zue ende zweyer oder mehrer verse, welche wir nach der art die wir vns
fürgeschrieben haben zuesammen setzen. Damit aber die syllben vnd worte
in die reimen recht gebracht werden, sind nachfolgende lehren in acht
zue nemen.
Erstlich, weil offte ein Buchstabe eines doppelten lautes ist, soll man
sehen, das er in schliessung der reimen nicht vermenget [F 3a] werde.
Zum exempel: Das e in dem worte +ehren+ wird wie ein griechisch {e}, in
dem worte +nehren+ wie ein {ê} außgesprochen: kan ich also mit diesen
zweyen keinen reim schliessen. Item, wenn ich des Herren von Pybrac
_Epigramma_ wolte geben:
_Adore assis, comme le Grec ordonne,
Dieu en courant ne veut estre honoré,
D'vn ferme coeur il veut estre adoré,
Mais ce coeur là il faut qu'il nous le donne._
Zum beten setze dich, wie jener Grieche lehret,
Denn GOtt wil auff der flucht nicht angeruffen sein:
Er heischet vnd begehrt ein starckes hertz' allein;
Das hat man aber nicht, wann er es nicht bescheret.
Hier, weil das e im +lehret+ wie {e}, das im +bescheret+ wie {ê} gelesen
wird, kan ich vor +bescheret+ das wort +verehret+ setzen. So schicken
sich auch nicht zusammen +entgegen+ vnd +pflegen+; +verkehren+ vnd
+hören+: weil das ö von vnns als ein {e}, vnnd die mitlere sylbe im
+verkehren+ wie mit einem {ê} gelesen wirdt. So kan ich auch +ist+ vnd
+bist+ wegen des vngleichen lautes gegen einander nicht stellen.
Das e, wann es vor einem andern selblautenden Buchstaben zue ende des
wortes vorher gehet, es sey in wasserley versen es wolte, wird nicht
geschrieben vnd außgesprochen, sondern an seine statt ein solches
zeichen ' darfür gesetzt. Zum exempel wil ich nachfolgendes Sonnet
setzen, weil diese außenlaßung zue sechs malen darinnen wiederholet
wird:
Ich muß bekennen nur, wol tausendt wündtschen mir,
[F 3b] Vnd tausendt noch dar zue, ich möchte die doch meiden
Die mein' ergetzung ist, mein trost, mein weh vnd leiden
Doch macht mein starckes hertz', vnd jhre grosse ziehr,
An welcher ich sie selbst dir, Venus setze für,
Das ich, so lang' ein Hirsch wird lieben püsch' vnd Heiden,
So lange sich dein Sohn mit threnen wird beweiden,
Wil ohne wancken stehn, vnd halten vber jhr.
Kein menschlich weib hat nicht solch gehn, solch stehn, solch lachen,
Solch reden, solche tracht, solch schlaffen vnnd solch wachen:
Kein Waldt, kein Heller fluß, kein hoher Berg, kein Grundt
Beherbrigt eine Nymf' an welcher solche gaben,
Zue schawen mögen sein; die so schön haar kan haben,
Solch' augen als ein stern, so einen roten mundt.
Hiervon werden außgeschlossen, wie auch Ernst Schwabe in seinem Büchlein
erinnert, die eigenen namen, als: +Helene+, +Euphrosine+; darnach alle
einsylbige wörter, als: +Schnee+, +See+, +wie+, +die+, &c.
Zue ende der reimen, wann ein Vocalis den folgenden [F 4a] verß anhebet,
kan man das e stehen lassen oder weg thun. Stehen bleibt es:
wie rufft er vor dem ende
Vns seinen Kindern zue.
Weg gethan aber wird es:
Jhr hölen voller moß, jhr auffgeritzten stein'
Jhr felder, &c.
Wann auff das e ein Consonans oder mitlautender Buchstabe folget, soll
es nicht aussen gelassen werden: ob schon niemandt bißher nicht gewesen
ist, der in diesem nicht verstossen. Ich kan nicht recht sagen:
Die wäll der starcken Stadt vnnd auch jhr tieffe Graben;
Weil es +die Wälle+ vnd +jhre Graben+ sein soll. Auch nicht wie Melißus:
Rot rößlein wolt' ich brechen,
für, +Rote rößlein+.
Gleichfals nicht:
Nemt an mein schlechte reime,
für: +Meine+.
Es soll auch das e zueweilen nicht auß der mitten der wörter gezogen
werden; weil durch die zuesammenziehung der sylben die verse
wiederwertig vnd vnangeneme zue lesen sein. Als, wann ich schriebe:
Mein Lieb, wann du mich drücktst an deinen lieblchen Mundt,
So thets meinm hertzen wol vnd würde frisch vnd gsundt.
Welchem die reime nicht besser als so von statten gehen, [F 4b] mag es
künlich bleiben lassen: Denn er nur die vnschuldigen wörter, den Leser
vnd sich selbst darzue martert vnnd quelet. Wiewol es nicht so gemeinet
ist, das man das e niemals aussenlassen möge: Weil es in Cancelleyen
(welche die rechten lehrerinn der reinen sprache sind) vnd sonsten
vblich, auch im außreden nicht verhinderlich ist. Vnnd kan ich wol
sagen, +vom+ für +von dem+, +zum+ für +zue dem+, vnd dergleichen. So ist
es auch mit den _verbis_. Als:
Die Erde trinckt für sich, die Bäwme trincken erden,
Vom Meere pflegt die lufft auch zue getruncken werden,
Die Sonne trinckt das Meer, der Monde trinckt die Sonnen;
Wolt dann, jhr freunde, mir das trincken nicht vergonnen?
Hier, ob gleich die wörter +trincket+, +pfleget+, +wollet+, inn eine
sylbe gezogen sind, geschieht jhnen doch keine gewalt. Hiesige verß aber
sindt in Griechischen bei dem Anacreon:
{Hê gê melaina pinei
Pinei de dendre' autên
Pinei thalassa d' auras,
O d' hêlios thalassan,
Ton d' hêlion selênê.
Ti moi machesth' hetairoi,
K' autô thelonti pinein?}
Welche oden ich sonst auch in ein _distichon_ gebracht; weil ich zue den
lateinischen Anacreonten weder lust noch glück habe.
[G 1a] _Terra bibit, terram plantæ, auras æquor, amici,
Æquor Sol, Solem Luna; nec ipse bibam?_
Stehet das h zue anfange eines wortes, so kan das e wol geduldet werden;
als:
Vnd was hilfft es das mein spiel
Alle die es hören loben
Du hergegen, o mein licht?
Die ich lobe, hörst es nicht.
Oder auch aussen bleiben; als:
Was kan die künstlich' hand?
Ferner soll auch das e denen wörtern zue welchen es nicht gehöret
vnangehencket bleiben; als in _casu nominatiuo_:
+Der Venus Sohne.+ Item, wie Melißus sagt:
+Ein wolerfahrner helde.+
Vnd:
Dir scheint der Morgensterne;
Weil es +Sohn+, +Held+, +Stern+ heisset.
Vber diß, die letzte sylbe in den männlichen, vnd letzten zwo inn den
weiblichen reimen (wie wir sie bald abtheilen werden) sollen nicht an
allen Buchstaben gleiche sein; als, in einem weiblichen reime:
Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
Vnd so viel möglich ist, ein willig hertze zeigen.
Es ist falsch; weil die letzten zwo sylben gantz eines sindt: kan aber
so recht gemacht werden:
Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
Vnd, wann es müglich ist, die Sonn' auch selbst zueneigen.
Wiewol es die Frantzosen so genaw nicht nemen. Dann in [G 1b]
nachfolgender Echo, welche vom tantze redet, alle verß gleiche fallen.
_Qui requiert fort & mesure & cadance? Dance.
Qui faict souuent aux nopces residence? Dance.
Qui faict encor filles en abondance? Dance.
Qui faict sauter fols par outrecuidance? Dance.
Qui est le grand ennemy de prudence? Dance.
Qui met aux frons cornes pour euidence? Dance.
Qui faict les biens tomber en decadence? Dance._
Gleichfals begehet man einen fehler, wann in dem _rythmo foeminino_ die
letzte sylbe des einen verses ein t, des andern ein d hat; weil t harte
vnd d gelinde außgesprochen wird. Als im 23. Psalme:
Auff einer grünen Awen er mich weidet,
Zum schönen frischen wasser er mich leitet.
So auch, wann das eine u ein selblautender, das andere ein
doppeltlautender Buchstabe ist, vnd fast wie ein i außgesprochen wird.
Als im 42. Psalme:
Bey jhm wird heil gefunden,
Israel er von sünden.
Dann in dem worte +sünden+ ist das u ein _diphthongus_.
Vnd letzlich wird der reim auch falsch, wann in dem einen verse das
letzte wort einen doppelten _consonantem_; vnnd das in dem andern einen
einfachen hat; als: wann der eine verß sich auff das wort +harren+; der
andere auff das wort +verwahren+, oder der eine auff +rasen+, der andere
auff +gleicher massen+ endete. Denn es eine andere gelegenheit mit der
Frantzösischen sprache hatt, da zwar zweene _consonantes_ geschrieben,
aber gemeiniglich nur einer außgesprochen wird.
[G 2a] Das wir nun weiter fortfahren, so ist erstlich ein jeglicher
verß, wie sie die Frantzosen auch abtheilen, (denn der Italiener zarte
reimen alleine auf die weibliche endung außgehen) entweder ein
_foemininus_, welcher zue ende abschiessig ist, vnd den accent in der
letzten sylben ohne eine hat, Als:
Er hat rund vmb sich her das wasser außgespreitet,
Den köstlichen pallast des Himmels zue bereitet;
Oder _masculinus_, das ist, männlicher verß, da der thon auff der
letzten sylben in die höhe steiget; als:
Den donner, reiff vnd schnee, der wolcken blawes zelt,
Ost, Norden, Sud vnd West in seinen dienst bestelt.
Nachmals ist auch ein jeder verß entweder ein _iambicus_ oder
_trochaicus_; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner
eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir
aus den _accenten_ vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd
welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Iambus ist dieser:
Erhalt vns Herr bey deinem wort.
Der folgende ein Trochéus:
Mitten wir im leben sind.
Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die
dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die
erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch, &c. außgesprochen
werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit
selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch
von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach den
_quantitatibus_ oder grössen der sylben jhre verse richten vnd
reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat:
[G 2b] +Venus die hat Juno nicht vermocht zue obsiegen+; weil +Venus+
vnd +Juno+ Iambische, +vermocht+ ein Trochéisch wort sein soll:
+obsiegen+ aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein,
hat eben den thon welchen bey den lateinern der _dactylus_ hat, der sich
zueweilen (denn er gleichwol auch kan geduldet werden, wenn er mit
vnterscheide gesatzt wird) in vnsere sprache, wann man dem gesetze der
reimen keine gewalt thun wil, so wenig zwingen leßt, als _castitas_,
_pulchritudo_ vnd dergleichen in die lateinischen _hexametros_ vnnd
_pentametros_ zue bringen sind. Wiewol die Frantzosen vnd andere, in den
eigentlichen namen sonderlich, die accente so genawe nicht in acht nemen
wie ich dann auch auff art des Ronsardts in einer Ode geschrieben:
Bin ich mehr als Anacreon,
Als Stesichór vnd Simonídes,
Als Antimáchus vnd Bion,
Als Phílet oder Bacchylídes?
Doch, wie ich dieses nur lust halben gethan, so bin ich der gedancken,
man solle den lateinischen accenten so viel möglich nachkommen.
Vnter den Iambischen versen sind die zue föderste zue setzen, welche man
Alexandrinische, von jhrem ersten erfinder, der ein Italiener soll
gewesen sein, zue nennen pfleget, vnd werden an statt der Griechen vnd
Römer heroischen verse gebraucht: Ob gleich Ronsardt die _Vers communs_
oder gemeinen verse, von denen wir stracks sagen werden, hierzue
tüchtiger zue sein vermeinet; weil die Alexandrinischen wegen jhrer
weitleufftigkeit der vngebundenen vnnd freyen rede zue sehr ähnlich
sindt, wann sie nicht jhren mann finden, der sie mit lebendigen farben
herauß zue streichen weiß. Weil aber dieses einem Poeten zuestehet, vnd
die vber welcher vermögen es ist nicht gezwungen sind [G 3a] sich darmit
zue ärgern, vnsere sprache auch ohne diß in solche enge der wörter wie
die Frantzösische nicht kan gebracht werden, mussen vnd können wir sie
an statt der heroischen verse gar wol behalten: inmassen dann auch die
Niederländer zue thun pflegen.
Der weibliche verß hat dreyzehen, der männliche zwölff sylben; wie der
_iambus trimeter_. Es muß aber allezeit die sechste sylbe eine _cæsur_
oder abschnitt haben, vnd _masculinæ terminationis_, das ist, entweder
ein einsylbig wort sein, oder den _accent_ in der letzten sylben haben;
wie auch ein vornemer Mann, der des Herren von Bartas Wochen in vnsere
sprache vbersetzt hat, erinnert. Zum exempel sey dieses:
Dich hette Jupiter, nicht Paris, jhm erkohren,
Vnd würd' auch jetzt ein Schwan wann dich kein schwan gebohren,
Du heissest Helena, vnd bist auch so geziehrt,
Vnd werest du nicht keusch, du würdest auch entführt.
Hier sind die ersten zweene verß weibliche, die andern zweene männliche:
Denn mann dem weiblichen in diesem _genere carminis_ gemeiniglich die
oberstelle leßt; wiewol auch etliche von den männlichen anfangen.
Bey dieser gelegenheit ist zue erinnern, das die _cæsur_ der sechsten
syllben, sich weder mit dem ende jhres eigenen verses, noch des
vorgehenden oder nachfolgenden reimen soll; oder kürtzlich; es sol kein
reim gemacht werden, als da wo er hin gehöret: als:
Ein guet gewissen fragt nach bösen mäulern nicht,
Weil seiner tugend liecht so klar hereiner bricht
Als wie Aurora selbst, &c.
Dann solches stehet eben so vbel als die reimen der lateini-[G 3b]schen
verse; deren exempel zwar bey den gutten Autoren wenig zue finden, der
Mönche bücher aber vor etzlich hundert Jahren alle voll sindt gewesen.
So ist es auch nicht von nöthen, das der _periodus_ oder sententz
allzeit mit dem verse oder der _strophe_ sich ende: ja es stehet
zierlich, wann er zum wenigsten biß zue des andern, dritten, vierdten
verses, auch des ersten in der folgenden strophe _cæsúr_ behalten wird.
Zum exempel:
1. nein nein, wie bleich ich bin,
Nicht vom studiren nur, so bleibt doch wie vorhin
Mein vorsatz vnbewegt; 2. ich wil mein glücke tragen
So lang' ich kan vnd mag; wil setzen auff den wagen
Der grawen ewigkeit durch meiner Leyer kunst
Die braune Flauia: 3. an stat der Musen gunst
Ist jhrer augen glut: 4. das sternenliechte fewer
Kömpt, wie der schöne Nort den Schieffen, mir zue stewer.
Item:
1. Ja wir gedencken vns wie meister fast zue werden
Des grossen Jupiters, vnd donnern auff der erden
Durch des Geschützes plitz; 2. die Berge zittern auch,
Die wolcken werden schwartz von vnsers Pulvers rauch',
Vnd lauffen schneller fort. 3. verhaw' vns zue dem strande
Des meeres weg vnd steg, wir segeln auch zue lande,
Vnd schiffen ohne see. 4. veriag' vns aus der welt,
[G 4a] Wir haben eine new', in welcher Gold vnd Geldt
Nicht minder häuffig ist. 5. wilt du vnns gifft beybringen,
Die Porcellane wird vns in der hand zuespringen,
Vnd sagen was du thust. 6. wie schlecht die Bügel sein,
So setzen wir vns doch mit jhnen fester ein,
Vnd lassen vnns so bald nicht auß dem sattel heben.
7. Es pflegt die Sonnenvhr vns vnterricht zue geben
Vmb welche zeit es sey. 8. Der köstliche Magnet
Zeigt wo das schwache Schiff auch bey der nacht hingeht,
Vmbringt mit wind' vnnd flut. 9. wir kennen hier von fernen
Durch eines glases liecht den Monden vnnd die Sternen,
Als stünden wir darbey, vnd sind zue krieges zeit
Vor einem einfall auch viel mehr als sonst befreit.
Die reimen deren weibliche verß eilff sylben, vnd die männlichen zehen
haben, nennen die Frantzosen _vers communs_ oder gemeine verse, weil sie
bey jhnen sehr im brauche sind. Wie aber die Alexandrinischen verse auff
der sechsten sylben, so haben diese auff der vierdten jhren abschnitt.
Als:
Im fall du wilt Was Göttlich ist erlangen.
So laß den leib in dem du bist gefangen,
Auff, auff, mein Geist, vnd du mein gantzer sinn,
Wirff alles das was welt ist von dir hin.
Weil die Sonnet vnnd _Quatrains_ oder vierversichten _epi-[G 4b]grammata_
fast allezeit mit Alexandrinischen oder gemeinen versen geschrieben
werden, (denn sich die andern fast darzue nicht schicken) als wil ich
derselben gleich hier erwehnen.
Wann her das Sonnet bey den Frantzosen seinen namen habe, wie es denn
auch die Italiener so nennen, weiß ich anders nichts zue sagen, als
dieweil _Sonner_ klingen oder wiederschallen, vnd _sonnette_ eine
klingel oder schelle heist, diß getichte vielleicht von wegen seiner hin
vnd wieder geschrenckten reime, die fast einen andern laut als die
gemeinen von sich geben, also sey getauffet worden. Vnd bestetigen mich
in dieser meinung etzliche Holländer, die dergleichen _carmina_ auff
jhre sprache klincgetichte heissen: welches wort auch bey vnns kan
auffgebracht werden; wiewol es mir nicht gefallen wil.
Ein jeglich Sonnet aber hat viertzehen verse, vnd gehen der erste,
vierdte, fünffte vnd achte auff eine endung des reimens auß; der andere,
dritte, sechste vnd siebende auch auff eine. Es gilt aber gleiche, ob
die ersten vier genandten weibliche termination haben, vnd die andern
viere männliche: oder hergegen. Die letzten sechs verse aber mögen sich
zwar schrencken wie sie wollen; doch ist am bräuchlichsten, das der
neunde vnd zehende einen reim machen, der eilffte vnd viertzehende auch
einen, vnd der zwölffte vnd dreyzehende wieder einen. Zum exempel mag
dieses sein, welches ich heute im spatzieren gehen, durch gegebenen
anlaß, ertichtet.
Sonnet.
Du schöne Tyndaris, wer findet deines gleichen,
Vnd wolt' er hin vnd her das gantze landt durchziehn?
Dein' augen trutzen wol den edelsten Rubin,
Vnd für den Lippen muß ein Türkiß auch verbleichen,
[H 1a] Die zeene kan kein goldt an hoher farb' erreichen,
Der Mund ist Himmelweit, der halß sticht Attstein hin.
Wo ich mein vrtheil nur zue fellen würdig bin,
Alecto wird dir selbst des haares halber weichen,
Der Venus ehemann geht so gerade nicht,
Vnd auch der Venus sohn hat kein solch scharff gesicht;
In summa du bezwingst die Götter vnnd Göttinnen.
Weil man dan denen auch die vns gleich nicht sindt wol,
Geht es schon sawer ein, doch guttes gönnen soll,
So wündtsch' ich das mein feind dich möge lieb gewinnen.
Oder, im fall dieses jemanden angenemer sein möchte; Welches zum theil
von dem Ronsardt entlehnet ist:
Jhr, Himmel, lufft vnnd wind, jhr hügel voll von schatten,
Jhr hainen, jhr gepüsch', vnd du, du edler Wein,
Jhr frischen brunnen, jhr, so reich am wasser sein,
Jhr wüsten die jhr stets mußt an der Sonnen braten,
Jhr durch den weissen taw bereifften schönen saaten,
Jhr hölen voller moß, jhr auffgeritzten stein',
Jhr felder welche ziehrt der zarten blumen schein,
Jhr felsen wo die reim' am besten mir gerhaten,
[H 1b] Weil ich ja Flavien, das ich noch nie thun können,
Muß geben guete nacht, vnd gleichwol mundt vnnd sinnen
Sich fürchten allezeit, vnd weichen hinter sich,
So bitt' ich Himmel, Lufft, Wind, Hügel, hainen, Wälder,
Wein, brunnen, wüsteney, saat', hölen, steine, felder,
Vnd felsen sagt es jhr, sagt, sagt es jhr vor mich.
Item diß, von gemeinen versen:
Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
Vnd tausendt noch! die seufftzer sind vmbsonst
Herauff geholt, kein anschlag, list noch kunst
Verfängt bey jhr. wie wann im kühlen Mertzen
Der Schnee zuegeht durch krafft der Himmels kertzen,
Vnd netzt das feldt; so feuchtet meine brunst
Der zehren bach, die noch die minste gunst
Nicht außgebracht: mein' augen sind dem hertzen
Ein schädlich gifft: das dencken an mein liecht
Macht das ich irr' vnd weiß mich selber nicht,
Macht das ich bin gleich einem blossen scheine,
Das kein gelenck' vnd gliedtmaß weder krafft
Noch stercke hat, die adern keinen safft
Noch blut nicht mehr, kein marck nicht die gebeine.
Vnd letzlich eines, in welchem die letzten sechs verse einer vmb den
andern geschrencket ist:
Ich machte diese verß in meiner Pierinnen
[H 2a] Begrünten wüsteney, wie Deutschland embsig war
Sein mörder selbst zuesein, da herdt vnd auch altar
In asche ward gelegt durch trawriges beginnen
Der blutigen begiehr, da gantzer völcker sinnen
Vnd tichten ward verkehrt, da aller laster schar,
Mord, vnzucht, schwelgerey vnd triegen gantz vnd gar
Den platz, der alten ehr' vnd tugendt hielten innen.
Damit die böse zeit nun würde hingebracht,
Hab' ich sie wollen hier an leichte reime wenden.
Mars thuts der liebe nach das er der threnen lacht:
Mein krieg ist lobens werth, vnd seiner ist zue schenden:
Denn meiner wird gestilt durch zweyer leute schlacht,
Den andern können auch viel tausendt noch nicht enden.
_Quatrains_ oder _quatrini_, wie auß dem namen zue sehen, sind
vierverßichte getichte oder _epigrammata_; derer hat der Herr von Pybrac
hundert vnd sechs vnd zwantzig im Frantzösischen geschrieben; von
welchen ich nur dieses setzen wil:
_En bonne part ce qu'on dit tu dois prendre,
Et l'imparfaict du prochain supporter
Couurir sa faute, et ne la rapporter:
Prompt à louër, et tardif à reprendre._
Was man dir sagt solt du zum besten wenden,
Vnd wie du kanst des nechsten seine schuldt
Beseite thun, vnd tragen mit gedult:
Zum loben schnell', vnd langsam sein zum schenden.
[H 2b] Hier reimen sich der erste vnd letzte verß so weiblich sind
zuesammen, vnd die mitleren zwey männlichen deßgleichen zuesammen.
Wiewol man auch einen vmb den andern schrencken mag, oder lauter
männliche oder weiblich setzen. Als:
An meine Venus.
Du sagst, es sey der Spiegel voller list,
Vnd zeige dich dir schöner als du bist:
Komm, wilt du sehn das er nicht lügen kan,
Vnd schawe dich mit meinen augen an.
Welch _epigramma_ im lateinischen bei dem _Grudio_, sonsten einem bösen
Poeten, wiewol er eines gueten Poetens bruder ist, gefunden wird.
Die andern verse mag ein jeder mit sieben, acht, fünff, sechs, auch vier
vnd drey sylben, vnd entweder die männlichen oder die weiblichen lenger
machen nach seinem gefallen.
Die reimen der ersten strophe sind auch zue schrencken auff vielerley
art, die folgenden strophen aber mussen wegen der Music, die sich zue
diesen _generibus carminum_ am besten schicken, auff die erste sehen.
Ein exempel einer Trocheischen Ode oder Liedes ist in dem fünfften
Capitel zue finden. Wil ich derhalben einen Iambischen gesang hieher
schreiben.
~Ode.~
Derselbe welcher diese nacht
Erst hat sein leben hingebracht,
Ist eben auch wie die gestorben
Die lengst zueuor verbliechen sein,
Vnd derer leichnam vnd gebein
Vor vielen Jharen sind vertorben.
Der Mensch stirbt zeitlich oder spat,
[H 3a] So baldt er nur gesegnet hat
So wird er in den Sandt versencket,
Vnd legt sich zue der langen rhue.
Wenn Ohr vnd Auge schon ist zue,
Wer ist der an die Welt gedencket?
Die Seele doch allein vnd bloß,
Fleugt wann sie wird des Cörpers loß,
Zum Himmel, da sie her gerhüret.
Was diesen schnöden leib betrifft,
Wird nichts an jhm als stanck vnd gifft,
Wie schön' er vormals war, gespüret.
Es ist in jhm kein geist mehr nicht,
Das fleisch felt weg, die haut verbricht.
Ein jeglich haar das muß verstieben;
Vnd, was ich achte mehr zue sein,
Die jenige kömpt keinem ein,
Die er für allem pflag zue lieben.
Der todt begehrt nichts vmb vnd an:
Drumb, weil ich jetzt noch wündtschen kan,
So wil ich mir nur einig wehlen
Gesunden leib vnd rechten sinn:
Hernachmals, wann ich kalt schon bin,
Da wil ich Gott den rest befehlen.
Homerus, Sappho, Pindarus,
Anacreon, Hesiodus,
Vnd andere sind ohne sorgen,
[H 3b] Man red' jetzt auff sie was man wil:
So, sagt man nun gleich von mir viel,
Wer weiß geschieht es vber morgen.
Wo dient das wündtschen aber zue,
Als das ein Mensch ohn alle rhue
Sich tag vnd nacht nur selbst verzehret?
Wer wündtschet kränckt sich jeder zeit,
Wer todt ist, ist ohn alles leidt.
O wol dem, der nichts mehr begehret.
Zue zeiten werden aber beydes Iambische vnd Trocheische verse durch
einander gemenget. Auch kan man Alexandrinische oder gemeine vor vnd
vnter die kleinen setzen. Als:
Jhr schwartzen augen, jhr, vnd du, auch schwartzes Haar,
Der frischen Flavia, die vor mein hertze war,
Auff die ich pflag zue richten,
Mehr als ein weiser soll,
Mein schreiben, thun vnd tichten,
Gehabt euch jetzundt wol.
Nicht gerne sprech' ich so, ruff' auch zue zeugen an
Dich, Venus, vnnd dein kindt, das ich gewiß hieran
Die minste schuldt nicht trage:
Ja alles kummers voll
Mich stündlich kränck' vnd plage
Das ich sie lassen soll, &c.
Die Saphischen gesänge belangendt, bin ich des Ronsardts meinung, das
sie, in vnseren sprachen sonderlich, nimmermehr können angeneme sein,
wann sie nicht mit lebendigen stimmen [H 4a] vnd in musicalische
instrumente eingesungen werden, welche das leben vnd die Seele der
Poeterey sind. Dann ohne zweiffel, wann Sappho hat diese verse gantz
verzucket, mit vneingeflochtenen fliegenden haaren vnnd lieblichem
anblicke der verbuhleten augen, in jhre Cither, oder was es gewesen ist,
gesungen, hat sie jhnen mehr anmutigkeit gegeben, als alle trompeten vnd
paucken den mannhafftigen vnnd kühnen versen, die jhr Landtsmann Alcéus,
als er ein Kriegesoberster gewesen, ertichtet hat. Zum exempel gleichwol
wil ich zwey Strophen des Ronsardts herschreiben: Dann ich dergleichen
nie vor mich genommen.