Abschriftlich

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter Herrn Grafen

Wolff-Metternich, Konstantinopel

zur gefälligen Kenntnisnahme und mit dem Anheimstellen der geeignet

erscheinenden weiteren Veranlassung ergebenst übersandt.

Stumm.

_Juni._

268.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Pera, den 5. Juni 1916.

Auf Erlaß vom 30. Mai 1916.

Die in dem Schreiben des Abgeordneten Erzberger enthaltenen Nachrichten

aus Angora hatten mich schon vor einiger Zeit veranlaßt, bei Halil

Bey energische Vorstellungen gegen das Vorgehen der dortigen Behörden

zu erheben. Auf Grund meiner Schritte ist auch sofort ein Gegenbefehl

durch das Ministerium des Innern erlassen und Abhilfe geschaffen worden.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

269.

(Kaiserlich

Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 7. Juni 1916.

An Konsulat Damaskus.

Konsulat Aleppo meldet unter dem 5. Juni:

„Offenbar steht die Weiterverschickung aller auswärtigen Armenier von

Aleppo unmittelbar bevor. Seit vorgestern werden auch denjenigen, die

Aufenthaltserlaubnis für Aleppo besaßen, ihre Scheine abgenommen.

Anscheinend ist eine Bekanntmachung im Druck, wonach alle Genannten

Aleppo binnen wenigen Tagen verlassen sollen, widrigenfalls sie

erschossen würden.“

Ich bitte, bei Djemal Pascha in geeigneter Form gegen eine solche

Maßregel Vorstellung zu erheben und über das Ergebnis telegraphisch zu

berichten.

Metternich.

270.

(Kaiserliches

Konsulat Damaskus.)

Telegramm.

Damaskus, den 11. Juni 1916.

An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Antwort auf Telegramm vom 7. Juni.

Auf meine Vorstellungen teilte mir Djemal Pascha mit, daß diejenigen

Armenier, denen er Aufenthaltsscheine für Aleppo erteilt habe,

nicht weiter verschickt werden würden. Zur Verschickung der übrigen

eingewanderten Armenier sähe er sich gezwungen, weil von ihnen in

Aleppo ein geheimes Aktionskomitee gegen die türkische Regierung

gebildet worden sei.

Loytved.

Halil Bey sagte mir heute, es würden keine Armenier aus Aleppo oder

Angora mehr verschickt.

12.6. Metternich.

271.

(Kaiserliches

Konsulat Aleppo.)

Telegramm.

Aleppo, den 17. Juni 1916.

An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Es scheint, daß die Vorstellungen bei Djemal Pascha doch etwas gewirkt

haben. Die geplante Verschickung ist bisher jedenfalls unterblieben.

Rößler.

272.

Deutsche Botschaft

Konstantinopel.

Pera, le 19 juin 1916.

Aide-Mémoire.

L’Ambassade Impériale d’Allemagne vient d’être informé que les

Arméniens déportés à Alep et qui s’y étaient installés avec la

permission du Gouvernement Impérial, allaient être de nouveau expulsés

par ordre des autorités militaires.

A cette occasion l’Ambassade a l’honneur de renouveler sa prière de

vouloir bien exempter de cette mesure les déportés appartenant aux

communautés catholiques et protestantes ainsi que ceux qui se trouvent

en possession de permis de séjours en règle.

En même temps l’Ambassade se permet d’attirer l’attention du

Gouvernement Impérial sur la situation des Arméniens en cours de

déportation et se trouvant à Angora, Afioun-Karahissar, Eski-Chéhir et

Konia; elle prie de vouloir bien aviser aux moyens nécessaires afin

que ces exilés et notamment les membres des deux communautés précitées

puissent rester dans ces localités, sans être exposés à une nouvelle

déportation dont ils paraissent être menacés.

den 19. 6. 1916.

Halil Bey heute mündlich mitgeteilt. Erklärte, daß keine Austreibungen

mehr stattfinden.

Metternich.

273.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Therapia, den 19. Juni 1916.

Verschiedene Meldungen aus dem Innern Kleinasiens, wonach in der

letzten Zeit erneute Austreibungen von Armeniern stattfinden oder von

den türkischen Behörden in Aussicht gestellt sind, veranlaßten mich

heute, Halil Bey davon Mitteilung zu machen. Der Minister versicherte

mir, die türkische Regierung beabsichtige keine Austreibungen mehr

vorzunehmen, werde jedoch über die angegebenen Fälle Erkundigungen

einziehen.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn von Bethmann Hollweg.

274.

Kaiserlich

Deutsches Konsulat. Aleppo, den 17. Juni 1916.

Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage Abschrift

eines Berichtes der Schwester Beatrice Rohner an Mr. Peet in

Konstantinopel, mit welchem sie ihre Abrechnung über 7435 Ltq.

vom 1. Januar bis 1. Juni d. J. durch sie zur Verteilung gelangte

amerikanische Notstandsgelder begleitet hat.

Rößler.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler

Herrn Dr. von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Bericht über Notstandsarbeit in Aleppo 1. Januar bis 1. Juni 1916.

Als ich Ende Dezember 1915 mit Schwester Paula Schäfer nach Aleppo

kam, um wenn möglich eine Erlaubnis zu erwirken, weiter nach Süden den

Vertriebenen nachziehen zu können, war die Notstandsarbeit bereits

im Gange. Die durch den amerikanischen Konsul eingehenden Gelder

wurden in der Hauptsache von dem protestantischen Prediger Ohannes

Eskidjian verwaltet. Es bestanden bereits mehrere Waisenhäuser und die

verschiedenen Gemeinden versorgten ihre Armen soweit die eingehenden

Mittel reichten. Natürlich dachten wir da zunächst nicht daran, hier

die Arbeit zu übernehmen, bis Djemal Paschas abschlägige Antwort

auf unsere Reisevorschläge und seine dringende Aufforderung uns des

einen sehr vernachlässigten Waisenhauses anzunehmen, mich nötigte,

einstweilen in Aleppo zu bleiben. Bis Ende März beschränkte ich meine

Tätigkeit auf die mir übergebenen 350 Kinder und half persönlich, wo

die Not an mich herantrat. Als aber Badwelli Eskidjian sowohl als der

Hausvater eines Waisenhauses Ende März starben, übernahm ich nach

seinem Wunsch die Notstandsarbeit ganz, sowie auch das Waisenhaus, das

er mit Erlaubnis der Regierung eröffnet hatte. Wie aus der Abrechnung

von April und Mai hervorgeht, habe ich Gelegenheit, Gelder nach den

verschiedensten Richtungen zu versenden. Mit der Post können natürlich

nur kleine Beträge unauffällig gesandt werden, aber Geschäftsleute

und Durchreisende, auch einzelne mutige junge Armenier, denen es

gelingt, zwischen Aleppo und Der-es-Zor zu reisen, vermitteln größere

Summen. Die Schwierigkeit in dieser Arbeit besteht hauptsächlich in

der mangelnden Organisation, aber es ist unmöglich, jetzt Komitees

zu bilden, ohne sofort den Verdacht der Regierung auf sich zu laden.

Auch Quittungen sind nicht zu bekommen, da sich die Leute aus Furcht

weigern, ihre Unterschrift zu geben. Daß diese Art der Arbeit viel

unzufriedene Gemüter aufregt, läßt sich denken; manches fühlt sich

übergangen und andere vorgezogen; man kritisiert diejenigen, welche

die Gelder verwalten. Hoffentlich hat dies nicht noch schließlich zur

Folge, daß die Regierung doch aufmerksam wird, und daß diese letzte

Hilfsquelle abgeschnitten wird.

Beatrice Rohner.

275.

Kaiserlich

Deutsche Botschaft. Therapia, den 19. Juni 1916.

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 90 / 134 题