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2. Die türkische Regierung ist zu bewegen, in den an sie nach
dem Brester Frieden und dem Vertrag mit Transkaukasien
zurückfallenden Gebieten den Armeniern, wo sie in geschlossenen
Siedelungen wohnen, lokale Autonomie zu gewähren und in den
übrigen Teilen des Landes ihnen volle Freiheit in der Ordnung
ihrer kirchlichen und kulturellen Angelegenheiten zuzugestehen.
_Mai._
388.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)
Telegramm.
Konstantinopel, den 3. Mai 1918.
An Auswärtiges Amt.
Aus Erzindjan ging folgendes Telegramm ein:
Im Kreise Erzindjan waren während der russischen Okkupation
1916/17 1500 mohammedanische Einwohner zurückgeblieben. Verhalten
Okkupationsarmee wird allgemein gelobt. Als Russen nach
Waffenstillstand Dezember v. J. desertierten, wurde armenisches
Schreckensregime unter Mrat Pascha gebildet. 600 Muslims im Alter von
3-70 Jahren wurden ermordet, Hunderte werden vermißt. Stadt ist ein
Trümmerhaufen, nur das Zentrum mit Regierungskonak und Generalkommando
sind erhalten, da Mine versagte.
Bernstorff.
389.
(Auswärtiges Amt.)
Telegramm.
Berlin, den 6. Mai 1918.
An Deutsche Botschaft, Pera.
Von den Armeniern ist der Wunsch geäußert worden, daß ihren aus
der Türkei geflüchteten Stammesgenossen die Rückkehr gestattet
werde, da ihr Verbleiben im Kaukasus wegen des Mangels an Land und
Unterhaltsmitteln zu Reibungen mit der nichtarmenischen Bevölkerung
führen würde. Euere Exzellenz bitte ich, General von Lossow als
Nachtrag zu seiner Instruktion zu ersuchen, den Versuch zu machen, die
bekannten türkischen Bedenken gegen Wiederzulassung der Ausgewanderten
zu überwinden.
Stellvertretender Staatssekretär v. d. Bussche.
390.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)
Telegramm.
Konstantinopel, den 12. Mai 1918.
An Auswärtiges Amt.
Nach militärischen Meldungen beträgt die Zahl der wegen armenischer
Grausamkeiten aus Erivan, Igdir und Nakhitschevan nach Bajasid
ausgewanderten Mohammedaner etwa 10000. Ein großer Teil mußte wegen
Verpflegungsschwierigkeiten nach Persien weitergeschickt werden. Die
Leute können sich nicht gegen die Armenier wehren, da es ihnen an
Waffen und Munition fehlt.
Bernstorff.
391.
Kaiserlich
Deutsches Konsulat. Aleppo, den 15. Mai 1918.
Wie mir erst jetzt bekannt wird, sind Mitte März auf Befehl des
Kommandeurs des 4. Korps Ali Ihsan Pascha in seinem Bereich,
insbesondere im Wilajet Mamuret-ul-Aziz wieder Maßregeln gegen den
Rest der noch vorhandenen Armenier ergriffen worden. So sind aus
den Ortschaften Pertak und Peri etwa 300 Frauen und Kinder nach
Mamuret-ul-Aziz gebracht worden. Die halbwüchsigen Jungens waren
gefesselt und wurden gesondert hinterher gebracht. Der Wali von
Mamuret-ul-Aziz hat die Frauen und Kinder unbehindert gelassen, die
Knaben aber sind in das Gefängnis gebracht worden.
Hungersnot herrscht in weiten Gebieten der östlichen Wilajets, so in
Diarbekr, Meya-Farkin, Mardin und anderen Orten.
Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel
zugehen.
Rößler.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn Grafen von Hertling.
392.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)
Telegramm.
Konstantinopel, den 15. Mai 1918.
Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt.
Telegramm des Generals von Lossow:
„Die maßlose türkische Forderung, auch auf die rein armenischen Gebiete
von Achalkalaki, Alexandropol und Eriwan abzielt auf Gebietserwerb
weit über Brester Vertrag hinaus, auf alleinige wirtschaftliche
Ausbeutung Kaukasiens und auf völlige Ausrottung der Armenier auch in
Transkaukasien.
Am 13. abends haben die Türken die Überlassung der Bahn
Kars-Alexandropol-Dschulfa in Form eines Ultimatums gefordert,
ohne mein Einverständnis erlangt oder mich vorher benachrichtigt
zu haben. Ich habe gegen dieses Vorgehen protestiert. Mein
Vermittelungsvorschlag, auf Grund dessen eine prinzipielle Regelung der
wichtigsten und brennendsten Fragen zu erlangen wäre, ist folgender: