um sich dann mit donnerähnlichem Getöse in
bestimmten Zwischenräumen in die Klüfte und Höhlen zu stürzen, die sie
selber gegraben haben, wenn die Brandung tobt und sich weißschäumend
an allen Ecken bricht, wenn der Gischt hoch über die Bergwände und
bis ins Land hinein aufspritzt, da kann es wohl vorkommen, daß diese
Inseln einen so stürmisch meeresfrischen Anblick gewähren, welchen zu
schildern Worte nicht ausreichen.
[Illustration: Faröerscher Vogelfelsen.
(Von A. Bloch nach einer Photographie.)]
Aber jahraus, jahrein bricht sich das Meer auf diese Weise an den
Klippen. Unablässig wird das Vernichtungswerk, besonders von Westen her
fortgesetzt, -- die Inseln schwinden unmerklich hin.
Steine und weißer Gischt, -- das sind die Hauptzüge einer faröerschen
Landschaft; außerdem aber trägt das Vogelleben in nicht geringem
Grade zu ihrer Eigenthümlichkeit bei. Die Basaltwände mit ihren
zahllosen Absätzen bieten den Seevögeln aller Art einen vorzüglichen
Schlupfwinkel dar. Sie sind denn auch in großer Reichhaltigkeit
vertreten, es wimmelt im Wasser und auf den Felsen von Vögeln; in
der Luft über dem Wasser schwebend, heben sie sich gegen die dunklen
Basaltwände gleich einem lustigen Schneegestöber ab.
Nach diesen Inseln richteten wir unsern Kurs. Erst nach einer mehr als
zweitägigen Reise bei schönstem Wetter langten wir bei Trangisvaag,
einem kleinen Flecken auf der südlichsten Insel „Suderö“ an. Es liegt
an einem kleinen Fjord oder Einschnitt, von verhältnißmäßig niedrigen
Basaltfelsen umgeben, und bietet, soweit mir bekannt, kein besonderes
Interesse dar.
Sobald das Schiff die Anker ausgeworfen hatte, stieß vom Lande ein
Boot ab und näherte sich uns, es wurde von sechs jungen, muthigen
Färingern gerudert, die ihr eigenthümliches Nationalkostüm trugen,
bestehend aus einem Wams von dunkelbrauner oder kaffeebrauner Farbe,
Kniebeinkleidern, einer eigenartigen Mütze, die Aehnlichkeit mit
unseren norwegischen Zipfelmützen hat, die aber oben in Falten gelegt
und gewöhnlich dunkelbraun, blau oder rothgestreift ist, auf den Füßen
hatten sie sonderbare Lederschuhe, die sehr bequem zu sitzen schienen.
Sie waren aus einem einzigen Stück Leder verfertigt, das in die Höhe
gebogen und auf der Oberseite zusammengenäht war, und wurden ähnlich
wie Sandalen an die Füße geschnallt.
[Illustration: Unser faröerscher Lootse in seinem Nationalkostüm.
(Nach einer Photographie.)]
Das Boot legte beim Schiffe an und der Distriktsarzt und der
Ortsrichter kamen an Bord. Während das Boot dort lag, versuchte ich,
der Sprache der Färinger zu lauschen und, wenn möglich, ein wenig
davon zu verstehen. Ich wußte ja, daß sie von der alten norwegischen
abstammte und hatte gehört, daß sie mit unserem ländlichen Dialekt
Aehnlichkeit haben sollte, aber im Anfang bemühte ich mich vergebens,
auch nur ein einziges Wort aufzuschnappen, und doch klang der Accent
und der Tonfall genau so, als höre man daheim in der Gegend von Bergen
die Fischer miteinander plaudern.
Nach einem mehrstündigen Aufenthalt setzten wir unsere Fahrt fort.
Auf dem Wege nach Norden zu hatten wir eine frische Brise und ziemlich
dichte Nebel. Wir konnten jedoch +Klein-Dimon+ und +Groß-Dimon+, an
welchen wir vorüberkamen, erkennen.
Es sind dies zwei kleine Basaltinseln, die fast lothrecht aus der See
aufsteigen und im wesentlichen zahlreichen Seevögeln als Schlupfwinkel
dienen.
[Illustration: +Klein-Dimon.+ (Nach einer Photographie von Kapitän
Sörensen.)]
+Groß-Dimon+ hat einen einzigen Ansiedler, dessen Hof auf dem Gipfel
der Südseite der Insel liegt. Waren u. dergl., was von hier herab soll,
wird von der lothrechten Felswand an den Strand hinabgewunden. Die
Leute selber gelangen mittelst eines zum Theil in den Felsen gehauenen
Fußpfades hinauf und hinab. Da die Küste überall sehr steil ist, kann
dort im Winter kein Boot aufbewahrt werden, es muß im Herbst von der
Küste fortgenommen werden. Gebricht es den Bewohnern an irgend etwas,
so müssen sie es durch ein Signal zu erkennen geben, dann kommen Leute
zu ihnen, falls eine Annäherung möglich ist. Von Anfang November bis
Ende März ist es freilich schwer genug, mit einem Boot an der Insel zu
landen, da die See dann so heftig auf die Küste zu stehen pflegt.
In diesem Zeitraum pflegen die Inselbewohner fast ganz von der
Außenwelt abgeschnitten zu sein. Man erzählte mir, daß ihnen vor einer
Reihe von Jahren das Feuer ausgegangen sei. Es war Mitte November.
Sie hatten keine Zündhölzer und mußten infolgedessen ein halbes Jahr
von kalten Speisen leben, ohne Feuer im Ofen oder Licht an den langen
Winterabenden.
Auf Groß-Dimon wurde, so weit wir wissen, der Norweger +Sigmund
Bresteson+ -- der Nationalheld der Färinger -- von seinem Feinde
+Trand+ überfallen und von hier aus soll er -- als er verfolgt wurde
-- zusammen mit seinen Brüdern +Thorer+ und +Einar+ ins Wasser
gesprungen und nach Suderö -- eine Meile südwärts -- geschwommen
sein. Erzählt die Sage wahr, was mir sehr zweifelhaft erscheint,
so ist diese Schwimmtour die größte Heldenthat gewesen, die jemals
ausgeführt wurde, denn +Sigmund+ mußte nicht nur schwimmen, sondern,
als +Einar+ völlig erschöpft war, mußte er ihn auf den Rücken nehmen
und mit ihm schwimmen, bis er todt war, und als sie ein Viertel des
Weges zurückgelegt hatten, nahm er +Thorer+ auf den Rücken und schwamm
mit ihm, bis er Suderö erreichte. Hier wurde +Thorer+ von der Brandung
fortgespült, während +Sigmund+ die Küste erreichte. Dies soll sich zu
Anfang des Winters zugetragen haben und in einem Fahrwasser mit starken
Strömungen. Das wären tüchtige Burschen für eine Nordpolexpedition
gewesen!
Gegen Nachmittag erreichten wir +Torshavn+, welches bekanntlich die
Hauptstadt der Faröer ist. Es ist der Sitz des Amtmannes der Insel,
sowie der übrigen Beamten. Es hat seine eigene Zeitung „Dimmalätting“
(Morgendämmerung), die in Färinger-Sprache gedruckt wird und jeden
Sonnabend erscheint.
Der Ort hat ein kleines Fort mit drei und einer halben Erzkanone,
und wie man mir sagte, eine Besatzung von ungefähr 12 Mann, Andere
behaupteten freilich, es sei keine Spur von Besatzung vorhanden. Die
Mauern waren so hoch, daß wir darüber hinweg springen konnten, als wir
dort oben waren, um die Anlage zu besehen, und das Thor verschlossen
fanden.
Die Stadt liegt an zwei Buchten in einem etwas unebenen Terrain, von
kleineren Hügeln umgeben. Im Hintergrunde erheben sich höhere, jetzt
mit Schnee bedeckte Felsen. Von der See gesehen, gleicht Torshavn in
hohem Grade einem gewöhnlichen Küstenstädtchen im westlichen Norwegen.
[Illustration: Thor aus Kinnbacken des Finnfisches in Torshavn. (Nach
einer Photographie.)]
Die Torshavner leben, wie die übrige Bevölkerung der Faröer,
größtentheils von Fischen. Schafzucht wird freilich auch viel auf den
Inseln betrieben, man sieht hier überall so viele Schafe, wie sonst
kaum irgendwo. Auf jeden Menschen sollen achtzehn Schafe kommen. Da wir
infolge von Sturm vom Sonnabend bis zum Montag in Torshavn bleiben
mußten, hatten wir Gelegenheit, den Tanz der Färinger zu sehen, der
dort jeden Sonntag Abend um 10 Uhr aufgeführt wird.
Dies war der sonderbarste Tanz, der mir jemals vorgekommen ist.
Er bestand darin, daß alle Tanzenden, -- hier mochten es wohl an
Hundert sein -- Männer und Frauen, ohne Ordnung und ohne Eintheilung,
paarweise einander bei den Händen ergreifen und in einem einzigen
großen Kreis oder einer langen Kette tanzen. Man bewegt sich in
einer Art schleppendem Polkatritt zu dem Takt irgend eines Liedes,
oft eines dänischen, meistens aber eines faröerischen, zumal sind
alte Heldenlieder mit monotoner, schleppender Melodie sehr beliebt.
Alle Theilnehmer singen auf eine äußerst natürliche, gellende Weise
mit. Es schien darauf anzukommen, wer am besten mit seiner Stimme
durchzudringen im stande sei.
So bewegt man sich ununterbrochen nach demselben Takt bis 1 oder 2 Uhr
des Nachts im Kreise herum, bei besonders feierlichen Gelegenheiten
dauert diese Lustbarkeit auch wohl noch länger. Bei dem ganzen
Tanz giebt es keine andere Abwechselung, als daß man verschiedene
Schwingungen mit der Kette macht.
Hat man Lust, sich zu betheiligen, so zerreißt man die Kette an einer
beliebigen Stelle und reiht sich ein. Dies thaten sofort mehrere von
den Mitgliedern der Expedition. Sie gaben natürlich acht, zwischen
zwei schöne Mädchen zu kommen und widmeten sich dem Tanz mit einer
Lebhaftigkeit und einer Ausdauer, die einer besseren Sache werth
gewesen wäre.
Dieser Tanz schien die einzige Art und Weise zu tanzen zu sein, die man
auf den Faröern kannte. Er ist sicher eine Ueberlieferung von den alten
Norwegern. Ein ähnlicher hat sich bis zum vorigen Jahrhundert auf
Island erhalten. Er hieß „Viki vaka“. In Norwegen ist er freilich schon
seit langer Zeit verschwunden, und das kann uns nicht wunder nehmen.
Worin das Vergnügen bei dieser Lustbarkeit besteht, ist mir nicht recht
klar geworden.
[Illustration: Basaltfelsen bei Haraldsund, westlich von Klaksvig.
(Nach einer Skizze des Verfassers.)]
Es ist doch etwas Eigenartiges mit diesen Ueberlieferungen aus der
Vorzeit, es hat etwas Rührendes, daß diese Menschen hier jeden
Sonntagabend zusammen kommen, um einen Tanz zu tanzen, der überall
sonst längst verschwunden ist, und um Heldenlieder zu singen, deren
Sinn sie selber kaum mehr verstehen. --
Am Montag Vormittag kamen wir zu dem kleinen Handelsort +Klaksvig+,
dem nördlichsten Hafen, der auf den Faröern angelaufen wird. Er ist
von hohen Basaltfelsen umringt, die eine selbst für die Faröer selten
prononcirte Schichten- und Terrassenformation haben.
Hier halten wir uns zwei Stunden auf, dann geht die Fahrt nordwärts,
und nachdem wir den Reichthum der wilden, zerrissenen Formen bewundert
haben, welchen die Nordküste der Insel unserm Auge bietet, stechen wir
wieder in See und nehmen unseren Kurs auf Island.
Jetzt wird es uns an der Temperatur fühlbar, daß wir uns in nördlichen
Breitengraden befinden. Die Lappen in ihren Rennthierjacken froren
natürlich nicht, aber Einzelne von uns Anderen, die kein Pelzwerk mit
hatten, fanden die Luft doch ein wenig kühl. Dies veranlaßte +Ravna+
zu ziemlich ernsten Betrachtungen und er vertraute sich +Balto+ an,
der sofort zu uns kam und berichtete: „Er, +Ravna+, sagt zu mir: was
haben wir nur einmal gethan, daß wir mit diesen Menschen gegangen sind,
die so wenig Zeug haben, ich sehe, sie frieren schon jetzt, sie werden
in Grönland sterben, wo es so kalt ist, +Sverdrup+, +Dietrichsen+,
+Kristiansen+ und +Nansen+, und da müssen wir beiden Lappen auch
sterben, denn wir kennen ja den Weg nicht.“ --
+Ravna+ befand sich überhaupt weniger wohl an Bord. Im Anfang war er
seekrank, was sich jedoch nach einigen Tagen gab; +Balto+ meinte, weil
er sich von ihm habe mit Seewasser taufen lassen; ganz vertraut mit
der See und dem Schiffsleben wurde er aber niemals. So konnte er sich
durchaus nicht daran gewöhnen, unter Deck zu schlafen, es war ihm zu
beklommen dort, er steckte Kopf und Arme in seine Pelzjacke, kroch wie
ein Hund in einem Winkel auf Deck zusammen und schlief sicher ebensogut
wie wir. +Balto+, der schon früher Erfahrungen in Bezug auf die See
gemacht hatte, fand sich dagegen gleich zurecht an Bord. Er stand auf
gutem Fuß mit der Mannschaft und spielte dabei den großen Mann.
Auf der Seereise von Schottland nach Island, sowie auf dem
Meere zwischen Island und Grönland nahm ich täglich Luftproben,
hauptsächlich, um den Kohlensäuregehalt zu untersuchen. Die Luftproben
werden auf die in der Einleitung angeführte Weise genommen. So brachte
ich sogar Luft aus dem Innern Grönlands mit nach Hause.
Schon auf den Faröern verlauteten böse Nachrichten über die
diesjährigen Eisverhältnisse auf Island. Das Eis sollte so tief
südwärts liegen, wie es „seit Mannesgedenken“ nicht der Fall gewesen;
die Ostküste sei völlig unzugänglich. Nur allzubald sollten wir die
Wahrheit dieses Gerüchtes erfahren, indem wir schon nach 24stündiger
Reise in einer Entfernung von etwa 30 Meilen von Islands Ostküste auf
Eis stießen. Wir schlugen eine nördliche Richtung ein, um zu sehen, ob
es weiter nordwärts möglich sei, das Land zu erreichen, -- es war aber
vergebliche Mühe. Wir trafen auch mehrere Segler, die berichteten, daß
sich das Eis ganz hoch nach Norden hinauf erstreckte.
Am nächsten Tage, Mittwoch den 16. Mai, machten wir am Morgen noch
einen Versuch, die Ostküste ganz im Süden am +Berufjord+ zu erreichen,
aber auch hier hemmte das Eis schon 20 Meilen vom Lande entfernt
unsere Fahrt. Da war nun nichts anderes zu thun, wir mußten unseren
Kurs südwärts nehmen, und mit günstigem Winde segelten wir nun an
der bergigen, malerischen Südküste Islands entlang. Am Nachmittage
und Abend passirten wir Islands höchsten Berg, den +Oeräfajökull+,
der sich direkt vom Meeresufer bis zu einer Höhe von 1960 ~m~ erhob.
Als die Sonne ins Meer versank und ihre letzten Strahlen auf seine
schneebedeckten Seiten und den Wolkenschleier warf, der seinen Gipfel
umhüllt, da bot der Felsen einen großartigen Anblick dar. Hin und
wieder zertheilten sich die Wolken, und seine ganze Kegelform mit ihren
weichen Konturen enthüllte sich unserem Auge.
Der +Oeräfajökull+ ist ein Theil des +Vatnajökull+, auf dessen
südlicher Seite er liegt, dieser bedeutendsten Gletschermasse
in Island, die nächst dem grönländischen Inlandseis die größte
Gletschermasse der arktischen Gegenden ist.