den Tisch getreten und fing an: wer unter den Herren Hochzeitsgästen von
Standespersonen dem Herrn Bräutigam oder der Jungfrau Braut zu Ehren ein
Karmen verfertigt hätte, der möchte so gut sein und solches
präsentieren. Sapperment! wie griffen sie alle in die Schubsäcke und
brachte ein jedweder einen gedruckten Zettel herausgeschleppt und waren
willens, solches zu übergeben. Weil sie aber sahen, daß ich auch in
meinen Hosen herummährte[33] und auch was suchte, dachten sie gleich,
daß ich ebenfalls was würde haben drucken lassen, und wollte mir keiner
vorgehen. Endlich so brachte ich mein Karmen[34], welches ich auf roten
Atlas drucken lassen, aus dem Hosenfutter herausgezogen. O sapperment!
was war vor Aufsehens da bei den Leuten! Dasselbe übergab ich nun zu
allererst der Braut mit einem überaus artigen Komplimente. Als sie nun
den Titel davon erblickte, Sapperment! was machte das Mensche vor ein
Gesicht! da sie aber nun erstlich solches durchlas, so verkehrte sie,
der Tebel hol mer, die Augen im Kopfe wie ein Kalb, und ich weiß, daß
sie wohl dasselbe Mal dachte, wenn nur der Klapperstorch schon da wäre.
Die andern mochten nun Lunte riechen, daß mein Hochzeitskarmen unter
ihnen wohl das beste sein müßte, und steckten, der Tebel hol mer, fast
ein jedweder seines wieder in die Ficke. Etliche übergaben zwar ihre,
allein weder Braut noch Bräutigam sah keins mit einem Auge an, sondern
legten es gleich unter den Teller, aber nach meinem war, der Tebel hol
mer, ein solch Gedränge, weil sie alle es so gerne sehen und lesen
wollten. Warum? Es war vor das erste von ungemeiner Invention[35] und
vor das andere überaus artig und nettes Deutsch. Dahingegen die andern
Standespersonen zu ihren Versen lauter halbgebrochene Worte und
ungereimt Deutsch genommen hatten: Ei sapperment! was wurde bei den
Leuten vor Aufsehens erweckt, als sie mein Karmen gelesen hatten, sie
steckten in einem die Köpfe zusammen und sahen mich immer mit höchster
Verwunderung an, daß ich so ein brav Kerl war, und redeten immer
heimlich zueinander, daß was sehr Großes hinter mir stecken müßte.
Hierauf währte es nicht lange, so stund der Bräutigam auf und fing an,
meine Gesundheit zu trinken. Sapperment! was war da vor ein Aufgestehe
flugs von den andern Standespersonen, und machten große Reverenzen gegen
mich. Ich blieb aber immer sitzen und sah sie alle nach der Reihe mit so
einer artigen Miene an; der Herr Bürgermeister, bei welchem ich mit
meinem Bruder Grafen im Quartier lag, der lachte immer, daß ihm der
Bauch schütterte, so eine herzliche Freude hatte er drüber, daß mich
alle miteinander so venerierten[36]. Warum? Es war dem Manne selbst eine
Ehre, daß so eine vornehme Person, als nämlich ich, sein Haus betreten
hatte.
[33] wühlte.
[34] Gedicht.
[35] Erfindung.
[36] ehrten.
Wie meine Gesundheit nun über der Tafel herum war, so ließ ich mir den
Hochzeitsbitter eine große Wasserkanne geben, in welche wohl
vierundzwanzig Kannen nach hiesigem Maße gingen, die mußte mir ein
Aufwärter voll Wein schenken und über die Tafel geben. Da dieses der
Bräutigam wie auch die Braut und die andern Hochzeitsgäste sahen,
sperrten sie, der Tebel hol mer, alle Maul und Nasen drüber auf und
wußten nicht, was ich mit der Wasserkanne auf der Tafel da machen
wollte. Ich war aber her und stund mit einer artigen Miene auf, nahm die
Kanne mit dem Weine in die Hand und sagte: »Es lebe die Braut Traute!«
Sapperment! wie bückten sich die andern Standespersonen alle gegen mich.
Damit so setzte ich an und soff, der Tebel hol mer, die Wasserkanne mit
den vierundzwanzig Maß Wein auf einen Zug reine aus und schmiß sie wider
den Kachelofen, daß die Stücken herumflogen. O sapperment! wie sah mich
das Volk an! Hatten sie sich nicht zuvor über mich verwundert, als sie
meine Hochzeitsverse gelesen, so verwunderten sie sich allererst
hernach, da sie sahen, wie ich die Wasserkanne voll Wein so artig
aussaufen kunnte. Flugs hierauf ließ ich mir den Aufwärter noch eine
solche Kanne voll Wein einschenken und über den Tisch geben, die soff
ich nun eben wie die vorige auf des Bräutigams (Toffel hieß er)
Gesundheit hinein. Ei sapperment! wie reckten die Staatenstöchter,
welche über der andern Tafel saßen, alle die Hälse nach mir in die Höhe,
die Menscher verwunderten sich, der Tebel hol mer, auch schrecklich über
mich, als sie sahen, daß ich so artig trinken kunnte.
Kurz darauf kam mir so ein unverhoffter und geschwinder Schlaf an, daß
ichs auch unmöglich lassen kunnte, ich mußte mich mit dem Kopf auf den
Tisch legen und ein bißchen schlafen. Als solches die andern
Standespersonen merken, daß ich voll bin, lassen sie mich ins Quartier
schaffen, daß ich den Rausch ausschlafen möchte. Auf den morgenden Tag,
wie ich wieder erwachte, wußte ich, der Tebel hol mer, nicht, was ich
vorigen Abend getan hatte, so voll war ich gewesen. Wie es nun Zeit
wieder zur Mittagsmahlzeit war, kam der Hochzeitsbitter und bat mich,
daß ich doch fein bald ins Hochzeitshaus kommen möchte, denn sie
warteten alle mit der Brautsuppe auf mich. Ich war her, machte mich
gleich wieder zurechte und ließ durch den Hochzeitsbitter sagen, sie
sollten nur noch ein halb Stündchen mit dem Essen verziehen, ich wollte
gleich kommen. Es verzog sich aber nicht lange, so kam die Brautkutsche
mit vier Pferden und holte mich aus des Bürgermeisters Hause ab. Sobald
ich nun vor das Hochzeitshaus gefahren kam, stund Toffel der Bräutigam
mit der Braut schon in der Türe, daß sie mich empfangen wollten. Sie
machte die Kutsche auch auf, daß ich hinaussteigen sollte, welches ich
auch tat, und sprung flugs mit gleichen Beinen heraus und über Toffeln,
den Bräutigam, weg, daß es recht artig zu sehen war; damit führten sie
mich hinein in die Stube. Sapperment! was machten die Standespersonen
alle vor große Reverenzen vor mir! Ich mußte mich flugs wieder zur Braut
hinsetzen, und neben mir zur Linken saß eine Staatenstochter, das war,
der Tebel hol mer, auch ein artig Mädchen, denn sie hatten denselben Tag
eine bunte Reihe gemacht. Da dachte ich, du mußt doch wieder Wunderdinge
erzählen, daß sie Maul und Nasen brav aufsperren und dich wacker
ansehen. War hierauf her und fing von meiner wunderlichen Geburt an und
die Begebenheit von der Ratte zu erzählen. O sapperment! wie sahen mich
die Leute über der Tafel alle an und absonderlich Toffel, der Bräutigam.
Dieselbe Staatenstochter, welche neben mir saß, die kam mir, der Tebel
hol mer, nicht ein Haar anders vor als meine ersoffene Charmante, sie
lisperte mir wohl zehnmal über Tische ins Ohr und sagte, ich sollte doch
das von der Ratte noch einmal erzählen, und wie es zugegangen, als sie
das seidene Kleid zerfressen gehabt. Sie gab auch Heiratens bei mir vor
und fragte, ob ich sie nehmen wollte: ihr Vater sollte ihr gleich
zwanzigtausend Dukatens mitgeben ohne die Aussteuer, welche sie vor sich
noch hätte und von ihrer Mutter geerbt. Ich antwortete ihr hierauf auch
sehr artig und sagte, wie daß ich ein brav Kerl wäre, der sich schon was
Rechts in der Welt versucht hätte und auch noch versuchen wollte. Könnte
also mich nicht flugs resolvieren, sondern müßte mich ein wenig
bedenken.
Indem als ich mit der Staatenstochter so von Heiraten redete, fing Herr
Toffel, der Bräutigam, an und sagte: warum ich denn den Herrn Grafen
nicht mitgebracht hätte? Weil ich aber sehr artig anfing und sagte, wie
daß er das alltägige Fieber hätte und nicht aufbleiben könnte, müßten
sie ihm verzeihen, daß er vor dieses Mal keinen Hochzeitsgast mit
abgeben könnte. Hierauf ging die Mittagsmahlzeit nun zu Ende und das
Tanzen an. Ei sapperment! wie tanzten die Mädchens in Holland auch
galant, sie setzten, der Tebel hol mer, die Beine so artig, daß es ein
Geschicke hatte. Da mußte ich nun auch mit tanzen, und zwar mit der
Staatenstochter, welche mir über der Tafel zur linken Hand gesessen und
bei mir Freiens vorgegeben. Erstlich tanzten sie nun lauter gemeine
Tänze, als Sarabanden, Chiquen, Ballette und dergleichen. Solch Zeug
tanzte ich nun alles mit weg. Sapperment! wie sahen sie mir alle auf die
Beine, weil ich sie so artig setzen kunnte. Nachdem wir nun so eine gute
Weile herumgesprungen, so baten sie alle, ich sollte mich doch im Tanzen
alleine sehen lassen. Nun kunnte ich ihnen leicht den Gefallen erweisen
und eins alleine tanzen. Ich war her und gab den Spielleuten zwei
Dukatens und sagte: Allons, ihr Herren, streicht eins einmal den
Leipziger Gassenhauer auf. Sapperment! wie fingen die Kerls das Ding an
zu streichen. Damit so fing ich nun mit lauter Kreuzkapriolen an und
tat, der Tebel hol mer, Sprünge etliche Klafftern hoch in die Höhe, daß
die Leute nicht anders dachten, es müßte sonst was aus mir springen. Ei
sapperment! was kamen vor Leute von der Gasse ins Hochzeitshaus
gelaufen, die mir da mit großer Verwunderung zusahen.
Nachdem ich den Leipziger Gassenhauer nun auch weggetanzt hatte, mußte
ich mit desselben Staatens Tochter, welche meine Liebste werden wollte,
in der Stadt Amsterdam ein wenig spazieren herumgehen, daß ich mich nur
ein wenig abkühlen könnte. Ich ließ mir solches auch gefallen und ging
mit demselben Mensche ein wenig in der Stadt herum, weil ich selbige
noch nicht groß besehen hatte. Da führte sie mich nun überall herum, wo
es was zu sehen gab. Ich mußte mit ihr auch auf die Amsterdamsche Börse
gehen, welche, der Tebel hol mer, proper gebaut ist. Sie wies mir auch
auf derselben des gewesenen Schiffsadmirals Ruyter[37] seinen
Leichenstein, welcher zum ewigen Gedächtnis da aufgehoben wird, weil
derselbe Ruyter so ein vortrefflicher Held soll zu Wasser gewesen sein
und noch alle Tage in Amsterdam sehr beklagt wird. Als die
Staatenstochter mir nun dieses und jenes gezeigt, fing sie zu mir an und
sagte, ich sollte sie doch immer nehmen, und wenn ich ja keine Lust, mit
ihr in Amsterdam zu bleiben, hätte, so wollte sie ihr Lümpchen
zusammenpacken und mit mir fortwandern, wo ich hin wollte, wenn gleich
ihr Vater nichts davon wüßte. Worauf ich ihr zur Antwort gab, wie daß
ich der bravste Kerl von der Welt wäre, und es könnte schon angehen,
aber es ließe sichs so nicht flugs tun, ich wollte es zwar überlegen,
wie es anzufangen wäre, und ihr ehster Tage Wind davon geben.
[37] de Ruyter, holländischer Seeheld, gest. 1676.
Nach diesem ging ich wieder auf den Tanzplatz und wollte sehen, wo meine
zukünftige Liebste wäre, welche von mir auf der Gasse so geschwinde
weglief. Ich sah mir bald die Augen aus dem Kopfe nach ihr um, ich
kunnte sie aber nicht zu sehen bekommen. Endlich fing eine alte Frau an
und sagte zu mir: »Ihr Gnaden, nach wem sehen Sie sich so um«? Wie ich
nun der Frau zur Antwort gab, ob sie nicht das Mensche gesehen hätte,
welche über Tische neben mir zur linken Hand gesessen. »Ja, Ihr Gnaden«,
fing die alte Frau wieder an, »ich habe sie gesehen, allein ihr Herr
Vater hat sie heißen nach Hause gehen und erschrecklich ausgefenstert,
daß sie sich einer so großen Kühnheit unterfangen und hätte sich von
einem so vornehmen Herrn lassen da in der Stadt herumschleppen, daß die
Leute nun davon was würden zu reden wissen, und Ihr Gnaden würden sie
doch nicht nehmen«. Als solches die alte Mutter mir zur Nachricht gesagt
hatte, fragte ich weiter, ob sie denn nicht bald wiederkommen würde. Sie
gab mir hierauf wieder zur Antwort, daß sie an ihrer Anherokunft sehr
zweifelte, denn ihr Herr Vater (wie sie vernommen) hätte zu ihr gesagt:
»Trotz! daß du dich vor dem vornehmen Herrn nicht wieder sehen läßt!«
Sapperment! wie verdroß mich solch Ding, daß ich das Mensche nicht
sollte zu sehen bekommen, und als sie auch nicht wiederkam, überreichte
ich Herrn Toffeln, dem Bräutigam, wie auch der Braut Trauten mein
Hochzeitsgeschenke und nahm von ihr wie auch von den andern
Standespersonen und Damens überaus artig Abschied und ging immer nach
des Bürgermeisters Hause zu.
Ich war auch gleich willens, mich selben Tag gleich wieder zu Schiffe zu
setzen, wenn mein Herr Bruder Graf mich nicht so sehr gebeten hätte, daß
ich ihn doch bei seiner Unpäßlichkeit nicht verlassen möchte, sondern
so lange verziehen, bis daß er sein Fieber wieder los wäre, hernach
wollte er mit mir hinreisen, wohin ich wollte. Blieb also meinem Herrn
Bruder Grafen zu Gefallen in Amsterdam noch zwei ganzer Jahre und
brachte meine Zeit meistenteils zu in den Spielhäusern, allwo alle Tage
vortreffliche Kompagnie immer war von vornehmen Damens und Kavalieren.
Nachdem nun das elementische Fieber meinen Herrn Bruder Grafen völlig
verlassen, ging ich mit ihm in die Bank, ließen uns frische Wechsel
zahlen, setzten uns auf ein Schiff und waren willens, Indien, in welchem
Lande der Große Mogol residiert, zu besehen.
5. Kapitel.
Die Hundstage traten gleich selben Tag im Kalender ein, als ich und mein
Herr Bruder Graf von dem Bürgermeister zu Amsterdam Abschied nahmen und
uns in ein groß Orlogschiff[38] setzten. Wir waren etwa drei Wochen auf
der See nach Indien fortgeschifft, so kamen wir an einen Ort, wo so
schrecklich viel Walfische im Wasser gingen, dieselben lockte ich mit
einem Stückchen Brote ganz nah an unser Schiff. Der eine Bootsknecht
hatte eine Angel bei sich, die mußte er mir geben, und versuchte es, ob
ich einen kunnte ins Schiff häkeln. Es wäre auch, der Tebel hol mer,
angegangen, wenn die Angel nicht wäre in Stücken gerissen, denn als der
Walfisch anbiß und ich im besten Rucken war, so riß der Dreck entzwei,
daß also der Angelhaken dem Walfische in dem Rachen steckenblieb, von
welchem er unfehlbar wird gestorben sein. Wie solches die andern
Walfische gewahr wurden und des Schattens nur von der Angelschnur
ansichtig wurden, marschierten sie alle auch fort und ließ sich, der
Tebel hol mer, nicht ein einziger wieder an unserm Schiffe blicken.
[38] Kriegsschiff.
Wir schifften von da weiter fort und bekamen nach etlichen Tagen das
gelübberte Meer[39] zu sehen, allwo wir ganz nahe vorbeifahren mußten.
Sapperment! was stunden dort vor Schiffe in dem gelübberten Meere, es
war, der Tebel hol mer, nicht anders, als wenn man in einen großen
dürren Wald sähe, da die Bäume verdorrt stünden, und war keine Seele auf
den Schiffen zu sehen. Ich fragte den Schiffsmann, wie denn das zuginge,
weil so viel Schiffe dastünden. Der gab mir zur Antwort, daß dieselben
Schiffe bei großem Ungestüm der Wind dahin gejagt hätte, wenn die
Schiffsleute nach Indien fahren wollten und den Weg verfehlt, daß also
auf alle den Schiffen die Leute jämmerlich umkommen müßten. -- Wie wir
nun an dem gelübberten Meere vorbei waren, kamen wir unter die
Linie[40]. Ei sapperment! was war da vor Hitze! Die Sonne brannte uns
alle miteinander bald kohlrabenschwarz. Mein Herr Bruder Graf, der war
nun ein korpulenter, dicker Herr, der wurde unter der Linie von der
grausamen Hitze krank, legte sich hin und starb, der Tebel hol mer, ehe
wir uns solches versahen. Sapperment! wie ging mirs so nahe, daß der
Kerl da sterben mußte, und war mein bester Reisegefährte. Allein was
kunnte ich tun? Tot war er einmal, und wenn ich mich auch noch so sehr
über ihn gegrämt, ich hätte ihn doch nicht wiederbekommen. Ich war aber
her und bund ihn nach Schiffsgewohnheit sehr artig auf ein Brett,
steckte ihm zwei Dukatens in seine schwarzsamtnen Hosen und schickte ihn
damit auf dem Wasser fort; wo derselbe nun mag begraben liegen,
dasselbe kann ich, der Tebel hol mer, keinem Menschen sagen.
[39] das Lebermeer, in dem der Sage nach die Schiffe stecken bleiben.
[40] den Äquator.
Drei Wochen nach seinem Tode gelangten wir bei gutem Winde in Indien an,
allwo wir an einer schönen Pfingstwiese ausstiegen, dem Schiffsmann das
Fährgeld richtig machten und einer hernach hier hinaus, der andere dort
hinaus seinen Weg zunahmen. Ich erkundigte mich nun gleich, wo der Große
Mogol residierte. Erstlich fragte ich einen kleinen Jungen, welcher auf
derselben Pfingstwiese, wo wir ausgestiegen waren, in einem grünen
Käppchen dort herumlief und die jungen Gänschen hütete. Ich redete
denselben recht artig an und sagte: Höre, Kleiner! kannst du mir keine
Nachricht sagen, wo der Große Mogol in diesem Lande wohnt? Der Junge
aber kunnte noch nicht einmal reden, sondern wies nur mit dem Finger und
sagte: a a. Da wußte ich nun, der Tebel hol mer, viel, was a a heißen
sollte. Ich ging auf der Wiese weiter fort, so kam mir ein
Scherenschleifer entgegengefahren, denselben fragte ich nun auch, ob er
mir keine Nachricht erteilen könnte, wo der Mogol wohnen müßte. Der
Scherenschleifer gab mir hierauf gleich Bescheid und sagte, daß zwei
Mogols in Indien residierten, einen hießen sie nur den Großen Mogol, den
andern aber nur den Kleinen. Wie er nun hörte, daß ich zu dem Großen
wollte, so sagte er mir gleich, daß ich etwa noch eine Stunde hin an
seine Residenz hätte, und ich sollte nur auf der Pfingstwiese fortgehen,
ich könnte nicht irren; wenn dieselbe zu Ende, würde ich an eine große
Ringmauer kommen, da sollte ich nur hinter weggehen, dieselbe würde mich
bis an das Schloßtor führen, worinnen der Große Mogol residierte, denn
seine Residenz hieße Agra. Nachdem der Scherenschleifer mir nun diese
Nachricht erteilt, ging ich auf der Pfingstwiese immer fort und gedachte
unterwegens an den kleinen Jungen in dem grünen Käppchen, daß er a a
sagte; ich hielt gänzlich dafür, der kleine Blutschelm, ob er gleich
nicht viel reden kunnte, müßte mich doch auch verstanden haben und
gewußt, wo der Große Mogol wohnte, weil er Agra noch nicht aussprechen
kunnte, sondern nur a a lallte. Des Scherenschleifers seine Nachricht
traf, der Tebel hol mer, auch auf ein Härchen ein, denn sobald als die
Pfingstwiese ausging, kam ich an eine große Ringmauer, hinter welcher
ich wegmarschierte, und sobald dieselbe zu Ende, kam ich an ein
erschrecklich groß Torweg, vor welchem wohl über zweihundert Trabanten
mit bloßen Schwertern stunden, die hatten alle grüne Pumphosen und ein
Kollet[41] mit Schweinebratenärmeln an. Da roch ich nun gleich Lunte,
daß darinnen der Große Mogol residieren würde.
[41] Wams.
Ich war her und fragte die Trabanten, ob ihre Herrschaft zu Hause wäre,
worauf die Kerls alle zugleich ja schrien, und was mein Verlangen wäre.
Da erzählte ich den Trabanten nun gleich, wie daß ich nämlich ein brav
Kerl wäre, der sich was rechts in der Welt versucht hätte und auch noch
versuchen wollte; sie sollten mich doch bei dem Großen Mogol anmelden,
der und der wäre ich, und ich wollte ihm auf ein paar Worte zusprechen.
Sapperment! wie liefen hierauf flugs ihrer zwölfe nach des Großen Mogols
Zimmer zu und meldeten mich bei ihm an. Sie kamen aber bald
wiedergelaufen und sagten, ich sollte hineinspazieren, es würde ihrer
Herrschaft sehr angenehm sein, daß einer aus fremden Landen sie einiges
Zuspruchs würdigte. Damit ging ich nun durch die Wache durch.
Ich war kaum sechs Schritte gegangen, so schrie der Große Mogol zu
seinem Gemach oben heraus, sie sollten das Gewehr vor mir präsentieren.
Sapperment! als die Trabanten dieses hörten, wie sprungen die Kerls ins
Gewehr und nahmen alle ihre Hüte unter den Arm und sahen mich mit
höchster Verwunderung an. Denn ich kunnte nun recht artig durch die
Wache durchpassieren, daß es, der Tebel hol mer, groß Aufsehens bei dem
Großen Mogol erweckte. Wie ich nun an eine große marmorsteinerne Treppe
kam, allwo ich hinaufgehen mußte, so kam mir, der Tebel hol mer, der
Große Mogol wohl auf halbe Treppe herunter entgegen, empfing mich und
führte mich bei dem Arme vollends hinauf. Sapperment! was präsentierte
sich da vor ein schöner Saal, er flimmerte und flammerte, der Tebel hol
mer, von lauter Golde und Edelgesteinen. Auf demselben Saal hieß er mich
nun willkommen und freute sich meiner guten Gesundheit und sagte, daß er
in langer Zeit nicht hätte das Glück gehabt, daß ein Deutscher ihm
zugesprochen hätte, und fragte hernach nach meinem Stande und Herkommen,
wer ich wäre. Ich erzählte ihm hierauf nun sehr artig flugs meine Geburt
und die Begebenheit von der Ratte und wie daß ich einer von den bravsten
Kerlen der Welt wäre, der so viel gesehen und ausgestanden schon hätte.
Sapperment! wie horchte der Große Mogol, als er mich diese Dinge
erzählen hörte. Er führte mich nach solcher Erzählung gleich in ein
vortrefflich aufgeputztes Zimmer und sagte, daß dasselbe zu meinen
Diensten stünde, und ich möchte so lange bei ihm bleiben, als ich
wollte, es sollte ihm und seiner Gemahlin sehr angenehm sein. Er rief
auch gleich Pagen und Lakeien, die mich bedienen sollten. Sapperment!
wie die Kerls kamen, was machten sie vor närrische Reverenzen vor mir!
Erstlich bückten sie sich mit dem Kopfe bis zur Erden vor mir, hernach
kehrten sie mir den Rücken zu und scharrten mit allen beiden Beinen
zugleich weit hinten aus. Der Große Mogol befahl ihnen, sie sollten mich
ja recht bedienen, sonsten wo nur die geringste Klage kommen würde,
sollten sowohl Lakeien als Pagen in die Küche geführt werden. Hierauf
nahm er von mir Abschied und ging wieder nach seinem Zimmer zu. Als er
nun weg war, Sapperment! wie bedienten mich die Burschen so brav, sie
hießen mich nur zwar Junker, allein was sie mir nur an den Augen absehen
kunnten, das taten sie. Wenn ich nur zuzeiten einmal ausspuckte, so
liefen sie, der Tebel hol mer, alle zugleich, daß sie es austreten
wollten, denn wer es am ersten austrat, was ich ausgespuckt hatte, so
schätzte sichs derselbe allemal vor eine große Ehre.
Der Große Mogol hatte mich kaum eine halbe Stunde verlassen, so kam er
mit seiner Gemahlin, mit seinen Kavalieren und Damens in mein Zimmer
wieder hineingetreten. Da hieß mich nun seine Gemahlin wie auch die
Kavaliers und Damens alle willkommen, und sahen mich mit großer
Verwunderung an. Ich mußte auf Bitten des Großen Mogols die Begebenheit
von der Ratte noch einmal erzählen, denn seine Gemahlin wollte dieselbe
Historie so gerne hören. Ei sapperment! wie hat das Mensche drüber
gelacht! Die Kavaliers und Damens aber sahen mich alle mit großer
Verwunderung an und sagte immer eines heimlich zu dem andern, ich müßte
wohl was Rechts in Deutschland sein, weil ich von solchen Dingen
erzählen könnte.
Nun war es gleich Zeit zur Abendmahlzeit, daß der Große Mogol zur Tafel
blasen ließ. Ei sapperment! was hörte man da vor ein Geschmittere und
Geschmattere von den Trompeten und Heerpauken! Es stunden zweihundert
Trompeter und neunundneunzig Heerpauker in seinem Schloßhofe auf einem
großen breiten Steine, die mußten mir zu Ehren sich da hören lassen, die
Kerls bliesen, der Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie sie nun
ausgeblasen hatten, so mußte ich die Große Mogoln bei der Hand nehmen
und sie zur Tafel führen; es ließ, der Tebel hol mer, recht artig, wie
ich so neben ihr herging. Sobald als wir nun in das Tafelgemach kommen,
so nötigte mich der Große Mogol, daß ich mich setzen sollte und die
Oberstelle an der Tafel einnehmen. Ich hätte solches auch ohne Bedenken
getan, wenn ich nicht Lust gehabt, mich neben seiner Gemahlin zu setzen,
denn es war so ein wunderschön Mensche. Also mußte sich erstlich der
Große Mogol setzen, neben ihn setzte ich mich und neben mir zur linken
Hand setzte sich nun seine Liebste; ich saß da recht artig mitteninne.
Über Tische so wurde nun von allerhand diskuriert. Die Große Mogoln
fragte mich, ob denn auch in Deutschland gut Bier gebraut würde und
welch Bier man denn vor das beste da hielte. Ich antwortete ihr hierauf
sehr artig wieder, wie daß nämlich in Deutschland überaus gut Bier
gebraut würde, und absonderlich an dem Orte, wo ich zu Hause wäre, da
brauten die Leute Bier, welches sie nur Klebebier nennten und zwar aus
der Ursachen, weil es so malzreich wäre, daß es einem ganz zwischen den
Fingern klebte, und schmeckte auch wie lauter Zucker so süß, daß, wer
von demselben Biere nur ein Nößel[42] getrunken hätte, derselbe
hernachmals flugs darnach predigen könnte. Sapperment! wie verwunderten
sie sich alle, daß es solch gut Bier in Deutschland gäbe, welches solche
Kraft in sich hätte.
[42] kleines Hohlmaß.
Indem wir nun so von diesem und jenem über der Tafel diskurierten und
ich gleich willens war, die Historie von meinem Blaserohre zu erzählen,
so kam des Großen Mogols seine Leibsängerin in das Tafelgemach
hineingegangen, welche eine indianische Leier an der Seite hängen hatte.
Sapperment! wie kunnte das Mensche schön singen und mit der Leier den
Generalbaß so künstlich darzu spielen, daß ich, der Tebel hol mer, die
Zeit meines Lebens nichts Schöners auf der Welt gehört habe. Kanns nicht
sagen, was das Mensche vor eine schöne Stimme zu singen hatte. Sie
kunnte, der Tebel hol mer, bis in das neunzehnte gestrichene C hinauf
singen und schlug ein Trillo aus der Quinte bis in die Oktave in einem
Atem auf zweihundert Takte weg und wurde ihr nicht einmal sauer. Sie
sung vor der Tafel eine Arie von den roten Augen und den schwarzen
Backen, daß es, der Tebel hol mer, überaus artig zu hören war. Nachdem
nun die Abendmahlzeit zu Ende war, mußte ich wieder die Große Mogoln bei
der Hand nehmen und mit ihr nach meinem Zimmer zugehen, allwo sie, wie
auch der Große Mogol, Kavaliers und Damens von mir Abschied nahmen und
eine gute Nacht wünschten, worauf ich mich sehr artig bedankte und
sagte, daß sie alle miteinander fein wohl schlafen sollten und sich was
Angenehmes träumen lassen.
[Illustration]
Hiermit verließen sie alle miteinander meine Stube und gingen auch, sich
ins Bette zu legen. Da sie nun von mir weg waren, kamen vier Lakeien und
drei Pagen in mein Gemach hinein, die fragten nun, ob sich der Junker
wollte ausziehen lassen. Wie ich nun ihnen zur Antwort gab, daß ich
freilich etwas schläfrig wäre und nicht lange mehr offen bleiben würde.
Sapperment! wie waren die Kerls geschäftig; der eine lief und holte mir
ein Paar ganz göldne Pantoffeln, der andere eine schöne mit Gold
gestickte Schlafhaube, der dritte einen unvergleichlich schönen
Schafpelz, der vierte schnallte mir die Schuhe auf, der fünfte zog mir
die Strümpfe aus, der sechste brachte mir einen ganz göldnen Nachttopf
und der siebente machte mir die Schlafkammer auf. O sapperment! was
stund da vor ein schön Bette, in welches ich mich legen mußte, es war,
der Tebel hol mer, auch so proper, daß ichs nicht genug beschreiben
kann, und schlief sichs auch so weich darinnen, daß ich auch die ganze
Nacht nicht einmal aufwachte.