so ausführliche Behandlung zu geben, nicht allein weil es das erste
Mal ist, daß sie in weiterer Ausdehnung im Dienste der Wissenschaft
benutzt wurden, oder weil die ganze grönländische Expedition auf ihrer
Grundlage geplant und ausgeführt wurde, sondern ich that es auch, weil
dies kräftige Hülfsmittel im Kampf des Menschen mit dem Dasein bis
dahin durchaus nicht den Platz in der Forschung der Kulturgeschichte
erhalten hat, den es verdient. Es ist ein Geräth, das große, sonst kaum
bewohnbare Strecken dem Menschen zugänglich gemacht und das gerade den
Winter in diesen Gegenden zur Verkehrszeit umgewandelt hat, indem der
Schnee über Berg und Thal, von einem Dorf zum anderen Brücken spannt,
statt alle Wege und Stege zu verschließen.
Augenblicklich besitzen wir in Norwegen eine ganze Anzahl von
Skiformen; einige sind lang und schmal, andere kurz und breit; unter
einigen befindet sich ein großer hohler Rand, unter anderen ein
kleinerer, wieder andere haben zwei oder noch mehr kleinere Ränder,
während eine ganze Reihe von Formen gar keinen Rand haben und auf der
Unterseite völlig glatt sind. Es ist der Zweck des Randes, die Ski
fester zu machen, so daß sie, besonders auf harter Bahn, geradeaus
gehen, ohne nach den Seiten zu schleudern. Soweit mir bekannt ist,
werden Aandrer nur an ganz vereinzelten Stellen im Nordland benutzt.
Diese verbinden mit ihren vielen Nachtheilen den einen Vortheil, daß
sie auf einer bestimmten Schneeart glatter dahingleiten als gewöhnliche
Ski, indem die Haare des Fells das Festhängen (Ballen) des Schnees
verhindern, was bei Holz, besonders wenn er frisch oder feucht ist,
sehr leicht der Fall sein kann. Ferner besitzen sie den Vorzug, daß sie
nicht so leicht zurückgleiten, indem die Haare gegenhalten. Dies hat
freilich für einen guten Skiläufer nicht viel zu bedeuten.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir uns hier auf eine Beschreibung
der zahlreichen verschiedenen Skiformen einlassen wollten, die in
Norwegen gebräuchlich sind. Es ist freilich zu beklagen, daß dies noch
nicht geschehen ist, wie es auch noch keine Sammlung unserer Skitypen
giebt, um so mehr, als unsere merkwürdigsten Formen allmählich durch
neue verdrängt werden und verschwinden.
Die Länge des Ski pflegt zwischen 2,2 ~m~ bis hinauf zu 3,1 ~m~
zu variiren. Das gewöhnliche Maß ist, daß der Mann, welcher sie
benutzen soll, wenn sie lothrecht stehen, zur Noth die Spitze mit der
ausgestreckten Hand erreichen kann.
Es ist nicht leicht zu sagen, welche Skiform die beste ist, denn dies
richtet sich nach der Beschaffenheit des Schnees und des Bodens, auf
welchem sie verwendet werden sollen. Will man schnell über Ebenen
und offene Berggegenden hinweg gelangen, wo nicht viele Schwingungen
zu machen sind, so thut man am besten, wenn man lange und schmale
Ski benutzt, während es sich von selbst versteht, daß man z. B. in
unwegsamen Waldgegenden kurze und breite Ski vorzieht, die leicht zu
wenden sind. Bei schwerem, losem Schnee kann man ferner lange und
breite Ski aus losem, leichtem Holz benutzen.
Als Skimaterial wird in den verschiedenen Gegenden äußerst
verschiedenes Holz benutzt. Außer Fichtenholz, was das gewöhnlichste
ist, verwendet man das Holz der Tanne (auch Grantennar, doch kommt dies
nur selten vor) der Esche, Ulme, Eiche, Erle, Espe, des Vogelbeerbaums
und ausnahmsweise auch wohl das des Ahorns. Es läßt sich ebenfalls
nicht leicht bestimmen, welche Holzart die beste ist, da die
verschiedenen Holzsorten ihre Vorzüge zu haben pflegen. Einzelne sind
glatter, besonders die Ulme ist hierfür bekannt, ja es wird sogar in
manchen Gegenden als gefährlich betrachtet, sich der aus Ulmenholz
verfertigten Ski zu bedienen, da man sich leicht darauf todtlaufen
kann. Im Volksmunde heißt es, daß der Teufel selber hinten auf den
Ulmen-Ski sitzt.
Nicht jeder Schnee ist gleich gut zum Schneeschuhlaufen. So ist
feuchter Schnee sehr ungünstig, besonders für Ski, die nicht mit Fell
bezogen sind. Er hängt daran fest und ballt sich zuweilen zu einer
festen Schicht zusammen, die viele Zoll, ja oft sogar einen Fuß dick
werden kann, und die das Vorwärtskommen sehr erschwert, was mancher
Skiläufer hat empfinden müssen, wenn er meilenweit entfernt von
bewohnten Stätten, und besonders auf dem losen Schnee in den Wäldern
von Tauwetter überrascht wurde. Wenn der Schnee so fest hängt, sagt
man, daß er „ballt“.
Hiergegen hat man verschiedene Mittel. Eins der gewöhnlichsten ist
das Tränken der Ski mit Leinöl oder mit Theer, der zum Theil mit
Talg versetzt ist; dies hilft ein wenig. Man reibt auch wohl die
untere Fläche mit Talg, Wachs, Stearin oder dergl. ein. Stearin ist
nach meiner Erfahrung das Beste, doch wird es ebenso wie die anderen
Stoffe schnell abgenutzt und muß erneut werden. Am besten haftet das
Stearin, wenn man es bei einem Feuer einreiben kann, über dem die
untere Fläche des Skis vor dem Einreiben erwärmt wird. Ein anderes,
häufig angewendetes Mittel besteht darin, die Ski mit einem Beutel mit
Salz, der ein wenig angefeuchtet ist, einzureiben, oder auch mit einem
gesalzenen Hering. Hierdurch kann man den Schnee eine kleine Weile
fernhalten, worauf dieselbe Behandlung abermals vorgenommen werden muß.
Nicht bei allen Holzsorten ballt der Schnee gleich leicht; die
fettigeren pflegen in dieser Beziehung die besten zu sein; so wird
z. B. das Fichtenholz als vorzüglich angesehen. Am zweckmäßigsten auf
Schnee, der die Neigung zum Ballen hat, sind und bleiben, wie bereits
erwähnt, die Aandrer. Sie haben indessen den Nachtheil, daß das Fell
bei Thauwetter die Nässe anzieht und sie schwerer macht.
Auch auf frischgefallenem Schnee gleitet es sich nicht leicht; er
pflegt, selbst wenn er bei Kälte fällt, Neigung zum Hängenbleiben zu
haben. Dasselbe ist auch der Fall beim Schneetreiben. Der Schnee wird
gewöhnlich, nachdem er dem Winde eine Weile ausgesetzt war, fein wie
Staub, er ballt sich fest zusammen und fühlt sich beim Gehen zäh wie
Tuch an. Besonders ist dies der Fall, wenn der Schnee bei starker
Kälte gefallen ist und seither keinem Thauwetter ausgesetzt war, denn
er ist dann schon von vornherein sehr fein. Solchen Schnee, und zwar
von der zähesten Art, hatten wir fast die ganze Zeit hindurch auf dem
Inlandseis in Grönland.
Es ist selbstverständlich, daß der Schnee, wenn man leicht darüber
hingleiten soll, nicht allein glatt, sondern auch einigermaßen fest
sein muß, so daß die Ski nicht zu tief einsinken.
Als guter Schnee ist deswegen derjenige zu betrachten, der bei
Thauwetter fällt, zusammensinkt und darauf scharfer Kälte ausgesetzt
ist. Noch besser ist es, wenn der Schnee erst dem Thauwetter und dann
der Kälte ausgesetzt war, so daß sich eine feste Kruste bilden konnte.
Fällt dann eine ganz dünne, ungefähr einige Centimeter dicke Schicht
losen, guten Schnees oder noch besser Reif, so wird es eine Skibahn
ersten Ranges, die Ski gleiten ganz erstaunlich leicht und selbst bei
der schwächsten Abschrägung geht es ganz von selber abwärts. Eine
glatte, harte Kruste ohne Schnee darauf ist insofern gut, als es sich
leicht darüber hingleiten läßt. Ist die Kruste aber zu hart, so haben
die Ski keinen Halt und schleudern, falls sie nicht eigens für diesen
Zweck eingerichtet sind, leicht hin und her. Bei unebenem Terrain ist
es deswegen bei solcher Bahn schwer, das Gleichgewicht zu behalten, um
so mehr, als man gewöhnlich in fliegender Fahrt dahinsaust.
Das Skilaufen ist nicht immer ohne Gefahr, und Derjenige, der sich
z. B. bei mit glatter Kruste überzogenem Schnee über steile Abhänge,
in unbekannten unebenen Gegenden dahinbewegt, muß die vollkommene
Herrschaft über seine Ski haben; denn sonst könnte es ihm ergehen, wie
es in einer alten Beschreibung heißt: „Falls er fällt, kann es ihm
leicht passiren, daß er Arm und Beine bricht.“[27] Es ist indessen zu
bewundern, wie wenig Unglücksfälle sich im ganzen auf Ski ereignen,
und insofern ist es ganz richtig, wenn es in derselben Beschreibung
weiter heißt: „Zum Glück für den Burschen pflegt in solchem Fall ein
geringeres Unglück einzutreten: seine Ski zerbrechen, was ebenso
schnell geschieht, als wie ein Pfeifenrohr zerbricht. Ich bin oft
Augenzeuge eines solchen Vorgangs gewesen.“
[Illustration: Im Sprung.]
Völlig so oft, wie es hiernach erscheinen mag, zerbrechen die Ski nun
freilich nicht. Für einen tüchtigen Skiläufer, der gute Ski hat, gehört
es zu den Ausnahmen, daß so etwas geschieht. Ein zerbrochener Ski fern
von Menschen auf tiefem Schnee kann übrigens unangenehm genug sein,
obwohl man deswegen nicht rathlos ist. Eins der Stücke wird, so gut
es eben geht, hergerichtet und an den Fuß geschnallt und dann geht es
darauf weiter vorwärts. Daß ein kühner Schneeschuhläufer bei Ausübung
seiner Kunst stets ein wenig wagt, das macht diesen Sport nur um so
anziehender, es erhöht die Spannung und trägt dazu bei, den Willen zu
stählen und die männliche Kraft zu entwickeln.
In den allerletzten Jahren hat das Schneeschuhlaufen in Norwegen einen
gewaltigen Aufschwung genommen; es ist in der Beziehung ein ganz neuer
Geist in das norwegische Volk gefahren. Dies haben wir im wesentlichen
den öffentlichen Skiversammlungen zu verdanken, namentlich denen in
Kristiania, wo die Telemarker sich einstellten und die jungen Städter
durch ihre Ueberlegenheit in Erstaunen setzten, und wo diese ihnen ihre
Kunstgriffe absahen und sie gar bald zu übertreffen lernten.
Derjenige, der diese mächtige Bewegung Schritt für Schritt mit
durchgemacht hat, der sich erinnert, wie öde und leer es noch vor 12
Jahren auf den Skihügeln vor der Stadt war, und der sieht, wie es jetzt
im Winter überall von jungen und alten, männlichen und weiblichen
Schneeschuhläufern wimmelt, -- kann sich nur über dies gesunde, frische
Leben freuen.
Bis ganz vor kurzem war der +Stab+ den Skiläufern fast ebenso
unentbehrlich wie die Ski selber; auf ihm ritt er den Berg hinab, wenn
die Geschwindigkeit zu groß wurde, zu ihm nahm er in jeder schwierigen
Lage seine Zuflucht, er war sein einziger Tröster in jeglicher
Noth. Dadurch erhielt freilich der Läufer eine gezwungene, hinten
überliegende Stellung, ohne die eigentliche Herrschaft über die Ski zu
erlangen oder sich auf seine eigenen Beine zu verlassen.
Dann aber entwickelte sich, besonders oben in Telemarken eine neue
Richtung. Die jungen Burschen aus Telemarken zeigten uns, daß man, wenn
man nur die gründliche Herrschaft über die Ski besitzt, weit größere
Schwierigkeiten überwinden kann, ganz abgesehen davon, daß die Haltung
sicher und frei wird, indem man den Körper anspannt und sich auf die
Kraft der eigenen Beine statt auf den Stab verläßt.
Es sind noch nicht viele Jahre verflossen, seit diese neue Methode
sich geltend machte, und doch hat sie schon eine ganze Umwälzung in
unserer Skiwelt hervorgerufen. Gleichzeitig damit machte die Kunst des
Luftsprunges ganz erstaunliche Fortschritte. Diese Kunst, die bei dem
sportsmäßigen Skilaufen stets als Hauptsache betrachtet wurde, hat
keine weitere praktische Bedeutung, denn Niemand sucht Schneeschanzen
auf oder macht lange Luftreisen, wenn er weite Strecken zurückzulegen
hat und seine Ski allen Ernstes gebraucht. Da sucht man dergleichen
Schwierigkeiten zu umgehen. Diese Luftsprünge können völlig als Spiel
betrachtet werden, aber sie sind ein nützliches Spiel, denn nichts
verleiht dem Körper in dem Maße die Herrschaft über sich selbst, nichts
giebt uns eine solche Sicherheit, einen solchen Muth und eine solche
Herrschaft über die Ski als das Springen.
[Illustration: Ein Luftsprung.]
Will man den Luftsprung ausführen, so sucht man Schneeschanzen auf,
die entweder von der Natur gebildet oder aus Schnee aufgeschaufelt
sind, und über die hinweg man in sausender Fahrt längere oder kürzere
Luftreisen machen kann. Man verlängert den Sprung häufig, indem man
auf der Kante der Schneeschanze den Anlauf nimmt. Auf diese Weise
kann man 20-25 ~m~ durch die Luft schweben, ja, es giebt Skiläufer,
die noch viel weiter zu springen vermögen. Man erzählt von einem
bekannten Skiläufer aus Telemarken, +Sóndre Auersen Nordheim+, daß er
30 ~m~ von einem Felsblock hinab sprang und auf beiden Füßen stehend
unten ankam. Der lothrechte Fall ist bei solchen Luftsprüngen nicht
unbedeutend; 8-12 ~m~ sind die durchschnittliche Höhe, also ungefähr
gleichbedeutend mit einem Fall aus der dritten Etage eines gewöhnlichen
Gebäudes. Während der Segelfahrt durch die Luft halten sich Einige
gerade wie eine Kerze, während andere die Beine unter sich ziehen
(siehe Seite 119 u. 122). Man pflegt, wenn man unten anlangt, das
rechte Bein vor das Linke zu schieben, und sinkt einen Augenblick in
das linke Knie, indem man mit fliegender Fahrt weitersaust. Gerade
der Umstand, daß man die Fahrt so lange beibehält, macht im Verein
mit der Weichheit des Schnees solche Sprünge möglich. Daß Viele nach
der Luftreise fallen, ist kein Wunder, und wenn man sie die Hügel
hinabrollen sieht, -- Arme, Beine und Ski durcheinander wirbelnd, --
in eine Wolke von Schnee gehüllt, da wird Jeder, der es nicht selbst
versucht hat, fest überzeugt sein, daß der kühne Skiläufer mindestens
Arm und Beine gebrochen hat. Und doch kommt ein wirklicher Unglücksfall
nur äußerst selten vor.
Zu sehen, wie ein tüchtiger Skiläufer seine Luftsprünge ausführt,
-- das ist eins der stolzesten Schauspiele, welche diese Erde uns
zu bieten vermag. Wenn man sieht, wie er frisch und keck den Berg
hinabgesaust kommt, wie er sich wenige Schritte vor dem Sprung
zusammenduckt, auf der Sprungkante den Anlauf nimmt und -- hui! --
wie eine Möve durch die Luft dahinschwebt, bis er 20-25 Meter weiter
abwärts die Erde berührt und in einer Schneewolke weitersaust, -- da
durchzittert es den Körper vor Freude und Begeisterung. Und einen
solchen Anblick kann man im Winter bei guter Skibahn täglich haben,
in Sonderheit aber bei den großen Skiversammlungen. Schon +Olaus
Magni+ erwähnt, daß man im 16. Jahrhundert „des Sports wegen auf Ski
läuft, wetteifernd wer der Erste sein wird, gleich wie die Läufer beim
gewöhnlichen Wettlauf, die um Prämien laufen.“ Diese Wettrennen sind
seit dem Jahre 1862 in den südlichen Gebirgsgegenden regelmäßig wieder
eingeführt. Die tüchtigsten Skiläufer des Landes treffen hier zusammen
und kämpfen um den ersten Preis. Der eine segelt noch eleganter durch
die Luft dahin wie der andere, während die Zuschauer in athemloser
Spannung warten, bis sie unten anlangen. Stehen sie auf ihren Füßen,
so werden sie mit endlosem Jubel begrüßt, während der Unglückliche,
welcher fällt, ein schallendes Hohngelächter über sich ergehen lassen
muß. Wer ein solches Wettrennen auf dem Huseby-Berge bei Kristiania
mitgemacht hat, der vergißt den Anblick nie wieder.
Um aber völlig Herr über seine Ski zu sein, muß man noch etwas mehr
verstehen, als nur auf ihnen zu springen. Man muß im stande sein,
sie, sobald es erforderlich ist, nach beiden Seiten zu schwingen,
sie ganz quer hinzustellen und vor jedem unerwarteten Hinderniß
Halt zu machen. Kann man das nicht, da ist man stets in Gefahr,
gegen Bäume und Erhöhungen im Terrain anzurennen, ja in unbekannte
Abgründe hinabzustürzen. Deswegen wird dies alles bei den jährlichen
Zusammenkünften geübt, und auch hierin sind die Bewohner von Telemarken
die Lehrmeister der neueren Zeit. Sie in voller Fahrt daherkommen, dann
plötzlich die Ski mit einer schnellen Wendung quer werfen und Halt
machen sehen, das ist vielleicht ein beinahe so stolzer Anblick, als
wenn man sie durch die Luft dahinfliegen sieht.
Die Ski sind vor allen Dingen ein Mittel zum Vorwärtsgelangen, und
deshalb ist und bleibt auch die Geschwindigkeit, mit welcher der
Skiläufer seinen Weg über ein ungebahntes Feld nehmen kann, der
wichtigste Theil des Skilaufens.
[Illustration: Das plötzliche Anhalten vor einem Abgrund.]
Obwohl der Sprung die größte Bewunderung bei den Zuschauern erregt,
so wird mit Fug und Recht bei unseren jährlichen Skiversammlungen
dem Fernlauf die größte Bedeutung beigelegt. Mancher glaubt, daß
es nur darauf ankommt, Stärke und Widerstandskraft zu besitzen, um
schnell lange Strecken auf Ski zurücklegen zu können, aber dies ist
ein Irrthum. Es kommt in ebenso hohem Grade darauf an, daß man mit
dem Gebrauch der Ski vertraut ist; am besten ist es, wenn man von
Kindheit an Uebung im Laufen hat, so daß man mit so wenig Schwierigkeit
wie möglich vorwärts gleitet. Durch lange Uebung, besonders in
der Kindheit, werden auch die Muskeln und derjenige Theil des
Nervensystems, der bei der Führung der Ski hauptsächlich in Anwendung
gelangt, stärker entwickelt. Was die Gewohnheit macht, ist leicht
zu verstehen, wenn man einen geübten und einen ungeübten Skiläufer
nebeneinander sieht, -- der Geübte gleitet dahin, als wenn das Ganze
ein Kinderspiel wäre, während der Ungeübte mit dem ganzen Körper
arbeitet und eine ganze Menge Muskelkraft vergeudet, um die nöthige
Bewegung zu erzielen. Man wird aus dem Grunde äußerst selten sehen,
daß Leute, die erst im späteren Alter die Benutzung der Ski erlernen,
sichere und ausdauernde Skiläufer werden. Bei wenig Dingen trifft
deswegen die Bedeutung des Sprichwortes: „Guter Haken krümmt sich früh“
mehr zu als bei diesem Sport; das ganze Körpersystem muß am liebsten
damit aufwachsen. Man darf aber hieraus nicht schließen, daß das
Skilaufen eine einseitige Ausbildung zur Folge hat, -- im Gegentheil,
wohl nichts entwickelt den Körper gesunder und harmonischer. Nicht
allein die Beine, sondern auch der Oberkörper und die Arme werden in
Mitleidenschaft gezogen. Die letzteren erhalten eine gesunde Bewegung
durch die Benutzung des Stabes während des Laufes, besonders wenn man
einen solchen in jeder Hand hat, so wie es in einigen Gegenden von
Lappland Sitte ist, und wie es auch in letzter Zeit bei schnellem
Laufen in Norwegen in Anwendung gelangte. Auf der Wanderung über das
grönländische Inlandseis bedienten auch wir uns zweier Stäbe.
Es ist unmöglich, eine Norm für die Geschwindigkeit aufzustellen, zu
der ein tüchtiger und ausdauernder Skiläufer es bringen kann, da dies
hauptsächlich von dem Terrain und von der Beschaffenheit des Schnees
abhängt. Auf guter Bahn und bei einigermaßen günstigem Terrain kann man
jedoch annehmen, daß er täglich ungefähr 100 Kilometer zurückzulegen
vermag.
Der längste Distancelauf, der in Norwegen abgehalten wurde, fand im
Februar 1888 bei Kristiania statt. Die Bahn war 50 Kilometer lang und
ging größtentheils über hügeliges, unebenes Waldterrain, -- unterwegs
waren viele Hindernisse verschiedenster Art aufgestellt, um die
Tüchtigkeit der Skiläufer zu erproben. Der Sieger legte die Bahn in 4
Stunden 26 Minuten zurück.
Der längste Distancelauf auf Schneeschuhen, der überhaupt bekannt ist,
wurde auf Veranlassung der Freiherren +Dickson+ und +Nordenskjöld+ am
3. und 4. April 1884 in Jokkmokk im nördlichen Schweden abgehalten.
Den ersten Preis errang der Lappe +Tuorda+ -- 37 Jahre alt -- der
+Nordenskjöld+ auf seiner Reise über das grönländische Inlandseis
begleitet hatte. Er legte nach Angabe der Preisrichter 220 Kilometer in
21 Stunden 22 Minuten zurück, -- der zweite, ebenfalls ein Lappe -- 40
Jahre alt -- kam 5 Minuten später an, und von den 6 Männern, von denen
5 Lappen waren, kam der letzte 46 Minuten später als der erste an. Die
Bahn war beinahe eben und führte zum größten Theil über eisbedeckte
Seen, -- folglich muß sie sehr leicht gewesen sein, wie auch die
Beschaffenheit des Schnees sehr günstig gewesen sein muß.
Bei früheren arktischen Expeditionen sind merkwürdigerweise die Ski nur
selten oder gar nicht zur Anwendung gelangt. Auf dem grönländischen
Inlandseis sind sie nur von sehr wenigen Expeditionen benutzt worden.
Schon im Jahre 1728 wurde sonderbarerweise der Gedanke in Dänemark
rege, daß, wenn das Innere Grönlands untersucht werden sollte, dies
nur auf Schneeschuhen geschehen könne, „indem einige junge, kecke
norwegische Leute, die daran gewöhnt waren, im Winter auf Ski in den
Bergen zu jagen, einen guten Theil des Landes nach allen Richtungen hin
erforschen konnten.“ Dieser Gedanke wurde jedoch von den Dänen niemals
zur Ausführung gebracht.
In den „Nachrichten von Island, Grönland und Davisstraße“ von +Johann
Anderson+ (Hamburg 1746) wird u. a. erzählt, daß ein Schiffer es auf
alle Weise versucht habe, in das grönländische Inlandseis einzudringen
„sogar mit den langen Fußbrettern, deren sich bekanntlich die Lappen
und Andere bei ihren Winterzügen bedienen, doch hat er nicht weit ins
Land hinein gelangen können, und nachdem er einen seiner Begleiter
verloren hatte, der sich zu weit vor wagte und vor ihren Augen versank,
so daß sie wohl seine Schreie und Klagen hörten, ihm aber nicht
zu Hülfe kommen konnten, hat er ohne diesen Menschen und ohne die
Hoffnung, jemals weiter vordringen zu können, umkehren müssen“.
1878 nahm die dänische Expedition unter Kapitän +Jensen+ Ski mit,
benutzte sie aber nicht. +Jensen+ berichtet, daß sie dagegen gute
Dienste als Feuerungsmaterial thaten.
Ski wurden ferner von 2 +Lappen+ benutzt, die +Nordenskjöld+ im Jahre
1883 begleiteten, sowie von +Peary+ und +Maigaard+ im Jahre 1886.
[Illustration: Die von der Expedition benutzten Ski, von oben, von der
Seite und im Durchschnitt gesehen.]
Zum Schluß will ich hier noch die Schneeschuhe beschreiben, die wir
auf unserer Expedition verwendeten. Sie gehörten eigentlich keiner
bestimmten norwegischen Form an, sondern waren so gemacht, wie ich
sie für Schneefelder von der Beschaffenheit, wie wir sie im Innern
Grönlands vorzufinden glaubten, am passendsten hielt. Wir hatten im
ganzen 9 Paar bei uns; 2 waren von Eichenholz, während die übrigen aus
Birkenholz verfertigt waren. Die Eichenski hatten eine Länge von 2,30
~m~. Die Breite betrug vorn bei der Biegung 9,2 ~cm~, von der Mitte
bis nach hinten dagegen 8 ~cm~. Auf der Oberfläche der Ski lief der
Länge nach sowohl vor wie hinter der Fußplatte eine Leiste entlang,
wodurch sie die nöthige Steifheit erhielten, ohne dadurch zu dick
oder zu schwer zu werden. An den oberen Seitenrändern waren sie ein
Stück vor und hinter dem Zehenriemen ein wenig eingeschnitten (siehe
den Querschnitt) so daß dieser nicht zu sehr vorstand und die Fahrt
hinderte. Auf der unteren Fläche hatten sie drei schmale Längsrillen.
Ungefähr dieselbe Form und dieselben Dimensionen hatten auch die 7 Paar
Birkenski. Durch Unachtsamkeit des Verfertigers wurden sie indessen ein
wenig schmäler in der Biegung, indem sie hier dieselbe Breite hatten,
wie weiter nach hinten zu. Infolgedessen tragen die Vorderenden der
Ski nicht so gut über den Schnee, wirken mehr wie ein Schneepflug und
erschweren den Gang. Leider erhielten wir die Ski so kurz vor unserer
Abreise, daß uns keine Zeit blieb, neue anfertigen zu lassen.
Diese Birkenski waren auf der unteren Fläche mit ganz dünnen
Stahlplatten belegt, die unter dem Fuße eine Oeffnung hatten (88
~cm~ lang und 5,3 ~cm~ breit), in welche ein Stück Fell von einem
Elenthierfuße eingefügt war. Ich hatte diese Stahlplatten an den Ski
befestigen lassen, weil ich viel feuchten und körnigen Schnee zu finden
erwartete, auf dem gewöhnliche hölzerne Ski nicht gleiten. Durch
Einfügen des Felles wollte ich bewirken, daß die Ski trotz der glatten
Stahlschienen nicht zurückglitten.
[Illustration: Die Befestigung der Ski über einem Löparschuh
angebracht.]
Wir trafen indes keinen solchen Schnee an und hätten uns diese
Vorkehrung ersparen können.
Die beiden Paar Eichenski erwiesen sich als sehr zweckmäßig und für
künftige Expeditionen glaube ich ausschließlich solche empfehlen zu
können.
Die Befestigung der Ski war äußerst einfach und bestand nur aus
einem Zehenband von dickem, steifem Leder und einem verhältnißmäßig
breiten Fersenriemen, der zu beiden Seiten ganz unten am Ski an das
Zehenband befestigt war. Eine steife Befestigung, etwa von Weiden oder
spanischem Rohr, wie es in Norwegen allgemein gebräuchlich ist, um
bergab zu fahren oder zu springen, eignet sich meiner Meinung zu langen
Wanderungen durchaus nicht. Sie ist durchaus nicht erforderlich, um
dem Träger die Herrschaft über die Ski zu verleihen, und sie ermüdet
und hindert den Fuß weit mehr als eine weichere, geschmeidigere
Befestigung durch Leder. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man
bei großen Entfernungen um so weniger ermüdet, je weniger man die
Befestigung fühlt.
Fußnoten:
[13] Nach Professor +Gustav Storm+ ist überall im „Königsspiegel“ von
Ellen statt von Fuß die Rede.