Lebensmittelpreise in Goldgeld. (Hartgeld, nicht Papier.)

a) Nahrungsmittel. Vor dem Jetziger Erhöhung

Kriege Preis um Prozent

Piaster G. Piaster G.

Weizen per 100 kg 90 300 333

Bulgur (zerstoßener

Weizen) „ 100 „ 100 500 500

Reis „ 100 „ 220 1000 455

Kartoffeln „ 100 „ 50 250 500

Gemüse „ 100 „ 200 1000 500

Butter „ 100 „ 1000 3200 320

Käse „ 100 „ 700 1700 245

Öl „ 100 „ 800 1600 200

Hammelfleisch „ 100 „ 550 1300 235

Zucker „ 100 „ 200 2700 1350

Kaffee „ 100 „ 750 4500 600

Früchte, frische und

getrocknete 500

Wein II. Qualität „ 100 „ 125 500 400

Alkohol „ 100 „ 450 7500 1665

Eier per 100 Stück 25 60 240

b) Kleidung.

Stoffe 500

Ledersohlen 300

Baumwolle, Garn 400

Vorstehende Preise sind in Hartgeld berechnet. Bei Bezahlung in

Papiergeld erhöhen sie sich auf das Vierfache.

333.

(4. Deutsches Konsulat Mossul.)

Mossul, den 19. Juli 1917.

Fragen. Antworten.

1. Welche Zahl von deportierten 1. In den Städten Mossul und

Armeniern befindet sich Kerkuk, sowie in den Dörfern des

ungefähr in Ihrem Wilajets Mossul befinden sich etwa

Wirkungskreise? 7000-8000 anderwärts ausgesiedelte

Armenier, größtenteils Frauen und

Kinder. Eine größere Anzahl von

Frauen und Mädchen soll außerdem

bei den Beduinen der Dschesireh und

den Yesiden des Sindschargebirges

in halber Sklaverei leben.

2. Können Sie uns Mitteilung 2. Ein Teil der Deportierten hat

über ihren Zustand und ihre Arbeit und Verdienst gefunden. Im

Bedürfnisse machen? vorigen Jahre wurde eine größere

Anzahl auf die umliegenden Dörfer

verteilt, wo sie in der

Landwirtschaft beschäftigt wurden.

Aus mehreren muhammedanischen

Dörfern mußten die Verschickten

jedoch infolge des Fanatismus der

Bevölkerung flüchten und wieder in

die Städte zurückkehren. Hier hat

die Regierung teilweise

Anstrengungen gemacht, den Leuten

Arbeit zu verschaffen, eine

hinreichende Linderung der Not

konnte dadurch nicht erreicht

werden, es fehlt vielfach an

Unterkunft, Verpflegung, Kleidung

und ärztlicher Behandlung.

3. Können Sie den 3. Wenn die zur Unterstützung der

Deportierten Unterstützungen Verschickten bestimmten Beträge

zukommen lassen? In welcher den türkischen, zuständigen Stellen

Weise? Mit wessen Hilfe? überwiesen werden, bleibt der

größte Teil an den Fingern

unredlicher Beamten kleben, zumal

der Wali Heidar Bey, der in solchen

Angelegenheiten zuverlässig war und

den Armeniern nicht übelwollend

gegenüberstand, mittlerweile

abberufen worden ist.

4. In welchem Umfange wären 4. Eine Unterstützung mit kleineren

Mittel erforderlich? Beträgen würde nur Verlängerung

der Qualen der Deportierten

bedeuten; größere Beträge ihrem

Zwecke wirksam zuzuführen,

erscheint fast unmöglich. Es muß

offen und klar ausgesprochen

werden, daß alle derartigen

Hilfsaktionen solange Schöpfen in

ein Faß ohne Boden bedeuten, als

die türkische Regierung sich nicht

selbst entschließt, mit dem

bisherigen System zu brechen und

die Reste der Armenier zu erhalten.

Wenn aber trotzdem laufende

Unterstützungen gezahlt und diese

pro Kopf auf nur 1 Pfund türkisch

monatlich bemessen werden sollen,

würde ein monatlicher Aufwand von

etwa 5000 Pfund türkisch

erforderlich sein.

5. Haben Sie zu diesem 5. Da das Kaiserliche Konsulat

Hilfswerk Hilfskräfte nötig? nicht in der Lage ist, das

Unterstützungswerk unmittelbar

auszuüben, würden dafür besondere

Hilfskräfte einzustellen sein.

334.

(Notstandswerk Urfa.) Urfa, den 8. April 1917.

Wie Ihnen kund sein dürfte, hat sich in Urfa eine ziemliche Menge

von armenischen Emigranten angesammelt, welche die Regierung hierher

gebracht hat. Leider fordert die Regierung, unter deren Mitgliedern

der Gouverneur am meisten, diese Unglücklichen öfter auf, die

muhammedanische Religion anzunehmen. Selbst an Drohungen mit neuen

Ausweisungen fehlt es nicht. Obwohl ich glaube, daß dagegen nichts zu

machen ist, fühlte ich mich doch gedrungen, Ihnen hiervon Nachricht zu

geben.

Jakob Künzler.

Kaiserlich

Deutsches Konsulat.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler Herrn Dr. von Bethmann Hollweg

zur geneigten Kenntnis gehorsamst überreicht.

Aleppo, den 20. April 1917.

Rößler.

335.

(Notstandswerk Urfa.) Urfa, den 25. April 1917.

Bericht über muhammedanische Emigrantenhilfe[144] in Urfa.

Die mir vom amerikanischen Konsulat in Aleppo zur Verteilung an die

muslimischen Emigranten in dieser Gegend überlassenen ca. 100000 Kilo

Weizen und Gerste habe ich im Gebiet von Haran und von Besowa unter

17600 Hungrige verteilt, so daß pro Kopf ein halbes Dimin gegeben

werden konnte. Ein halbes Dimin entspricht etwa 21 kg.

Mit den 300 Ltq., mir vom Kaiserlich Deutschen Konsulat in Aleppo

für diesen Hilfszweck überlassen, habe ich die Notleidenden im Dorfe

Garmusch, nahe Urfa, 1200 Hungrige unterstützen können.

Ich habe bei der Verteilung immer die Quellen der Gaben angegeben und

ich verhehle nicht, daß das ganze Hilfswerk allgemein großen Eindruck

gemacht hat. Ganz besonders soll ich im Namen der Beschenkten den

tiefstgefühlten Dank aussprechen, welcher Aufgabe ich mich hiermit gern

entledige.

Jakob Künzler.

An das Kaiserlich Deutsche Konsulat in Aleppo.

336.

Orient-und Islamkommission des Deutschen

Evangelischen Missionsausschusses.

Berlin, den 27. April 1917.

Georgenkirchstraße 70.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 104 / 134 题