Bringe dann das Netz ans Land, leere es auf dem Grase aus und
setze alles, was du findest, in das klare Wasser der Flasche. Man
findet vielleicht einen kleinen Fisch, einige Kaulquappen oder
Wasserschnecken. Es ist auch wohl eins von den sonderbaren Geschöpfen
darin, die auf Seite 13, Fig. ~a~ abgebildet sind. Ihr werdet gewiß
nicht glauben, daß dies die Larve der Libelle ist. Aber es ist doch
so. Es ist ein langes Insekt, das aus lauter Ringen besteht, sechs
Beine besitzt und Augen, die denen der Libelle gleichen. Es hat keine
Flügel; eine sonderbare Art von Arm, mit Zangen am Ende, kommt unter
der Unterlippe hervor.
Dieser Arm ist tatsächlich ein Teil der Unterlippe. Er wird Fangmaske
genannt und besitzt Gelenke, so daß er unter die Unterlippe und
zwischen die Beine zurückgeschlagen werden kann. Wenn die Larve nun
Nahrung nötig hat, wartet sie ruhig im Schlamm, bis ein Käfer oder eine
Wasserwanze vorbeikommt. Dann schnellt die Maske hervor und hält die
Beute mit den Zangen fest.
Nun betrachte den Hinterleib, der entweder spitz oder in drei
lappenförmige Anhängsel ausläuft. Durch die Öffnung am Leibesende läuft
Wasser in diesen und die darin enthaltene Luft dient zum Atmen. Jenes
wird wieder ausgestoßen, durch den dadurch erzeugten Stoß bewegt sich
die Larve fort.
Diese Libellenlarve lebt zwei Jahre lang unten im Teich. Sie wechselt
mehrere Male die Haut, und es wachsen ihr ein paar Flügelstümpfe. Dann
kriecht sie an einem Stengel hinauf, wie wir in der letzten Lektion
sahen, und wird eine Libelle.
Aber was ist dies hier in unserem Netz? Zuerst könnte man denken, es
wäre ein Stückchen Holz oder Schlamm mit kleinen Steinen darin, oder
ein paar verfilzte Grashalme. Und so ist es auch. Aber im Innern sitzt
etwas Lebendiges. Wenn man aufmerksam zusieht, so wird man bemerken,
daß ein Insekt den vorderen Körperteil mit sechs Beinen herausstreckt.
[Illustration: Köcherfliegen und ihre Larven.]
Es ist ein weiches kleines Geschöpf, die Larve der Köcherfliege. Wenn
man die Stückchen Gras oder die kleinen Steinchen usw. wegnimmt, so
findet man die weiche Larve im Innern. Sie hat sechs Beine und eine
Anzahl von kleinen Büscheln an den Seiten des Körpers. Damit atmet sie,
ebenso wie die Kaulquappe mit den Kiemen.
Man kann oft diese Larven der Köcherfliegen auf dem Grunde der
Bäche kriechen sehen, wo sie wie kleine sich bewegende Bündel von
Holzstückchen oder von Steinen erscheinen. Man kann sie aufnehmen, ohne
ein Netz zu gebrauchen. Sie bauen diese Gehäuse um sich herum, um ihre
weichen Körper zu schützen, die von Fischen gern gefressen werden.
Allmählich verwandeln sie sich in kleine gelbbraune Insekten, die wie
Motten aussehen. Am Abend fliegen sie über dem Wasser auf und ab. Wir
haben sie nicht mit den Eintagsfliegen und Mücken zusammengesehen, weil
sie den Sonnenschein nicht lieben.
Ihr werdet wahrscheinlich noch viele kleine Wasserlarven mit eurem Netz
herausfischen. Aber ihr müßt sorgfältig aufpassen, denn sie sind sehr
klein. Einige von ihnen haben kleine Büschel an den Seiten. Dies sind
die Larven der Mücken und Eintagsfliegen, die über dem Teiche fliegen.
Sie alle leben einige Zeit im Wasser. Wenn letztere aber in die Luft
herauskommen, leben sie nur noch kurze Zeit.
Lektion 4.
Das Nest des Stichlings.
Es war ein lieblicher Frühlingstag. Die Sonne schien hell auf das
frische Grün des Grases, und die Büsche an den Ufern des Flusses waren
mit jungen Blättern bedeckt.
In einer Ausbuchtung des Flusses baute ein kleiner Fisch sein Nest. Es
war ein Stichling. Er war nicht länger als 5 ~cm~. Auf seinem Rücken
standen drei Flossenstacheln empor. Knaben fangen diesen Fisch oft,
halten ihn in Flaschen oder verkaufen ihn an Leute, die ein Aquarium
haben.
Es war interessant, ihn zu beobachten, wie er im Schatten der Büsche
bei der Arbeit war. Er brachte Stückchen von Wurzelfasern und feines
Gras herbei und machte daraus ein kleines Gewebe in Form einer Schüssel
am Boden des Flusses. Dann schleppte er andere Stücke herbei und klebte
sie mit Speichel zusammen. Auf diese Weise baute er Seiten und ein
rundes Dach. Als das Nest fertig war, hatte es die Größe einer dicken
Stachelbeere.
Es lag ungefähr 15 ~cm~ unter dem Wasserspiegel und war an zwei Seiten
offen. Wenn der Stichling den Kopf am einen Ende heraussteckte, so sah
der Schwanz am anderen hervor. Aber er hatte es auch nicht gebaut, um
darin zu wohnen. Er brauchte es für die Eier.
[Illustration: Stichlinge und ihr Nest.]
Es war ein hübscher kleiner Fisch mit glänzendem Rücken und
leuchtendrotem Bauch. Seine Augen waren bläulich-grün und glänzten wie
Juwelen.
Als das Nest fertig war, schwamm er fort, um eine Gefährtin zu suchen.
Er kam bald mit einer solchen zurück, einem kleinen Fisch, der nicht
so glänzend war wie er. Er spielte mit dem Weibchen, trieb es vor sich
her und schmeichelte ihm, bis es zuletzt in das eine Loch des Nestes
hineinschwamm und nach einer Weile am anderen Ende wieder herauskam.
Das Weibchen hatte eine Anzahl kleiner gelber Eier in das Nest gelegt.
Dann schwamm es fort und kümmerte sich nicht mehr darum.
Der männliche Stichling schwamm nun in das Nest hinein und übernahm die
Sorge für die Eier. Ein Ei war nicht größer als ein Mohnsamen, und das
ganze Bündel war sehr klein. Er schüttelte das Nest auf und stieß die
Eier in eine versteckte, sichere Ecke. Dann schwamm er vor dem Neste
herum und bewegte lebhaft seine Brustflossen und erneuerte dadurch
beständig die Atemluft in der Umgebung der Eier.
Manchmal schwamm er in das Nest hinein und brachte schmutzigen Sand im
Maule heraus. Man sieht, er wollte das Nest rein halten.
Dies setzte er drei Wochen lang fort, bis die Brut ausgekrochen war.
Eine Anzahl winziger Fischchen entschlüpfte den Eiern. Sie waren so
klein und durchsichtig, daß man es nicht für möglich gehalten hätte,
daß ein anderer Fisch sie sehen konnte. Aber der Stichling wußte
es besser. Es gab eine Menge hungriger Fische, die der zarten Brut
aufpaßten, um sie zu fressen. Die kleinen Fischlein waren sehr schwach
und hatten noch dazu einen Dottersack unter ihrem Körper zu tragen, dem
sie so lange Nahrung entnahmen, bis sie fressen konnten.
So richtete denn der tapfere kleine Stichling seine drei
Flossenstacheln in die Höhe und schoß zornig auf die Fische los, die
nach seinen Kleinen schnappten. Er packte sie bei den Flossen, schlug
nach ihren Augen und trieb sie in die Flucht.
Dann machte er ein kleines rundes Loch im Sande auf dem Grunde des
Flusses, sammelte die kleinen Stichlinge darin und bewachte sie.
Selbst nachdem ihre Rückenstacheln gewachsen waren, und sie schon
dreist umherschwammen, folgte er ihnen in den Fluß hinaus, um sie zu
beschützen.
Man kann viele Nester von Stichlingen in Flüssen und Teichen finden,
wenn man aufmerksam danach sucht. Man kann auch gefangene Stichlinge
mit einer reichlichen Menge von Wasserpflanzen und Futter in ein
kleines Aquarium setzen und wird dann sehen, wie sie ihr Nest bauen,
und was für ein guter Vater ein Stichling ist.
Lektion 5.
Der Eisvogel.
(Drittes Vollbild.)
Still! Macht kein Geräusch! Da sitzt ein Eisvogel auf dem Zweige
eines Weidenbaumes, der über den Fluß hinüberhängt. Wenn wir ihn
erschrecken, wird er fortfliegen, und wir werden ihn nicht wiedersehen.
Wie hübsch er sich aus dem Hintergrunde der grauen Blätter abhebt. Mit
seinem langen Schnabel und stumpfen Schwanz ist er nicht viel größer
als ein Sperling; er scheint alle Farben des Regenbogens an sich zu
tragen.
Er hat einen blauen Streifen auf dem Rücken, Kopf und Flügel sind
meergrün, mit blauen Flecken auf den Spitzen der Federn. Der Schnabel
ist schwarz, Hals und Kehle sind weiß. Am Auge hat er einen von weichen
weißen Federn umgebenen roten Streifen, und die Brust ist rostrot.
Selbst die Füße sind rot und sehen auf dem dunklen Zweige ganz bunt aus.
Er sieht in die ruhige, tiefe Stelle des Flußes unter der Weide
hinunter und beobachtet die dort schwimmenden Fische. Da! jetzt schießt
er hinab! Nun ist er wieder oben und trägt etwas im Schnabel. Es ist
ein kleiner Weißfisch. Er schlägt ihn mit dem Kopfe gegen den Zweig und
schlingt ihn hinunter, mit dem Kopfe voran.
[Illustration: Eisvögel, unten das Männchen fischend.