D. Karl Axenfeld, Missionsdirektor.

Dem Kanzler des Deutschen Reiches

Herrn Grafen von Hertling, Exzellenz, Berlin.

371.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 14. Februar 1918.

Dem Kaiserlichen Botschafter Herrn Grafen von Bernstorff, Exzellenz,

Pera, zur gefälligen Kenntnis ergebenst übersandt.

Freihr. v. d. Bussche.

_März._

372.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 2. März 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Bei künftigen Friedensverhandlungen mit den Westmächten werden diese

unzweifelhaft die Armenierfrage zur Sprache bringen und versuchen,

möglichst weitgehende Autonomie ostanatolischer Wilajets durchzusetzen.

Gegenüber solchen Versuchen wird Lage der Türkei günstiger sein,

wenn sie schon vor Eintritt in Verhandlungen greifbare Beweise dafür

gegeben hat, daß sie entschlossen ist, den christlichen ebenso wie

den muhammedanischen Bewohnern dieser Provinzen eine gleichmäßige,

milde und gerechte Behandlung angedeihen zu lassen und ihnen beim

Wiederaufbau des durch die Kriegsereignisse Zerstörten behilflich zu

sein.

Die Wiederbesetzung des Gebiets vollzieht sich unerwartet schnell. Nach

den letzten Nachrichten ist mit baldiger Einnahme Erzerums zu rechnen.

Sobald dies geschehen, dürfte die Zeit gekommen sein, um die Armenier,

die noch die Waffen tragen, zu freiwilliger Unterwerfung aufzufordern

und ihnen für diesen Fall Straflosigkeit und freie Rückkehr in ihre

Wohnsitze zu gewähren. Abgesehen davon, daß auf diese Weise weitere

vielleicht schwierige Kämpfe vermieden würden, kann nur so der

Anfang dazu gemacht werden, dortige Armenier, die unentbehrliches

wertvolles Bevölkerungselement dieser Provinzen darstellen, wieder

zu loyalen Untertanen der Türkei zu erziehen. Weiter müßten die

geplanten finanziellen Beihilfen zum Wiederaufbau der Dörfer und zur

wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Wilajets gleichzeitig Christen

und Muhammedanern zugute kommen. Auch würde sich empfehlen, die

Rückführung der ins Innere des Reichs verbannten armenischen Bewohner

in Aussicht zu nehmen.

Außerdem würde es die Stimmung weiter und einflußreicher Kreise

günstig beeinflussen, wenn die türkische Regierung den deutschen

Missionsanstalten, die früher unter Armeniern gewirkt haben, gestatten

wollte, Vertreter an Ort und Stelle zu entsenden, um unter der

Bevölkerung, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, Wohltätigkeit

zu üben.

Fast ebenso wichtig wie die Behandlung der Armenier ist die der

Griechen. Bei jetziger Lage besteht kein Grund mehr, die weggeführte

griechische Bevölkerung der Küstendistrikte des Schwarzen Meeres von

dort fern zu halten. Ihre baldige Zurückführung würde einzuleiten sein.

Euere Exzellenz bitte ich, in Ihren Besprechungen mit dem Großwesir,

mit dem Minister des Äußern und auch Enver Pascha diesen Gedankengang

zu entwickeln und über die Aufnahme Ihrer Vorstellungen zu berichten.

v. d. Bussche.

373.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 3. März 1918.

An Auswärtiges Amt.

Seit Monaten habe ich bei jeder Gelegenheit die Gedankengänge des

Telegramms Euerer Exzellenz vom 2. d. M. an maßgebender Stelle

wiederholt. Einer direkten Ablehnung bin ich niemals begegnet. Öfters

gelang es, beabsichtigte unkluge Maßnahmen zu verhindern, meist erhielt

ich aber Versprechungen, die bisher noch unerfüllt blieben.

Der Großwesir ist seit seiner Rückkehr aus Europa für Ermahnungen im

Sinne der Berücksichtigung der öffentlichen Meinung zugänglicher.

Erst gestern sprach ich mit Talaat Pascha im Sinne Euerer Exzellenz

Weisung, und er versprach dabei, mit den Armeniern entsprechend zu

verhandeln und eine Amnestie bald zu erlassen.

Bernstorff.

374.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 13. März 1918.

Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt.

Wie mir Monsignore Dolci mitteilt, ist er vom Papst angewiesen worden,

bei der hiesigen Regierung für die Armenier einzutreten.

Unter allen Armeniern herrscht große Aufregung, da sie befürchten,

daß allgemeine Repressalien seitens der Türken zu erwarten sind. Ich

drahtete deshalb direkt an den Herrn Staatssekretär nach Bukarest die

Bitte, die Angelegenheit mit dem Großwesir zu besprechen. Ohne Talaat

Pascha werde hier nichts getan, und vielleicht sei der Großwesir zu

bewegen, jetzt nach dem Frieden mit Rußland und der Einnahme Erzerums

die versprochene Amnestie zu erlassen.

Bernstorff.

375.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 17. März 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Tanin und Terdjüman-Artikel vom 15. März sind geeignet, nicht nur

Armenier, sondern auch unsere öffentliche Meinung über Absichten

türkischer Regierung in Armenierfrage zu beunruhigen. Abgesehen

davon sind aber so heftige Presseäußerungen auch deshalb bedenklich,

weil dadurch unter türkischer Bevölkerung Stimmung hervorgerufen

wird, die zu gefährlichen Ausbrüchen gegen Armenier führen kann

und jedenfalls der türkischen Regierung die von ihr beabsichtigte

versöhnliche Armenierpolitik erschweren muß. Ich empfehle dringend, daß

türkische Regierung der Presse Zurückhaltung auferlegt. Es wäre auch

zweckmäßig, weitere amtliche Meldungen über Greueltaten der Armenier

zurückzuhalten, bis die Berichte der zu Wehib Pascha zu entsendenden

Pressevertreter vorliegen. Berichte der Milli-Agence finden nach

früheren Erfahrungen im neutralen und feindlichen Auslande keinerlei

Glauben mehr.

Bitte dringend in diesem Sinne auf dortige Regierung einzuwirken.

v. d. Bussche.

376.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 17. März 1918.

An den Herrn Staatssekretär, Bukarest.

Botschafter Pera telegraphiert: „In armenischer Frage hat trotz aller

Ermahnungen Zensur erst jetzt eingegriffen und Presse gezwungen,

beruhigende Artikel zu schreiben oder zu schweigen.

Alle Armenier waren schon von Todesangst befallen. Beinahe täglich

sandten sie den päpstlichen Delegaten, den Patriarchen oder sonstige

Abgesandte zu mir, um Hilfe zu erbitten. Türkische Regierung scheint

diesmal wirklich ehrlich bestrebt, Ausschreitungen zu verhindern.

Abwesenheit Großwesirs ist lebhaft zu beklagen, da er allein

imstande wäre, Zügel in die Hand zu nehmen und Kundgebungen über

armenische Politik zu erlassen. Alle sonstigen hiesigen maßgebenden

Kreise befinden sich augenblicklich geradezu in einem Taumel von

Siegesbewußtsein, Nationalismus und Pan-Islamismus. Sie glauben, daß

alle Muhammedaner Asiens nur darauf warten, den Türken die Bruderhand

auszustrecken und eine Islam-Konföderation zu gründen. Großwesir steht

nach Euerer Exzellenz Telegramm noch auf dem gleichen Standpunkt wie

früher, daß er nicht unbedingt Batum behalten will. Der türkische

Ehrgeiz geht augenblicklich wenigstens noch mehr nach Baku als nach

Batum.“

Vielleicht könnte Talaat Pascha veranlaßt werden, von Bukarest aus

durch energische Instruktionen in die Behandlung der Armenierfrage

einzugreifen.

Bernstorff.

377.

Aufzeichnung.

Berlin, den 19. März 1918.

Vom Herrn Stellvertreter des Staatssekretärs seinen Erklärungen im

Reichstag am 21. und 22. März zugrunde gelegt.

... Das Auswärtige Amt und die Kaiserlichen Vertretungen in der Türkei

haben von Beginn der armenischen Krise an alles mit diplomatischen

Mitteln mögliche getan, um das Los der Armenier zu mildern. Die

Kaiserliche Regierung ist bei ihrem Druck auf die türkische Regierung

bis zur äußersten Grenze gegangen. Die Verantwortung dafür, durch einen

Bruch mit der Türkei wegen der Armenierfrage die Südostflanke unserer

Weltkampfstellung zu entblößen und dadurch unsere damals im Osten und

Westen schwer ringenden Heere in eine bedrohliche Lage zu bringen,

hätte keine deutsche Regierung tragen können.

Als nach Abschluß des Waffenstillstands von Brest-Litowsk die

Möglichkeit einer Räumung der damals von den Russen besetzten

ostanatolischen Provinzen näher rückte, haben wir uns sofort mit

den türkischen Staatsmännern wegen der Behandlung der Frage der

Armenier in Verbindung gesetzt und ihnen gesagt, wie wichtig es im

eigensten Interesse der Türkei, auch wegen ihrer Beziehungen zu den

Bundesgenossen ist, daß beim Wiedereinmarsch der türkischen Truppen

Ausschreitungen gegen die armenische Bevölkerung vermieden und daß

von vornherein die Grundlagen für friedliche Verhältnisse zwischen

den christlichen und muhammedanischen Elementen geschaffen werden.

Der Finanzminister und der Minister des Äußern, mit denen im Januar

bei ihrem Aufenthalt in Berlin in diesem Sinne gesprochen wurde,

zeigten volles Verständnis und erklärten sich auch grundsätzlich damit

einverstanden, daß sich nach Wiedereinnahme Ostanatoliens deutsche

Wohltätigkeitsunternehmungen der Armenier dort annähmen.

Anfang Februar gelangte die Nachricht hierher, daß die russischen

Truppen aus Ostanatolien abzogen, daß sich aber in dem von ihnen

verlassenen Gebiet armenische Freischaren unter Führung fremder

Offiziere gebildet haben und dort schlimm hausten. Einzelheiten

sind durch die amtliche türkische Telegraphenagentur bekannt gegeben

worden. Diese Nachrichten haben vielfach keinen Glauben gefunden

und sind so aufgefaßt worden, als ob die türkische Regierung damit

ein beabsichtigtes grausames Vorgehen gegen die Armenier im voraus

entschuldigen wollte. Diese Auffassung scheint nicht begründet.

Obwohl andere telegraphische Meldungen aus dem Kaukasus ins Ausland

gelangen, ist bisher in keinem feindlichen oder neutralen Blatte

eine Nachricht über türkische Ausschreitungen veröffentlicht worden.

Auch das schweizerische Hilfskomitee für Armenien hat keine solche

Nachricht erhalten. Einem Telegramm der Genfer Gruppe der armenischen

Sozialisten an das Internationale Sozialistische Büro in Genf, worin

von neuen türkischen Metzeleien nach Räumung des Landes durch die

Russen die Rede ist, liegen offenbar nur Befürchtungen zugrunde. Diese

Befürchtungen sind im Hinblick auf die Ereignisse des Jahres 1915

und die gegenseitige Erbitterung wohl begreiflich. Die Kaiserliche

Regierung hat deshalb keine Gelegenheit vorübergehen lassen, der

türkischen Regierung die Bedeutung der armenischen Frage vor Augen zu

führen und hat bestimmte Vorschläge gemacht, wie weiteres Blutvergießen

vermieden und auf die Dauer friedliche Zustände hergestellt werden

können. Sie hat namentlich dringend geraten, die strengste Manneszucht

unter den einrückenden Truppen aufrecht zu erhalten, die armenischen

Freischaren zur freiwilligen Unterwerfung aufzufordern, ihnen, wenn

sie dieser Aufforderung Folge leisten, Amnestie zu gewähren, bei

der beabsichtigten Hilfsaktion für die ostanatolischen Provinzen

gleichmäßig die Armenier und Muhammedaner zu berücksichtigen, ferner

auch die Zurückführung der nach dem Innern des Reiches Ausgesiedelten,

die sich bei den jetzigen Transportschwierigkeiten allerdings nicht

durchführen läßt, wenigstens zu beschließen und einzuleiten. Die

türkische Regierung hat sich diesen Vorschlägen durchaus zugänglich

gezeigt. Nach den bündigen Versicherungen, die der Großwesir, der

Minister des Äußern und sein Vertreter Halil Bey gegenüber dem Herrn

Reichskanzler, dem Staatssekretär von Kühlmann und dem Kaiserlichen

Botschafter abgegeben haben, sind wir zu dem Vertrauen berechtigt,

daß die Regierung zur Milde gegen die Armenier entschlossen ist, die

unbeteiligte Bevölkerung nicht für die Untaten Einzelner verantwortlich

machen und ähnliche Vorgänge, wie sie sich im Jahre 1915 abgespielt

haben, zu verhüten wissen wird. Denn es besteht die Gefahr, daß sich

in den benachbarten Bezirken von Kars und Ardahan, die nach dem

Friedensvertrag von Brest von den Russen zu räumen sind und deren

Bevölkerung selbst ihr künftiges Schicksal beschließen soll, zwischen

Armeniern und Muhammedanern Kämpfe entspinnen, die, da die Armenier

auch hier in der Minderheit sind, zu ihrem Nachteil ausschlagen müssen.

Der baldige Erlaß einer Amnestie ist zugesagt worden.

378.

Telegramm.

Bukarest, den 20. März 1918.

Der Staatssekretär an Auswärtiges Amt.

Habe die armenische Frage im Sinne dortiger Anregungen mit Großwesir

besprochen. Talaat Pascha meinte, daß er von hier aus wenig machen

könne. Sobald er nach Konstantinopel zurückgekehrt sei, werde er die in

Aussicht genommene Amnestiekundgebung erlassen. Bitte Graf Bernstorff

entsprechend zu verständigen.

Kühlmann.

379.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 22. März 1918.

An den Staatssekretär, Bukarest.

Funkspruch Lyon vom 17. März meldet:

„Armenisches Nachrichten-Übermittelungsbüro gibt bekannt, daß Rückkehr

Türken nach Trapezunt sich in neuerlichen Akten von Roheiten bemerkbar

machte. Tausende von russischen Nachzüglern wurden erschossen oder

lebend verbrannt. Die Armenier werden unbeschreiblichen Qualen

unterzogen; Kinder in Säcke gesteckt und ins Meer geworfen. Die alten

Männer und Frauen wurden gekreuzigt und verstümmelt, alle jungen

Mädchen und jungen Frauen wurden den Türken ausgeliefert.“

Botschafter Konstantinopel ist benachrichtigt und um Äußerung ersucht.

Anheimstelle Ew. Exzellenz, Angelegenheit mit Talaat zu besprechen.

v. d. Bussche.

380.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 24. März 1918.

An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Die letzte heftige Preßkampagne gegen die Armenier ist dem Vernehmen

nach auf unmittelbare Veranlassung Enver Paschas zurückzuführen.

Ich bitte Euere Exzellenz durch General von Seeckt auf Enver

einzuwirken. Alle Preßangriffe gegen die Armenier und auch Meldungen

über Greueltaten der Armenier sollten, da sie der Sache nur schaden,

unbedingt verhindert werden.

v. d. Bussche.

_April._

381.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 3. April 1918.

An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Mit dem Überschreiten der früheren russischen Grenze gelangen die

türkischen Truppen jetzt in Gegenden dichter armenischer Ansiedlungen.

Damit wächst die Gefahr, daß es zu Ausschreitungen kommt. Euere

Exzellenz wollen dahin wirken, daß Aufrechterhaltung strengster

Manneszucht und mildes Vorgehen gegen die friedliche Bevölkerung den

Truppenführern von neuem eingeschärft wird.

v. d. Bussche.

382.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 14. April 1918.

An Deutsche Botschaft, Pera.

Folgender Funkspruch ist aus Moskau hier eingegangen:

„Der armenische Nationalrat, als das oberste Organ der

Willenskundgebung des armenischen Volkes, wendet sich an Sie aus Anlaß

der entstandenen unerträglichen Lage. Armenien, das blutüberströmt kaum

aus dem Zustande einer jahrhundertlangen Unterdrückung entrissen wurde,

ist neuen Leiden unterworfen worden. Den Abzug der russischen Truppen

ausnützend, ergossen sich die türkischen Truppen sofort über das

wehrlose Land, indem sie nicht nur alle türkischen, sondern auch schon

alle russischen Armenier der Ausrottung unterwarfen. Im Widerspruch

mit den Friedensbedingungen, die das Selbstbestimmungsrecht aller

kaukasischen Bezirke anerkennen, rückt das türkische Heer, das Land

verwüstend und die christliche Bevölkerung vernichtend, gegen Kars und

Ardahan vor. Die Verantwortung für das weitere Schicksal der Armenier

trifft Deutschland, da auf sein Betreiben die russischen Truppen aus

den armenischen Bezirken herausgezogen wurden. Jetzt hängt es von ihm

ab, die türkischen Truppen von den gewohnten Exzessen, die auf dem

Boden der Rache und Wut stehen, abzuhalten. Nur schwer kann man sich

mit dem Gedanken aussöhnen, daß ein Kulturstaat wie Deutschland, der

die Möglichkeit einer Einwirkung auf seinen Bundesgenossen, die Türkei,

hat, es gestatten würde, daß der Friedensvertrag von Brest für das

armenische Volk, das gegen seinen Willen in diesen Krieg hineingezogen

wurde, zur Quelle zahlloser Leiden würde. Deshalb ist der Nationalrat

des Glaubens, daß Sie die nötigen und nur Ihnen möglichen Maßnahmen

gegen die türkischen Behörden zwecks Beschützung des armenischen Volkes

vor neuen Schrecken treffen werden.

Als Bevollmächtigter des Nationalrates

Nikolai Adonz, Professor der Universität Petrograd,

Johannes Sawriew, vereidigter Rechtsanwalt.“

Bitte dortiger Regierung Mitteilung zu machen und auf das Bedenkliche

des türkischen Vorgehens hinweisen.

v. d. Bussche.

383.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 15. April 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Die Nachrichten über Greueltaten der vorrückenden türkischen Truppen

mehren sich neuerdings. Euere Exzellenz darf ich um baldige Äußerung

bitten, wie Sie diese Nachrichten beurteilen und was für Meldungen dort

etwa aus dem ehemals russischen Gebiet eingegangen sind.

Da wir die Bestimmung des Brester Vertrages über Kars, Ardahan und

Batum für die Türken durchgesetzt haben, wären wir in einer äußerst

peinlichen Lage, wenn die jetzt erhobenen Beschuldigungen auf Wahrheit

beruhten. Wir müssen verlangen, daß die Türkei schonend mit der

christlichen Bevölkerung umgeht und ihre Rechte in jeder Hinsicht

achtet. Auch haben wir ein Recht darauf, von den Türken über alle

Vorgänge in den genannten Gebieten auf dem Laufenden erhalten zu

werden. Euere Exzellenz wollen in diesem Sinne mit Großwesir und

Minister des Äußern sprechen und Talaat Pascha an seine Zusage

erinnern, alsbald nach der Rückkehr aus Bukarest eine Amnestie für die

Armenier zu erlassen. Von einer solchen Maßnahme versprechen wir uns

im gegenwärtigen Augenblick eine beruhigende Wirkung auf die überall

bereits stark erregte öffentliche Meinung. Auch auf die Armenier in dem

ehemals russischen Gebiete dürfte sie ihren Eindruck nicht verfehlen.

Es wäre erwünscht, wenn General von Seeckt die Entsendung deutscher

Offiziere durchsetzen würde.

Unterstaatssekretär v. d. Bussche.

384.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Pera, den 24. April 1918.

An Auswärtiges Amt.

Enver Pascha, der heute morgen aus Batum zurückgekehrt ist, war bei

meiner heutigen Unterredung mit dem Großwesir längere Zeit zugegen.

Enver war voll Optimismus. Alles stehe im Kaukasus großartig für

die Türken. Sie brauchten nur etwas weiter vorzurücken, dann werde

Tschenkeli sofort nach Batum kommen und Frieden schließen. Enver hat im

gleichen Sinn unserer obersten Heeresleitung gedrahtet.

Ich sagte Großwesir, daß wir zum mindesten eine Garantie in der

Armenierfrage haben müßten, wenn wir die türkische Politik im Kaukasus

unterstützen sollten. Hierauf erwiderte Talaat Pascha, daß ich seine

diesbezügliche Zusage nicht mehr als vertraulich zu behandeln brauche.

Ich sei autorisiert, Euerer Exzellenz amtlich auch zur Veröffentlichung

mitzuteilen, daß die Amnestie für friedliche Armenier nebst

Geldbewilligung und Erlaubnis zur Rückkehr in Heimat in Vorbereitung

sei.

Bernstorff.

385.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 26. April 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

Auf Telegramm vom 24. April.

Es wäre uns vor Veröffentlichung türkischer Erklärung erwünscht,

Aufklärung zu erhalten, ob sich die Rückkehrerlaubnis auch auf die nach

Rußland Geflüchteten oder nur auf die Deportierten bezieht. Für welche

Zwecke ist Geldbewilligung beabsichtigt?

v. d. Bussche.

386.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Abgang aus Konstantinopel, den 28. April 1918.

Ankunft, den 29. April 1918.

An Auswärtiges Amt.

Antwort auf Telegramm vom 26. April.

Die Amnestie soll, wie mir Großwesir sagte, für die hiesigen Armenier

gelten. Die nicht im Lande befindlichen zurückzuholen, wäre -- so

meinte Talaat Pascha -- gefährlich. Die Geldbewilligung soll erfolgen,

um die Armenier zu entschädigen, die ihren Besitz verloren haben. Die

Armenier sollen, so weit dies möglich ist, die Wahl zwischen ihrem

früheren Besitz und einem Geldbetrag haben.

Bei seiner Anwesenheit in Batum hat Enver Pascha eine Proklamation an

die in den drei neuen türkischen Bezirken wohnhaften Armenier erlassen,

daß sie dort bleiben möchten. Er hafte für ihre Sicherheit, Besitz und

Freiheit. Die meisten hätten sich zu bleiben bereit erklärt.

Bernstorff.

387.

Auswärtiges Amt. Berlin, den 30. April 1918.

Richtlinien für den deutschen Bevollmächtigten zu Verhandlungen

mit der Transkaukasischen Republik in Batum.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 114 / 134 题