Mit einer unheimlichen, starren Ruhe stand sie auf und ging hinaus.
Er ging ihr nach, denn er befürchtete, daß sie unter dem tränenlosen
Schmerz zusammenbrechen könnte. Mechanisch nahm sie ein paar Handtücher
aus dem Schrank, holte eine Schüssel Wasser aus der Küche und stellte
sie auf die Diele. Jetzt kam der Wagen langsam herangerollt. Vier
Männer hoben den Toten herab und trugen ihn ins Haus. Als sie ihn auf
die Liege gebettet hatten, warf sich Minna über ihn und barg sein
Gesicht an ihre Brust. Und jetzt kamen ihr auch die erlösenden Tränen.
Leise schlichen die Männer hinaus. Langsam folgte ihnen Walter. Er
hatte seinen Lehrherrn auch lieb gehabt und verehrt. Aber sein tiefstes
Mitleid gehörte dem jungen Mädchen, über das so namenloses Unheil
hereingebrochen war.
Als der Arzt kam, führte er ihn ins Haus. Gewohnheitsmäßig nahm der
alte Herr die Hand des Toten, um den Puls zu fühlen, obwohl der erste
Blick ihm schon gesagt hatte, das seine Kunst hier nicht mehr helfen
konnte.
In ihrer stillen Art ordnete Minna alles an, was solch ein Todesfall
nötig macht. Am Abend saßen die beiden jungen Leute sich wie immer im
Wohnzimmer gegenüber. Zaghaft fragte Walter: „Was meinen Sie, Fräulein
Minna, was jetzt hier werden soll?“
„Ich habe die Schwester und den Bruder schon benachrichtigt, es
sind seine rechten Geschwister. Die werden zum Begräbnis kommen und
bestimmen, was geschehen soll. Ich denke, sie werden das Gut verkaufen,
und sich die Erbschaft teilen. Ich bin ja nur eine Stiefschwester von
Friedrich.“
„Das ist gleich. Sie erben mit. Wollen Sie nicht das Gut übernehmen?“