zähen Stücken wie nur möglich. Da auserlesenes Eschenholz bekanntlich
ein außerordentlich starkes Material ist, konnte das Obergestell der
Schlitten sehr leicht und dünn angefertigt werden, ohne doch schwach zu
werden.
Die Schienen waren an einigen Schlitten aus Ulmenholz verfertigt, an
anderen aus Ahorn, -- welche beide Holzarten sich vorzüglich durch
ihre Glätte auf dem Schnee auszeichnen. In der Beziehung war es
freilich einerlei, woraus sie gemacht waren, denn die Schienen waren
mit dünnen Stahlplatten beschlagen, die ich abzunehmen dachte, sobald
wir auf losen Schnee kämen, die jedoch mit einer einzigen Ausnahme
während des ganzes Weges benutzt wurden.
Folgende Zeichnung giebt wohl eine so anschauliche Vorstellung von
dem Bau der Schlitten, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist.
Es waren gar keine Nägel verwendet worden, alles Zusammenfügen war
vermittelst Sorring bewerkstelligt, was den Schlitten elastischer
macht, so daß er bei Stößen u. dergl. nachgiebt, wo Nägel in der Regel
herausfallen. Die Folge hiervon war auch, daß auf der ganzen Reise
+nicht das Geringste zerbrochen wurde+. Die Länge der Schlitten betrug
ungefähr 2,90 ~m~ und die Breite etwa 0,50 ~m~. Maß man die Schienen
an der Unterseite von einer Spitze zur anderen, so betrug ihre Länge
2,89 ~m~, während die Breite 9,5 ~cm~ betrug. Daß sie sowohl hinten wie
vorne in die Höhe gebogen waren, gab dem Schlitten eine größere Stärke
und Elasticität, und gewährte gleichzeitig den Vortheil, daß man ihn,
falls das Vordertheil auf irgend eine Weise beschädigt werden sollte,
umwenden und das hintere Ende als Vordertheil benutzen konnte. Die
in die Höhe stehende Rücklehne, die man auf der Zeichnung erblickt,
war aus einer gebogenen, dünnen Eschenstange gemacht. Sie erwies sich
sehr praktisch zum Lenken und Schieben des Schlittens auf schwierigem
Terrain, wo eine Person nicht ausreichte, um einen Schlitten vorwärts
zu bewegen.
[Illustration: Schlitten der Expedition.]
Das Gewicht eines jeden Schlittens ohne die Stahlschienen betrug
ungefähr 11,5 ~kg~; mit den Stahlplatten unter den Schienen 13,75 ~kg~.
Außer diesen dünnen Stahlplatten war an der Mitte jeder Schiene auf
der Innenseite eine schmale, viereckige Stahlstange angebracht, die
als eine Art Kiel dienen und bei hart gefrorenem Boden die Schlitten
steuern und sie am Schleudern verhindern sollte, welches Letzteres von
großer Wichtigkeit ist, wenn man sich über Eisgletschern mit Spalten
hinbewegt, wo ein Schlenkern des Schlittens leicht ein Verschwinden in
der Tiefe zur Folge haben kann, -- und in einem solchen Falle kann man
froh sein, wenn man nicht mit in den Abgrund hinabgerissen wird.
Diese Stahlstangen leisteten uns, so lange sie festsaßen, vorzügliche
Dienste, da sie aber bei den heftigen Bewegungen der Schlitten auf dem
unebenen Terrain in der Nähe der Küste vielen Stößen ausgesetzt waren,
wurden sie bald abgerissen, -- besonders geschah letzteres, sobald wir
in die Kälte hinaufkamen, wo der Stahl so zerbrechlich wurde wie Glas.
Bei künftigen Expeditionen wäre deshalb ein Kiel unter den Schienen,
falls man einen solchen benutzen will, auf andere Weise anzubringen,
als wir es gethan hatten. Am stärksten würden solche Kiele natürlich
sein, wenn sie mit den Stahlplatten aus einem Stück gearbeitet wären,
dadurch würden diese aber den Vorzug verlieren, den unsere hatten,
nämlich daß sie abgenommen werden konnten, wenn man sich ihrer nicht
bedienen wollte.
Wie es aus der Zeichnung hervorgeht, befand sich in der Mitte der
Oberfläche der Schienen ein längslaufender Rücken, der ihnen, die des
Gewichts halber natürlich dünn waren, die nöthige Steifigkeit und
Elastizität gaben.
Die Schlitten waren darauf berechnet, je von einem Mann gezogen zu
werden, da es aber bei schwierigem Terrain am richtigsten ist, einen
Mann vorauszuschicken, um den besten Weg ausfindig zu machen, ohne daß
die Expedition deswegen Halt zu machen braucht, und da es gleichzeitig
am schwersten ist, im losen Schnee voranzugehen, so finde ich es am
zweckmäßigsten, wenn der erste Schlitten von zwei Männern gezogen wird.
Aus diesem Grunde hatten wir nur fünf Schlitten mitgenommen.
Welch ein Vortheil es ist, so viele kleinere Schlitten zu haben statt
weniger großer, wie die meisten früheren Expeditionen, scheint mir auf
der Hand zu liegen.
Bei schlechtem Terrain, wo man nur mühselig vorwärts kommt, ist es
schwer, die großen Schlitten mit ihrer schweren Last zu handhaben, ja
bei unserer Expedition würde es oft geradezu eine Unmöglichkeit gewesen
sein, ohne sie abzuladen und die Bagage zu tragen, während wir, wenn
wir zu Zweien oder Dreien den Transport eines unserer kleinen Schlitten
übernahmen, überall hindurch kommen konnten, ohne umzupacken oder
abzuladen. Zuweilen waren wir gezwungen sie ganz und gar, so wie sie
waren, zu tragen.
Das Verwandeln unserer Schlitten in Segelschlitten, was mehrmals
geschah, ging ohne weiteres vor sich, indem wir zwei oder drei
Schlitten nebeneinander stellten und vermittelst einiger Schneeschuhe
oder Stäbe zusammenbanden und festschnürten, dann errichteten wir
einige eigens dazu mitgebrachte Bambusrohre als Masten. Als Segel
benutzten wir unsern Zeltfußboden oder zwei Persenninge. Wenn wir die
Schlitten dann mit einer vorn angebrachten Steuerstange -- ähnlich
einer Wagendeichsel -- von Bambusrohr lenkten, so konnten wir auf diese
Weise ganz gut segeln. Wenn man bei einer Ausrüstung speciell diesen
Punkt ins Auge fassen würde, konnte man sich natürlich noch bedeutend
praktischer und zweckmäßiger einrichten, als wir es gethan hatten.
Meiner Ansicht nach muß dieser Art und Weise der Beförderung -- die
auf dem grönlandischen Inlandseis zuerst von dem Amerikaner +Peary+
angewandt wurde -- bei künftigen Expeditionen weit mehr Aufmerksamkeit
geschenkt werden, als bisher. Besonders dürfte es für die Untersuchung
des antarktischen Kontinents von Bedeutung werden.
Für eine Expedition wie die unsere ist selbstverständlich die
Konstruktion der „+Ski+“ von ebenso großer Wichtigkeit wie die der
Schlitten. Da ich aber im nächsten Kapitel unsere Ski eingehender
besprechen werde, so will ich vorläufig nur darauf hinweisen. Außer den
„Skiern“ führten wir auch indianische +Schneeschuhe+ und norwegische
+Truger+ mit uns.
Die indianischen Schneeschuhe bestehen bekanntlich aus einem Flechtwerk
von Thiersehnen (am häufigsten vom amerikanischen Elenthier), die in
einen Rahmen von zähem Holz (Eschenholz oder dergl.) gespannt werden.
Unsere Schneeschuhe hatten eine Länge von 1,06 ~m~ und eine Breite von
39 ~cm~.
Die norwegischen Schneeschuhe oder, wie wir sie nennen, „Truger“
waren aus Weidenflechtwerk angefertigt und hatten eine Form, wie aus
umstehender Zeichnung ersichtbar ist. Sie waren klein und hatten nur
eine Länge von ungefähr 89 ~cm~ und eine Breite von ca. 26 ~cm~.
Die Truger werden in einzelnen Gegenden Norwegens nicht selten
im Winter wie im Frühling verwendet. Besonders sind sie bei
Frühlingswetter besser zu gebrauchen, als die Ski. Die hauptsächliche
Verwendung finden die Truger jedoch in vielen Gegenden des Landes für
die Pferde. Diese Pferdetruger gleichen völlig den Menschentrugern,
nur ist die Befestigung selbstverständlich ein wenig anders und der
Form der Pferdehufe angepaßt. Unsere Fjordpferde lernen es sehr
bald, auf Trugern zu gehen, und können infolgedessen mit großem
Nutzen auf schneeigem Terrain verwendet werden, wo andere Pferde eine
Unmöglichkeit sind.[7]
[Illustration: Norwegischer Truger oder Lappenschuh.]
Schneeschuhe, sowohl indianische wie norwegische, stehen natürlich
unter gewöhnlichen Verhältnissen weit hinter den Skiern zurück,
d. h. falls ein Mann diese letzteren zu benutzen versteht. Wenn ich
trotzdem Schneeschuhe mitnahm, so geschah das aus dem Grunde, weil ich
glaubte, sie würden dort zweckmäßiger sein, wo es darauf ankam, die
schweren Schlitten die Hügel hinauf zu ziehen. Hierzu wurden sie denn
auch verwendet, -- ich selber gab den indianischen den Vorzug, ebenso
einzelne der anderen Norweger. Einer von ihnen konnte sich jedoch nicht
mit ihnen aussöhnen. Es erfordert nämlich ein wenig Uebung, um sich
ohne zu straucheln auf ihnen bewegen zu können. Er bediente sich dann
der norwegischen Truger, mit denen er freilich bedeutend tiefer in den
weichen Schnee hineinsank.
Lange fanden die Schneeschuhe überhaupt nicht Anwendung, bald
schnallten wir die Ski an und fanden, daß diese, selbst wenn es bergan
geht, vorzuziehen sind.
[Illustration: Das Boot der Expedition.]
Einen Vorzug haben allerdings die Schneeschuhe vor den Skiern, falls
unter diesen kein Fell ist, nämlich den, daß sie auch bei Thauwetter
benutzt werden können, wenn der Schnee ballt und sich unter den Skiern
festhängt. Ein zweiter Vorzug besteht darin, daß die Schneeschuhe
bedeutend leichter zu tragen sind als die Skier.
Um ein zweckmäßiges +Boot+ zu erhalten, das leicht genug war, um über
das Meereis gezogen zu werden, und dabei doch stark genug, um die
vielen Stöße aushalten zu können, denen es zwischen den launenhaften
Treibeisschollen ausgesetzt sein würde, -- ließ ich ein besonders für
diesen Zweck berechnetes in Kristiania bauen.
Die ganze Länge des Bootes betrug 5,96 ~m~, die größte Breite 1,88
m, die inwendige Tiefe 0,63 ~m~. Die Vertäfelung des Bootes bestand
aus einer doppelten Haut, von denen jede 10 ~mm~ dick war, und einer
Zwischenlage von dünnem Segeltuch. Die innere Vertäfelung bestand
aus Fichtenholz, die äußere aus norwegischem Eichenholz, beide auf
das sorgfältigste zusammengefügt. Die Bänder oder Spanten waren aus
gebogenem Eschenholz, 26 ~mm~ breit und 13 ~mm~ dick, mit einem Abstand
von 15¹⁄₇ ~mm~ voneinander. Auf der unteren Seite befand sich zu
beiden Seiten des Kieles je eine Schiene von Fichtenholz, die darauf
berechnet waren, das Boot während des Transportes über das Eis zu
stützen. Das Boot war sehr zweckmäßig gebaut, es war stark und dabei
elastisch genug, um dem Druck der Eisschollen nachzugeben. Ich bin
jedoch geneigt, eine einfache Vertäfelung der doppelten vorzuziehen, da
das Boot dadurch leichter zu steuern ist und die doppelte Vertäfelung
leicht Wasser aufnimmt und das Boot dadurch schwerer macht. Außerdem
ist ein Boot ohne Schienen einerseits ebenso leicht über das Eis
zu transportiren, während andrerseits bei einem Boot mit Schienen
die letzteren leicht in die Klemme gerathen, wenn sich das Eis
zusammenstaut, und dadurch das Boot zerstören.
Ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand für alle arktischen Expeditionen
ist der +Schlafsack+. Für eine Expedition wie die unsere war die
Natur des Stoffes, aus welchem diese Säcke verfertigt werden sollten,
natürlich von größter Wichtigkeit. Ein solcher Sack mußte so leicht
wie möglich sein und dabei doch genügend Wärme gewähren. Auf früheren
Expeditionen hat man theilweise Wolle oder Filz dazu verwendet,
theilweise verschiedene Fellarten. Der wollene Stoff gewährt natürlich
den Vortheil, den Schweiß besser hindurch zu lassen, als wie es bei
Fellen der Fall ist; auf diese Weise kondensirt sich die Feuchtigkeit
bei starker Kälte nicht in dem Grade, wie in einem aus Fellen
bestehenden Sack, -- auf der anderen Seite aber hat der Wollstoff den
großen Fehler, daß er im Verhältniß zu seiner Wärme viel zu schwer
ist. Ich ging eine Zeitlang mit dem Gedanken um, wollene Schlafsäcke
zu versuchen, aber ich fand, daß sie zu wenig Wärme gaben, und ich
fürchte, daß, wenn wir uns wirklich derselben bedient hätten, wir kaum
die Westküste Grönlands lebendig erreicht haben würden.
[Illustration: Die halbe Expedition in ihrem Schlafsack.]
Nach verschiedenen Versuchen entschied ich mich endlich für Schlafsäcke
aus Rennthierfell, als das zweckmäßigste, was für den Augenblick
aufzutreiben war. Das Rennthierfell ist im Verhältniß zu seinem Gewicht
das wärmste aller mir bekannten Fellarten, besonders ist das Winterfell
des Rennthierkalbes äußerst leicht und warm. Dies konnte ich jedoch
leider nicht mehr rechtzeitig auftreiben, weshalb ich mich mit dem Fell
von „Simlern“ (Rennthierkühen), das bedeutend schwerer ist, begnügen
mußte. Eine Schattenseite bei den Rennthierfellen ist natürlich die,
daß die Haare sich leicht abscheuern, wie es auch nicht viel Wasser
verträgt, ohne daß die Haare ausfallen. In der Beziehung ist Hundefell
weit besser und stärker, die Wärme des Rennthierfelles erreicht es
freilich nicht. Noch besser als Hundefell ist Wolfsfell, das nur den
einen Fehler hat, sehr kostbar zu sein. Das Fell unserer Schlafsäcke
hielt während der ganzen Reise und auch den Winter auf der Westküste
gut vor. Es war für unsern Zweck vom Kürschner +Brandt+ in Bergen
besonders präparirt und ich hatte allen Grund, damit zufrieden zu sein.
Wir hatten zwei Schlafsäcke, von denen jeder so eingerichtet war,
daß er drei Mann fassen konnte. Dies ist sehr zweckmäßig, indem
ein Sack für drei Mann natürlich bedeutend leichter ist, als drei
„einschläfrige“ Säcke, und außerdem ist ein solcher viel wärmer, indem
drei Männer in demselben Sack sich gegenseitig erwärmen.
Einen noch größeren Vortheil würde man in dieser Hinsicht durch +einen+
Sack für die ganze Expedition erzielt haben. Dies mochte ich jedoch
nicht wagen, denn wenn der Schlitten, auf welchem dieser eine Sack lag,
in eine Eisspalte fiel, so würden wir ohne jeglichen Schutz gegen die
Nachtfröste dastehen, während wir -- falls einer der dreischläfrigen
Säcke verloren ging -- doch nicht rathlos waren, zur Noth konnten
nämlich vier Mann in dem einen Sack schlafen; man hätte dann allerdings
abwechseln müssen.
Nach oben zu waren die Säcke mit einem mützenartigen Deckel versehen,
die vermittelst zweier Riemen zugezogen werden konnten. So lange die
Kälte nicht allzu fühlbar war, pflegte es mit diesen geschlossenen
Deckeln warm zu werden, sobald es aber kälter wurde, waren wir froh,
soweit zuschnüren zu können, als die Riemen reichten.
Durch die Spalte, welche trotzdem blieb, hatten wir immerhin
Ventilation genug. Von der kühlen Nachtluft, die in Grönlands Innerem
weht, brauchte nicht viel in die Säcke zu dringen, um die Kälte
empfindlich werden zu lassen. Um die Schlafsäcke gegen Feuchtigkeit zu
schützen, hatte ich Bezüge aus dünnem Wachstuch anfertigen lassen, --
sobald wir aber auf das Inlandseis kamen, wurden diese Bezüge kassirt.
Luftkissen aus Kautschuck als Unterlage für die Säcke hielt ich nicht
für nothwendig, da die Säcke aus Rennthierfell waren; und da diese
Luftkissen ziemlich schwer sind, ist es natürlich ein Vortheil, wenn
man sie entbehren kann.
An +Kleidungsstücken+ hatten wir, mit Ausnahme einiger
Reservegegenstände, nicht viel mehr mit, als das, worin wir die
ganze Zeit, seit wir Norwegen verlassen hatten, gingen und standen.
Ausgenommen zwei „Päsker“ (Pelze) mit dazu gehörigen Beinkleidern aus
Rennthierfell, welche die Lappen mithatten, und einer kleinen, mit
Eichhornfell gefütterten Jacke, die ich mitnahm, freilich fast ohne
Verwendung dafür zu haben, hatten wir keinerlei Pelzbekleidung mit,
sondern waren von Kopf bis zu Fuß in Wolle gehüllt. Am bloßen Leibe
trugen wir dünne, wollene Hemden und ebensolche Unterbeinkleider,
dann kam eine dickere isländische wollene Unterjacke und darauf das
Oberzeug, das aus einer Jacke für den Oberkörper, Kniebeinkleidern
und Schneesocken für die Beine bestand und aus norwegischem Fries
verfertigt war. Diese Bekleidung erwies sich als äußerst praktisch.
Wollenes Zeug ist bei Strapazen, wie überall, das gesundeste, indem es
der Transpiration freien Durchgang gewährt, wogegen Leinen, Baumwolle
sowie Fellbekleidung dieselbe hemmen. Vor allen Dingen mußten wir es
natürlich vermeiden zu schwitzen, da dies bei starker Kälte leicht
eine Abkühlung mit nachfolgendem Erfrieren zur Folge haben kann. Wir
mußten deshalb lieber allmählich, wenn wir warm wurden, von unsern
Bekleidungsstücken ablegen, und so konnte es sich ereignen, daß die
Mitglieder der Expedition bei einer Kälte von 20-30 Grad nur mit einer
wollenen Unterjacke bekleidet waren und dabei schwitzten wie an einem
Sommertage.
Bei Wind, sowie in Schnee- und Regenwetter pflegten wir über
den wollenen Anzügen ein leichtes Kostüm von einer Art dünnem,
braungefärbten Segeltuch oder ähnlichem Stoff zu tragen, das so
imprägnirt sein sollte, daß es wasserdicht war, was übrigens keineswegs
der Fall war. Bei Wind und in Schneewetter war dies Kostüm freilich
ausgezeichnet, und wir benutzten es viel auf dem Inlandseise,
es schützte vorzüglich gegen das feine Schneegestöber, das dem
Staube gleicht und in alle Poren des wollenen Zeuges dringt, um es
schließlich, wenn es schmilzt, völlig zu durchnässen.
An der Jacke dieses Segeltuch-Kostüms war eine Kapuze angebracht, die
man über den Kopf ziehen konnte und die so groß war, daß man das ganze
Gesicht damit bedecken und es auf diese Weise vortrefflich gegen den
Wind schützen konnte, der bei der scharfen Kälte oft sehr beißend und
durchaus nicht ungefährlich für Wangen und Nase war.
[Illustration: Durch unebenes Eis in der Nähe der Westküste. 23.
September 1888.]
Als +Fußbekleidung+ benutzten wir außer gewöhnlichen Schuhen
(„Pechdrahtschuhen“) auch die in Norwegen allgemein bekannten
„Lauparsko“, die aus rohen Häuten oder -- wie die unseren -- aus
gegerbtem Leder verfertigt sind. Die Sohlen bestehen aus einem Stück
weichen Leders, das an den Seiten in die Höhe gebogen und mit einem
Stück Oberleder auf der Oberfläche des Fußes zusammengenäht ist,
ungefähr auf dieselbe Weise, wie die Lappen und Finnen mit ihren
„Komagern“ und die Eskimos mit ihren „Kamikern“ verfahren. Etwas
Aehnliches habe ich übrigens auch auf Island gesehen, obwohl die
Schuhe hier häßlicher und klotziger gemacht waren, als bei uns. In
diesen „Lauparschuhen“ trugen wir ein Paar dicke, gewalkte wollene
Strümpfe, sowie ein Paar dicke Ueberstrümpfe von Ziegenhaar, das außer
dem Vorzug, daß es warm hält, auch, gleich dem Queckgras (~carex
vesicaria~) der Lappen, die Eigenschaft besitzt, alle Feuchtigkeit an
sich zu ziehen und die Füße trocken zu halten.
[Illustration: Lauparschuh.]
Diese Lauparschuhe eignen sich vorzüglich als Fußbekleidung bei
Benutzung von Ski und Truger. Sie sind stärker als „Hautschuhe“
(Hudsko[8]) und „Finnenschuhe“, haben aber den Nachtheil, nicht so
warm zu sein wie diese. So konnte es z. B. vorkommen, daß wir am Abend
Mühe hatten, die Schuhe von den Füßen zu ziehen, indem Strümpfe,
Ueberstrümpfe und Schuhe fest aneinander gefroren waren. Die beiden
Lappen hatten jeder zwei Paar Finnenschuhe mit und noch eines außerdem,
welches von dem jüngsten Lappen zum Geschenk für mich bestimmt war.
Diese Finnenschuhe sind, wenn sie gut sein sollen, aus der Haut der
Beine des Rennthierochsen gemacht; die Fellstücken werden mit den
Haaren möglichst 24 Stunden in eine starke Borkenlauge (von Birkenrinde
oder dergl.) gelegt, oder auch mit Theerwasser gegerbt. Das Fell der
Hinterbeine wird zu den Sohlen und Seiten verwendet, während aus
dem Fell der Vorderbeine die Oberstücke verfertigt werden. Diese
Fellstücken werden so zusammengenäht, daß die Haare nach außen wenden.
Aehnliche Schuhe verfertigt man auch aus dem Stirn- und Kopffell der
Rennthiere. Diese Schuhe, die gewöhnlich „Skaller“ genannt werden, sind
wärmer, als die vorhin erwähnten, aber nicht so haltbar.
Diese Finnenschuhe, bei denen also die Haare nach außen stehen, sind
sehr warm und eignen sich vorzüglich zum Skilauf. Die Lappen füllen
sie mit Queckgras (~carex vesicaria~) und stecken ihre Füße nackt
ohne Strümpfe hinein. Der Grund, weshalb ich nicht selber solche
für die Mitglieder der Expedition mitgebracht hatte, lag in meiner
Befürchtung, daß sie der Nässe zu sehr ausgesetzt sein würden, was
sie nicht vertragen können. Die Finnenschuhe müssen in der Beziehung
sehr sorgfältig behandelt werden, wenn sie nicht sehr bald ruinirt
werden sollen. Von Feuchtigkeit merkten wir freilich nicht viel. Die
Finnenschuhe, die ich von +Balto+ erhielt, zog ich einige Meilen von
der Ostküste entfernt an und benutzte sie fast den ganzen Weg bis zur
Westküste, dann trug ich sie während des Winters viel, und selbst als
ich sie nach Norwegen mit zurückbrachte, waren sie nicht verschlissen.
Das ist sehr viel, wenn man in Betracht zieht, daß sie nicht neu
waren, als ich sie erhielt, -- +Balto+ hatte sie schon während des
vorhergehenden Winters benutzt. Ich überzeugte mich auf diese Weise
zur Genüge von der Zweckmäßigkeit der Finnenschuhe auf Reisen wie der
unsern und kann sie für solche Zwecke auf das wärmste empfehlen. Sie
wiegen ganz verschwindend wenig, so daß man, ohne es zu merken, ein
oder zwei Paar als Reserve mitnehmen kann. Wie bereits erwähnt, müssen
sie freilich, wenn sie halten sollen, gut behandelt werden, -- sind
sie naß geworden, so soll man sie am liebsten vor dem Schlafengehen
umwenden, so daß die Haarseite nach innen kommt, sie dann anziehen und
die Nacht über damit liegen. Auf diese Weise trocknet die Fellseite,
und das ist das wichtigste, um das Ausfallen der Haare zu vermeiden.
An den Händen trugen wir große wollene +Fausthandschuhe+, sogen.
„Lovanter“, über diese pflegten wir bei starker Kälte oder bei Wind
große Fausthandschuhe aus Hundefell, mit der rauhen Seite nach außen
gekehrt, zu tragen. Die Lappen benutzten gewöhnliche „Lappevanter“ aus
Rennthierfell mit der Haarseite nach außen. Wenn man diese Handschuhe
mit Queckgras füllt, wie die Finnenschuhe, so sind sie sehr warm. Für
die Benutzung und Behandlung von Instrumenten und Zeichengeräthschaften
brachte ich wollene Fingerhandschuhe mit.
Auf den Köpfen hatten wir +Mützen+ aus wollenem Stoff, die zum
Herunterklappen über Ohren und Nacken eingerichtet waren. Außerdem
hatten wir +Kapuzen+ von Fries und die bereits oben erwähnten Kapuzen
an unsern Segeltuchjacken. Wenn wir dies alles aufhatten, so war
unser Kopf gegen die schärfste Kälte, ja, gegen den beißendsten Wind
wohlverwahrt.
Von großer Bedeutung für eine Schlittenexpedition sind +Schneebrillen+,
um einer Schneeerblindung vorzubeugen. Was es zu bedeuten hat,
wenn man eine solche Kleinigkeit vergißt, davon giebt +Majsejews+
Expedition nach Novaja Semlja im Jahre 1839 ein deutliches Beispiel,
indem der Mangel an Schneebrillen die Ausführung der ganzen Expedition
verhinderte. Wir wandten Brillen aus dunklem, rauchfarbigem Glas an,
theils ohne, theils mit Körben von Drahtgeflecht an den Seiten, um
gegen das von unten und von den Seiten eindringende Licht zu schützen.
Ich selber benutzte hauptsächlich eine Brille von letzterer Form, die
ich von +Nordenskjöld+ erhalten hatte und die ich vorzüglich fand.
[Illustration: Unsere hölzerne Schneebrille.]
Außer diesen Brillen mit dunklem Glas wurden auch Brillen von schwarzem
Holz, die vor jedem Auge eine horizontale Spalte hatten, benutzt,
ähnlich den Brillen, deren sich verschiedene Polarvölker bedienen.
Diese Form von Brillen ist außerordentlich zweckmäßig und hat den
Vorzug vor den anderen, daß sie keine Gläser haben, welche bei feuchter
Luft beschlagen und den Augen hinderlich sind. Auf der anderen Seite
dagegen haben sie den Nachtheil, daß sie den Gesichtskreis sehr
beschränken. Besonders wenn man sich auf Schneeschuhen bewegt, hat
es seine großen Schattenseiten, den Boden unter sich nicht sehen zu
können. Diesem Uebelstande könnte vielleicht durch eine vertikale
Spalte, die quer über die horizontale läuft, abgeholfen werden.