II. 6.]

Lektion 8.

Wasserwanzen.

Wenn ihr aus der Schule nach Hause kommt und an einem Teich vorbeigeht,

so könnt ihr ganz sicher sein, eine oder mehrere von den drei

Wasserwanzen dieser Lektion zu finden, und ich möchte euch empfehlen,

sie zu beobachten.

Die erste ist ein langes, dünnes, schwarzes Insekt. Es läuft auf der

Wasseroberfläche hin und sieht aus wie eine Nadel auf Beinen. Es wird

„Wasserläufer“ genannt. Wenn es auf der Wasseroberfläche dahinrennt,

sieht es aus, als ob es das Wasser mit seinen Beinen ausmessen wollte.

Der Wasserläufer hat sehr feine Haare unter dem Körper und an den

Beinen. Die Luft zwischen diesen Haaren verhindert, daß er naß wird,

und daß er untergeht. Er hat zwei lange Fühler und einen langen dünnen

Rüssel. Die Beine und der Körper haben eine gelbliche Farbe, und die

Flügel sind glänzend schwarz.

Wenn man den Wasserläufer beobachtet, wird man sehen, daß er sehr

schnell über den Teich dahinläuft. Er fängt eine Wasserfliege, hält

sie in den Vorderklauen und saugt alle Flüssigkeit aus ihrem Körper.

Obgleich er Flügel hat, fliegt er nicht oft.

Die nächste Wasserwanze ist nicht so dünn. Sie ist ungefähr einen

Zoll lang und hat einen flachen Körper mit grauen Flügeln. Sie hat

sehr kurze Fühler, und die Vorderbeine sind dick, stark und mit Klauen

bewehrt. Deshalb heißt sie „Wasserskorpion“. Sie braucht diese Klauen,

um die Insekten im Wasser zu ergreifen, die sie mit ihrem scharfen

Rüssel aussaugt.

[Illustration: ~a.~ Wasserskorpion. ~b.~ Ruderwanze. ~c.~ Wasserläufer.]

Der Wasserskorpion schwimmt sehr langsam unter dem Wasser oder kriecht

im Schlamme und ist leicht zu fangen. Sehr leicht ist dies, wenn er

aus dem Wasser heraufkommt, um Luft zu schöpfen. Dies tut er auf

eine ganz sonderbare Weise. Er hat zwei lange Borsten am Ende des

Hinterleibs. Wenn er sie zusammenlegt, bilden sie eine Röhre wie einen

Strohhalm. Er kommt nahe an die Oberfläche, steckt das Ende der Röhre

in die Luft und zieht dann etwas von dieser in den Körper ein. Die Eier

des Wasserskorpions kleben auf den Blättern von Wasserpflanzen und

sehen wie Samenkörner aus.

Die dritte Wasserwanze kennt ihr sicher. Es ist ein kleines Insekt, das

einem Käfer ähnlich ist, mit sechs Beinen, von denen zwei sehr lang

sind. Es schwimmt auf dem Rücken und bewegt sich mit diesen beiden

Beinen fort, als ob es Ruder wären. Deshalb heißt es Rückenschwimmer

oder Ruderwanze.

Die Ruderwanze hat einen langen Saugrüssel aber man sieht ihn kaum,

wenn man sie nicht in ein Glas setzt und genau zusieht. Denn da sie auf

dem Rücken schwimmt, biegt sie den Kopf auf die Brust hinunter, so daß

der Rüssel zwischen den Beinen liegt.

Die Augen befinden sich an der Seite des Kopfes und sind sehr groß,

so daß die Ruderwanze nach oben und unten sehen kann. Das ist sehr

nützlich für sie, denn sie schwimmt zwischen die Kaulquappen und Larven

und ergreift sie mit den Klauen. Dann sticht sie die Beute mit dem

scharfen Rüssel an und saugt alle Flüssigkeit aus ihrem weichen Körper.

Die Ruderwanze schwimmt stets im Wasser oder kriecht im Schlamm. Abends

kommt sie manchmal an die Wasseroberfläche und fliegt zu einem anderen

Teiche oder Graben.

Die weibliche Ruderwanze legt kleine, längliche, weiße Eier auf die

Wasserpflanzen. Man kann sie im März finden, und schon im April sieht

man die kleinen Wanzen auf dem Rücken schwimmen, gerade wie die Alten.

Wenn man sich etwas Mühe gibt, kann man diese drei verschiedenen

Wasserwanzen im Netze fangen, sie in ein Glasgefäß setzen und alles

beobachten, was ich euch erzählt habe.

Lektion 9.

Am Flußufer.

Wir wollen eine kurze Strecke am Flußufer hinwandern. Wie hübsch ist es

da, wenn die Abendsonne durch das Laub der Bäume scheint! Was für eine

Menge von kleinen Geschöpfen freuen sich ihres Lebens in der Luft und

im Wasser!

Der kleine blasse Hans, der aus der Stadt gekommen ist, um einen

freien Tag hier zu verleben, sagt: „Ich möchte, ich könnte auf dem

Lande leben.“ Wenn er nach seiner Wohnung in der engen Stadtstraße

zurückkehrt, wo es nur hartes Pflaster gibt und kein grünes Gras, keine

schattigen Bäume und kein lustig dahinfließendes Wasser, dann wird er

oft an diesen Spaziergang am Flußufer denken.

[Illustration: Kaulkopf und Eintagsfliegen.]

Sieh jene Fische von ungefähr 7-8 ~cm~ Länge, die unter der Brücke

hin- und herschwimmen. Sie heißen Kaulköpfe, weil sie einen breiten,

dicken Kopf haben. Sie haben an jeder Seite des Kopfes einen spitzen

Wangenstachel, den man fühlen kann, wenn man den Fisch in die Hand

nimmt. Der Eisvogel weiß das ganz gut; er verschlingt keinen Kaulkopf,

denn sie würden ihm im Halse stecken bleiben.

Der Kaulkopf lebt unter Steinen und frißt Insekten und die Eier anderer

Fische. Sieh da! Fritz hat einen gefangen und ihn in das Glas gesteckt.

Nun kann Hans sehen, was für ein hübsches Auge der Kaulkopf hat, und

wie schön die roten, grünen, braunen und gelben Farben auf seinen

Schuppen schillern.

[Illustration: Mücke mit Larve. (Die Linien geben die wirkliche Größe

an.)]

Wie geschäftig die Fliegen mit den langen Flügeln und den drei

langen Borsten an dem Hinterleibe sind! Es sind Eintagsfliegen, die

über dem Wasser hin- und herfliegen. Sie suchen keine Nahrung, denn

Eintagsfliegen fressen nicht und leben nur kurze Zeit. Aber sie haben

lange Zeit als Larven unter dem Wasser gelebt wie die Larve der

Wasserjungfer. Sie legen nur ihre Eier und sterben dann.

Die Mücken, die über jener tiefen, ruhigen Stelle in der Nähe der

Mühle fliegen, sind ganz anders. Die eine hat mich gerade in die Hand

gestochen und mir Blut ausgesogen und so weiß ich, daß sie Nahrung zu

sich nimmt. Aber die Mücken haben auch kein so langes Leben im Wasser

wie die Eintagsfliegen.

Diese Mücken sind erst vor einigen Wochen ans Licht der Welt gekommen.

Die weibliche Mücke legt einige klebrige Eier, nicht größer als die

Spitze einer Stecknadel, auf die Oberfläche des Wassers. Bald kriechen

aus den Eiern Larven aus, die wie winzige Würmchen aussehen und feine

Härchen an den Seiten haben. Sie schwimmen im Wasser umher und nähren

sich von kleinen Stückchen der Wasserpflanzen.

Warum schwimmen sie wohl mit den Köpfen nach unten? Weil sie nur durch

eine Öffnung am Hinterleib atmen können und deshalb denselben in die

Luft emporstrecken müssen.

In ungefähr drei Wochen wechselt jede Larve ihre Haut dreimal. Nach der

vierten Häutung ist die Larve von einer Hülle umgeben, und wenn man

genauer hinsieht, erkennt man eine vollständige Mücke mit Flügeln im

Innern der Umhüllung.

Nun muß sie auskriechen, und das ist sehr gefährlich. Denn wenn sie

dabei ins Wasser fällt, muß sie ertrinken. Darum streckt sie sich

vorsichtig auf der Oberfläche des Wassers und beginnt den Kopf durch

einen Schlitz in der Umhüllung zu stecken. Dann kriecht sie langsam

heraus und steht auf den Fußspitzen auf der leeren Haut, die wie ein

Boot auf dem Wasser schwimmt. Sie breitet die Flügel aus, und nun ist

sie endlich in Sicherheit: sie fliegt fort. Manchmal weht der Wind sie

um, ehe sie ganz auskriechen kann, und dann ertrinkt sie.

Wenn man im Monat Mai einen Eimer Wasser aus einem Teiche holt und ihn

im Freien hinstellt, kann man vielleicht die Mücke aufwachsen sehen,

denn es ist sehr wahrscheinlich, daß eine Menge darin sind. Aber man

muß scharfe Augen haben, da die Larven sehr klein sind.

Und nun geht die Sonne unter, und Vögel, Tiere und Blumen gehen zur

Ruhe. Bald werden die Nachtschmetterlinge, die Eulen und Fledermäuse

hervorkommen. Wir müssen nach Hause gehen.

Lektion 10.

Die Familie des Fischotters.

(Siebentes Vollbild.)

Gegen fünf Uhr morgens untersuchte Wilhelm, der Sohn des Wildhüters,

die Fallen, die für Wiesel, Iltisse und anderes Raubzeug gelegt

waren. Sein Weg führte ihn über eine Brücke, die über den Fluß ging,

und als er in die Nähe derselben kam, hörte er ein sonderbares Pfeifen.

[Illustration: Fischotter, einen Fisch fressend.

Am Teich- und Flußufer · 第 18 / 24 题