In einer Ecke des Teiches schwimmen die kleinen Taumelkäfer umher
und beschreiben Kreise im Wasser. Ihre glänzenden schwarzen Rücken
schimmern beinahe grün in der Sonne. Dann und wann springt einer in
die Höhe, um ein Insekt aus der Luft zu fangen, und ein anderer taucht
hinab, um eine Larve zu fressen. Taucht euer Netz ins Wasser, bringt
es schnell unter einen Käfer, hebt ihn heraus und steckt ihn in die
Flasche, so daß ihr ihn betrachten könnt.
Man könnte meinen, daß er vier Augen hat, denn jedes seiner beiden
Augen ist in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte ist nach oben in
die Luft gerichtet, die andere nach unten ins Wasser. Während er
umherschwimmt, kann er also die Fliegen in der Luft und die Larven im
Wasser sehen.
Mücken schweben über dem Teiche hin und her, und außerdem sehen wir
ein Gewimmel von jenen Fliegen mit so feinen, durchsichtigen Flügeln,
daß sie fast wie Gaze aussehen. Sie heißen Eintagsfliegen. Und jetzt
erhebt sich ein weit prächtigeres Insekt, 7,5 ~cm~ lang mit vier großen
Gazeflügeln, aus den Binsen und fliegt über den Teich.
Alle Kinder kennen wohl die Libelle oder Wasserjungfer. Ihre reizenden
Flügel haben Längs- und Queradern, die zum Teil mit Luft gefüllt sind
und zum Atmen dienen, und schillern in der Sonne in roten, blauen und
grünen Farben. Sie hat einen langen Hinterleib, eine dicke Brust mit
sechs Beinen und einen runden Kopf mit sehr großen Augen.
Jedes Auge hat mehr als zehntausend winzige Fenster, so daß sie
nach oben und unten, nach rechts und links sehen kann, während sie
dahinschießt und die Schmetterlinge und Motten, die ihr in den Weg
kommen, fängt. Zuweilen setzt sie sich auf eine Pflanze oder einen
Busch am Ufer und ruht, bis sie ihren Flug wieder aufnimmt.
Wenn man im April öfter zu einem Teich geht, wo sich Libellen finden,
kann man vielleicht beobachten, wie sie ihr Leben in der Luft beginnt.
Dies geschieht folgendermaßen.
Aus dem Wasser heraus kriecht ein großes Insekt auf den Stengel einer
Pflanze. Es hat einen Körper mit sechs Beinen, der ebenso groß ist wie
derjenige der Libelle. Aber es hat ein seltsames, schläfriges Aussehen,
und an Stelle der Flügel sehen wir nur zwei kurze Stümpfe.
[Illustration: ~a.~ Fressende Libellenlarve.
~b.~ Libelle aus der Larvenhaut kriechend.]
Langsam kriecht es am Stengel hinauf aus dem Wasser in die Luft. Dann
ereignet sich etwas Seltsames. Die Haut auf dem Rücken zerreißt, und
eine wirkliche Libelle kommt heraus.
Zuerst erscheint der Kopf, dann der Körper mit seinen sechs Beinen und
vier weichen runzeligen Flügeln und endlich der Hinterleib. Die Libelle
kann noch nicht fliegen. Sie sitzt neben ihrer alten leeren Haut und
streckt ihre Flügel langsam der Sonne entgegen. In einigen Stunden sind
sie lang, stark und fest. Dann ist sie fähig, über den Teich zu fliegen
und zu fressen.
So kommt die Libelle in die Luft hinauf. Ihre Larve wird man nicht so
leicht unter dem Wasser finden, aber wir wollen es in der nächsten
Woche mit unserem Netz versuchen. Heute haben wir so viel auf der
Oberfläche des Teiches gesehen, daß wir keine Zeit hatten, unten im
Schlamme zu fischen.
Lektion 3.
Tief unten.
Heute wollen wir unser Netz gebrauchen. Halte den Stock recht fest und
wirf das Netz in den Teich, wie ein Fischer die Angelfliege auswirft.
Der Stein wird das Netz langsam zum Sinken bringen. Wenn man es nun
vorsichtig durch den Schlamm und die Wasserpflanzen zieht, wird man
sicher etwas fangen.
[Illustration: Libelle, am Igelkolben.