II. 3.]

Er fängt mehrere Fische in derselben Weise. Während er den letzten

frißt, kommt ein anderer Eisvogel und setzt sich neben ihn. Es ist sein

Weibchen, das in einiger Entfernung gefischt hat. Es ist nicht ganz

so bunt wie das Männchen und hat einen kleinen roten Fleck unter der

Kehle.

Nun fliegen sie fort und stoßen im Fluge einen scharfen Schrei aus,

der wie „Tit-tit-tit“ klingt. Sie leben in den Büschen und Bäumen am

Flußufer. Denn man muß nicht denken, daß Vögel immer in Nestern wohnen.

Das Nest ist nur eine Wiege für ihre Eier und die Kleinen. Sobald sie

fliegen können, verlassen es die jungen Vögel mit den Alten und wohnen

in keinem Neste mehr, bis sie eins für ihre eigenen Eier bauen.

Da man das Nest eines Eisvogels nicht leicht findet, so will ich euch

etwas davon erzählen. Wenn das Weibchen Eier legen will, höhlen die

Eisvögel eine Röhre mit einem Kessel am Ende in dem steilen Ufer aus

und schießen, wenn das Nest fertig ist, so schnell hinein, daß man

nicht sehen kann, wo sie geblieben sind.

Aber wenn man wüßte, wo es wäre und es von oben her aufgraben könnte,

so würde man einen behaglichen Raum finden, ungefähr einen halben

Fuß im Quadrat. Den Boden desselben haben die alten Eisvögel mit

Fischgräten ausgepolstert. Sie bilden einen hübschen durchbrochenen

Fußboden, durch den das Wasser ablaufen kann.

Auf dem Boden liegen einige glänzend weiße Eier. Gewöhnlich legt das

Weibchen sieben. Und bald sind sieben kleine Eisvögel in dem Neste,

von denen jeder die hübschen Farben hat, von denen ich euch erzählt

habe. Der einzige Unterschied zwischen ihnen und den alten Vögeln ist

der, daß ihre Schnäbel kürzer sind.

Wenn es schwer ist, das Nest eines Eisvogels zu finden, so wird man

doch häufiger junge Vögel auf dem Flusse sehen. Ich ging einmal mit

einem Freunde zum Angeln, und während seine Angelrute über dem Wasser

hing, flogen plötzlich zwei junge Eisvögel auf und setzten sich darauf.

Sie ruhten einen Augenblick und flogen dann weiter. Dasselbe Schauspiel

wiederholte sich noch einmal. Es waren augenscheinlich junge Vögel, die

gerade aus dem Neste kamen und noch nicht weit fliegen konnten.

Die Eisvögel sind die buntesten Vögel, die man auf dem Flusse sehen

kann. Sie sehen so hübsch aus, wenn sie zwischen den grünen Blättern

über dem Wasser hin und her fliegen, daß man sie immer gern wieder

sieht, wenn man sie einmal beobachtet hat.

Lektion 6.

Die Wasserratte oder Wasserwühlmaus.

(Viertes Vollbild.)

Habt ihr jemals eine Wasserratte gesehen? Ich meine nicht eine

Landratte, die im Wasser schwimmt, sondern eine Wasserratte oder

Wasserwühlmaus, wie sie genannt werden sollte, denn sie ist keine

wirkliche Ratte. Ich beobachtete einmal eine solche unbemerkt. Was

glaubt ihr, was sie machte? Sie saß auf den Hinterbeinen und hielt in

den Vorderpfoten ein Blatt von der gelbblühenden Schwertlilie, die so

dicht am Flußufer wächst. Es war das Stück des Blattes, das nahe an der

Wurzel wächst und dick und saftig ist. Sie nagte so eifrig daran, daß

sie mich zuerst gar nicht sah.

Es war ein tüchtiger kleiner Bursche, nicht ganz so groß wie eine

Ratte. Sie nährt sich von Pflanzen. Wenn sie keine Blätter der gelben

Schwertlilie bekommen kann, frißt sie Wasserlinsen oder selbst die

Rinde junger Weiden. Ich konnte sehen, daß sie einen kurzen, dicken

Hals und einen runden Kopf mit kurzer Schnauze hatte. Die Augen waren

klein und die Ohren so dicht mit Pelz bedeckt, daß man sie kaum sehen

konnte. Der runde Schwanz war nicht sehr lang und mit kurzen Haaren

bedeckt.

Ich setzte mich in der Nähe still ans Ufer. Sofort blickte sie sich um

und sah mich. Aber da ich mich nicht rührte, dachte sie vielleicht, daß

ich nichts Lebendiges wäre und kaute an ihrem Blatte weiter.

Endlich berührte ich mit dem Fuße ein welkes Blatt. Ihre Ohren waren

sehr scharf. Sie wandte ihre kleinen hellen Augen auf mich, und in

einem Augenblick war sie im Wasser und schwamm fort. Ich kam zu spät,

um sie in ihr Loch schlüpfen zu sehen, aber ich fand ein anderes, nicht

weit von den Schwertlilien, dicht unter dem Wasser.

Ich wußte, daß ich den Bau nicht finden würde, denn die Wasserratten

graben sehr lange Gänge. Ich ging mehrere Tage an dieselbe Stelle und

nahm etwas Brot mit, das ich dort ließ. Endlich eines Tages, als ich

wartend da saß, kam mein kleiner Freund heraus und fraß das Brot. Dann

trafen wir uns öfters, und das Tier wurde ganz zahm. Aber ich mußte

sehr vorsichtig sein. Die geringste Kleinigkeit erschreckte es, und

plumps sprang es ins Wasser.

Wenn man am Abend oder am frühen Morgen, wenn alles ganz ruhig ist,

an einen Teich oder Fluß geht, so kann man manchmal eine Wasserratte

im Wasser schwimmen oder am Ufer fressen sehen. Sie hat scharfe gelbe

Zähne. Die unteren sind groß und zeigen sich deutlich über der kurzen

Unterlippe.

[Illustration: Wasser-Wühlmaus (Wasserratte).

Am Teich- und Flußufer · 第 15 / 24 题