_Oktober._
361.
Deutsche Evangelische
Missionshilfe. Berlin-Steglitz, den 24. Oktober 1917.
An das Auswärtige Amt, Berlin.
Herr Dr. Greenfield, der stellvertretende Vorsitzende der
Deutsch-Armenischen Gesellschaft, schickt mir einen Brief von Agathon
Bey, dem Sekretär von Nubar Pascha. Der Brief ist die Antwort auf
eine von Dr. Greenfield gerichtete Anfrage betreffend die zeitweilige
Stockung in der Überweisung von Unterstützungen für die Armenier, die
glücklicherweise seit Mitte August wieder aufgehoben ist. Agathon Bey
fragt an, wie von ihm gesammelte Kleidungsstücke am besten an Konsul
Rößler in Aleppo geschickt werden. Dr. Greenfield gibt mir diese
Anfrage weiter, die ich hierdurch dem Auswärtigen Amt mit der Bitte um
Beratung vorlege.
A. W. Schreiber,
Direktor der Deutschen Evangelischen Missionshilfe.
_November._
362.
Telegramm.
Berlin, den 6. November 1917.
An Deutsche Botschaft, Pera.
Funkspruch Lyon 3. 11. 1917 meldet: Rußland. Das armenische Heer,
Tiflis: Das armenische Heer, dessen Aufstellung von der provisorischen
Regierung Rußlands verfügt worden ist, beginnt sich zu organisieren.
Dieses Heer wird in kurzer Zeit 150000 Mann stark sein und setzt sich
nur aus Armeniern russischer Untertanenschaft zusammen, welche sonst
an anderen Fronten standen und nun für die Befreiung Armeniens von der
Türkei kämpfen werden. Die armenischen Freiwilligen-Legionen werden
wie früher ein Korps für sich bilden, welches Seite an Seite mit dem
oben erwähnten russisch-armenischen Heere kämpfen wird. Der Kommissar
der provisorischen Regierung Rußlands, Kharlawoff, wohnte einer Parade
über die Truppen bei und erklärte ihnen im Auftrag der Regierung: „Es
ist die heilige Pflicht der russischen Demokratie, den Armeniern zur
Erlangung ihrer alten politischen Wünsche beizustehen. Eine Folge
unseres Sieges wird die Befreiung Armeniens sein.“
_Dezember._
363.
Sozialdemokratische Partei
Deutschlands. Berlin, den 7. Dezember 1917.
Der Parteivorstand.
Das holländisch-skandinavische Komitee, die derzeitige Vertretung
der Sozialisten der neutralen Länder in Stockholm, übersendet uns
eine ihm von armenischer Seite zugegangene Mitteilung über eine
angeblich geplante neue Deportation von Armeniern nach wüsten Gegenden
Mesopotamiens. Wir fügen die betreffende armenische Mitteilung in der
uns übermittelten Fassung bei.
Das holländisch-skandinavische Komitee ersucht uns, bei der Deutschen
Regierung zu intervenieren, in der Hoffnung, daß es durch Einwirkung
auf die türkische Regierung gelingen würde, Tausende Frauen und Kinder
zu retten.
Wir unterbreiten Ihnen die Angelegenheit und bitten, Ermittelungen
darüber anzustellen, ob die Behauptungen den Tatsachen entsprechen.