II. 5.]

Die jungen Wasserratten sind sehr niedliche kleine Geschöpfe. Sie

werden in einem Neste geboren, das die Alten aus trockenem Grase in dem

Bau angelegt haben. Wenn sie herauskommen, schwimmen sie mit den

Alten umher und fressen Wasserlinsen.

Aber obgleich die Wasserratte meistens im Wasser lebt, kommt sie doch

zuweilen ans Land, um ihren Wintervorrat einzusammeln. Sie ist oft dem

Landmann sehr lästig, denn sie liebt Mohrrüben und Kartoffeln und kommt

am Abend auf die Felder, um von diesen Früchten zu fressen und einen

Teil derselben nach ihrem Bau zu tragen.

Ein Landmann grub einmal den Bau einer Wasserratte auf und fand darin

fast fünf Liter Stücken von Kartoffeln und Rüben.

Lektion 7.

Das grünfüßige Wasserhuhn und das Bläßhuhn.

(Fünftes und sechstes Vollbild.)

Wenn euer Weg zur Schule an einem Flusse entlang führt, wo Bäume das

Wasser überschatten, so werdet ihr wahrscheinlich schon ein Wasserhuhn

und seine Jungen gesehen haben. Vielleicht wißt ihr auch, wo das Nest

ist, das gewöhnlich zwischen Binsen oder Schilf steht oder sich auf

einem Baumzweige befindet, der über dem Wasser hängt.

Das Nest besteht aus trockenen Binsen, und obwohl es ganz dicht am

Wasser liegt, ist es trocken und warm. Beim Baden kann man wohl

hineinsehen. Man wird gegen acht blaßgraue Eier mit rotbraunen Flecken

finden. Die Eier sind auch vielleicht schon ausgebrütet, und dann sind

die jungen Vögel mit der Mutter in den Binsen verborgen. Sie sehen aus

wie kleine schwarze Flaumklumpen mit einem roten Fleck auf dem Kopfe

und weißen Federschwänzen, und sie können laufen und schwimmen, sobald

sie ausgebrütet sind. Während der ganzen Zeit, wo ihr in der Nähe seid,

wird die Mutter rufen „kruck, kruck“, um euch fortzutreiben.

Das Wasserhuhn ist ein schwarzer Vogel mit einer hellroten Stirn und

gelbem Schnabel. Am Rande der Flügel und unter dem Schwanze hat es

weiße Federn. Wenn es im Wasser ist, schnellt es fortwährend den Kopf

nach unten, so daß man die weißen Federn sieht und selbst die grünen

Beine mit den roten Bändern.

Sehr bald nachdem die Jungen ausgebrütet sind, schlüpfen sie aus dem

Neste und schwimmen um die Mutter herum. Wenn man ganz still in den

Büschen liegt, kann man sie vielleicht ans Ufer kommen sehen, um Würmer

oder Schnecken zu fressen. Dann kann man beobachten, daß die Füße nicht

mit Schwimmhäuten versehen sind wie bei der Ente, sondern daß alle vier

Zehen frei sind.

Aber wenn man das geringste Geräusch macht, so stößt die Mutter einen

Schrei aus, der wie „krek, krek“ klingt, und alle tauchen ins Wasser

und schwimmen zu einer sicheren Stelle in den Binsen. Sie kehren nicht

zum Neste zurück und selbst, wenn man mit einem Stocke in die Binsen

schlägt, rühren sie sich nicht. Sie wissen, daß sie in ihrem Verstecke

sicher sind.

Dieser Vogel wird oft Moorhuhn genannt, weil er sich auch bisweilen auf

dem Moore findet. Aber Wasserhuhn ist der bessere Name.

Wenn nun ein größerer See irgendwo in der Nähe ist, kann man das

Wasserhuhn dort finden und daneben noch einen anderen Vogel, den man

anfangs für ein solches halten kann, denn er taucht in ganz derselben

Weise. Aber wenn man ihn genauer betrachtet, wird man erkennen, daß

dieser zweite Vogel keine rote Stirn, sondern einen großen kahlen Fleck

auf dem Kopfe hat, und daß er größer ist als das Wasserhuhn.

Dieser Vogel heißt Bläßhuhn wegen des weißen Streifens auf der Stirn.

Wenn man ihn am Ufer beobachtet, wie er Samen oder Insekten frißt,

so kann man sehen, daß die drei Vorderzehen von einer faltigen Haut

umgeben sind, doch hängen sie nicht zusammen.

Aber das Bläßhuhn ist nicht leicht zu beobachten; denn es ist sehr

scheu. Es fliegt weg oder taucht unter das Wasser, ehe man in seine

Nähe kommen kann. Es hat scharfe Krallen, die ihm beim Klettern helfen,

und mit denen es den verletzt, der es zu fangen versucht.

Das Bläßhuhn baut sein Nest in die Schwertlilien oder das Schilf und

zwar so, daß es fast das Wasser berührt. Manchmal ertrinken die Jungen,

wenn ein Hochwasser kommt.

Wenn ein Boot in die Nähe des Nestes kommt, so schlüpft das Bläßhuhn in

das Schilf und ruft „käck, käck, käck“, um den Nahenden fortzulocken.

Wenn man das Nest aber doch entdeckt, wird man ungefähr zehn Eier darin

finden. Sie sehen den Eiern des Wasserhuhns ähnlich, sind aber größer

und haben dunklere und kleinere Flecken. Wenn die Eier ausgebrütet

sind, kann man die Jungen an der kahlen Stelle auf dem Kopfe erkennen,

sonst sind sie schwarz und ähneln Flaumklumpen wie die des grünfüßigen

Wasserhuhns.

Im Winter findet man Bläßhühner weder auf den Flüssen noch auf Teichen.

Mit vielen anderen ihresgleichen ziehen sie nach dem Süden in wärmere

Gegenden und warten dort, bis der Frühling wiederkommt.

[Illustration: Bläßhühner mit Jungen.

Am Teich- und Flußufer · 第 17 / 24 题