Soweit der oben erwähnte Gewährsmann.
Was das Schicksal der von Der-es-Zor weiter Verschickten angeht,
die nach amtlicher Angabe nach Mossul gehen, so habe ich mich beim
Konsulat Mossul erkundigt, wieviel Verschickte von Der-es-Zor in den
letzten Monaten schätzungsweise angekommen seien. Nach der daraufhin
erteilten Auskunft sind am 15. April vier Transporte auf zwei Wegen
von Der-es-Zor abgegangen und, 19000 an der Zahl, in einem Lager am
Flusse Chabur vereinigt worden. Am 22. Mai, also 5 Wochen später, sind
von diesen Transporten etwa 2500, darunter auch einige hundert Männer,
in Mossul angelangt. Ein Teil der Frauen und Mädchen ist unterwegs an
die Beduinen verkauft worden; alles übrige ist durch Hunger und Durst
unterwegs umgekommen.
Seit 3½ Monaten sind demnach keine neuen Transporte in Mossul
angekommen. Auch diese Tatsache dürfte die Volksmeinung in Der-es-Zor
und die ihr entsprechenden tatsächlichen Angaben bestätigen, daß unter
der Herrschaft des neuen tscherkessischen Mutessarrifs von Der-es-Zor
mit den weiter Verschickten neuerdings im Euphrat-Chabur-Winkel kurzer
Prozeß gemacht wird.
Die Auflösung der hiesigen Waisenhäuser für Kinder umgekommener
Verschickter hat noch nicht begonnen. Jedoch hat der Vertreter des
hiesigen Verschickungskommissars der einen leitenden Schwester
jetzt auch amtlich erklärt, diese Waisen würden in ein neues großes
nationales Waisenhaus in Konia verbracht werden; dort würden
sie selbstredend türkische Namen bekommen und als Türken (d. h.
Muhammedaner) erzogen werden.
I. V.:
Hoffmann.
An die Kaiserliche Botschaft in Konstantinopel.
299.
Auswärtiges Amt. Berlin, den 25. September 1916.
Ich habe heute mit Halil Bey eingehend gesprochen und ihn nachdrücklich
darauf hingewiesen, daß während die früheren Verschickungen von
Armeniern angesichts der damaligen militärischen Lage im Interesse
der Sicherheit des Landes noch mit einem Schein des Rechts verteidigt
werden konnten, die jetzt geplanten Maßregeln gegen die aus Frauen
und Kindern bestehenden traurigen Reste der Armenier in keiner Weise
gerechtfertigt oder entschuldigt werden könnten. Das Vorgehen der
türkischen Regierung werde in der ganzen zivilisierten Welt einen Sturm
der Entrüstung hervorrufen, der sich auch nach dem Kriege nicht so bald
legen werde. Insbesondere werde die geplante Auflösung der Waisenhäuser
und die Massenbekehrungen zum Islam nicht nur in Deutschland, sondern
bei allen christlichen Völkern mit Recht dem schärfsten Widerspruch
begegnen.
Zimmermann.
300.