Par vn doux regard qu'au coeur ils m'ont rué,
Et m'ont en vn roc insensible mué
En mon poil grison:
Que i'estois heureux en ma ieune saison
Auant qu'auoir beu l'amoureuse poison!
Bien loin de souspirs, de pleurs et de prison!
Libre ie vivoy, &c._
Eine ander solche Ode hebet er also an:
_Mon âge et mon sang ne sont plus en vigeur:
Les ardents pensers ne m'eschauffent le coeur,
Plus mon chef grison ne se veut enfermer.
Sous le ioug d'aimer, &c._
In den Pindarischen Oden, im fall es jemanden sich daran zue machen
geliebet, ist die {strophê} frey, vnd mag ich so viel verse vnd reimen
darzue nemen als ich wil, sie auch nach meinem gefallen eintheilen vnd
schrencken: {antistrophê} aber muß auff die {strophên} sehen, vnd keine
andere ordnung der reimen machen: {epôdos} ist wieder vngebunden. Wan
wir dann mehr strophen tichten wol-[H 4b]ten, mussen wir den ersten in
allem nachfolgen: wiewol die Gelehrten; vnd denen Pindarus bekandt ist,
es ohne diß wissen, vnd die andern die es aus jhm nicht wissen, werden
es auß diesem berichte schwerlich wissen lernen. Ich vor meine person,
bin newlich vorwitzig gewesen, vnd habe mich vnterwinden dürffen auff
Bernhardt Wilhelm Nüßlers, meines gelehrtesten freundes, vnd statlichen
Poetens, es sey in vnserer oder lateinischer sprache, hochzeit eine
dergleichen Oden vnd eine andere auff absterben eines vornemen vom adel
zue schreiben; mit welchen ich, ob sie schon auff der eile weg gemacht
sindt, dieses Capitel beschlissen wil.
{Strophê a.}
Du güldne Leyer, meine ziehr
Vnd frewde, die Apollo mir
Gegeben hat von hand zue handt,
Zwar erstlich das mein Vaterlandt
Den völckern gleiche möge werden
Die jhre sprachen dieser zeit
Durch schöne verse weit vnd breit
Berhümbt gemacht auff aller erden:
(Italien, ich meine dich,
Vnd Franckreich, dem auch Thebe sich,
Wie hoch sie fleuget, kaum mag gleichen,
Dem Flaccus willig ist zue weichen.)
Vnd dann, das derer heller schein
Die gantz nach rhum' vnd ehren streben,
Bey denen welche nach vns leben,
Auch möge klar vnd prächtig sein:
{Antistrophos a.}
[I 1a] Du güldne Leyer, nun ist zeit
Zue suchen alle ziehrligkeit
Die ein Poete wissen soll:
Jetzt solt du billich mehr als wol,
O meine lust, Pindarisiren;
Dein bester freund der leben mag,
Der Musen rhum, hebt diesen tag
Ein newes leben an zue führen:
Sein gantzes wündtschen wird erfült;
Ein bildt, ein außerwehltes bildt
Ersättigt alles sein begehren:
Die lieder, die gelehrten zehren,
Darmit er vormals war gewohnt,
Weit ausser dem gemeinen hauffen,
Nicht einen schlechten weg zue lauffen,
Die werden reichlich jetzt belohnt.
{Epôdos a.}
Krieget nicht gar recht vnd eben
Solchen danck ein hoher Geist,
Welcher einig sich befleist
Bey dem Himmel selbst zue schweben,
Ist auff lob vnd rhum bedacht
Wenn die schöne Sonn' erwacht,
Vnd der tag dem schatten weichet
Wie gar hoch der name reichet
Welchen giebt der künste liecht,
Denen die nach tugendt trachten,
[I 1b] Ist es minder doch zue achten,
Wann der liebe lohn gebricht.
{Strophê b.}
Die Lieb' hat erstlich Gott gerührt
Das er der dinge grund vollführt;
Sie ist es die den baw der welt
Vor allem brechen frey behelt;
Sie pflegt die sternen zue bewegen,
Das sie den elementen nicht
Versagen jhrer schönheit liecht;
Das fewer pflegt die lufft zue regen
Durch hitz' auff jhren angetrieb,
Die lufft hat dann das wasser lieb.
Das wasser das bewegt die erden;
Vnd wiederumb, die wässer werden
Gesogen von der erden klufft,
Das wasser zeucht die lufft zuesammen,
Das fewer wird mit seinen flammen
Verzogen in die kühle lufft.
{Antistr. b.}
Das hier vnd dorte Berg vnd Waldt
Mit grünen Bäwmen mannigfalt
Sehr luftig vberschattet steht,
Das so manch heilsam kraut auffgeht,
Das Wiesen, Felder, Büsch' vnd Awen
Mit zarten blumen sein geziehrt,
Das Saate newes korn gebiehrt,
Das so viel wildpret ist zue schawen,
[I 2a] Das wann der Lentz das Jhar verjüngt
Ein jeder Vogel frölich singt,
Vnd leßt sich nicht gern' vber stimmen,
Das so viel Fisch' im Meere schwimmen,
Ja das wir Menschen selber sein,
Vnd vns das blutige beginnen
Der waffen nicht hat tilgen können,
Das thut die liebe nur allein.
{Epôd. b.}
Liebe nun wer nur zue lieben
Rechten fug vnd mittel hat;
Es ist keine solche that
Die verbotten ist zue vben,
Wann du nur bestrickt nicht bist
Von der wollust hinterlist,
Die mit jhrem falschen scheine
Jung vnd nicht jung in gemeine
Leitet an verkehrten wahn,
Außer diesen eiteln sachen,
Die den klügsten wahnloß machen,
Liebe wer da lieben kan.
{Str. g.}
Du, Bernhardt Wilhelm, den zuevor
Der drey mal dreyen Schwestern chor
Mit alle dem was er gehabt
Gantz ohne masse hat begabt,
Wirst ietzt von Venus auch verehret
[I 2b] Mit einer ohne welcher gunst
Du hassen kanst verstand vnd kunst,
Vnd was zur wissenschafft gehöret;
In derer augen freundtligkeit,
Im munde die verschwiegenheit,
Zucht in den höfflichen geberden,
Im gange demut funden werden;
Die der natur bekandte macht
An tugendt, witz' vnd andern gaben
Fast vber jhr geschlecht' erhaben,
Vnd als jhr Meisterstück' erdacht.
{Antistr. g.}
Nichts bessers wündsch' ich selber mir:
Du wirst hinfort mit grosser ziehr,
Durch deine hochgelehrte handt,
Die ohne diß weit ist bekandt,
Dein' eigne frewde können schreiben:
Du wirst besitzen alles gut
Was Hermus auß der gelben flut
An seinen reichen strandt soll treiben;
Was der verbrandte Mohr besitzt
Wo stets die rote Sonne hitzt,
Was Spanien von edlen dingen
Pflegt auß der newen welt zue bringen.
Getrewe hertzen bleiben rein
Von kummer schätz' vnd Goldt zue kriegen,
Jhr meistes hoffen vnd genügen
Ist lieben, vnd geliebet sein.
{Epôd. g.}
[I 3a] O jhr seligen zwey liebe,
Venus schickt jhr abendt liecht,
Vnd errinnert das man nicht
Jhre frewde mehr verschiebe.
Bräutlein leget euch zue rhue;
Jupiters Fraw saget zue
Auß den sawersüssen nöthen
Einen artigen Poeten.
Was das liebe Kindelein
Wirdt mit halbem munde machen,
Was es kürmeln wird vnd lachen
Werden lauter verse sein.
Trawerliedt vber das absterben Herren Adams von Bibran, auff Profen vnd
Damßdorff.
_Ex Italico summi viri Abrahami Bibrani, Adami fratris, quamuis paullò
liberiùs, translatum._
_STRO. I._
O Die selig' edle Seele,
Die sich in die wahre rhue
Nach dem hohen Himmel zue
Auß des Leibes finstern höle
Frewdig hat hienauff gemacht;
Da sie dann, wie bey der nacht
Vor den andern kleinen Sternen
Phebe selber, gläntzt von fernen,
Da sich Gott jhr vmb vnd an,
Zeigt zue sehn vnd zue geniessen,
[I 3b] Da sie mit nicht-menschen-füssen
Das gestirne tretten kan.
_ANTISTRO. I._
Wie die vlmen durch die reben
Mehr als sonsten lieblich sein;
Wie der Lorbeerbawm den schein
Seinen wäldern pflegt zue geben,
Also war auch deine ziehr.
Pallas weinet für vnd für,
Ceres voll von weh vnd zehren
Leget jhren krantz von ähren
Vnd die sichel hinter sich:
Profen, deine lust vnd frewde
Lieget gantz vertiefft im leide,
Vnd gedencket nur an dich.
_EPOD. I._
Das auch betrübte graß beklagt dich bey den brunnen,
Für das reiche korn
Wächset tresp' vnd dorn;
Es trawret selbst das große radt der Sonnen,
Vnd hüllet vmb sich her der wolcken schwartzes kleidt;
Tranck vnd eßen
Wird vergeßen
Von aller herd' vnd vieh' ohn vnterscheidt.
_STRO. II._
Berg' vnd thäler hört man ruffen
Bibran, Bibran, tag vnd nacht;
Aber nein, des todes macht
Lest sie gantz vergebens hoffen.
Wird der klee zue winterszeit
Durch das eiß gleich abgemeyt,
Sehen wir jhn doch im Lentzen
[I 4a] Nachmals auff den awen gläntzen:
Täglich fellt die Sonn' in's meer,
Scheinet aber morgen wieder:
Legt ein mensch ein mal sich nieder
Er kömpt nimmer zue vns her.
_ANTISTRO. II._
Wil derwegen vns gebühren
Wie es möglich nur mag sein
Sein begräbniß vnd gebein
Allenthalben außzueziehren
Mit dem frembden tulipan
Tausendtschön vnd maioran,
Mit violen vnd narcißen,
Vnd den blumen bey den flüssen
Die vom Mertzen sind genannt.
Sonderlich soll jhm sein leben
Auff das newe wiedergeben
Der Poeten weise handt.
_EPOD. II._
Jhr keuschen Lorbeersträuch', an denen gäntzlich lieget,
Das ein mensch der schon
Muß allhier darvon
Doch in der grub' ein ewiges lob krieget,
Schawt das jhr für den todt dem edlen cörper hier
Gleichfalls rahtet,
Vnd vmbschatet
Mit grüner lust sein' asche für vnd für.
Das VIII. Capitel.
Beschluß dieses buches.
[I 4b] SO viel ist es, was ich von vnserer Poesie auffsetzen wollen.
Wiewol ich keinen zweiffel trage, es sey noch allerseits eines vnd das
andere zue erinnern, welches nicht weniger notwendig seyn mag, als etwas
von denen sachen, derer ich erwehne. Es kan auch wol sein, das mir in
dem eilen (denn ich vor fünff tagen, wie meine freunde wissen, die feder
erst angesetzt habe) diß vnd jenes mag einkommen sein, das entweder gar
außengelassen, oder ja im minsten verbeßert sollte werden. Ich hoffe
aber, es wird mir der guethertzige Leser, in betrachtung der kurtzen
zeit so ich hierbey verschloßen, etwas vbersehen, vnd bedencken, Rom sey
nicht auff einen tag gebawet worden. Was noch vbrig ist, wil ich
entweder inkünfftig selbst gründtlicher verführen, oder denen lassen,
die mir an liebe gegen vnsere sprache gleiche, vnd an geschickligkeit
vberlegen sein. Von denselben zue lernen bin ich so begierig, als ich
willig gewesen bin, andere, die auch dieses nicht gewust haben, zue
vnterrichten. Welche meine geringschätzige arbeit bey statlichen
auffgeweckten gemütern, wo nicht mehr, doch so viel verfangen wird, das
sie gleichsam als durch einen sporen hiermit auffgemuntert, vnserer
Muttersprache die hand bietten, vnd jhrer Poesie den glantz, welchen sie
lengest hette kriegen sollen, geben werden. Welches aber alsdenn
vollkömlich geschehen kan, wenn zue dem was hiebevor in diesem buche
erzehlet ist worden, die vornemlich jhren fleiß werden anlegen, welche
von natur selber hierzue geartet sein, vnnd von sich sagen können was
Ovidius:
_Est Deus in nobis, agitante calescimus illo._
Es ist ein Geist in vns, vnd was von vns geschrieben,
Gedacht wird vnd gesagt, das wird durch jhn getrieben.
Wo diese natürliche regung ist, welche Plato einen Göttli-[K 1a]chen
furor nennet, zum vnterscheide des aberwitzes oder blödigkeit, dürffen
weder erfindung noch worte gesucht werden; vnnd wie alles mit lust vnd
anmutigkeit geschrieben wird, so wird es auch nachmals von jederman mit
dergleichen lust vnd anmutigkeit gelesen. An den andern wollen wir zwar
den willen vnd die bemühung loben, der nachkommenen gunst aber können
wir jhnen nicht verheißen.
Wiewol wir die vbung vnd den fleiß nicht verwerffen: dann im fall
dieselbigen mit der natur vereiniget werden, muß etwas folgen das böse
mäuler leichtlicher tadeln können als nachmachen.
Eine guete art der vbung aber ist, das wir vns zueweilen auß den
Griechischen vnd Lateinischen Poeten etwas zue vbersetzen vornemen:
dadurch denn die eigenschafft vnd glantz der wörter, die menge der
figuren, vnd das vermögen auch dergleichen zue erfinden zue wege
gebracht wird. Auff diese weise sind die Römer mit den Griechen, vnd die
newen scribenten mit den alten verfahren: so das sich Virgilius selber
nicht geschämet, gantze plätze auß andern zue entlehnen; wie sonderlich
Macrobius im fünfften vnd sechsten buche beweiset. Wir sollen vns auch
an vnserem eigenen fleiße nicht genügen laßen; sondern, weil viel augen
mehr sehen als eines, vber die sachen welche wir an das liecht zue
bringen vermeinen, berühmbter männer vrtheil ergehen laßen. Welches
inngleichen die Römer so wol verstanden, vnd in acht genommen, das sie
nicht leichtlich etwas offentlich außkommen laßen, das nicht zuevor von
einem vnd dem andern geschätzet vnd durchgezogen worden. Ja, wie man
keinen ringer oder fechter in offentlichen schawplatze auffführete, er
mußte vorher seinen namen geben, vnd eine probe thun: welches sie
{apographesthai} vnnd {enkrinesthai} . einschreiben vnnd approbiren
hiessen: so gaben auch die, welche in der zahl der Poeten wolten
gerechnet werden, jhre getichte anderen Poeten zue vbersehen, vnd
erkündigten sich darüber jhrer meinung: dieses war [K 1b] jhre
{apographê} vnnd {enkrisis}; wie _Casaubonus_ vber den _Persium_
erinnert, vnd auß einer alten Inscription zue sehen ist:
_HIC . CVM . ESSET . ANNORVM.
XIII . ROMAE . CERTAMINE.
IOVIS . CAPITOLINI . LVSTRO.
SEXTO . CLARITATE . INGENI.
CORONATUS . EST . INTER.
POETAS . LATINOS . OMNIBVS.
SENTENTIIS . IVDICVM._
Plinius der Jüngere, welcher vber alle seine sachen gelehrter freunde
guet achten erfordert, saget in der 17. Epistel des 7. Buches, das jhn
diese gewohnheit gar nicht rewe. Denn er bedächte, welch ein grosses es
sey, durch der leute hände gehen, vnd könne jhm nicht einbilden, das man
dasselbe nicht solle mit vielen vnd zum offtern vbersehen, was man
begehret, das es allen vnd immer gefallen solle. Welches denn der
grösseste lohn ist, den die Poeten zue gewarten haben; daß sie nemlich
inn königlichen vnnd fürstlichen Zimmern platz finden, von grossen vnd
verständigen Männern getragen, von schönen leuten (denn sie auch das
Frawenzimmer zue lesen vnd offte in goldt zue binden pfleget) geliebet,
in die bibliothecken einverleibet, offentlich verkauffet vnd von
jederman gerhümet werden. Hierzue kömpt die hoffnung vieler künfftigen
zeiten, in welchen sie fort für fort grünen, vnd ein ewiges gedächtniß
in den hertzen der nachkommenen verlassen. Diese glückseligkeit erwecket
bey auffrichtigen gemüttern solche wollust, das Demosthenes sagete, es
sey jhm nichts angenemers, als wenn auch nur zwey weiblein welche wasser
trügen (wie zue Athen bräuchlich war) einer den andern einbliesse: Das
ist Demosthenes. Welcher ob er zwar als der vornemeste redener in hohen
ehren gehalten worden, ist doch der rhum nicht geringer denn Homerus
erlanget. Vnd wie der Autor des gespreches von den Oratoren saget, +des
_Euripidis_ [K 2a] oder _Sophoclis_ berhümbter name ist so weit
erschollen als des Lysiæ oder Hyperidis; vnd viel begehren weniger den
rhum des _Ciceronis_ alß _Virgilii_. Es ist auch kein buch des _Asinii_
oder _Messallæ_ so beschrieen, als des _Ouidii_ _Medea_, oder _Varii_
sein Thyestes. Vnd+, redet er weiter, +ich schewe mich nicht den
zuestand der Poeten vnd jhr glückhafftes wesen mit dem vnruhigen vnd
sorglichen leben der Redner zue vergleichen. Ob zwar diese durch
streitsachen vnnd gefahr zue dem Bürgermeister ampte sind erhoben
worden; so wil ich doch lieber _Virgilii_ sichere vnnd geheime
einsamkeit, in welcher es jhm weder an gnade bey dem Keyser Augusto,
noch an kundschafft bey dem Römischen volcke gemangelt hat.+
Nebenst dieser hoheit des gueten namens, ist auch die vnvergleichliche
ergetzung, welche wir bey vns selbst empfinden, wenn wir der Poeterey
halben so viel bücher vnnd schrifften durchsuchen: wenn wir die
meinungen der weisen erkündigen, vnser gemüte wieder die zuefälle dieses
lebens außhärten, vnd alle künste vnnd wissenschafften durchwandern? So
war ich dieses für meine grösseste frewde vnd lust auff der Welt halte,
so war wündsche ich, das die die in ansehung jhres reichthumbs vnnd
vermeineter vberflüssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den
vnserigen erheben, die genüge vnd rhue, welche wir schöpffen auß dem
geheimen gespreche vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen, die von
so viel hundert ja tausendt Jharen her mit vns reden, empfinden solten;
ich weiß, sie würden bekennen, das es weit besser sey, viel wissen vnd
wenig besitzen, als alles besitzen vnd nichts wissen. Vber dieser
vnglaublichen ergetzung haben jhrer viel hunger vnd durst erlitten, jhr
gantze [K 2b] vermögen auffgesetzt, vnd fast jhrer selbst vergessen.
Zoroaster, welcher, wie oben erwehnet, alle seine gedancken Poetisch
auffgesetzt, soll zwantzig Jhar in höchster einsamkeit zuegebracht
haben, damit er in erforschung der dinge nicht geirret würde. Vnd da
alle andere wollüsten vns vnter den händen zuegehen, auch offtermals
nichts von sich vbrig lassen als blosse rewe vnd eckel; so begleitet vns
diese vnsere durch alle staffeln des alters, ist eine ziehr im
wolstande, vnd in wiederwertigkeit ein sicherer hafen. Derentwegen wolle
vns ja niemandt verargen, das wir die zeit, welche viel durch
Fressereyen, Bretspiel, vnnütze geschwätze, verleumbdung ehrlicher
leute, vnd sonderlich die lustige vberrechnung des vermögens hinbringen,
mit anmutigkeit vnsers studierens, vnd denen sachen verschliessen,
welche die armen offte haben, vnd die reichen nicht erkauffen können.
Wir folgen dem, an welches vns Gott vnd die natur leitet, vnd auß dieser
zueversicht hoffen wir, es werde vns an vornemer leute gunst vnd liebe,
welche wir, nebenst dem gemüte vnserem Vaterlande zue dienen, einig
hierdurch suchen, nicht mangeln. Den verächtern aber dieser göttlichen
wissenschaft, damit sie nicht gantz leer außgehen, wollen wir inn den
Tragedien so wir künfftig schreiben möchten die Personen derer geben,
welche in dem Chore nach erzehlung trawriger sachen weinen vnd heulen
mussen: da sie sich denn vber jhren vnverstand vnd grobheit nach der
lenge beklagen mögen.
[L 1a] An den Leser.
Günstiger Leser, weil ich bey verfertigung des Büchleins nicht gewesen,
ist es, sonderlich was die Griechischen wörter betrifft, etwas falsch
gesetzet worden; dessen ich euch hiermit errinnern wollen.[2]
[2] _Hier folgt ein Verzeichniss von 30 Druckfehlern, die in unserem
Abdrucke danach verbessert worden sind. Vgl. übrigens die Einleitung,
sowie den Abdruck des Verzeichnisses bei Witkowski S. 206._
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Das vbrige, dessen ich vieleichte nicht gewahr worden; wollet jhr
vnbeschweret selber zu rechte bringen.
[L 1b] Hierneben habe ich auch nicht sollen vnverwehnet lassen, das mir
vnlengst eines gelehrten mannes in der frembde schreiben zuekommen,
welcher der meinung ist, wann wir die eigentlichen namen der Götter vnd
anderer sachen, als Jupiter, Orpheus, Phebus, Diana vnnd dergleichen in
vnsere sprache brächten, würde sie nicht von allen verstanden werden,
vnd solte man sich dieselben Deutsch zue geben befleissen. Wie aber
solches vnmöglich ist, vnd gleichwol von dieser art namen ein grosses
theil der Poeterey bestehet, also wissen wir, das es eben die
gelegenheit mit den Lateinern zum ersten gehabt, welche diese wörter
mehrentheiles von den Griechen vnd sonsten empfangen, vnd sie jhnen, wie
hernachmals auch in der Italienischen, Frantzösischen, Spanischen vnd
andern sprachen gesche-[L 2a]hen, durch stetten gebrauch so gemeine
gemacht haben, das sie sie nicht weniger als ihre eigene wörter
verstanden. Indeßen aber köndte es wol nicht schaden, das ein liebhaber
vnserer schönen Muttersprache jhm so viel zeit neme, vnd in derselben
ein sonderlich _Dictionarium_ oder Namenbuch der Völcker, Leute, Götter,
Länder, örter, städte, flüße, porten, gebirge, vnd sonsten auß den
geistlichen vnd weltlichen scribenten zuesammen trüge. Wie dieses nun
bloß an einer bemühung gelegen, weil _Caroli Stephani_ vnd anderer
bücher nur dörfften auffgesucht vnd vmbgesetzt werden; also würde jhm
ein solcher doch sehr guetes Lob vnd rhum, welchem die edelsten gemüter
nachtrachten, bey männiglich zu wege bringen. Gott befohlen.
_Druck von Ehrhardt Karras, Halle a. S._
[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
steht.
gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Veränderungeu, sondern
gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Veränderungen, sondern
B ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
$B$ ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
noch in OP vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 32 31 das =mögen=
noch in $OP$ vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 32 31 das =mögen=
A von 1624 in Betracht kommt.
$A$ von 1624 in Betracht kommt.
{Ê n pote toi chronos houtos en hô hama pant' epephykei}
{Ên pote toi chronos houtos en hô hama pant' epephykei}
So, weil das L vnd R fließende buchstaben kein kan ich mir [E 4a] sie in
So, weil das L vnd R fließende buchstaben sein kan ich mir [E 4a] sie in
halte, das Heinfius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
Ton d hêlion selênê.
Ton d' hêlion selênê.
Au weh! ich bin tausendt tausendt schmertzen,
Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
]
End of Project Gutenberg's Buch von der Deutschen Poeterey, by Martin Opitz