Auswärtiges Amt.
Unsere Schwester Beatrice Rohner meldet mir heute telegraphisch aus
Aleppo, daß die unter ihrer Obhut stehenden armenischen Waisenkinder
verteilt würden. Ich möchte Sie nun herzlich bitten, durch die
Botschaft bei dem Deutschen Konsulat in Aleppo anfragen zu lassen,
was das Schicksal dieser Kinder für die Zukunft sein wird, und wäre
Ihnen dankbar, wenn Sie mir dann ebenfalls auf telegraphischem Wege
Mitteilung zukommen ließen[141].
F. Schuchardt.
_März._
320.
(Auswärtiges Amt.) Berlin, den 1. März 1917.
Telegramm.
An Deutsche Botschaft, Pera.
Auf Grund eines Telegramms der Schwester Beatrice Rohner aus Aleppo,
daß die ihr anvertrauten armenischen Waisenkinder verteilt würden,
bittet Deutscher Hilfsbund durch Konsulat Aleppo festzustellen, was mit
den Kindern geplant ist.
Anheimstelle, wenn möglich, die günstigen Dispositionen des neuen
Großwesirs zugunsten der Kinder zu verwerten.
v. Stumm.
321.
Auswärtiges Amt. 3. März 1917.
Aufzeichnung.
Die zwischen Missionsdirektor Schreiber als Wortführer der deutschen
Armenierfreunde und dem Kriegsarbeitsamt geführten mündlichen
Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die von der
Einberufung nach der Türkei bedrohten in Deutschland befindlichen
Armenier -- es handelt sich um 50-60 Mann -- im Zivilhilfsdienst
untergebracht werden und dadurch zunächst von der Abschiebung nach der
Türkei gesichert sind. Wie Direktor Schreiber mitteilt, hat Oberst von
Braun, der die Verhandlungen seitens der Militärbehörden führte, für
die politische Seite der Frage volles Verständnis gezeigt.
Rosenberg.
322.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)
Telegramm.
Konstantinopel, den 7. März 1917.
An Auswärtiges Amt.
Antwort auf Telegramm vom 1. März.
Türkische Regierung hatte bereits im Dezember 1915 Schwester Rohner
eröffnet, daß ihr die Waisenkinder nur zeitweilig übergeben seien; sie
werden nunmehr auf Befehl Ministers des Innern verteilt; 70 sind Mitte
Februar nach dem Libanon übergesiedelt, 400 sollten am 5. März mit
Eisenbahn Reise nach verschiedenen Ortschaften Kleinasiens antreten.
Einige 350 fanden bei entfernten Verwandten Unterkunft. Bericht Konsul
Rößlers eintrifft demnächst.
Kühlmann.
323.
Auswärtiges Amt. Berlin, den 8. März 1917.