„ 2. Die Libelle und ihre Gefährten 10
„ 3. Tief unten 14
„ 4. Das Nest des Stichlings 18
„ 5. Der Eisvogel 21
„ 6. Die Wasserratte oder Wasserwühlmaus 24
„ 7. Das grünfüßige Wasserhuhn und das Bläßhuhn 27
„ 8. Wasserwanzen 31
„ 9. Am Flußufer 34
„ 10. Die Familie des Fischotters 38
„ 11. Blumen für die Ausstellung 41
„ 12. Gretes Wasserpflanzen 45
Zweites Buch.
Am Teich- und Flußufer.
Lektion 1.
Das Leben des Frosches.
(Erstes Vollbild.)
Quak, quak, quak lassen sich die Frösche im März hören. Sie machen in
diesem Monat sehr viel Lärm, weil sie gerade aus ihrem Winterschlafe,
den sie am Boden des Teiches gehalten haben, erwachen.
Die weiblichen Frösche legen ihre winzigen dunklen Eier ins Wasser.
Ein solches Ei ist nicht größer als ein Sandkorn. Aber es hat eine
gallertartige Umhüllung, und diese schwillt und schwillt im Wasser,
bis sie so groß ist wie eine Erbse. Das Ei bildet dann einen kleinen
schwarzen Punkt in der Mitte, und die gallertartigen Klumpen kleben
alle zusammen. Man kann sie fast in jedem Teiche sehen, wo sie vom
Winde ans Ufer getrieben werden. Bald wird der schwarze Punkt größer.
An einem Ende wächst ein Kopf, am anderen ein Schwanz. Der Kopf hat
ein Maul, aber noch keine Augen. Der Schwanz ist mit einer Flosse
versehen, und bald wiegt sich die Kaulquappe in ihrem schleimigen Bette
hin und her.
Nach einer Woche ungefähr schlängelt sie sich aus der Gallertmasse
heraus und hängt sich mit dem Maule an eine Wasserpflanze (1). Dann
wachsen ihr zwei sonderbare Büschel an beiden Seiten des Kopfes. Sie
entnimmt damit dem Wasser die Luft zum Atmen. Man kann sie deutlich
sehen, wenn man ein Glas in den Teich taucht und einige Kaulquappen
fängt.
Um diese Zeit läßt die Kaulquappe die Wasserpflanze los und schwimmt
umher. An ihrem Maule ist ein scharfer Schnabel gewachsen, den sie
gebraucht, um Stückchen von den Wasserpflanzen zur Nahrung abzunagen.
Nun entwickeln sich auch Augen und Nasenlöcher (2). Die Büschel
schrumpfen zusammen und an ihrer Stelle entstehen unter der Oberfläche
des Körpers Gebilde, die Fischkiemen ähnlich sehen. Die Kaulquappe
zieht Wasser durch das Maul ein und stößt es durch eine seitliche
Öffnung hinter den Kiemen wieder aus. Wenn es durch die Kiemen geht,
nehmen diese Luft heraus, und so atmet sie.
Bald erscheinen nun zwei kleine Höcker an beiden Seiten des Körpers
gerade da, wo der Schwanz beginnt. Sie werden größer und größer, bis
endlich zwei Beine herauskommen. Diese Beine werden sehr lang und
stark, und die Kaulquappe gebraucht dieselben zum Schwimmen. Auch zwei
Vorderbeine wachsen heran, aber man kann sie nicht sehen, weil sie
unter der Haut liegen. In einigen Tagen kommen auch sie zum Vorschein
(3); sie sind kurz und gedrungen.
Unsere Kaulquappe hat nun vier Beine und einen Schwanz. Sie hat
vier Zehen an den Vorderfüßen und fünf Zehen an den Hinterfüßen;
zwischen denen der letzteren befindet sich eine Haut. So sind also
die Hinterfüße mit einer Schwimmhaut versehen, die der Quappe beim
Schwimmen hilft.
Sie kommt jetzt öfter an die Oberfläche des Wassers und läßt eine
Luftblase aus dem Maule aufsteigen. Was meint ihr wohl, was geschehen
ist? Die Öffnung hinter den Kiemen hat sich geschlossen, und an deren
Stelle sind im Innern zwei Lungensäcke gewachsen. Deshalb kommt sie an
die Oberfläche, um die Luft mit dem Maule einzuatmen, anstatt sie wie
bisher aus dem Wasser durch die Kiemen aufzunehmen.
Nun liebt sie es, sich in den Schatten einer Wasserpflanze zu setzen.
Sie braucht den Schwanz nicht mehr, da sie ganz gut mit den Beinen
schwimmen kann. Deshalb wird der Schwanz allmählich aufgesogen, um den
Körper zu ernähren.
Da habt ihr nun den kleinen Frosch (4). Wenn man die Sonne durch die
Schwimmhaut des Fußes scheinen läßt, so kann man sehen, daß das Tier
rotes Blut hat. Aber es ist kein warmes Blut wie das unsrige. Der
Frosch ist immer kalt und schlüpfrig, weil sein Blut langsam fließt.
Er hat jetzt zahlreiche Zähne im Oberkiefer und eine ganz sonderbare
Zunge. Sie ist vorn am Maule angewachsen, sonst frei beweglich. Die
sehr klebrige Spitze kann bis in den Schlund zurückgelegt werden. Er
frißt jetzt keine Pflanzen mehr, sondern Insekten und Larven, die er
fängt, indem er seine Zunge hervorschnellen läßt und schnell wieder
zurückzieht.
Der Frosch lebt während des Sommers hauptsächlich auf dem Lande. Wenn
er nicht von Enten, Ratten oder Schlangen gefressen wird, läßt er sich
bei Beginn der kalten Witterung auf den Boden des Teiches sinken, um
dort im Schlamme seinen Winterschlaf zu halten.
Lektion 2.
Die Libelle und ihre Gefährten.
(Zweites Vollbild.)
Jedes Landkind sollte sich ein Teichnetz machen, wenn es etwas über
Wassertiere lernen will. Man braucht nur einen Weidenzweig zu
nehmen und daraus einen Reifen zu binden. Dann macht man einen Sack
aus Musselin, näht unten einen kleinen Stein hinein und befestigt den
Sack an dem Reifen. Aus einer Hecke schneidet man sich einen Stock und
befestigt einen langen Bindfaden daran. Letzteren teilt man am unteren
Ende und bindet die beiden Teile an den Seiten des Reifens fest. So
hat man ein Netz, das man hinunterlassen und mit dem man Tiere von dem
Grunde des Teiches heraufholen kann. Es ist auch gut, eine weithalsige
Flasche mitzunehmen, in die alles, was man fängt, hineingesteckt wird.
Ich kenne einen schattigen Teich in der Nähe eines Gutshofes, wo die
Insekten an hellen sonnigen Tagen sehr geschäftig sind.
[Illustration: Frosch und Kaulquappen.