Die jungen Wasserratten sind sehr niedliche kleine Geschöpfe. Sie
werden in einem Neste geboren, das die Alten aus trockenem Grase in dem
Bau angelegt haben. Wenn sie herauskommen, schwimmen sie mit den
Alten umher und fressen Wasserlinsen.
Aber obgleich die Wasserratte meistens im Wasser lebt, kommt sie doch
zuweilen ans Land, um ihren Wintervorrat einzusammeln. Sie ist oft dem
Landmann sehr lästig, denn sie liebt Mohrrüben und Kartoffeln und kommt
am Abend auf die Felder, um von diesen Früchten zu fressen und einen
Teil derselben nach ihrem Bau zu tragen.
Ein Landmann grub einmal den Bau einer Wasserratte auf und fand darin
fast fünf Liter Stücken von Kartoffeln und Rüben.
Lektion 7.
Das grünfüßige Wasserhuhn und das Bläßhuhn.
(Fünftes und sechstes Vollbild.)
Wenn euer Weg zur Schule an einem Flusse entlang führt, wo Bäume das
Wasser überschatten, so werdet ihr wahrscheinlich schon ein Wasserhuhn
und seine Jungen gesehen haben. Vielleicht wißt ihr auch, wo das Nest
ist, das gewöhnlich zwischen Binsen oder Schilf steht oder sich auf
einem Baumzweige befindet, der über dem Wasser hängt.
Das Nest besteht aus trockenen Binsen, und obwohl es ganz dicht am
Wasser liegt, ist es trocken und warm. Beim Baden kann man wohl
hineinsehen. Man wird gegen acht blaßgraue Eier mit rotbraunen Flecken
finden. Die Eier sind auch vielleicht schon ausgebrütet, und dann sind
die jungen Vögel mit der Mutter in den Binsen verborgen. Sie sehen aus
wie kleine schwarze Flaumklumpen mit einem roten Fleck auf dem Kopfe
und weißen Federschwänzen, und sie können laufen und schwimmen, sobald
sie ausgebrütet sind. Während der ganzen Zeit, wo ihr in der Nähe seid,
wird die Mutter rufen „kruck, kruck“, um euch fortzutreiben.
Das Wasserhuhn ist ein schwarzer Vogel mit einer hellroten Stirn und
gelbem Schnabel. Am Rande der Flügel und unter dem Schwanze hat es
weiße Federn. Wenn es im Wasser ist, schnellt es fortwährend den Kopf
nach unten, so daß man die weißen Federn sieht und selbst die grünen
Beine mit den roten Bändern.
Sehr bald nachdem die Jungen ausgebrütet sind, schlüpfen sie aus dem
Neste und schwimmen um die Mutter herum. Wenn man ganz still in den
Büschen liegt, kann man sie vielleicht ans Ufer kommen sehen, um Würmer
oder Schnecken zu fressen. Dann kann man beobachten, daß die Füße nicht
mit Schwimmhäuten versehen sind wie bei der Ente, sondern daß alle vier
Zehen frei sind.
Aber wenn man das geringste Geräusch macht, so stößt die Mutter einen
Schrei aus, der wie „krek, krek“ klingt, und alle tauchen ins Wasser
und schwimmen zu einer sicheren Stelle in den Binsen. Sie kehren nicht
zum Neste zurück und selbst, wenn man mit einem Stocke in die Binsen
schlägt, rühren sie sich nicht. Sie wissen, daß sie in ihrem Verstecke
sicher sind.
Dieser Vogel wird oft Moorhuhn genannt, weil er sich auch bisweilen auf
dem Moore findet. Aber Wasserhuhn ist der bessere Name.
Wenn nun ein größerer See irgendwo in der Nähe ist, kann man das
Wasserhuhn dort finden und daneben noch einen anderen Vogel, den man
anfangs für ein solches halten kann, denn er taucht in ganz derselben
Weise. Aber wenn man ihn genauer betrachtet, wird man erkennen, daß
dieser zweite Vogel keine rote Stirn, sondern einen großen kahlen Fleck
auf dem Kopfe hat, und daß er größer ist als das Wasserhuhn.
Dieser Vogel heißt Bläßhuhn wegen des weißen Streifens auf der Stirn.
Wenn man ihn am Ufer beobachtet, wie er Samen oder Insekten frißt,
so kann man sehen, daß die drei Vorderzehen von einer faltigen Haut
umgeben sind, doch hängen sie nicht zusammen.
Aber das Bläßhuhn ist nicht leicht zu beobachten; denn es ist sehr
scheu. Es fliegt weg oder taucht unter das Wasser, ehe man in seine
Nähe kommen kann. Es hat scharfe Krallen, die ihm beim Klettern helfen,
und mit denen es den verletzt, der es zu fangen versucht.
Das Bläßhuhn baut sein Nest in die Schwertlilien oder das Schilf und
zwar so, daß es fast das Wasser berührt. Manchmal ertrinken die Jungen,
wenn ein Hochwasser kommt.
Wenn ein Boot in die Nähe des Nestes kommt, so schlüpft das Bläßhuhn in
das Schilf und ruft „käck, käck, käck“, um den Nahenden fortzulocken.
Wenn man das Nest aber doch entdeckt, wird man ungefähr zehn Eier darin
finden. Sie sehen den Eiern des Wasserhuhns ähnlich, sind aber größer
und haben dunklere und kleinere Flecken. Wenn die Eier ausgebrütet
sind, kann man die Jungen an der kahlen Stelle auf dem Kopfe erkennen,
sonst sind sie schwarz und ähneln Flaumklumpen wie die des grünfüßigen
Wasserhuhns.
Im Winter findet man Bläßhühner weder auf den Flüssen noch auf Teichen.
Mit vielen anderen ihresgleichen ziehen sie nach dem Süden in wärmere
Gegenden und warten dort, bis der Frühling wiederkommt.
[Illustration: Bläßhühner mit Jungen.