A. Djamalian

Chargé d’Affaires de la République de l’Arménie auprès du Gouvernement

Géorgien.

Son Excellence, Monsieur le Général Kress von Kressenstein,

Chef de la Délégation Impériale Allemande au Caucase.

442.

Kaiserlich Deutsche Delegation

im Kaukasus. Tiflis, den 30. Oktober 1918.

Euerer Großherzoglichen Hoheit beehre ich mich, in der Anlage

das Hauptsächlichste über die Baku-Massakres mir zugegangene

informatorische Material für die Akten des Auswärtigen Amts gehorsamst

zu übersenden.

Desgleichen füge ich den Schrift- und Notenwechsel bei, welcher

zwischen der Kaiserlichen Delegation und den türkischen Befehlshabern

bzw. Diplomaten und der Aserbeidschanischen Regierung in der gleichen

Angelegenheit entstanden ist. Ich halte es für angezeigt, daß sich

dieses Material bei den Akten des Auswärtigen Amts befindet, damit die

Kaiserliche Regierung über die Maßnahmen unterrichtet ist, die die

hiesige Kaiserliche Vertretung im Interesse der Menschlichkeit und zum

besonderen Schutze der in Baku lebenden Deutschen unternommen hat.

Wenn die von mir vorgeschlagenen Maßnahmen nicht alle zur Ausführung

gelangt sind, so trägt daran einzig und allein die ablehnende Haltung

der Türken die Schuld, gegen die ich keine Machtmittel besaß.

Die Entsendung des Barons von der Goltz erfolgte zum Teil ebenfalls

aus dem Grunde, um wenigstens einen moralischen Druck auf die höheren

türkischen Heerführer ausüben zu können.

Frhr. von Kreß.

Seiner Großherzoglichen Hoheit dem Reichskanzler,

Prinzen Max von Baden.

Anlage 1.

Türkische Heeresgruppe Ost.

Chef des Generalstabes

Osmanischer Oberstleutnant Paraquin.

Tiflis, den 26. September 1918.

An Generalleutnant von Seeckt, Exzellenz.

~Vorgänge in Baku

nach der Einnahme am~ 16. ~und~ 17. ~September~ 1918.

Am 16. 9. vormittags begaben sich Halil und Nuri Pascha mit ihrer

Begleitung von Puta mit der Bahn nach Baku.

Bei Baladschari lagen 10 bis 12 tote weiße Engländer am Bahndamm.

Der Bahnhof war nach der Wegnahme durch die Türken abgebrannt. Der

Bahnkörper war auf der ganzen Strecke unbeschädigt.

Über der schwarzen Stadt hingen mächtige Rauchwolken. Türkische

Artillerie hatte am 15. 9. vormittags einen Massut-Tank in Brand

geschossen. Nuris Behauptung, er habe selbst gesehen, daß ein kleines

russisches Kriegsschiff die schwarze Stadt beschossen habe, ist falsch.

Ich habe in Baku deutsche und russische Zeugen, vor allem auch die

Vertreter der russischen Flotte gesprochen. Da Südwestwind herrschte,

schien der Brand eine große Gefahr für die Fabrikstadt zu bedeuten.

Doch sprang der Wind am Nachmittag um. Es wurden nur 3 bis 4 große

Tanks vom Feuer erfaßt, deren Inhalt am Abend des 17. noch nicht

ausgebrannt war.

Noch am Vormittag des 17. war die schwarze Stadt von keinem türkischen

Soldaten betreten worden! An diesem Tage kamen aus der schwarzen Stadt

von verschiedenen Seiten Hilferufe. Die Tataren waren eingedrungen

und plünderten. Die Gefahr, daß durch die Schießereien oder andere

Zwischenfälle ein Brand mit verhängnisvollen Folgen eintreten

könne, war groß. Es bedurfte trotzdem nochmaliger energischer

Vorstellungen des Majors Mayr bei dem zum Stadtkommandanten bestimmten

Generalstabschef Nuris, Nasim Bey, um endlich zu erreichen, daß am 17.

mittags ein Infanterieregiment mit dem Schutze der wertvollen Anlagen

betraut wurde, durch deren Zerstörung Baku seine wirtschaftliche

Bedeutung einbüßen würde.

Die Fahrt durch die Außenstadt auf das Kampffeld bot einen seltsamen

Anblick. Die Straßen waren fast menschenleer. Die Läden und Häuser

waren nahezu ausnahmslos geplündert. An verschiedenen Stellen waren

Haufen von geraubten Gegenständen zusammengetragen, die anscheinend

den tatarischen Plünderern abgenommen und teilweise von einzelnen

türkischen Soldaten bewacht wurden. Die an sich zweckmäßige Maßnahme

kam jedoch nicht zur beabsichtigten Wirkung, da Soldaten und Tataren

ungehindert in dem Haufen herumwühlten und wegtrugen, was ihnen

beliebte. Schon auf dieser Fahrt zeigten sich die unverkennbaren Spuren

schwerer Ausschreitungen. Zwei ermordete Kinder lagen am Wege, dicht

neben uns krachte in einer Seitengasse ein Schuß, aus einem Fenster

schrien Frauen in höchster Verzweiflung um Hilfe. Unsere Autos hielten,

wir eilten in das Haus, allein die Übeltäter waren nach rückwärts

entflohen. Trotzdem damals schon allgemein die Überzeugung herrschte,

daß in der Stadt jede Zucht und Ordnung aufgehört und die christliche

Bevölkerung geplündert, vergewaltigt und gemordet werde, wurde die

Fahrt auf das Kampffeld fortgesetzt, wo eine stundenlange Parade vom 6.

Infanterieregiment und den übrigen Waffen stattfand.

Nuri Pascha, der in Baku der Höchstkommandierende war, hat es

unterlassen, rechtzeitig und ausreichend Maßnahmen zum Schutze des

bedrohten christlichen und europäischen Lebens und Eigentums zu

treffen. Ich bitte als Beweis für meine Behauptung folgende Punkte

aufführen zu dürfen:

1. Am 23. 8. sagte mir Mürzel Pascha in Güsdek, daß die Tataren offen

aussprächen, sie würden die Armenier massakrieren, sobald die Türken

Baku nähmen. Ich habe diese Äußerung Nuri Pascha mitgeteilt, und ihn

rechtzeitig mehrfach um vorbeugende Maßnahmen gebeten.

2. Ich habe sowohl Mürzel als Nuri Pascha gegenüber an Hand des

Stadtplanes von Baku dargelegt, wie die Maßnahmen zur Besetzung einer

großen Stadt zu treffen seien, einmal zur eigenen Sicherheit, dann

zum Schutze fremden Lebens und Besitzes. Ich schlug die Anfertigung

vervielfältigter Stadtskizzen und die genaue Einweisung der Regimenter

in ihre Aufgaben vor. Von alledem ist nichts geschehen.

3. Der größte Teil der Tataren wohnt in Baku in einem durch eine 2 km

lange hohe Mauer abgeschlossenen Stadtteile. Nichts wäre einfacher

gewesen, als die Zugänge zu besetzen. Damit wäre einem großen Teil des

Mordgesindels die Möglichkeit zu Ausschreitungen genommen gewesen. Bis

zuletzt wurde diese Maßnahme nicht durchgeführt.

4. Von vornherein mußten in Gensche oder Tiflis Plakate vorbereitet

werden, die das Standrecht verkündeten und jede Plünderung mit dem

Tod bedrohten. Als das Gemetzel unvermindert den dritten Tag anhielt,

entschloß man sich endlich zu dieser Maßnahme.

5. Nach der Flucht des Feindes wurde am 15. 9. ein

Infanterieregiment zu kaum 1000 Mann, das 56. Infanterieregiment,

in die Viertel-Millionenstadt mit ihrer gewaltigen Ausdehnung

entsendet. Es bedarf keiner Ausführung, daß diese Besetzung völlig

unzureichend war.

6. Der Rest der Truppe wurde nicht etwa zur taktischen Sicherung der

Stadt verwendet. Die Truppe lagerte friedensmäßig auf den Höhen, hörte

unten in der Stadt die ununterbrochenen Schießereien in den Häusern

und hielt am 16. 9. vormittags eine Parade vor dem Pascha zu Ehren

des hohen muhammedanischen Festtages, des Kurban-Beiram. Auf meine

dringenden Vorstellungen, die ich an Halil Pascha als Mensch und Freund

richtete, befahl Nuri, daß noch ein zweites Regiment in die Stadt

rücken solle. Ich hielt mich für verpflichtet, sofort aufmerksam zu

machen, daß diese Maßnahme nicht ausreichend sei. Nuri erwiderte, er

hielte sie für genügend.

7. Als wir im Saale des Hotel Metropol versammelt waren, stürmten von

allen Seiten telephonische und persönliche Hilferufe auf uns ein.

Die neutralen Konsuln, an ihrer Spitze der dänische, erschienen und

beschwerten sich in bitteren Worten über die Untätigkeit der Türken,

der es allein zu verdanken sei, daß Gemetzel und Plünderung andauerten.

Naturgemäß wendeten sich alle Deutschen und deutschen Schutzbefohlenen

an mich, aber auch die Konsuln und andere Persönlichkeiten baten mich

als Deutschen um Vermittlung und Unterstützung. Ich brachte sie zu Nuri

Paschas Kenntnis. Vor allem ersuchte ich, da ein amtlicher deutscher

Vertreter fehlte, um den Schutz deutschen Lebens und Eigentums. Ich

erbat die sofortige Gestellung von Schutzposten vor die deutschen

Quartiere.

8. Statt mit allen Mitteln an die Herstellung der Ordnung in der Stadt

zu gehen, trieben sich die Paschas, der Stadtkommandant, die gesamten

Generalstabsoffiziere müßig in den Sälen des Hotels umher. Wenn Klagen

und Bitten an Nuri oder den Stadtkommandanten kamen, so wurden sie mit

jener inneren Teilnahmslosigkeit abgefertigt, die sofort erkennen läßt,

daß jeder ernste Eifer und Wille fehlt. Ein großes Festmahl schloß sich

an, dem sämtliche Generäle und die Stäbe mit dem Stadtkommandanten

beiwohnten. Das Kaukasuslied wurde gespielt. Mit unverhohlenem Triumph

wurde mir der Inhalt verdeutscht, daß nunmehr die Türkei sich ihr altes

Eigentum, den Kaukasus, wieder holen werde. Während und nach der Tafel

ging in der Stadt Mord und Plünderung weiter. Die Türken ließen sich

dadurch in ihrer Untätigkeit nicht stören.

Ich kann die vielfach offen ausgesprochene Ansicht nicht unerwähnt

lassen, daß die türkische Führung den Tataren die Gelegenheit zur Rache

an den Armeniern geben wollte.

Zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags erschien der dänische Konsul in

großer Erregung im Saale des Hotel Metropol, wo sich unentwegt das

ganze freie Treiben abspielte, und teilte mir mit, daß erneut deutsche

Häuser geplündert und die Bewohner mit Waffen bedroht würden. Ich ging

auf Nuri Pascha zu und sagte mit lauter erhobener Stimme ungefähr

folgendes: „Exzellenz, ich bitte Sie nun endlich wirksame Maßnahmen

zum Schutze der Deutschen zu treffen. Ich bin sonst gezwungen, der

Deutschen Botschaft in Konstantinopel zu berichten, wie wenig Sie

deutsches Leben und deutsches Eigentum schützen.“ Nuri erwiderte etwas

verdutzt, er habe doch alles getan. Ich antwortete, daß dies nicht

stimme. Man hätte eine Parade gehalten, während Mord und Plünderung

herrschten. Es stünden immer noch 5 Regimenter untätig vor der Stadt,

außerdem sitze der Stadtkommandant noch immer untätig im Saale. Von

den Führern und Generalstabsoffizieren habe noch keiner das Hotel

verlassen, um selbst einzugreifen. Ich bäte ihn nochmals dringend, nun

endlich die Sicherheit der Deutschen zu gewährleisten. Ich persönlich

würde mich nun mit den 3 deutschen Offizieren in die Stadt begeben, um

nach Möglichkeit selbst den Deutschen zu helfen, daraufhin wandte ich

mich ab und verließ den Saal.

Die ganze Auseinandersetzung konnte natürlich den im Saale Anwesenden

nicht verborgen bleiben. Ich habe mit scharfer Betonung gesprochen,

aber kein Wort und keine Geste gebraucht, die im geringsten beleidigend

sein könnte. Der Tragweite meines Schrittes war ich mir wohl bewußt.

Ich bin der festen Überzeugung, daß ich in der gegebenen Lage nach all

dem Vorausgegangenen so handeln mußte, wenn nicht die deutschen und

neutralen Vertreter die Anschauung gewinnen sollten, daß der Schutz

deutschen Lebens und Eigentums in ungenügender Weise von mir vertreten

würde, da höfliches Ersuchen nicht zum Ziele geführt hatte.

Sachlich trug mein Auftreten jedenfalls Früchte. Der Stadtkommandant

wurde sofort seiner Stelle enthoben. Nasim Bey wurde zum

Stadtkommandanten ernannt und richtete sich nun eine Arbeitsstätte

in einem anderen Hotel ein. Offiziere wurden mit Autos in die Stadt

entsandt. Neue Truppen wurden in die Stadt gezogen. In diesen Maßnahmen

dürfte das beste Eingeständnis der bisherigen Unterlassungen liegen.

Ich hatte an einige deutsche Häuser türkische Posten aufgestellt und

war auf Ersuchen einer deutschen Familie mit Major Mayr zu einem jungen

armenischen Rechtsgelehrten gefahren, der von den Tataren mit dem Tode

bedroht wurde. Ich stellte vor das Haus ebenfalls einen Posten und nahm

den Mann mit in das Hotel. Es war Nacht geworden. Als wir heimfuhren,

krachten von allen Seiten die Schüsse. Das Feuer wurde immer lebhafter.

Es klang, als ob in der Stadt ein erbitterter Kampf ausgefochten würde.

Nuri Pascha meinte, es sei Festschießen zu Ehren des Kurban-Beiram.

Auf jeden Fall war das Schießen ein willkommener Deckmantel für die

Fortsetzung des Gemetzels.

Am nächsten Morgen, 17. 9., ging die Plünderung ruhig weiter. Nun wurde

vor unserem Hotel ein Plünderer aufgehängt. Die Türken erzählten uns,

auch andere Hinrichtungen würden jetzt vollzogen, um die Plünderer

abzuschrecken. Als ich am 17. 9. abends Baku verließ, war in der Nähe

des Bahnhofs noch eine lebhafte Schießerei. Die Ordnung war in der

Stadt noch nicht hergestellt.

Die Ausschreitungen spielten sich meist im Innern der Häuser ab.

Daher lagen auf den Straßen verhältnismäßig wenig Leichen. Sie waren

meistens in Winkeln zusammengetragen, so daß man oft erst durch den

Geruch aufmerksam wurde. An einer Stelle sah ich sieben Leichen, meist

nackt, übereinander liegen, darunter mehrere Kinder und eine Wöchnerin.

Die Leichen waren nahezu alle mit blutunterlaufenen Stellen, die von

Kolbenschlägen herrührten und mit Stichen bedeckt. Aus Kellern schlug

Leichengeruch entgegen. Ich muß betonen, daß ich nur wenig Zeit hatte,

den Spuren des Gemetzels nachzugehen, da ich von allen Seiten um Hilfe

bestürmt wurde. Doch schon auf meinen kurzen Gängen traf ich auf diese

handgreiflichen Beweise der Metzeleien. Der Eindruck der Plünderung

ganzer Straßenzeilen vom Keller bis unter das Dach drängte sich ohne

weiteres beim Passieren der Straßen auf. Als ein türkischer Major am

17. abends von einem Rundgang zurückkam, sagte er unaufgefordert zu

mir: „Sie haben recht. In der Stadt ist es schrecklich zugegangen. Man

kann es nicht leugnen.“ Vor anderen Zeugen erzählte mir ein Deutscher,

er sei mit dem Adjutanten Nuri Paschas in ein Haus gekommen, in dem

13 Grusinier ohne Unterschied des Geschlechts und Alters ermordet

lagen. Als er darauf hinwies, daß es sich um Grusinier, also deutsche

Schutzbefohlene handle, erhielt er die Antwort: „Man hat sie eben für

Armenier gehalten.“

Der dänische Konsul bemühte sich, die Erschießung der beiden Deutschen

aufzuklären. In ihrem Hause hatten sich armenische Soldaten verteidigt,

die bei der Annäherung der Türken flohen. Obwohl beide ohne Waffen

waren, und sich als Deutsche bezeichneten, wurde sie ohne weitere

Prüfung des Sachverhaltes an die Wand gestellt und erschossen.

Aus der Fülle der tragischen Erlebnisse und erschütternden Eindrücke

möchte ich ein Vorkommnis herausgreifen. Eine deutsche Dame mit

drei Töchtern teilte mir mit, daß ihr Schwiegersohn -- ein Armenier

-- getötet worden und ihre Tochter -- eine Deutsche -- mit zwei

Kindern weggeschleppt worden sei. Da ich hoffte, sie befänden sich

vielleicht in einem der Schutzlager, in die die Armenier seit dem 17.

vormittags mit Kolbenstößen und Peitschenhieben zusammengetrieben

und wie Viehherden zusammengepfercht wurden, so ging ich mit ihr von

Lager zu Lager. Die Verlorene war nirgends zu finden. Alles hofft auf

Deutschlands Hilfe. Vom Auftreten der Türken hat man genug.

Ich halte es für dringend nötig, schon zum Schutze der riesigen

wirtschaftlichen Interessen, daß deutsches Militär und deutsche

Sachverständige nach Baku kommen.

Den türkischen Versuchen gegenüber, die schweren Verfehlungen und

widerlichen Vorgänge in Baku als harmlos und als im Zusammenhang

mit der Erstürmung der Stadt hinzustellen, möchte ich nochmals

betonen, daß das Gemetzel schon vor Wochen angekündigt und ohne jeden

Zusammenhang mit taktischen Vorgängen durchgeführt wurde. Auch der

Einwurf, man habe die Truppen nicht in die Stadt gelassen, da man

ihrer nicht sicher gewesen sei, ist nicht stichhaltig. Allerdings

durfte man nicht, wie es vielfach geschah, die Soldaten in kleineren

Patrouillen durch die Stadt schicken. Wo dies geschah, beteiligte sich

die türkische Soldateska lebhaft am Plündern und Schänden. Hätte man

sie bataillonsweise auf den großen Plätzen aufgestellt und von dort

Züge unter Offizieren entsendet, so hätte sich Ordnung schaffen lassen

und die Truppe wäre in der Hand behalten worden.

Aus der Fülle von Zeugen, die weit besser wie ich über die schweren

Ausschreitungen berichten können, möchte ich den dänischen,

schwedischen und persischen Konsul, einen Herrn Dassel neben

zahlreichen Deutschen, deren Namen mir entfallen, dann Major Hartmann,

Major Mayr, Oberstabsarzt Brokelmann, Leutnant Uttermarck des

bayerischen Jägerregiments Nr. 15 nennen. Der russische General Ali

Pascha erzählte mir, daß sogar seinen beiden alten Schwestern 600

Rubel in der Wohnung abgepreßt wurden, da man ihnen vorhielt, sie

seien Christinnen, obwohl sie den Koran vorzeigten. Ich würde es für

richtig halten, daß in Baku eine deutsche Kommission gebildet wird, bei

der alle Ausschreitungen gegen Deutsche und deutsche Schutzbefohlene

angemeldet werden.

Ab ich am 17.9. abends mich von Nuri Pascha verabschiedete, reichte

er mir die Hand. Obwohl es bekannt war, daß bei Baladschari ein

Zusammenstoß zweier Züge erfolgt war und die Strecke gesperrt sei,

fuhren wir los. Vielleicht käme man doch durch. Die Folge war, daß wir

fast 24 Stunden vor Baladschari liegen blieben. Die Station Kyschli war

ebenfalls geplündert. In der Gegend im Nordosten Bakus zeigten sich

Reitergruppen, zahlreiche Schüsse fielen, Staubwolken tauchten auf. Was

wirklich vorging, war nicht zu erkennen.

Am 18. vormittags erschien der Adjutant Halil Paschas und überreichte

mir, ohne daß vorher ein Wort zwischen Halil und mir gewechselt oder

irgend eine Reibung erfolgt wäre, folgendes Enthebungsschreiben,

datiert vom 17. 9.:

Votre tenue et vos paroles d’hier contre S. E. Noury Pascha, le

commandant en Chef de l’armée Islam, devant une foule amie et étrangère

et par conséquence la plainte officielle de S. E. à moi m’obligent

définitivement de mettre un terme à votre Mission de Chef d’Etat-Major

chez moi.

Je vous ai mis à la disposition du grand quartier Général auquel je

l’ai télégraphié.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 119 / 134 题