Ich habe es für nöthig erachtet, den Ski und ihrer Geschichte eine

so ausführliche Behandlung zu geben, nicht allein weil es das erste

Mal ist, daß sie in weiterer Ausdehnung im Dienste der Wissenschaft

benutzt wurden, oder weil die ganze grönländische Expedition auf ihrer

Grundlage geplant und ausgeführt wurde, sondern ich that es auch, weil

dies kräftige Hülfsmittel im Kampf des Menschen mit dem Dasein bis

dahin durchaus nicht den Platz in der Forschung der Kulturgeschichte

erhalten hat, den es verdient. Es ist ein Geräth, das große, sonst kaum

bewohnbare Strecken dem Menschen zugänglich gemacht und das gerade den

Winter in diesen Gegenden zur Verkehrszeit umgewandelt hat, indem der

Schnee über Berg und Thal, von einem Dorf zum anderen Brücken spannt,

statt alle Wege und Stege zu verschließen.

Augenblicklich besitzen wir in Norwegen eine ganze Anzahl von

Skiformen; einige sind lang und schmal, andere kurz und breit; unter

einigen befindet sich ein großer hohler Rand, unter anderen ein

kleinerer, wieder andere haben zwei oder noch mehr kleinere Ränder,

während eine ganze Reihe von Formen gar keinen Rand haben und auf der

Unterseite völlig glatt sind. Es ist der Zweck des Randes, die Ski

fester zu machen, so daß sie, besonders auf harter Bahn, geradeaus

gehen, ohne nach den Seiten zu schleudern. Soweit mir bekannt ist,

werden Aandrer nur an ganz vereinzelten Stellen im Nordland benutzt.

Diese verbinden mit ihren vielen Nachtheilen den einen Vortheil, daß

sie auf einer bestimmten Schneeart glatter dahingleiten als gewöhnliche

Ski, indem die Haare des Fells das Festhängen (Ballen) des Schnees

verhindern, was bei Holz, besonders wenn er frisch oder feucht ist,

sehr leicht der Fall sein kann. Ferner besitzen sie den Vorzug, daß sie

nicht so leicht zurückgleiten, indem die Haare gegenhalten. Dies hat

freilich für einen guten Skiläufer nicht viel zu bedeuten.

Es würde uns zu weit führen, wenn wir uns hier auf eine Beschreibung

der zahlreichen verschiedenen Skiformen einlassen wollten, die in

Norwegen gebräuchlich sind. Es ist freilich zu beklagen, daß dies noch

nicht geschehen ist, wie es auch noch keine Sammlung unserer Skitypen

giebt, um so mehr, als unsere merkwürdigsten Formen allmählich durch

neue verdrängt werden und verschwinden.

Die Länge des Ski pflegt zwischen 2,2 ~m~ bis hinauf zu 3,1 ~m~

zu variiren. Das gewöhnliche Maß ist, daß der Mann, welcher sie

benutzen soll, wenn sie lothrecht stehen, zur Noth die Spitze mit der

ausgestreckten Hand erreichen kann.

Es ist nicht leicht zu sagen, welche Skiform die beste ist, denn dies

richtet sich nach der Beschaffenheit des Schnees und des Bodens, auf

welchem sie verwendet werden sollen. Will man schnell über Ebenen

und offene Berggegenden hinweg gelangen, wo nicht viele Schwingungen

zu machen sind, so thut man am besten, wenn man lange und schmale

Ski benutzt, während es sich von selbst versteht, daß man z. B. in

unwegsamen Waldgegenden kurze und breite Ski vorzieht, die leicht zu

wenden sind. Bei schwerem, losem Schnee kann man ferner lange und

breite Ski aus losem, leichtem Holz benutzen.

Als Skimaterial wird in den verschiedenen Gegenden äußerst

verschiedenes Holz benutzt. Außer Fichtenholz, was das gewöhnlichste

ist, verwendet man das Holz der Tanne (auch Grantennar, doch kommt dies

nur selten vor) der Esche, Ulme, Eiche, Erle, Espe, des Vogelbeerbaums

und ausnahmsweise auch wohl das des Ahorns. Es läßt sich ebenfalls

nicht leicht bestimmen, welche Holzart die beste ist, da die

verschiedenen Holzsorten ihre Vorzüge zu haben pflegen. Einzelne sind

glatter, besonders die Ulme ist hierfür bekannt, ja es wird sogar in

manchen Gegenden als gefährlich betrachtet, sich der aus Ulmenholz

verfertigten Ski zu bedienen, da man sich leicht darauf todtlaufen

kann. Im Volksmunde heißt es, daß der Teufel selber hinten auf den

Ulmen-Ski sitzt.

Nicht jeder Schnee ist gleich gut zum Schneeschuhlaufen. So ist

feuchter Schnee sehr ungünstig, besonders für Ski, die nicht mit Fell

bezogen sind. Er hängt daran fest und ballt sich zuweilen zu einer

festen Schicht zusammen, die viele Zoll, ja oft sogar einen Fuß dick

werden kann, und die das Vorwärtskommen sehr erschwert, was mancher

Skiläufer hat empfinden müssen, wenn er meilenweit entfernt von

bewohnten Stätten, und besonders auf dem losen Schnee in den Wäldern

von Tauwetter überrascht wurde. Wenn der Schnee so fest hängt, sagt

man, daß er „ballt“.

Hiergegen hat man verschiedene Mittel. Eins der gewöhnlichsten ist

das Tränken der Ski mit Leinöl oder mit Theer, der zum Theil mit

Talg versetzt ist; dies hilft ein wenig. Man reibt auch wohl die

untere Fläche mit Talg, Wachs, Stearin oder dergl. ein. Stearin ist

nach meiner Erfahrung das Beste, doch wird es ebenso wie die anderen

Stoffe schnell abgenutzt und muß erneut werden. Am besten haftet das

Stearin, wenn man es bei einem Feuer einreiben kann, über dem die

untere Fläche des Skis vor dem Einreiben erwärmt wird. Ein anderes,

häufig angewendetes Mittel besteht darin, die Ski mit einem Beutel mit

Salz, der ein wenig angefeuchtet ist, einzureiben, oder auch mit einem

gesalzenen Hering. Hierdurch kann man den Schnee eine kleine Weile

fernhalten, worauf dieselbe Behandlung abermals vorgenommen werden muß.

Nicht bei allen Holzsorten ballt der Schnee gleich leicht; die

fettigeren pflegen in dieser Beziehung die besten zu sein; so wird

z. B. das Fichtenholz als vorzüglich angesehen. Am zweckmäßigsten auf

Schnee, der die Neigung zum Ballen hat, sind und bleiben, wie bereits

erwähnt, die Aandrer. Sie haben indessen den Nachtheil, daß das Fell

bei Thauwetter die Nässe anzieht und sie schwerer macht.

Auch auf frischgefallenem Schnee gleitet es sich nicht leicht; er

pflegt, selbst wenn er bei Kälte fällt, Neigung zum Hängenbleiben zu

haben. Dasselbe ist auch der Fall beim Schneetreiben. Der Schnee wird

gewöhnlich, nachdem er dem Winde eine Weile ausgesetzt war, fein wie

Staub, er ballt sich fest zusammen und fühlt sich beim Gehen zäh wie

Tuch an. Besonders ist dies der Fall, wenn der Schnee bei starker

Kälte gefallen ist und seither keinem Thauwetter ausgesetzt war, denn

er ist dann schon von vornherein sehr fein. Solchen Schnee, und zwar

von der zähesten Art, hatten wir fast die ganze Zeit hindurch auf dem

Inlandseis in Grönland.

Es ist selbstverständlich, daß der Schnee, wenn man leicht darüber

hingleiten soll, nicht allein glatt, sondern auch einigermaßen fest

sein muß, so daß die Ski nicht zu tief einsinken.

Als guter Schnee ist deswegen derjenige zu betrachten, der bei

Thauwetter fällt, zusammensinkt und darauf scharfer Kälte ausgesetzt

ist. Noch besser ist es, wenn der Schnee erst dem Thauwetter und dann

der Kälte ausgesetzt war, so daß sich eine feste Kruste bilden konnte.

Fällt dann eine ganz dünne, ungefähr einige Centimeter dicke Schicht

losen, guten Schnees oder noch besser Reif, so wird es eine Skibahn

ersten Ranges, die Ski gleiten ganz erstaunlich leicht und selbst bei

der schwächsten Abschrägung geht es ganz von selber abwärts. Eine

glatte, harte Kruste ohne Schnee darauf ist insofern gut, als es sich

leicht darüber hingleiten läßt. Ist die Kruste aber zu hart, so haben

die Ski keinen Halt und schleudern, falls sie nicht eigens für diesen

Zweck eingerichtet sind, leicht hin und her. Bei unebenem Terrain ist

es deswegen bei solcher Bahn schwer, das Gleichgewicht zu behalten, um

so mehr, als man gewöhnlich in fliegender Fahrt dahinsaust.

Das Skilaufen ist nicht immer ohne Gefahr, und Derjenige, der sich

z. B. bei mit glatter Kruste überzogenem Schnee über steile Abhänge,

in unbekannten unebenen Gegenden dahinbewegt, muß die vollkommene

Herrschaft über seine Ski haben; denn sonst könnte es ihm ergehen, wie

es in einer alten Beschreibung heißt: „Falls er fällt, kann es ihm

leicht passiren, daß er Arm und Beine bricht.“[27] Es ist indessen zu

bewundern, wie wenig Unglücksfälle sich im ganzen auf Ski ereignen,

und insofern ist es ganz richtig, wenn es in derselben Beschreibung

weiter heißt: „Zum Glück für den Burschen pflegt in solchem Fall ein

geringeres Unglück einzutreten: seine Ski zerbrechen, was ebenso

schnell geschieht, als wie ein Pfeifenrohr zerbricht. Ich bin oft

Augenzeuge eines solchen Vorgangs gewesen.“

[Illustration: Im Sprung.]

Völlig so oft, wie es hiernach erscheinen mag, zerbrechen die Ski nun

freilich nicht. Für einen tüchtigen Skiläufer, der gute Ski hat, gehört

es zu den Ausnahmen, daß so etwas geschieht. Ein zerbrochener Ski fern

von Menschen auf tiefem Schnee kann übrigens unangenehm genug sein,

obwohl man deswegen nicht rathlos ist. Eins der Stücke wird, so gut

es eben geht, hergerichtet und an den Fuß geschnallt und dann geht es

darauf weiter vorwärts. Daß ein kühner Schneeschuhläufer bei Ausübung

seiner Kunst stets ein wenig wagt, das macht diesen Sport nur um so

anziehender, es erhöht die Spannung und trägt dazu bei, den Willen zu

stählen und die männliche Kraft zu entwickeln.

In den allerletzten Jahren hat das Schneeschuhlaufen in Norwegen einen

gewaltigen Aufschwung genommen; es ist in der Beziehung ein ganz neuer

Geist in das norwegische Volk gefahren. Dies haben wir im wesentlichen

den öffentlichen Skiversammlungen zu verdanken, namentlich denen in

Kristiania, wo die Telemarker sich einstellten und die jungen Städter

durch ihre Ueberlegenheit in Erstaunen setzten, und wo diese ihnen ihre

Kunstgriffe absahen und sie gar bald zu übertreffen lernten.

Derjenige, der diese mächtige Bewegung Schritt für Schritt mit

durchgemacht hat, der sich erinnert, wie öde und leer es noch vor 12

Jahren auf den Skihügeln vor der Stadt war, und der sieht, wie es jetzt

im Winter überall von jungen und alten, männlichen und weiblichen

Schneeschuhläufern wimmelt, -- kann sich nur über dies gesunde, frische

Leben freuen.

Bis ganz vor kurzem war der +Stab+ den Skiläufern fast ebenso

unentbehrlich wie die Ski selber; auf ihm ritt er den Berg hinab, wenn

die Geschwindigkeit zu groß wurde, zu ihm nahm er in jeder schwierigen

Lage seine Zuflucht, er war sein einziger Tröster in jeglicher

Noth. Dadurch erhielt freilich der Läufer eine gezwungene, hinten

überliegende Stellung, ohne die eigentliche Herrschaft über die Ski zu

erlangen oder sich auf seine eigenen Beine zu verlassen.

Dann aber entwickelte sich, besonders oben in Telemarken eine neue

Richtung. Die jungen Burschen aus Telemarken zeigten uns, daß man, wenn

man nur die gründliche Herrschaft über die Ski besitzt, weit größere

Schwierigkeiten überwinden kann, ganz abgesehen davon, daß die Haltung

sicher und frei wird, indem man den Körper anspannt und sich auf die

Kraft der eigenen Beine statt auf den Stab verläßt.

Es sind noch nicht viele Jahre verflossen, seit diese neue Methode

sich geltend machte, und doch hat sie schon eine ganze Umwälzung in

unserer Skiwelt hervorgerufen. Gleichzeitig damit machte die Kunst des

Luftsprunges ganz erstaunliche Fortschritte. Diese Kunst, die bei dem

sportsmäßigen Skilaufen stets als Hauptsache betrachtet wurde, hat

keine weitere praktische Bedeutung, denn Niemand sucht Schneeschanzen

auf oder macht lange Luftreisen, wenn er weite Strecken zurückzulegen

hat und seine Ski allen Ernstes gebraucht. Da sucht man dergleichen

Schwierigkeiten zu umgehen. Diese Luftsprünge können völlig als Spiel

betrachtet werden, aber sie sind ein nützliches Spiel, denn nichts

verleiht dem Körper in dem Maße die Herrschaft über sich selbst, nichts

giebt uns eine solche Sicherheit, einen solchen Muth und eine solche

Herrschaft über die Ski als das Springen.

[Illustration: Ein Luftsprung.]

Will man den Luftsprung ausführen, so sucht man Schneeschanzen auf,

die entweder von der Natur gebildet oder aus Schnee aufgeschaufelt

sind, und über die hinweg man in sausender Fahrt längere oder kürzere

Luftreisen machen kann. Man verlängert den Sprung häufig, indem man

auf der Kante der Schneeschanze den Anlauf nimmt. Auf diese Weise

kann man 20-25 ~m~ durch die Luft schweben, ja, es giebt Skiläufer,

die noch viel weiter zu springen vermögen. Man erzählt von einem

bekannten Skiläufer aus Telemarken, +Sóndre Auersen Nordheim+, daß er

30 ~m~ von einem Felsblock hinab sprang und auf beiden Füßen stehend

unten ankam. Der lothrechte Fall ist bei solchen Luftsprüngen nicht

unbedeutend; 8-12 ~m~ sind die durchschnittliche Höhe, also ungefähr

gleichbedeutend mit einem Fall aus der dritten Etage eines gewöhnlichen

Gebäudes. Während der Segelfahrt durch die Luft halten sich Einige

gerade wie eine Kerze, während andere die Beine unter sich ziehen

(siehe Seite 119 u. 122). Man pflegt, wenn man unten anlangt, das

rechte Bein vor das Linke zu schieben, und sinkt einen Augenblick in

das linke Knie, indem man mit fliegender Fahrt weitersaust. Gerade

der Umstand, daß man die Fahrt so lange beibehält, macht im Verein

mit der Weichheit des Schnees solche Sprünge möglich. Daß Viele nach

der Luftreise fallen, ist kein Wunder, und wenn man sie die Hügel

hinabrollen sieht, -- Arme, Beine und Ski durcheinander wirbelnd, --

in eine Wolke von Schnee gehüllt, da wird Jeder, der es nicht selbst

versucht hat, fest überzeugt sein, daß der kühne Skiläufer mindestens

Arm und Beine gebrochen hat. Und doch kommt ein wirklicher Unglücksfall

nur äußerst selten vor.

Zu sehen, wie ein tüchtiger Skiläufer seine Luftsprünge ausführt,

-- das ist eins der stolzesten Schauspiele, welche diese Erde uns

zu bieten vermag. Wenn man sieht, wie er frisch und keck den Berg

hinabgesaust kommt, wie er sich wenige Schritte vor dem Sprung

zusammenduckt, auf der Sprungkante den Anlauf nimmt und -- hui! --

wie eine Möve durch die Luft dahinschwebt, bis er 20-25 Meter weiter

abwärts die Erde berührt und in einer Schneewolke weitersaust, -- da

durchzittert es den Körper vor Freude und Begeisterung. Und einen

solchen Anblick kann man im Winter bei guter Skibahn täglich haben,

in Sonderheit aber bei den großen Skiversammlungen. Schon +Olaus

Magni+ erwähnt, daß man im 16. Jahrhundert „des Sports wegen auf Ski

läuft, wetteifernd wer der Erste sein wird, gleich wie die Läufer beim

gewöhnlichen Wettlauf, die um Prämien laufen.“ Diese Wettrennen sind

seit dem Jahre 1862 in den südlichen Gebirgsgegenden regelmäßig wieder

eingeführt. Die tüchtigsten Skiläufer des Landes treffen hier zusammen

und kämpfen um den ersten Preis. Der eine segelt noch eleganter durch

die Luft dahin wie der andere, während die Zuschauer in athemloser

Spannung warten, bis sie unten anlangen. Stehen sie auf ihren Füßen,

so werden sie mit endlosem Jubel begrüßt, während der Unglückliche,

welcher fällt, ein schallendes Hohngelächter über sich ergehen lassen

muß. Wer ein solches Wettrennen auf dem Huseby-Berge bei Kristiania

mitgemacht hat, der vergißt den Anblick nie wieder.

Um aber völlig Herr über seine Ski zu sein, muß man noch etwas mehr

verstehen, als nur auf ihnen zu springen. Man muß im stande sein,

sie, sobald es erforderlich ist, nach beiden Seiten zu schwingen,

sie ganz quer hinzustellen und vor jedem unerwarteten Hinderniß

Halt zu machen. Kann man das nicht, da ist man stets in Gefahr,

gegen Bäume und Erhöhungen im Terrain anzurennen, ja in unbekannte

Abgründe hinabzustürzen. Deswegen wird dies alles bei den jährlichen

Zusammenkünften geübt, und auch hierin sind die Bewohner von Telemarken

die Lehrmeister der neueren Zeit. Sie in voller Fahrt daherkommen, dann

plötzlich die Ski mit einer schnellen Wendung quer werfen und Halt

machen sehen, das ist vielleicht ein beinahe so stolzer Anblick, als

wenn man sie durch die Luft dahinfliegen sieht.

Die Ski sind vor allen Dingen ein Mittel zum Vorwärtsgelangen, und

deshalb ist und bleibt auch die Geschwindigkeit, mit welcher der

Skiläufer seinen Weg über ein ungebahntes Feld nehmen kann, der

wichtigste Theil des Skilaufens.

[Illustration: Das plötzliche Anhalten vor einem Abgrund.]

Obwohl der Sprung die größte Bewunderung bei den Zuschauern erregt,

so wird mit Fug und Recht bei unseren jährlichen Skiversammlungen

dem Fernlauf die größte Bedeutung beigelegt. Mancher glaubt, daß

es nur darauf ankommt, Stärke und Widerstandskraft zu besitzen, um

schnell lange Strecken auf Ski zurücklegen zu können, aber dies ist

ein Irrthum. Es kommt in ebenso hohem Grade darauf an, daß man mit

dem Gebrauch der Ski vertraut ist; am besten ist es, wenn man von

Kindheit an Uebung im Laufen hat, so daß man mit so wenig Schwierigkeit

wie möglich vorwärts gleitet. Durch lange Uebung, besonders in

der Kindheit, werden auch die Muskeln und derjenige Theil des

Nervensystems, der bei der Führung der Ski hauptsächlich in Anwendung

gelangt, stärker entwickelt. Was die Gewohnheit macht, ist leicht

zu verstehen, wenn man einen geübten und einen ungeübten Skiläufer

nebeneinander sieht, -- der Geübte gleitet dahin, als wenn das Ganze

ein Kinderspiel wäre, während der Ungeübte mit dem ganzen Körper

arbeitet und eine ganze Menge Muskelkraft vergeudet, um die nöthige

Bewegung zu erzielen. Man wird aus dem Grunde äußerst selten sehen,

daß Leute, die erst im späteren Alter die Benutzung der Ski erlernen,

sichere und ausdauernde Skiläufer werden. Bei wenig Dingen trifft

deswegen die Bedeutung des Sprichwortes: „Guter Haken krümmt sich früh“

mehr zu als bei diesem Sport; das ganze Körpersystem muß am liebsten

damit aufwachsen. Man darf aber hieraus nicht schließen, daß das

Skilaufen eine einseitige Ausbildung zur Folge hat, -- im Gegentheil,

wohl nichts entwickelt den Körper gesunder und harmonischer. Nicht

allein die Beine, sondern auch der Oberkörper und die Arme werden in

Mitleidenschaft gezogen. Die letzteren erhalten eine gesunde Bewegung

durch die Benutzung des Stabes während des Laufes, besonders wenn man

einen solchen in jeder Hand hat, so wie es in einigen Gegenden von

Lappland Sitte ist, und wie es auch in letzter Zeit bei schnellem

Laufen in Norwegen in Anwendung gelangte. Auf der Wanderung über das

grönländische Inlandseis bedienten auch wir uns zweier Stäbe.

Es ist unmöglich, eine Norm für die Geschwindigkeit aufzustellen, zu

der ein tüchtiger und ausdauernder Skiläufer es bringen kann, da dies

hauptsächlich von dem Terrain und von der Beschaffenheit des Schnees

abhängt. Auf guter Bahn und bei einigermaßen günstigem Terrain kann man

jedoch annehmen, daß er täglich ungefähr 100 Kilometer zurückzulegen

vermag.

Der längste Distancelauf, der in Norwegen abgehalten wurde, fand im

Februar 1888 bei Kristiania statt. Die Bahn war 50 Kilometer lang und

ging größtentheils über hügeliges, unebenes Waldterrain, -- unterwegs

waren viele Hindernisse verschiedenster Art aufgestellt, um die

Tüchtigkeit der Skiläufer zu erproben. Der Sieger legte die Bahn in 4

Stunden 26 Minuten zurück.

Der längste Distancelauf auf Schneeschuhen, der überhaupt bekannt ist,

wurde auf Veranlassung der Freiherren +Dickson+ und +Nordenskjöld+ am

3. und 4. April 1884 in Jokkmokk im nördlichen Schweden abgehalten.

Den ersten Preis errang der Lappe +Tuorda+ -- 37 Jahre alt -- der

+Nordenskjöld+ auf seiner Reise über das grönländische Inlandseis

begleitet hatte. Er legte nach Angabe der Preisrichter 220 Kilometer in

21 Stunden 22 Minuten zurück, -- der zweite, ebenfalls ein Lappe -- 40

Jahre alt -- kam 5 Minuten später an, und von den 6 Männern, von denen

5 Lappen waren, kam der letzte 46 Minuten später als der erste an. Die

Bahn war beinahe eben und führte zum größten Theil über eisbedeckte

Seen, -- folglich muß sie sehr leicht gewesen sein, wie auch die

Beschaffenheit des Schnees sehr günstig gewesen sein muß.

Bei früheren arktischen Expeditionen sind merkwürdigerweise die Ski nur

selten oder gar nicht zur Anwendung gelangt. Auf dem grönländischen

Inlandseis sind sie nur von sehr wenigen Expeditionen benutzt worden.

Schon im Jahre 1728 wurde sonderbarerweise der Gedanke in Dänemark

rege, daß, wenn das Innere Grönlands untersucht werden sollte, dies

nur auf Schneeschuhen geschehen könne, „indem einige junge, kecke

norwegische Leute, die daran gewöhnt waren, im Winter auf Ski in den

Bergen zu jagen, einen guten Theil des Landes nach allen Richtungen hin

erforschen konnten.“ Dieser Gedanke wurde jedoch von den Dänen niemals

zur Ausführung gebracht.

In den „Nachrichten von Island, Grönland und Davisstraße“ von +Johann

Anderson+ (Hamburg 1746) wird u. a. erzählt, daß ein Schiffer es auf

alle Weise versucht habe, in das grönländische Inlandseis einzudringen

„sogar mit den langen Fußbrettern, deren sich bekanntlich die Lappen

und Andere bei ihren Winterzügen bedienen, doch hat er nicht weit ins

Land hinein gelangen können, und nachdem er einen seiner Begleiter

verloren hatte, der sich zu weit vor wagte und vor ihren Augen versank,

so daß sie wohl seine Schreie und Klagen hörten, ihm aber nicht

zu Hülfe kommen konnten, hat er ohne diesen Menschen und ohne die

Hoffnung, jemals weiter vordringen zu können, umkehren müssen“.

1878 nahm die dänische Expedition unter Kapitän +Jensen+ Ski mit,

benutzte sie aber nicht. +Jensen+ berichtet, daß sie dagegen gute

Dienste als Feuerungsmaterial thaten.

Ski wurden ferner von 2 +Lappen+ benutzt, die +Nordenskjöld+ im Jahre

1883 begleiteten, sowie von +Peary+ und +Maigaard+ im Jahre 1886.

[Illustration: Die von der Expedition benutzten Ski, von oben, von der

Seite und im Durchschnitt gesehen.]

Zum Schluß will ich hier noch die Schneeschuhe beschreiben, die wir

auf unserer Expedition verwendeten. Sie gehörten eigentlich keiner

bestimmten norwegischen Form an, sondern waren so gemacht, wie ich

sie für Schneefelder von der Beschaffenheit, wie wir sie im Innern

Grönlands vorzufinden glaubten, am passendsten hielt. Wir hatten im

ganzen 9 Paar bei uns; 2 waren von Eichenholz, während die übrigen aus

Birkenholz verfertigt waren. Die Eichenski hatten eine Länge von 2,30

~m~. Die Breite betrug vorn bei der Biegung 9,2 ~cm~, von der Mitte

bis nach hinten dagegen 8 ~cm~. Auf der Oberfläche der Ski lief der

Länge nach sowohl vor wie hinter der Fußplatte eine Leiste entlang,

wodurch sie die nöthige Steifheit erhielten, ohne dadurch zu dick

oder zu schwer zu werden. An den oberen Seitenrändern waren sie ein

Stück vor und hinter dem Zehenriemen ein wenig eingeschnitten (siehe

den Querschnitt) so daß dieser nicht zu sehr vorstand und die Fahrt

hinderte. Auf der unteren Fläche hatten sie drei schmale Längsrillen.

Ungefähr dieselbe Form und dieselben Dimensionen hatten auch die 7 Paar

Birkenski. Durch Unachtsamkeit des Verfertigers wurden sie indessen ein

wenig schmäler in der Biegung, indem sie hier dieselbe Breite hatten,

wie weiter nach hinten zu. Infolgedessen tragen die Vorderenden der

Ski nicht so gut über den Schnee, wirken mehr wie ein Schneepflug und

erschweren den Gang. Leider erhielten wir die Ski so kurz vor unserer

Abreise, daß uns keine Zeit blieb, neue anfertigen zu lassen.

Diese Birkenski waren auf der unteren Fläche mit ganz dünnen

Stahlplatten belegt, die unter dem Fuße eine Oeffnung hatten (88

~cm~ lang und 5,3 ~cm~ breit), in welche ein Stück Fell von einem

Elenthierfuße eingefügt war. Ich hatte diese Stahlplatten an den Ski

befestigen lassen, weil ich viel feuchten und körnigen Schnee zu finden

erwartete, auf dem gewöhnliche hölzerne Ski nicht gleiten. Durch

Einfügen des Felles wollte ich bewirken, daß die Ski trotz der glatten

Stahlschienen nicht zurückglitten.

[Illustration: Die Befestigung der Ski über einem Löparschuh

angebracht.]

Wir trafen indes keinen solchen Schnee an und hätten uns diese

Vorkehrung ersparen können.

Die beiden Paar Eichenski erwiesen sich als sehr zweckmäßig und für

künftige Expeditionen glaube ich ausschließlich solche empfehlen zu

können.

Die Befestigung der Ski war äußerst einfach und bestand nur aus

einem Zehenband von dickem, steifem Leder und einem verhältnißmäßig

breiten Fersenriemen, der zu beiden Seiten ganz unten am Ski an das

Zehenband befestigt war. Eine steife Befestigung, etwa von Weiden oder

spanischem Rohr, wie es in Norwegen allgemein gebräuchlich ist, um

bergab zu fahren oder zu springen, eignet sich meiner Meinung zu langen

Wanderungen durchaus nicht. Sie ist durchaus nicht erforderlich, um

dem Träger die Herrschaft über die Ski zu verleihen, und sie ermüdet

und hindert den Fuß weit mehr als eine weichere, geschmeidigere

Befestigung durch Leder. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man

bei großen Entfernungen um so weniger ermüdet, je weniger man die

Befestigung fühlt.

Fußnoten:

[13] Nach Professor +Gustav Storm+ ist überall im „Königsspiegel“ von

Ellen statt von Fuß die Rede.

Auf Schneeschuhen durch Grönland. Erster Band · 第 7 / 25 段